Mehr als ein Drittel der knapp 250 angestellten Weine aus Südtirol erreichte heuer eine Wertung von 85 oder mehr Punkten. Auch wenn es hier und da noch kleinere Probleme geben mag, kann man feststellen, dass es wohl nur wenige Regionen in Italien gibt, die bei Rot- und Weißweinen gleichermaßen derart konstant gute Qualitäten abliefern, wie Südtirol mit seinen knapp 6.000 ha Reben.
Die roten Klassiker: Vernatsch und Lagrein
In schöner Regelmäßigkeit produzieren Erzeuger wie die auf dem Sankt Magdalener Hügel ansässigen Selbsvermarkter Franz Gojer (Glögglhof) und Christian Plattner (Ansitz Waldgries) Vernatsch erster Güte. Dazu kommen die Girlaner Gewächse der Vernatsch-Spezialisten Josef Brigl und Kellerei Girlan (z.B. Fass Nr. 9 oder Geschleier) sowie die Kalterersee der Kalterer Genossenschaften. Nicht vergessen dürfen wir die Weine der Kellereien Baron di Pauli (2007 Kalkofen), Bozen (2007 Huck am Bach), H. Lun, Messnerhof und der Kellerei Nals-Magreid, aber auch die Vernatsch von den Meraner Hügeln und aus dem Vinschgau von der Meraner Kellerei. Es gibt wohl wenige Weine, die so viel unkomplizierte Trinkfreude bereiten, ohne an Charakter und Ursprünglichkeit einzubüßen.
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Grieser Top-Lagrein der Kellerei Bozen
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Erfreulich ist die Entwicklung beim Lagrein. Hier gelingt es immer mehr Produzenten, die positiven Qualitäten dieser markanten, oft aber auch etwas rustikal-bitteren Sorte herauszuarbeiten. Diese liegen in ihrer saftigen und eher kühlen Frucht bei robusten und kräftigen Tanninen. In der Kategorie der Riserva-Weine wird das Holz inzwischen in vielen Fällen - wenn auch vielleicht noch nicht immer konsequent genug - wesentlich moderater eingesetzt als noch vor wenigen Jahren, und so entstehen immer mehr geschmeidige, saftige Weine. Besonders zu erwähnen sind die Gewächse der Kellerei Bozen, die aus Ihrer Grieser-Cru-Lage einen der schönsten Rotweine des Jahrgangs 2006 kelterten, aber auch die Lagrein der Weingüter Pfannenstielhof (
2005 Riserva), Ansitz Waldgries (
2006 Mirell), Griesbauerhof (
2006 Riserva), die Cantina Laimburg (
2005 Barbagòl) und Egger-Ramer (
2006 Tenuta Kristian)
Die internationalen Herausforderungen: Blauburgunder und Cabernet-Cuvées
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Cabernet Riserva 2004 von Klaus Lentsch
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Bei den internationalen Varietäten drängt sich - ob man es will oder nicht - immer der Vergleich mit den für diese Sorten weltberühmten Weinbauregionen auf. Dabei ist es grundsätzlich müßig, darüber zu diskutieren, ob Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot überhaupt in diese Region passen. Auffällig ist in den meisten Fällen, dass man eher versucht ist, mit diesen Sorten internationalen Vorbildern nachzueifern, als einen eigenen, herkunftstypischen Charakter herauszuarbeiten. Gleichwohl begegnen uns hier häufig geschmeidige, saftige Tropfen, wenn auch zumeist ohne allzu große Komplexität und Tiefe. Die besten Exemplare stammten heuer von der Kellerei Kurtatsch (
Kirchhügel 2006), H. Lentsch (
2004 "Cabernet"), Niedermayr (
2004 Euforius), Happacher Hof (
2004 Rubin), Peter Dipoli (
Iugum 2004) und dem Weingut Milla (
Centa 2004).
Anders sieht das bei den südtiroler Blauburgundern aus. Hier finden sich immer mehr Weine, die wirklich Freude bereiten und dabei auf ihrer Eigenständigkiet bestehen, statt sich einem Allerweltsgeschmack anzudienen. Im Süden, um den Kalterersee und bei Girlan, fallen sie in der Regel eher weich, reif und fruchtsüß aus (
Feruccio Carlotto, Thalerhof, Niedermayr und Kellerei Kaltern), in den höheren Lagen, ganz besonders im Vinschgau, eher schlank und mineralisch (Köfelgut, Meraner Kellerei). Der
2005er "Trattmann" der Kellerei Girlan steht zwischen diesen Stilen - und ist möglicherweise gerade deshalb einer der komplettesten Weine unserer Verkostung.
Bunte Vielfalt: Südtiroler Weißweine
In Italien ist Südtirol vor allem wegen seiner Weißweine beliebt, die erstaunlich vielfältig ausfallen. Gerade die aromatischen Sorten erleben im Land einen Boom, darunter auch Müller-Thurgau und Kerner, die in Deutschland eher eine belächelte Nebenrolle spielen. Die Aufmerksamkeit, die diesen Sorten hier bisweilen geschenkt wird, sorgt aber auch für Qualitäten, die wir aus Deutschland nicht unbedingt gewohnt sind. Kaum eine der vielen schönen Weinbars in Italien, die nicht einen dieser südtiroler Weißen auf Ihrer Karte führt.
