Friedrich und Elke Dauphin aus dem mittelfränkischen Offenhausen führen ein erfolgreiches Unternehmen der Büromöbelbranche. Eine Kette von Zufällen macht sie 1999 zu Besitzern eines Weinguts im tausende Kilometer entfernten Südafrika. Die Wein-Einsteiger beweisen Mut - und heute gewinnen die Weine von „Allée Bleue“ in Europa bereits viele Preise. Elke Dauphin erklärt im Interview, wie man von Mittelfranken aus ein Weingut in Südafrika gründet - und erfolgreich macht.

Wein-Plus: Ihre Familie produziert seit Jahrzehnten mit ihrer „Dauphin HumanDesign Company“ hochwertige Büromöbel im fränkischen Offenhausen. Was hat Sie veranlasst, in Südafrika ein Weingut zu kaufen? Das bringt man ja nicht direkt in einen Zusammenhang.
Elke Dauphin: Ursprünglich hatten wir überhaupt nicht vor, ein Weingut zu kaufen. Wir reisen zwar schon viele Jahre lang nach Südafrika, weil wir im Land gemeinsam mit einem Partner ein Unternehmen besitzen, das Bürostühle herstellt. Immer mal wieder haben mein Mann und ich aber auch ein paar Tage Urlaub in Kapstadt verbracht. Weil das Land und die Architektur so schön sind, begann ich mich für Häuser zu interessieren, und in der Tat habe ich ein Haus gekauft. Eine meiner Nachbarinnen erzählte mir 1999: "Ich kenne jemanden, der hat ein paar finanzielle Probleme und will seine Farm verkaufen. Bist Du interessiert?" Sie hat nicht locker gelassen, also habe ich es mir mit meinem Mann doch angeschaut. Sie erzählte, sie hätte sogar einen Mieter für die Farm; der wolle Kräuter und Gemüse biologisch anbauen. So haben wir es also doch gekauft, aber direkt weiterverpachtet. Doch vom Mieter haben wir niemals Pacht erhalten, also mussten wir die Konsequenz ziehen. Tja, so besaßen wir plötzlich ein Gut mit 150 Hektar Land in Südafrika und mussten etwas Sinnvolles damit anfangen. So kamen wir auf die Idee, wieder ein Weingut daraus zu machen, was es bereits Jahrhunderte lang gewesen war. 1690 wurde das schöne Gutsgebäude gebaut, und damals wurden auch die ersten Weinberge angelegt. Als wir das Anwesen 1999 übernahmen, gab es seit 150 Jahren keinen Wein mehr, sondern nur Wiesen, Obstbäume und Kräuter.

Wein-Plus: Wie haben Sie ohne Fachkenntnisse und über tausende Kilometer Distanz das Gut gegründet und den Betrieb organisiert?
Elke Dauphin: Wir sind Autodidakten und mussten viel Zeit und Geld investieren. Wir haben uns Spezialisten geholt, sonst hätte es nicht funktioniert. Wir hatten damals einen Gutsgeschäftsführer, der zum Glück viel von Weinbau verstand und bereits weltweit Güter beraten hatte. Bereits im Jahr 2000, also nur ein Jahr nach unserem Kauf, haben wir begonnen, Reben zu pflanzen. 2001 haben wir zum ersten Mal Wein gemacht, allerdings noch mit zugekauften Trauben. Später stieß die Weinmacherin Gerda Willers zu uns. Sie macht Weine, die mittlerweile Preise gewinnen. Wir kaufen heute nur noch zu, wenn wir Trauben aus höheren Lagen brauchen.
Wein-Plus: Haben Sie damals geahnt, wie aufwendig die Gründung eines Weingutes ist?
Elke Dauphin: Wir hatten keine Ahnung! Wir haben überhaupt nicht gewusst, auf was wir uns da einlassen! Wir dachten: Wir kaufen das Gut und verpachten es. Die Rendite schien interessant. Aber nun haben wir Weinberge anlegen, die Kellertechnik anschaffen müssen. Es gab zuvor ja keinen Keller, also haben wir ihn gebaut. Vor acht Jahren haben wir auch die Gebäude umbauen lassen, teils auch, um sie an Ferien- oder Hochzeitsgäste zu vermieten. Uns war es ganz wichtig, Erlösquellen zu schaffen, mit denen man eine Flaute im Weingeschäft überbrücken kann.

