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23.04.2004
Reisenotizen Burgenland
Mächtige Rote, elegante Weiße!
Von Ilona Benke
Leserkommentare (bisher 4)Was denn - schon wieder fahren die Münchner Weinfreunde nach Österreich, ins Burgenland? Warum denn ausgerechnet immer dorthin? Die Antwort auf diese Frage gibt sich von ganz alleine... oder anders formuliert: - wir können von den begeisternden Roten nicht genug bekommen
- es sind noch längst nicht alle Weingüter besucht und "entdeckt"
- die Landschaft mit ihren sanften Hügeln ist uns schon ans Herz gewachsen.
Und damit öffnet sich ein weiteres Kapitel zum Thema Mittelburgenland sowie Neusiedlersee, Neusiedlersee-Hügelland. Was wir zu Dritt im Herbst vergangenen Jahres begonnen haben, setzen wir diesmal mit einer größeren Gruppe fort. Erfreulicherweise in Begleitung zahlreicher Forumsmitglieder. Quasi "ein Forumstreffen im Kleinformat" ;-)
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Picknick im Weingarten
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Hier alle Teilnehmer der Reise: Norbert und Inge Pobbig aus Berlin, Michael Bloch und Maja Wallner aus Minden, Richard Voit aus München, Ilona Benke aus München sowie ferner (nicht im Forum): Evi Kierner, Karin Müller, Rudi Vilbig, alle drei aus dem Münchner Raum.
Auch wenn ich die Gegend bereits gut kenne, eines hat jedoch für mich Premiere: der zarte Frühling am Neusiedler See! Kein Regen, dafür warme 25 - 29 Grad, was will man mehr. Und die Weine sind auch noch dementsprechend zauberhaft, so hat sich die Tour doch gelohnt. Hier ein Überblick über die besuchten Weingüter (bzw. Vinothek): Mittelburgenland - Burgenland-Vinothek, Deutschkreutz (27.04.)
- Grenzlandhof Reumann, Deutschkreutz (28.04.)
- Johann Heinrich, Deutschkreutz (28.04.)
- Vereinte Winzer, Horitschon (28.04.)
- Donatus Wellanschitz, Neckenmarkt (28.04.)
- Rotweingut Amminger, Horitschon (29.04.)
- Josef Gager, Deutschkreutz (29.04.)
Neusiedlersee-Hügelland - Elisabeth Haselbauer, Purbach (29.04.)
- Heidi Schröck, Rust (30.04.)
- Peter Schandl, Rust (30.04.)
Neusiedlersee - Weingut JURIS Stiegelmar, Gols (30.04.)
- Josef Pöckl, Mönchhof (30.04).
- Martin Haider, Illmitz (01.05.)
Es gab einige Überraschungen, sowohl positiv als auch leider negativ, kulinarische Highlights und solche, die es noch werden wollen. TAG 1: MittelburgenlandAnkommen - einchecken - Überblick schaffenDie Anreise verläuft am Sonntag, 27.04.2003, problemlos - keine Staus, keine besonderen Vorkommnisse. Eine Mittagsrast halten wir im Wienerwald, im Restaurant "Postschänke" in Sulz. Gemütlich und rustikal die Einrichtung, interessant und ambitioniert die Speisekarte. Wir versuchen saisonale Gerichte wie z. B. Bärlauchsuppe mit Flusskrebsen, Bärlauchnockerln mit grünem Spargel, Spargelsülze. Die Auswahl österreichischer u. internationaler Weine ist gut, und die gewagten Dessertkreationen bringen uns dann zum Schwärmen: Spargelmousse mit Erdbeerragout, Schafskäsemousse mit Rhabarber- und Erdbeerragout, also insgesamt für die Desserts Note 2, für die Hauptgänge jedoch nur Note 3, da verspricht die