Gigondas hat zwei Gesichter. Tagsüber schaut der Ort etwas genervt drein, denn um die Mittagszeit wimmelt es auf dem zentralen Platz des Winzerstädtchens von Touristen. In der Verkostungstube drängeln sich die Rotwein-Fans an der Theke, um die Weine dutzender Erzeuger nach Herzenslust (und gratis!) zu probieren. Ausgeschenkt wird aus Miniflaschen, die zudem alle drei Tage erneuert werden - Oxidation ist da praktisch ausgeschlossen.
Spätestens zur nachmittäglichen Aperitifstunde allerdings verlassen fast alle Besucher den Ort in Richtung Avignon oder Orange, die eine oder andere Kiste Roten im Gepäck. Schnell leert sich die Place du Village, abends gehört Gigondas wieder den Einheimischen und blickt schon sehr viel entspannter in den Sonnenuntergang.
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Das einzig nennenswerte Restaurant des Ortes - L’Oustalet
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Bloß eine Hand voll Hungriger ist übrig geblieben und hat sich im einzigen nennenswerten Restaurant des Ortes einen Platz reservieren lassen. L’Oustalet gehört seit kurzem zur Weinkellerei Gabriel Meffre, was den neugierigen Gast die Stirn runzeln lässt. Schließlich halten die französischen Weintester andere Erzeuger für zuverlässiger, gelten auch Rhône-Winzer gemeinhin nicht als geborene Restaurateure. Doch bei Meffre lässt man dem jungen Küchenchef Cyril Glémot freie Hand, das ebenso jugendliche Serviceteam wirkt motiviert bis in die Haarspitzen.
An Touristen-Abzocke denkt hier offenbar niemand: Für 25 Euro ist das Einsteigermenü zu haben, die Flasche Côtes du Rhône - die ganze, wohlgemerkt - ist schon ab 12 Euro (!) im Verkauf. Dass der Maître unter den mehr als 30 angebotenen Gigondas den seines Arbeitgebers empfiehlt, ist verständlich. Gezwungen wird zu dieser Bestellung allerdings niemand, auch alle anderen Namen des Ortes sind im Angebot, gefolgt von Weinen aus dem nahen Vacqueyras, von allerlei hochklassigen Châteauneufs und diversen Muscats aus Beaumes de Venise. (Letztere sollte man sich vormerken, denn Cyril Glémot gilt - zu Recht - als Meister der Süßigkeiten.)
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Ein Spiel mit den Sinnen - die Desserts im L’Oustalet
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Wer nicht das Sortiment der etwa zehn offen ausgeschenkten Weine testen möchte, die Flasche aber der Alkoholkontrollen wegen nicht an Ort und Stelle leeren will, erlebt einen erstaunlichen Mitnahmeservice. Der bereits dekantierte Gigondas wird ( „avec plaisir”) zurück in die Flasche geschüttet, diese verkorkt und in einem bequem tragbaren Geschenktütchen zum Mitnehmen bereitgestellt.
Die Küche hält mit der Wein- und Servicequalität übrigens locker mit. Über die Foie gras mit dunkler Schokolade, zur Terrine verarbeitet, kann man wegen des allzu heftigen Kakoageschmacks streiten, doch der Rest des Essens lässt einen die Wertschätzung der gerade erschienenen Restaurantführer nachvollziehen: hausgemachtes Gebäck und Oliven zum Aperitif, eine federleichte Lachsvorspeise, die Consommé vom bretonischen Hummer, eine gebratene Taube mit Speck. Gefolgt von Desserts, die mit Schokoladenparfait, schwarzen Oliven, hausgemachtem Eis, Karamell und Nougat nur so spielen. Und die es, außer mit Süßwein aus Beaumes, auch mit einem fruchtigen roten Gigondas aufnehmen.
Restaurant L'Oustalet, Place du Village, F-84190 Gigondas, Tel: 00334/90658530, www.gabriel-meffre.fr