Wein-Plus: Wie viel Hektar stehen heute im Ertrag?
Elke Dauphin: Wir haben derzeit 27 Hektar im Ertrag und produzieren pro Jahrgang etwa 330.000 Flaschen. Aktuell arbeiten rund 170 Mitarbeiter für uns, zur Ernte sind es mehr als 300. Diese Mitarbeiter kümmern sich aber auch um die Obstbäume.
Wein-Plus: Und wie entwickeln sich die Weine?
Elke Dauphin: Unsere Einstiegsweine sind der Starlette Rouge, eine Cuvée aus Pinotage, Cabernet Sauvignon, Merlot und Shiraz sowie Starlette Blanc aus Sauvignon Blanc, Chenin Blanc und Grenache Blanc. Wir machen zudem einen Sauvignon Blanc und einen Chenin Blanc, dessen Jahrgang 2008 eine Goldmedaille beim renommierten Concours Mondial de Bruxelles gewann. Andere Weine sind bei Verkostungen in Europa schon mehrfach prämiert worden. Unser Spitzenrotwein heißt „L’amour toujours“ aus Grenache, Pinotage, Cabernet Sauvignon und Syrah. Der hat beim „Mundus Vini“-Wettbewerb eine Goldmedaille bekommen, dazu sieben weitere Auszeichnungen. Derzeit arbeitet Gerda Willers an einem Süßwein und einem Portwein, der aber selbstverständlich nicht diesen Namen tragen wird. Es kommt noch ein Champagner-ähnlicher, feiner Schaumwein.

Wein-Plus: Warum haben Sie sich ausgerechnet für einen französischen Namen entschieden? Den bringt man ja nicht direkt mit Südafrika in Verbindung.
Elke Dauphin: Der ursprüngliche Name des Gutes war nicht geeignet, denn der ist ganz nah dran am Namen des renommierten Weingutes „Meerlust“ im nahe gelegenen Stellenbosch. Ich ahnte, dass das irgendwann zu Problemen führen könnte. Das wollte ich nicht riskieren. Auf die Idee eines französischen Namens kam ich, weil das Gut in der Region Franschhoek liegt, das ist etwas nördlich von Stellenbosch. Es bedeutet übersetzt „französische Ecke“, weil sich dort aus Frankreich ausgewanderte Hugenotten niedergelassen hatten. Mein Mann hat ebenfalls hugenottische Vorfahren, daher kommt unser Familienname Dauphin. Das war für mich eine sehr passende Assoziation. Zudem haben wir mit dem Gutsausbau eine zum Gebäude führende Allee aus Eukalyptusbäumen - die hier „Blue Gum Tree“ heißen - als „blaue Allee“ angelegt. So kam ich auf die Idee, dem Gut den Namen „Allée Bleue“ zu geben.

Wein-Plus: Wie organisieren Sie die Zusammenarbeit zwischen Südafrika und Offenhausen?
Elke Dauphin: Die Verantwortung vor Ort trägt ein Geschäftsführer, der auch auf die Zahlen achtet. Er ist Deutscher und kommt aus dem Hotelgeschäft. Er hat beispielsweise das Hotel Herzogpark in Herzogenaurach geleitet. Wir haben täglichen E-Mail-Kontakt, auch mit Gerda Willers. Wir sind ja noch in der Investment-Phase, und da lassen wir die Zahlen nicht aus den Augen und besprechen alles bis ins kleinste Detail. Gerda hat dagegen einen großen Freiraum, um die Weine zu machen. Sie schlägt vor, und wir sagen fast immer ja. Manchmal probiert sie etwas aus und lässt uns einfach kosten.
Wein-Plus: Das Verhältnis von Gutsbesitzer und Weinmacher ist oft nicht nur von Harmonie geprägt. Wie arbeiten Sie als Autodidakten und über die Distanz mit ihrer Weinmacherin zusammen?
Elke Dauphin: Ganz einfach: Gerda Willers ist die Künstlerin. Sie hat jeglichen Freiraum zu tun, was sie für richtig befindet. Wir lieben sie und hoffen, dass wir sie noch ganz viele Jahre mit ihr zusammen arbeiten können. Gerda besucht uns ein- bis zweimal im Jahr hier in Offenhausen. Zu Messen in Europa holen wir sie ebenfalls.

