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Burgenland

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Die Weingärten im östlichsten österreichischen Bundesland Burgenland belegen gemäß Weingartenerhebung 2009 insgesamt 13.842 Hektar Rebfläche. Das Burgenland repräsentiert aber auch ein Weinbaugebiet, das geographisch in vier weitere Weinbaugebiete gegliedert ist. Gemeinsam mit dem Bundesland Niederösterreich bildet es die größte österreichische Weinbauregion Weinland Österreich. Der Weinbau hat hier seit zumindest zweieinhalb Jahrtausenden eine große Bedeutung, was auch durch den Spruch „Extra Pannoniam non es vita; si est vita, non est ita“ unterstrichen wird (Außerhalb Pannoniens kann man nicht leben; wenn man leben kann, dann nicht so wie hier). Der Ort Zagersdorf zählt neben Stillfried im niederösterreichischen Weinviertel zu den ältesten Weinbau-Gemeinden Österreichs, denn in einem keltischen Grabhügel aus der Hallstattzeit etwa 700 v. Chr. wurden Traubenkerne der Kulturrebe Vitis vinifera entdeckt.

Im 1. Jahrhundert vor Christi drangen die Römer bis zur Donau vor und gründeten die Provinz Pannonien. Eine neue Weinkultur bildete sich durch die Aufhebung des Reben-Anpflanzungs-Verbotes durch Kaiser Marcus Aurelius Probus (232-282). Zu dieser Zeit standen den römischen Legionären pro Kopf und Tag drei Maß Wein zu. Im Jahre 433 n. Chr. eroberte Hunnenkönig Attila die Provinz Pannonien. Die Völkerwanderung wirkte sich sehr negativ aus und erst Kaiser Karl der Große (742-814) leitete einen Wiederaufbau unter anderem durch Einführung von „fränkischen Sorten“ ein. Wein aus den eigenen Weingärten in den Buschenschenken (Heurigen) ausschenken zu dürfen, große Belebung.

Der größte Verdienst ist den Zisterziensern zuzurechnen, die das sumpfige und waldreiche Gebiet entwässerten und rodeten. Im Jahre 1216 bebauten sie in Heiligenkreuz (Niederösterreich) bereits 99 Weingärten. Von hier aus begannen sie, um den Neusiedlersee herum, um Kloster Marienberg (bei Oberpullendorf) und um St. Gotthard weitere Weinkulturen anzulegen. Aus Burgund wurde der Pinot Gris (Grauburgunder) eingeführt und auch der Riesling angepflanzt. Im 16. Jahrhundert hatte die Rebfläche die größte Ausdehnung erreicht und der Weinbau war zur wichtigsten Einnahmequelle geworden. Die ungarische Königin Maria (1505-1558) gewährte den burgenländischen Weinbauern große Privilegien. Sie verlieh den Weinorten Rust, Jois und Neusiedl am See das Recht, ihre Weinfässer mit den Anfangs-Buchstaben „R“, „G“ (für Geusz) und „N“ zu kennzeichnen. Der berühmte Ruster Ausbruch wurde zu dieser Zeit kreiert und dem Tokajer gleichgesetzt. Burgenland war im 16. und 17. Jahrhundert besonders von den vielen Türken-Einfällen betroffen. Aus der Zeit der ersten Türkenbelagerung Wiens 1529 stammt auch die Legende vom „Purbacher Türken“ (siehe unter Neusiedlersee-Hügelland).

Trotz aller Kriegswirren, Seuchen, Wetterunbilden und sonstigen Schicksalsschläge war der Zeitraum vom 16. bis zum 18. Jahrhundert die absolute Glanzzeit des burgenländischen Weinbaus, wobei zu dieser Zeit vorwiegend Weißweine erzeugt wurden. Große Mengen wurden an den kaiserlichen Hofkeller in Wien geliefert und der besonders beliebte Ruster Wein erhielt den Ehrentitel „Vinum imperatorum - imperator vinorum“. Damals gab es im Burgenland vier Qualitätsklassen: Vinum Nobile (edler Wein, Ausbruchwein aus Trockenbeeren der Rebsorte Furmint), Vinum Bonum (Qualitätswein aus Furmint, Augster und Muskateller), Vinum Mediocre (mittlere Güte) und Vinum Cibale (Tischwein).

Im Jahre 1622 erhielt Graf Nikolaus Esterházy (1583-1645) von Kaiser Ferdinand II. (1578-1637) die Herrschaften Forchtenstein und Eisenstadt als Lehen zugewiesen. Diese Adels-Familie förderte Weinbau und Weinhandel und wurde zum größten Grundbesitzer Gesamt-Österreichs. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Goldene Zeitalter vorbei. Ausgelöst durch die Schlesischen Mitte des 18. und Napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts sowie Missernten mussten große Rebflächen aufgelassen und in Ackerland umgewidmet werden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert schlug auch im Burgenland die Reblaus zu. Große Verdienste bei der Bekämpfung erwarb sich Paul Vetter aus Gols.

