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10.08.2004
Vertikalverkostung Meerlust Rubicon
1980 bis 2001
Von Helge Hagener
Leserkommentare (bisher 0)

Rubicon - seit 20 Jahren Qualität (c)Meerlust
Ein Rückblick auf 20 Jahre Rubicon ist nicht alle Tage möglich, weshalb ich mich besonders freute, an der Verkostung teilnehmen zu können. Ebenso sollte eine Frage beantwortet werden: Ist es ein südafrikanischer Wein und der Rubicon im Speziellen wirklich wert, 10 Jahre im Keller auf den Genuß zu warten? Verkostet wurden die Jahrgänge 1980, 1984, 1991, 1993, 1995 und 1998, sowie Proben der noch nicht verkaufsfertigen Jahrgänge 2000 und 2001. Geleitet wurde die Verkostung vom Meerlust-Winzer Chris Williams. Giorgio dalla Cia musste leider absagen, da an diesem Abend kurzfristig sein Abschieds-Dinner auf Meerlust gegeben wurde.

Glossar zum Thema
Der Meerlust Rubicon ist eine der ersten südafrikanischen Cuvées im Bordeaux-Stil, der bereits seit dem Jungfernjahrgang 1980 als Klassiker am Kap gilt. Der Rubicon ist einer der wenigen Weine, der in den mittlerweile über 20 Jahren eine durchgängig hohe Qualität halten konnte, was nicht zuletzt auf die Weinbaukünste des einzigen italienischen Kellermeisters am Kap, Giorgio dalla Cia, zurückzuführen ist, der seit 1978 für die Meerlust-Weine verantwortlich ist. Ende 2003 verließ dalla Cia das Weingut und übergab die Verantwortung an den jungen und sehr talentierten Winzer Chris Williams, der bereits in der Vergangenheit für Meerlust tätig war. Der Rubicon besteht meist zu 60% aus Cabernet Sauvignon, zu 20% aus Merlot und zu 20% aus Cabernet Franc. Der Wein wird zwischen 18 und 20 Monaten in zu 80% neuen Never-Barriques aus Frankreich ausgebaut und reift noch einige Monate auf der Flasche, bevor er in den Verkauf kommt.

Die Rebstöcke, von deren Trauben der Rubicon gekeltert wird, stehen auf Böden aus Kies und Lehm mit einem Abstand von nur 5km Luftlinie zur False Bay. Bewässert werden die Rebanlagen nur wenn nötig und maximal zwei Mal pro Jahr. Sollte die Qualität einzelner Lagen nicht gut genug sein, werden die Trauben bzw. der Grundwein an andere Erzeuger verkauft. Einen Zweitwein soll und wird es auf Meerlust nicht geben.

Winzer Chris Williams  (c)Meerlust
Bereits vorab ist zu sagen, dass alle Jahrgänge in sehr guter Form waren und sich durchgängig lebendig zeigten - auch der Jungfernjahrgang 1980. Bereits ab dem Jahrgang 1991 könnten die Weine noch etwas Reifezeit auf der Flasche vertragen. Selbst ein etwas schwächeres Jahr wie 1984 brachte auf Meerlust einen Wein hervor, der erst jetzt auf der Höhe ist. Die jüngeren Jahrgänge zeigten aber auch, dass ein Rubicon auch jung zu genießen ist, da er in der Jugend stets zugänglich ist. Wer jedoch reifere Weine bevorzugt sollte mindestens 10 Jahre warten, bevor er eine Flasche öffnet. Leider haben die meisten Weintrinker hierzu keine Geduld, besonders bei südafrikanischen Weinen, die bisher nur schwer beweisen konnten, wie lagerfähig sie sind. Alle verkosteten Weine stammten direkt vom Weingut und haben dieses seit ihrer Abfüllung nicht verlassen, weshalb die hier verkosteten Exemplare das Ideal darstellen, wie der Rubicon in dieser Zeit reifen kann. Neben der hohen Konstanz des Rubicons zeigte sich in den Weinen meist viel Eleganz mit feinen, schwarzen Beerenfrüchten und maßvollen Tanninen.

1980
Überragende Ernte auf Meerlust resultiert in einem Wein mit nur 11.5 Vol% Alkohol. Ausbau in 5000l-Holzfässern; keine Barriques. Blasses Granatrot mit rubinfarbenem Zentrum. Schöne Cassis-Nase mit Leder, Erde und Kräutern. In der Nase und am Gaumen präsente Reifenoten. Am Gaumen mit voller, bissiger Frucht und leichter, medizinaler Schärfe. Seidig und noch immer lebendig. Im Abgang warm aber recht kurz. Der Wein verfliegt recht schnell im Glas und sollte spätestens jetzt getrunken werden. 85 Punkte / 4*

