|
Wertewandel im Internet
Weg von der Kostenlos-Kultur
Von Utz Graafmann
Leserkommentare (bisher 0)Für Surfer und Webmaster ist es heute selbstverständlich, dass sich Internetangebote aus Werbung finanzieren und somit für den Surfer kostenlos sind. Mit teilweise erstaunlicher Kreativität wird ein hoher Nutzwert für den Surfer mit effektiver Werbung verknüpft. Diese positive Entwicklung ist eine Folge der Situation, dass es im Internet keine breit akzeptierte Möglichkeit gibt, Geld vom Surfer einfach und für beide Seiten sicher zu kassieren; insbesondere gilt das für Kleinstbeträge. Not macht bekanntlich erfinderisch!
Diesem Erfindungsreichtum werden in letzter Zeit jedoch zunehmend Dämpfer aufgesetzt. Der Onlinewerbemarkt stagniert. Eine wichtige Rolle spielen dabei die großen Dot-Com´s, also die Unternehmen die man nur aus dem Internet kennt. Zurückgehende Werbeeinnahmen dort lassen die Bereitschaft sinken, ihrerseits viel Geld in Werbung zu investieren. Der Online-Werbemarkt stagniert. Plötzlich wird vielen bewusst, dass nicht Besucherzahlen sondern die Bilanz über den Erfolg eines Dot-Com´s entscheidet. Die Aktienkurse dieser Unternehmen sprechen für sich.
Viele der großen Portale haben schon angekündigt, demnächst auch kostenpflichtige Bereiche anzubieten. Die Entwicklung hin zu kostenpflichtigen Angeboten wird sich beschleunigen, sobald es breit akzeptierte Zahlungssysteme im Netz gibt. Andererseits wächst natürlich die Akzeptanz und Nutzung von Zahlungssystemen in dem Moment, wo die Nutzung von potenten Anbietern gefordert wird. Hat sich ein Benutzer einmal bei Paybox oder anderen Anbietern angemeldet, ist die Bereitschaft dieses auch beim Surfen zu benutzen erheblich größer.
Ich erwarte, dass hier schon in Kürze eine Eigendynamik entstehen wird, die langfristig unsere heutige Internetlandschaft deutlich verändern wird.
Das mag man bedauern oder begrüßen, sicher auch eine Frage des Standpunktes. Sicher ist jedoch, dass dann auch die Qualität und Vielfalt von Internetangeboten steigen wird. Vieles lässt sich eben nur anbieten, wenn jeder Nutzer in der Lage ist, für diese Leistung ohne große Hürden zu bezahlen. Oft reichen wenige Pfennige pro Nutzung; aber in Summe ist das dann der Betrag der es dem Anbieter ermöglicht das jeweilige Angebot aufrecht zu erhalten.
Vielen mag das bekannt vorkommen. Das hatten wir doch schon einmal? Ja! Das gute alte BTX (später T-Online) war in dieser Hinsicht perfekt. Eine in das System integrierte Zahlungsfunktion, sehr hohe Sicherheit und Kostentransparenz für den Benutzer; einfache Abrechnung über die Telefonrechnung. Tja, davon müssen Nutzer und Anbieter im ach so modernen Internet wohl noch lange Zeit träumen.
Utz Graafmann
Leserkommentare (bisher 0)
|