In Monferrato Casalese haben wir es nicht nur mit einer Monokultur aus Rebstöcken zu tun. Weinberge wechseln sich mit Saatland und Wäldern sowie im östlichen Teil (Val Cerrina) mit Grasland ab. All dies belebt eine Hügellandschaft mit weichem Profil und runden Erhebungen. Nur in und um Crea gibt es etwas steilere Hügel (der Sacro Monte von Crea ist über 400 m hoch). Auch wenn der Weinanbau nicht allein vorherrscht, ist er doch seit Jahrhunderten die wichtigste landwirtschaftliche Tätigkeit. Die Reben breiten sich auf einer Fläche von einigen Tausend Hektar aus, die zum größten Teil der Produktion unter kontrollierter Herkunftsbezeichnung (D.O.C. Denominazione di Origine Controllata) gewidmet sind. Das Klima und der Boden weisen auf ein Rotweingebiet hin: So sind Barbera und Grignolino die beiden meist angebauten Rebsorten.

Barbera stellt hohe Ansprüche an die Temperatur und findet deshalb hier besonders günstige Bedingungen für ihre Reifung. Die jährlich gesammelten Daten der kleinen „Wetterstationen” der Piemonteser Winzer des Monferrato Casalese ergeben, dass es sich um das wärmste Gebiet des Piemonteser Weinbaus handelt. Typisch für die Sommer des Monferrato sind, neben der großen Wärme, eine äußerst hohe relative Luftfeuchtigkeit, Windstille und geringe Niederschläge, niedriger als im Langhe-Gebiet und rechts des Tanaro. Die Böden sind vorwiegend „weiß”, reich an Schlick und aktivem Kalk. Sie ähneln eher den Böden für Muscat im Süden des Flusses Belbo, als denen im „Golddreieck” von Barbera d’Asti zwischen Tanaro und Belbo. Strucchi, ein historischer Gelehrter, der den Muscat zu Beginn des Jahrhunderts erforschte, bezeichnete das Casalese als ein Gebiet mit gutem qualitativen Potential für Muscat und aromatische Trauben, auch wenn er in den Weinen weniger intensive Aromen feststellte als in denen aus der später als D.O.C. Asti geweihten Zone: das wärmere Klima hier kann eine Erklärung dafür sein. Die geologische Entwicklung des Casalese ist sehr komplex, mit Aufschichtungen aus verschiedenen Epochen und von unterschiedlicher Herkunft. Als das Meer der Eiszeit sich aus dem Piemonteser Terziär zurückzog, war es wohl eines der letzten Gebiete, das auftauchte.
Fast alle Gemeinden des unteren Monferrato dürfen auf Basis der aktuellen Bestimmungen Barbera d’Asti produzieren. Trotzdem wird hier im allgemeinen die D.O.C. Barbera del Monferrato bevorzugt. Die aktuellen Produktionsnormen erlauben diese Wahl sogar innerhalb eines Weinberges. Zirka 2.500 Hektar beträgt die verzeichnete Gesamtfläche für die Barbera D.O.C.
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Frassinello im Herbst
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Es gibt zwei Gründe, warum die D.O.C. Barbera d’Asti wenig „in Anspruch” genommen wird, obwohl sie vom Markt aktuell höher bewertet ist: der starke Patriotismus der Menschen aus Monferrato, der sie die Bezeichnung wählen lässt, die näher an ihren historischen Wurzeln liegt, und die Tradition (aber dazu gibt es heute auch eine gewisse Gegenbewegung), die Produktion auf jüngere, sofort trinkbare und oft moussierende Weine statt auf stille und strukturierte Weine auszurichten. Wie man weiß, wird der Barbera aus dem Monferrato normalerweise als eine „leichtere” Interpretation angeboten. So scheint die Verbindung Monferrato und junge Weine eher eine Gewohnheit als eine echte Berufung zu sein. Die neue Generation der Produzenten von Qualitätsweinen lässt sich hingegen von den Vorbildern der großen Rotweine inspirieren, die im Holz und in der Flasche verfeinert sind. Es gibt noch nicht viele mit diesem Enthusiasmus, die ihren Weg ohne Überheblichkeit und mit viel Fleiß gehen, und deren Fähigkeiten schon heute eine große Zukunft ahnen lassen. Dies deckt sich mit der Meinung vieler Experten, die von einem aufstrebenden Casalese überzeugt sind, das in den nächsten Jahren auf dem Markt der hochwertigen Weine von sich reden machen wird (um die Wahrheit zu sagen, einige Betriebe tun dies bereits heute).
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Die Barberatraube
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Der Barbera dieser Gegend, wenigstens der aus den gut geführten und nicht zu produktiven Anbauflächen, hat in der Regel Charakter und Struktur und ist reich an Farbe und Alkohol: in der Jugend weist er eine ziemlich hohe fixe Säure, intensive pflanzliche Aromen und den Duft roter reifer Früchte auf, manches Mal auch mit einem Hauch von Tuffstein. Es handelt sich dabei meist um etwas spröde und abweisende Weine in der Jugend, die sich mit der Zeit verfeinern und ihr beachtliches Potential nicht vor einem Jahr nach der Lese offenbaren. Von neuem finden wir einen Widerspruch zur alten Gewohnheit, die Weine besonders jung auf den Markt zu bringen, eine schließlich sehr umstrittene Gewohnheit.