1984
Besitzer Hannes Myburgh (c)Meerlust
Ein zu kühler Winter brachte in Südafrika keine großartige Ernte, auf Meerlust jedoch erstaunlich gute Ergebnisse. 12,5 Vol%. Ab 1984 wurden Barriques zum Ausbau verwendet, weshalb dieser Wein in zu 100% neuen Barriques ausgebaut wurde. Recht blasses Granatrot. Bouquet mit viel dunkler Frucht und Leder, dazu etwas Kräuter und eine leichte, alkoholische Schärfe. Am Gaumen mit dezenter Säure und feinen Reifenoten. Kurzes Finale. Der 1984er zeigt etwas mehr Lebendigkeit als der 1980er, sollte aber dennoch jetzt getrunken werden. 87 Punkte / 4*

1991
Großes Rotweinjahr in Südafrika. Mittleres, glänzendes Rubinrot mit granatfarbenem Rand. Bouquet mit deutlich mehr reifer Frucht: schwarze Beeren mit leichte Würze. Am Gaumen mit frischer Attacke, Säure und etwas Reife. Trotz der guten Präsenz und der mittleren Länge kann der Wein zurzeit nicht wirklich überzeugen und sollte noch einige Jahre gelagert werden. Mit mehr Genuß in zwei bis drei Jahren. 84 Punkte / 3,5*

1993
Kühler Sommer und die schwächste Ernte des Abends bringt einen Wein mit nur 12 Vol%. Mittleres, glänzendes und nicht sehr dichtes Granat mit rubinfarbenem Zentrum. Leicht moderiges Bouquet mit dunklen Beeren und Waldboden. Dahinter zeigt sich ein frischer Fokus mit roten Früchten und Medizinaltönen. Am Gaumen wieder erdig mit leichter Säure und merkbarer Reife. In der Mitte des Gaumens schwächer mit leicht grünen Tanninen. Jetzt trinken. Wertung: 80 Punkte / 3,5*

1995
Die erste Ernte, bei der der neue Meerlust-Winzer Chris Williams Giorgio dalla Cia half. Großes Rotweinjahr in Südafrika. Der Rubicon diesen Jahres hat einen größeren Anteil Cabernet Sauvignon (ca. 75%) und wurde in zu 80% neuem Holz ausgebaut. Tiefes, glänzendes Schwarzrubin. Schönes Bouquet von Zigarrenkiste sowie süßen roten und schwarzen Früchten. Am Gaumen eleganter Ausdruck und gute Dichte. Die Tannine sind sehr fein, aber dennoch präsent und halten den Wein noch etwas verschlossen. Der 1995er wird seinen Höhepunkt vermutlich um 2010 haben. Vom Wine Spectator mit 90 Punkten bewertet. 88 Punkte / 4*

1998
(c)Meerlust
Erster Jahrgang der zu 100% von virusfreien Reben stammt. Ein sehr heißer Sommer in Südafrika brachte den vielleicht komplexesten Rubicon bisher hervor. Glänzendes Schwarzkirschrot. Tiefe und reife Nase mit Cassis, Waldbeeren, Waldboden, Kaffe und etwas Würze. Am Gaumen opulent und tief mit leichter Säure. Die Tannine sind merkbar vorhanden, aber dennoch weich. Dieser Wein sollte noch ohne Probleme altern können und die nächsten 10 Jahre überstehen. Stilvolles Finale. Der beste Wein des Abends. 90 Punkte / 4,5*

2000
Sehr heißes Jahr in Südafrika, das Ergebnisse ähnlich 1998 hervorbrachte. Dieser Jahrgang ist noch nicht auf dem Markt. Glänzendes, fast blickdichtes Schwarzrubin. Verführerisches, dunkles Bouquet von Tabak, Holz, Leder, Kaffee und beeriger Frucht. Am Gaumen wieder mit parfümierter Frucht, gutem Griff und ausgezeichneter Präsenz. Der Wein ist noch sehr jung, aber mit eleganten und tiefen Tanninen ausgestattet, die auf eine lange Lagermöglichkeit schließen lassen. Zu trinken zwischen 2010 und 2020. Sehr feines Finale. 89 Punkte / 4,5*

2001
Ebenfalls eine sehr heiße Ernte, jedoch verschieden von der Ernte 2000. Der Jahrgang 2001 ist dem 1995er ähnlich und zeigt sich eher bepackt und dicht. Zu 80% in neuem französischen Holz ausgebaut. Dichtes Schwarzviolett ohne Rand. Verschlossenes und festes Bouquet von Waldboden, Mokka, Karamell, Vanille und reichen, dunklen Beeren. Am Gaumen noch holz- und tanninlastig, jedoch mit gutem Potential. Die reichlich vorhandenen Tannine sind exzellent und sehr fein und sollten für eine Lagerfähigkeit von mindestens 15 Jahren sorgen. 87 Punkte / 3,5*


Helge Hagener

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