Das Vigilius Mountain Resort in Südtirol ist nicht einfach zu erreichen. Mit dem Auto geht nichts, sondern nur mit der Seilbahn, und eine Übernachtung kostet pro Person zwischen 230 und 600 Euro. Ein 5-Gänge-Menü im hauseigenen Restaurant 72 Euro. Eine sehr gute Flasche Vernatsch bekommt man überall in Südtirol und zahlt dafür nicht mehr als fünf bis zehn Euro.
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Die wohl bekannteste Vernatsch-Lage - der Kalterer See (Bildquelle: EOS-Handelskammer/Südtiroler Weinwerbung, Fotograf S.T.Art Studio
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Man würde also nicht vermuten, dass eine dem Vernatsch gewidmete Veranstaltung in diesem Ambiente stattfände. Für Ulrich Ladurner, Besitzer des Vigilius, ist der einfache Wein und das luxuriöse Ambiente kein Widerspruch. Er war immer schon ein großer Liebhaber des Vernatsch und davon überzeugt, dass dieser oft als einfachster Wein Südtirols bezeichnete Tropfen nicht nur in der Südtiroler Stube seines Hotels zu Speck, Kaminwurzen und Schlutzkrapfen seinen passenden Platz hat, sondern auch mit den raffinierten Speisen seines Topp-Restaurants ausgezeichnet harmoniert. „Diese Vielseitigkeit ist eine der oft unterschätzten Qualitäten des Vernatsch,“ so Ladurner. Aus Ärger darüber, dass bis auf wenige Ausnahmen, wie die Kellerei Girlan, Josef Brigl und die Selbstvermarkter vom Sankt Magdalener Hügel, fast alle südtiroler Produzenten ihr autochtones Eigengewächs recht stiefmütterlich behandelten, rief er im Jahr 2004 den Vernatsch-Cup ins Leben. Als er dem mit der Organisation beauftragten Weinexperten Othmar Kiem von diesem Vorhaben erzählte, war dessen erste spontane Reaktion ein herzhaftes Lachen. Veranstaltungen dieser Art pflegte man mit „großen“ Weinen zu machen, nicht mit einem „Allerweltstropfen“ wie dem Vernatsch. Othmar Kiem lacht immer noch, wenn er über den Vernatsch-Cup spricht. Allerdings nicht aus Verwunderung, sondern aus Freude über dessen Erfolg. Diese Veranstaltung hat viel dazu beigetragen, dass dem einst „hässlichen Entlein“ unter Südtirols Weinen wieder die ihm gebührende Wertschätzung von Produzenten, Kritikern und vor allem vom weininteressierten Publikum zuteil wird.
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Was passiert nun beim Vernatsch-Cup? Es werden nach einer Vorauswahl aus allen eingesandten Mustern 35 Weine für das Finale vorgeschlagen und aus diesen dann von einer Expertenrunde zehn Siegerweine gekürt. Es gibt allerdings keinen Ersten, Zweiten und Dritten etc., sondern alle zehn Sieger stehen gleichberechtigt auf dem Podest. Das ist gut und richtig so. Denn „die Vielfalt des Vernatsch ist einfach zu groß, als dass es nur einen Sieger geben dürfte“, so Ulrich Ladurner. So steht ein filigraner Kalterersee neben einem vollmundigen Sankt Magdalener und ein eleganter Tropfen von den Meraner Hügeln neben einem strukturiertem Gewächs aus Girlan und jeder der geladenen Gäste kann sich beim anschließenden Bufett davon überzeugen, dass Vernatsch in seiner Vielfalt sowohl zu Sushi, zur mediterranen Küche wie auch zur herzhaften südtiroler Bergküche passt.
Neben der Expertenrunde gibt es noch die sogenannte Publikumsverkostung. Bei dieser wählen private Weinliebhaber ihren Favoriten aus den 35 Finalisten aus. „Der Vernatsch ist ja kein elitärer Wein. Deshalb lassen wir auch ganz ‚normale‘ Weinfreunde die Weine probieren und uns davon überraschen, welcher Wein hier am besten ankommt. Außerdem möchte ich mit dem Vernatsch-Cup auch zeigen, dass sich Trinkvergnügen und Topp-Qualität nicht ausschließen. Der Vernatsch ist ja nicht der Wein, den man mit ehrfürchtigem Schweigen bewundert, wie dies sicherlich zu Recht bei einem großen Barolo, Burgunder oder Bordeaux angebracht ist. Es ist ein Wein, den man gerne in geselliger Runde trinkt. Leider spielt dieser ‚soziale Aspekt‘ bei Weinbewertungen und Publikationen meist gar keine Rolle.“
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Sonnige Vernatsch-Lagen bei Meran (Bildquelle: EOS-Handelskammer/Südtiroler Weinwerbung, Fotograf S.T.Art Studio
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Der Vernatsch-Cup ist nur für geladene Gäste zugänglich. Wer die zehn Siegerweine jedoch kennen lernen will, hat dazu auf der Bozner Weinkost Gelegenheit. Diese findet immer gleich nach dem Vernatsch-Cup in der südtiroler Landeshauptstadt statt. Ein Besuch der Weinkost lohnt sich aber auch deshalb, weil man hier auch noch alles andere probieren kann, was Südtirol an guten Tropfen zu bieten hat.
Die nächsten Termine:
Vernatsch-Cup: 12./13. Mai 2009
Bozner Weinkost: 14. – 16. Mai 2009