So wie der Barbera im Casalese nur eine Heimat von mehreren beansprucht, findet der Grignolino im Norden von Asti sein einziges und wahres zu Hause. Die D.O.C. nennt sich „Grignolino del Monferrato Casalese”. Einzig die sprichwörtliche Eigensinnigkeit der Monferrater konnte eine so „schwierige” Rebsorte retten, die nur in einigen Lagen gut reift, und nur, wenn man wenig produziert. Und schwierig ist auch der Wein von einem hellen, leuchtenden Rubinrot, frei von violetten Reflexen, das sich mit der Zeit in einen Orangeton ändert. Er hat viel Tannin, zuweilen ist er ein wenig plump. Er ist dennoch ein Wein mit Persönlichkeit, wegen seiner Gewürznoten, dem leichten Bittermandelabgang und seine Fähigkeit, den Gaumen von den Amiden eines guten Risottos zu „reinigen”. Er ist entschieden ein Wein für Liebhaber, weit entfernt von den Maßstäben eines sogenannten „internationalen Geschmacks”. Es gibt auch hier eine Version im besonderen Konflikt zwischen Traditionalisten und Innovatoren: vom Barrique reden wir nicht, der Grignolino mag es nicht (auch wenn einige Produzenten es versucht haben, mit Resultaten, bei denen wir uns mit einer Meinung hier lieber zurückhalten). Die zwei theoretischen Modelle sind ein eher „kaufmännischer” Grignolino mit kurzer Maischezeit, kirschrot, fruchtig und angenehm als Jungwein, aber zu Lasten der „Kernigkeit”, der Langlebigkeit und des Charakters; und ein traditioneller Grignolino, eher erkennbar in seinem Typ, würziger und bitterer wegen des Einflusses der Traubenkerne, eine Ausprägung, die von lokalen Kennern mehr gemocht wird, aber schwieriger zu exportieren und auf jeden Fall auch schwieriger zu realisieren ist: die Trauben und Weinbereitung müssen perfekt sein, sonst führt die Gärung auf den Schalen und Kernen zu einem bitteren und sauren Wein. Im Allgemeinen ist die Önologie, die sich der Qualität verschrieben hat, auf der Suche nach dem Gleichgewicht: im Grignolino verlangt diese Recherche einen Drahtseilakt, aber wenn er gelingt, ist das Ergebnis beachtenswert.
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Nur im Norden von Asti wirklich zuhause - die Grignolinotraube
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Die dritte Rebsorte im Monferrato Casalese ist die Freisa, zuweilen rein verarbeitet, öfter jedoch im Verschnitt mit den anderen beiden roten Rebsorten. In der Tat ist ein besonderer Wesenszug des Weinbaues dieser Zone der mehrsortige Weingarten. In den jungen Anlagen geht man immer mehr zur Spezialisierung über, aber in den alten findet man oft ein wenig von allem, auch Arten, von denen man schon längst nicht mehr den Namen kennt. In einer Zeit, in der auch der Weinbau über die Risiken der genetischen Ausdünnung und den Werten der biologischen Vielfalt reflektiert, gibt es sicher etwas, was es in diesen alten Weinanlagen zu bewahren lohnt, und dies spiegelt sich auch in einer der Hauptrichtungen der weinbaulichen Forschung wider. Im speziellen studiert man die aromatischen Sorten wie den griechischen Muskat und die Moscatellina. Die bekannteste und typischste aromatische Sorte ist die Malvasia di Casorzo, deren Anbauflächen teilweise in einigen Gemeinden des Casalese liegen, auch wenn sich ihr Epizentrum nördlich von Asti befindet.
In den letzten Jahren wurden Experimente mit internationalen Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Spätburgunder mit sehr guten Ergebnissen durchgeführt. Darüber hinaus verschneidet man diese Rebsorten mit Barbera für Weine mit der Herkunftsbezeichnung „Monferrato Rosso”. Es wird aktiv geforscht und mit verschiedenen italienischen und ausländischen Sorten experimentiert aber die Flächen sind insgesamt anspruchslos: wir befinden uns in einem vorwiegend bäuerlich, traditionellen Weinbaugebiet.
Unter den Weißen ist Cortese die meist verbreitete Sorte. Es existiert auch eine D.O.C. „Monferrato Casalese Cortese” mit einigen frischen, angenehmen, „sommerlichen” Produkten, aber objektiv gesehen ist die Berufung dieses Territoriums eine andere. Chardonnay heißt sie und ist ziemlich verbreitet, auch wenn sie erst in den letzten zwanzig Jahren eingeführt wurde. Er gibt hier körperreiche Weine ab, die gut das Barrique vertragen. Die besten Lagen sind in den oberen Hügeln und auf den kühleren Hängen.
Übersetzung von Katrin Walter