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Österreichs Leitsorte Grüner Veltliner findet nun auch in Südtirol immer mehr Freunde, Foto: ÖWM
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In der nördlichsten Zone, dem Eisacktal findet man eigenständige, oft absolut überzeugende Sylvaner, Kerner, Müller-Thurgau und sogar Grüne Veltliner (
Garlider). In den hohen Lagen des Vinschgau wird inzwischen auch höchst beachtlicher Riesling produziert. Besonders zu empfehlen:
Martin Aurich/Weingut Unterortl und
Franz Pratzner/Weingut Falkenstein.
Weißburgunder und Sauvignon Blanc findet man in Südtirol nahezu überall. Der Weißburgunder ist die meist angebaute Weißweinsorte des Landes und bietet neben guten Basisqualitäten auch einige erstklassige Weine. Die Selektionen der Kellereien Bozen, Kaltern, und Tramin fielen ebenso auf, wie der Weißburgunder der Kellerei Laimburg. Josef Wegers 2005er 'Maso delle Rose' zeigte, dass diese Sorte hier auch ein gewisses Reifepotential besitzt. Noch mehr Möglichkeiten stecken offenbar im südtiroler Sauvignon Blanc. Die Jahrgänge 2005 und 2006 von Peter Dipoli dokumentieren die Klasse und Reifefähigkeit dieser Sorte in den besten Lagen Südtirols. Die Mineralität und die animierende Frische, mit der sich die besten südtiroler Sauvignon heute schon präsentieren, machen neugierig auf das, was uns in den nächsten Jahren noch erwartet. Die schönsten 2007er stammten von
Franz Pratzner (Falkenstein), den Kellereien Kurtatsch, Kaltern, Meran und Girlan sowie von
Christian Plattner (Ansitz Walgries).
Eine Sonderstellung nehmen in Südtirol die Traminer ein, ist die Sorte doch nach dem Ort Tramin benannt, was der ganzen Region einen gewissen qualitativen Imperativ auferlegt. Die hier verbreitete Spielart des Traminers, der Gewürztraminer, lässt nicht nur in den Lagen um den Ort selbst, sondern auch im Eisacktal sehr aromatische, oft komplexe und tiefgründige Weine entstehen, die über deutlich mehr Finesse verfügen, als man es von dieser Sorte aus anderen Gegenden gewohnt ist. Dort, in der nördlichsten Zone des Anbaugebietes, verbindet sich die typische, intensive Aromatik dieser Rebsorte mit Frische und Mineralität (Strasserhof und Zöhlhof). Aus dem Eisacktal stammt auch einer der spannendsten Weine unserer diesjährigen Südtirol-Verkostung: Der biodynamisch hergestellte
2006er "Obermeirl Hof" von Luis Ochsenreiter (Haderburg).
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Wunderbarer Gewürztraminer, 2007 "Brenntal" von der Kellerei Kurtatsch
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Von den üppigeren, konzentrierten Gewächsen aus der Gegend um Tramin fielen uns die Weine der Genossenschaften Tramin, Bozen, der Ersten & Neuen Kellerei und von Baron di Pauli positiv auf. Herausragend ist der
2007 "Brenntal" der Kellerei Kurtatsch, der sich als Quintessenz dieser noblen Sorte präsentierte und heuer die höchte Note aller verkosteter Südtiroler Weine erhielt.
Südtiroler Sekt
Es gibt nicht viel, aber dafür anspruchsvollen Sekt in Südtirol. Die meisten Flaschen kommen von der Sektkellerei Arunda-Vivaldi, die bisweilen exellente Qualitäten abliefert. Josef Reiterer präsentiert jedes Jahr feine, animierende Tropfen mit viel Substanz. Heuer fiel auch der recht kräftige Pas Dosé von Luis Ochsenreiter auf.
Fazit
Südtirol ist derzeit sicherlich eine der spannendsten Regionen ganz Italiens. Das im Vergleich eher kühle Klima sorgt für Frische und Aromenreichtum bei den Weißen und nicht allzuviel Fett bei den Roten. Für internationale Sorten á la Cabernet und Co. fehlt derzeit - neben mangelnder Reife in manchen Lagen - oft noch immer etwas das sichere Händchen beim Holzeinsatz, doch auch hier registrieren wir deutliche Fortschritte. Der Lagrein, allen voran die Spitzenprodukte aus den Grieser Toplagen, zeigt dafür immer mehr Eigenständigkeit. Und die wirklich guten Vernatsch, die man in Südtirol von engagierten Produzenten in steigender Anzahl und zu vernünftigen Preisen findet, sind mit die schönsten Trinkweine, die man sich vorstellen kann.
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