Das Gebiet ist durch pannonisch-kontinentales Klima, den klimaregulierenden Einfluss des 230 km² großen Neusiedlersees und relativ lange Vegetations-Zeiten von bis zu 250 Tagen geprägt. Auf Grund der hervorragenden klimatischen Bedingungen auch erstklassige Prädikatsweine gekeltert. Bekannte Winzer-Gemeinschaften und Winzer-Genossenschaften sind zum Beispiel Blaufränkischland, Pannobile, Pannonischer Reigen, Renommierte Weingüter Burgenland (RWB), Weinidylle Südburgenland und Winzerkeller Neckenmarkt. Das Burgenland gilt als das Rotweingebiet Österreichs. Es ist in vier Weinbaugebiete gegliedert. Bisher wurden drei gebietstypische Weinprofile DAC (Districtus Austriae Controllatus) definiert. Die Weingartenerhebung 2009 ergab folgende Rebflächen (in Klammer 1999):

* Mittelburgenland - 2.118 ha (1.845 ha) mit Mittelburgenland DAC
* Neusiedlersee - 7.649 ha (7.534 ha) mit Leithaberg DAC
* Neusiedlersee-Hügelland - 3.576 ha (3.678 ha) mit Leithaberg DAC
* Südburgenland – 499 ha (437 ha) mit Eisenberg DAC

Der Rebsortenspiegel basiert auf der im Jahre 2009 durchgeführten Weingartenerhebung. Im Vergleich zur vorletzten Erhebung im Jahre 1999 ergeben sich doch einige signifikante Veränderungen. Der Anteil der Rotweinsorten hat sich von 39% auf 55% gesteigert; der schon länger bestehende österreichische Trend ist hier am stärksten zum Tragen gekommen. Die Sorten Chardonnay (Morillon) und Weißburgunder wurden 1999 noch gemeinsam erfasst. Bei einigen Sorten gab es enorme Veränderungen (siehe Tabelle). Die Gesamtrebfläche vergrößerte sich nur geringfügig um 346 Hektar bzw. 2,6%. Als dominierende Rebsorte wurde Grüner Veltliner durch Blaufränkisch und Zweigelt abgelöst:

Rebsorte - österr.
Hauptname
in Österreich offiziell zulässige
Synonyme
Farbe Hektar
2009
%-Ant
2009
Hektar
1999
Blaufränkisch - rot 3.053 22,1 2.493
Zweigelt Blauer Zweigelt, Rotburger rot 2.649 19,1 1.875
Grüner Veltliner Weißgipfler weiß 1.473 10,6 2.736
Welschriesling - weiß 1.422 10,3 1.974
Chardonnay Morillon - im Bgld nicht verwendet weiß 566 4,1 ?
Weißer Burgunder Pinot Blanc, Klevner, Weißburgunder weiß 551 4,0 ?
St. Laurent - rot 406 2,9 185
Merlot - rot 395 2,9 46
Müller-Thurgau Rivaner weiß 376 2,7 797
Cabernet Sauvignon - rot 363 2,6 189
Blauer Burgunder Pinot Noir, Blauer Spätb., Blaub. rot 325 2,4 181
Muskat-Ottonel - weiß 264 1,9 323
Neuburger - weiß 219 1,6 440
Bouvier - weiß 204 1,5 337
Sauvignon Blanc Muskat-Sylvaner weiß 198 1,4 55
Scheurebe Sämling 88 weiß 191 1,4 291
Blauburger - rot 163 1,2 178
Weißer Riesling Riesling, Rheinriesling weiß 151 1,1 163
Traminer Gewürztraminer, Roter T., Gelber T. weiß 138 1,0 188
Gem. Satz weiß - weiß 133 1,0 392
Syrah Shiraz rot 113 0,8 0
Grauer Burgunder Pinot Gris, Ruländer weiß 95 0,7 175
Goldburger - weiß 80 0,6 206
Roesler - rot 71 0,5 0
Muskateller Gelber Muskateller, Roter M. weiß 70 0,5 12
Cabernet Franc - rot 34 0,2 18
Gem. Satz rot - rot 25 0,2 57
Frühroter Veltliner Malvasier weiß 21 0,2 67
Blauer Portugieser - rot 19 0,1 44
Jubiläumsrebe - weiß 9 0,1 25
Furmint - weiß 8 0,1 0,8
Sylvaner Grüner Sylvaner weiß 2 - 4,5
Roter Veltliner - weiß 1 - 3,2
Zierfandler Spätrot weiß 1 - 0,7
Rotgipfler - weiß 0 - 1,8
Blauer Wildbacher - rot 0 - 3,1
and. weiße Sorten - weiß 51 0,4 24
and. rote Sorten - rot 1 - 14
WEISSE SORTEN 6.227 45 8.213
ROTE SORTEN 7.615 55 5.283
GESAMT 13.842 100 13.496