Den passenden Wein zum guten Essen zu finden, ist nicht immer ganz leicht. Aber das passende Essen zum Wein? Die Küchenchefs und Sommeliers von 25 Restaurants in Deutschland bieten ihren Gästen noch einige Tage genau dies. Anlass ist der „Rioja Gourmet Cup”, den der offizielle Kontrollrat ( „Consejo Regulador”) des spanischen Anbaugebietes im vergangenen Jahr ins Leben gerufen hat.
Beim Rioja Cup gibt es nur eine einzige, nahe liegende Vorgabe an die Küchenverantwortlichen: Die Gerichte sollen zum möglichst gut zum Rioja passen. Ob und wie der Wein und die Speisen harmonieren, entscheiden dabei die Gäste. Sie füllen nach dem in jedem Restaurant eigens entworfenen Rioja-Menü einen Fragebogen aus - und wählen letztlich damit Gewinner des Cups.
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Riojanische Weinberge kurz nach der Ernte, Foto: Moritz Lüke
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Die 25 Restaurants aus München, Köln, Stuttgart, Hannover, dem Ruhr- und dem Rhein-Main-Gebiet kochen alle auf hohem Niveau - einige von ihnen tragen sogar einen Michelin-Stern, etwa das Restaurant „Hesslers” in Maintal oder die „Ente” in Wiesbaden. Dort hat Wein-Plus-Autor Uwe Kauss getestet, ob und wie sich Wein aus Spaniens Top-Anbaugebiet mit Produkten aus der gehobenen deutschen Restaurantküche verbindet.
Franco Claudio Fusco, der Sommelier der „Ente” in Wiesbaden, fand es eine spannende Idee, Gerichte zum Rioja zu kombinieren, „weil ich Rioja persönlich sehr gerne mag”. Deswegen sagte er die Teilnahme am Cup zu. Den in Neapel geborenen Weinexperten überzeugte das Konzept „vor allem, weil es keine Vorschriften gab, einen bestimmten Anbieter oder ein Gut verwenden zu müssen.” Hauptsache: Rioja.
Im Menü, das er mit seinem Küchenchef Michael Kammermeier konzipierte, dominieren beispielsweise die klassisch-mediterranen Aromen: Nach einem Amuse Bouche mit Thunfisch-Tartar und Fenchelsuppe serviert Kammermeier einen gebratenen Pulpo mit Kartoffeln, Zitrone und Olivenöl. Fusco schenkt dazu einen weißen 2007er „Seleccion de Robles” von Luis Alegre Blanco ins Glas. Er besteht zu 90 Prozent aus der Rebsorte Viura und zu zehn Prozent aus Malvasia. Dessen Noten nach Grapefruit und weißen Früchten, gepaart mit feiner Salzigkeit ergänzen den butterzarten Pulpo aromatisch hervorragend.
Zu einem 2001er Allende aus der Magnum folgt ein glacierter Schweinerücken mit Honig, langem Pfeffer und Speckfeige. Der sehr traditionelle, elegante Rioja kommt mit seinen ledrigen Noten, den Aromen nach Liebstöckel, Kräutern, ein wenig Brombeere und etwas Stall gut mit dem kräftig-aromatisch gepfefferten Schwein und den intensiven Aromen der Feige zurecht.
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Franco Claudio Fusco, Sommelier der „Ente” in Wiesbaden
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Der nun folgende 2001er Marqués de Murrieta Reserva, ebenfalls aus der Magnum, setzt eins drauf: Mehr Volumen, mehr Wucht und noch mehr Fülle. Ein Wein, neben dem Essen keinen leichten Stand hat. Kammermeier hat eine feine Variante deftiger spanischer Kost dazu gesellt: Gegrillte Lammhüfte sowie geschmorte Lammschulter mit Bohneneintopf, Merguez und Kartoffelbrei. Das kräftige Säuregerüst und die tiefschwarzen ledrig-steinigen Aromen gehen mit dem Lamm eine interessante Verbindung ein - das milde, zarte Fleisch der Hüfte erhält durch Säure und Tannin eine gute Ergänzung, die dominanten Aromen des Geschmorten dagegen unterstützen den Wein in seiner Tiefe und Wucht. Das zweite Glas Murrieta nach dem Lamm-Gang macht dazu doppelt so viel Spaß.
Zum Schluss gibt’s einen Kompromiss: Denn Süßweine sind im Rioja äußerst rar - daher hat Fusco, wie die anderen Teilnehmer auch, auf Cava zum Dessert gesetzt. Nun also zu ganz etwas anderem. Franco Claudio Fusco bringt einen 2003er Cuvee Raventos, Cava de la Finca, mit Aromen von Nüssen, Feigen und gelben Früchten. „Der hat einen Bollinger-Charakter, leicht oxidativ und viel zu schade, um ihn vor dem Menü zu trinken”, schwärmt der Sommelier. Dazu kommt nun spanische Vanille mit Cava-Sorbet und Valencia-Orangen - und das passt so schön zusammen, dass man gar nicht mehr aufhören würde, wartete nicht das Auto nebenan in der Tiefgarage auf die nicht eben kurze Heimfahrt.
Noch bis zum 1. November lassen sich Rioja-Menüs in den 25 Restaurants bestellen. Einige Tage später wird der Sieger des Rioja Gourmet-Cups gekürt.