Wein-Plus: Wie oft sind sie persönlich im Weingut?
Elke Dauphin: Ich bin drei-, manchmal viermal im Jahr in Südafrika. Aber seit wir das Weingut haben, mache ich dort keinen Urlaub mehr, der Tag besteht nur noch aus Arbeit. Das habe ich mir so nicht vorgestellt. Jeden Morgen fahren wir hin, spät nachts kommen wir zurück. Von unserem Haus in Kapstadt fahren wir täglich 60 Kilometer bis zu Allée Bleue, nachts noch mal zurück. In unserem Haus schlafen wir nur.
Wein-Plus: Nun müssen Sie sich also nicht nur ums Büromöbelgeschäft, sondern auch noch um die Weinvermarktung kümmern. Machen Sie das alleine?
Elke Dauphin: Die Büromöbel sind unser Kerngeschäft, und das wird es bleiben. Aber unsere Familie ist von den Weinen begeistert, da ist unser Pioniergeist noch mal erwacht. Wir wollen also das Weingeschäft stark ausbauen, den europäischen Markt intensiv bearbeiten, Importeure, Fachhändler und Restaurants gewinnen. Verkostungen und Wettbewerbe sind dabei sehr wichtig für uns. Das gleiche machen wir zugleich in Südafrika. Der regionale Markt war etwas vernachlässigt, weil unser früherer Verkaufsleiter voll auf Export gesetzt hatte, aber wenig für den heimischen Markt getan hatte. Wir haben dort nun vier Mitarbeiter eingestellt, die nur dort verkaufen. Wir vertreiben aber auch an unsere Büromöbel-Fachhandelspartner.

Wein-Plus: Wie kommen Büromöbel und Wein für Sie zusammen?
Elke Dauphin: Jeder profitiert vom anderen. Unsere Fachhandelspartner verschenken den Wein an ihre Kunden, schenken ihn bei Events aus oder organisieren sogar Verkostungen. Wir hatten etwa einen großen Stand auf der Möbelmesse in Köln. Dort haben wir auch unseren Wein angeboten. Das war für unsere Unternehmenskunden sehr interessant: Viele waren begeistert, auf einer Möbelmesse eine kommentierte Wein-Verkostung machen zu können. Dabei redet man nicht nur über unsere Büromöbelprodukte, sondern über alles Mögliche. Dadurch ergibt sich eine emotionale Beziehung, die sehr schön ist und viel auslöst.
Wein-Plus: In welchen Ländern sind Sie mit Allée Bleue an den Start gegangen?
Elke Dauphin: Wir verkaufen derzeit gut in Deutschland, Belgien, Holland, Großbritannien und in Dänemark. Außerdem haben wir in Russland, Tschechien und Österreich erste Erfolge. Parallel bauen wir den Fachhandel auf.
Wein-Plus: Wie haben Ihre Freunde und Geschäftspartner reagiert, als sie von ihrem Weingut erzählten?
Elke Dauphin: Weingut - das klingt ja erstmal sehr romantisch. Da glänzen die Augen vieler Unternehmer, weil sie so etwas selbst gerne hätten. Nur haben die meisten keine Ahnung, was auf sie zukommt. Aufgrund der ersten Erfolge unserer Weine haben wir in unserem Bekanntenkreis schon etwas Furore gemacht. Ein paar Leute wollen nur noch unseren Wein trinken. Das gefällt uns natürlich sehr. Aber letztlich muss auch etwas herumkommen.
Wein-Plus: Nach wie viel Jahren soll Allée Bleue Gewinn machen?
Elke Dauphin: Mindestens zehn Jahre muss man einem Weingut geben. Wir wollen aber auf jeden Fall in die Gewinnzone kommen. Da sind wir noch nicht ganz, aber wir arbeiten uns von Jahr zu Jahr in die richtige Richtung vor. Im kommenden Jahr sind zehn Jahre um - und da wollen wir zum ersten Mal komplett schwarze Zahlen schreiben.
Allée Bleue im Wein-Plus Weinführer