Speisekarte mehr, als dann auf dem Teller vorzufinden ist. Äußerst empfehlenswert ist unsere Quartier-Adresse in Neckenmarkt, Mittelburgenland: Hotel "Zur Traube", Wirtin Anni Glatz, Herrengasse 42, 7311 Neckenmarkt. Die Wirtin ist eine ganz fröhliche Mittfünfzigerin, die gleich alle herzlich begrüßt und sofort mit uns per Du ist. Wir haben damit kein Problem, im Gegenteil. Mit ihr können wir viel lachen und sie erzählt uns auch einiges über die regionale Küche, wie z. B. Bohnensterz. Neugierig auf die burgenländischen Weine, besuchen wir zunächst am Nachmittag die Burgenland-Vinothek in Deutschkreutz, Hauptstraße 42. Diese Vinothek ist gut sortiert mit Weinen aus dem Mittel- u. Südburgenland, Neusiedler-See-Gebiet sowie Carnuntum. Am heutigen Tag bietet man zwölf offene Weine zur Verkostung bzw. auch flaschenweise an (gegen jeweilige Probengebühr). Infos zur Punktevergabe:Punkte vergaben wir nach dem 100er-System (u.a. übernommen die Punkte-Einteilung vom Forum). Die Punkte decken sich nicht mit den Eindrücken aller Teilnehmer der Weinreise, hauptsächlich haben Richard und ich die Bepunktung vorgenommen und sie stellen unsere ganz persönlichen Eindrücke dar. Bewertungsschema: - ab 70: Passabel, ab 75: Ordentlich bis gut
- ab 80: Sehr gut, ab 85: Ausgezeichnet
- ab 90: Hervorragend, ab 95: Großer Wein!
Weißweine
Grüner Veltliner 2002, Weingut Sommer, Donnerskirchen, Neusiedlersee-Hügelland, 5 Eurostrohgelb, grasig, einfach, rassige Säure, die nachklingt, Sommerwein (74 Punkte) Grauburgunder 2002, Weingut Lentsch, Podersdorf, Neusiedlersee, 13,0%, 4,50 Euro strohgelb, fruchtige Nase, Äpfel, etwas Zitrus, ausgewogen und mild, schöner Körper, gelungen (78 Punkte) RotweineZweigelt 2002, Weingut Lentsch, Podersdorf, Neusiedlersee, 13,0%, 6,50 Euro violett-tintig mit aufhellendem Rand, eher untypische Nase, schwarze Johannisbeeren, Pharmazieton, mittlerer Körper, relativ weich, präsente Säure (74 - 76) St. Laurent classic 2002, Weingut Netzl, Göttlesbrunn, Carnuntum, 7 Euro rubinrot, süßlich würzige Nase, Kirschen, mittelgewichtig am Gaumen, ausgewogen und weich, Kirschen im Abgang, ein schöner Alltagswein (77) Blaufränkisch, Lage"Bründlfangen" 2002, Kopfensteiner, Deutsch-Schützen, Südburgenland, 12,5%, 7,20 Euro durchschimmerndes Rubinrot, typ. südburgenländische Nase: eisenhaltig, mineralisch, etwas Maggiwürze, auch Brombeere, eher leichter Körper, weich, unharmonische Gesamterscheinung (72 - 75) Blaufränkisch Hochberg 2001, Juliana Wieder, Neckenmarkt, Mittelburgenland, 13,0%, 7,10 Euro rubinrot, Brombeeren und Waldbeeren, mittlerer Körper, Würze, mehr Extrakt, passende Säure, gutes Tanningerüst, langer Nachhall, sehr gutes PGV (84) Blaufränkisch Classic 2002, Anton Iby, Horitschon, Mittelburgenland, 13,0%, 6,50 Euro intensives, dunkles Rubinviolett, Kirschnase, noch etwas verhalten, Würze, mehr Extrakt, ausgewogene Süße/Säure, etwas raues Tannin noch, schöne, ordentliche Länge, Potential (82 - 84) (dabei der einfachste Wein des Hauses) Blaufränkisch "Steineiche" 2001, Paul Lehrner, Horitschon, Mittelburgenland, 13,0%, 12,50 Euro Dieser Wein lag 18 Monate im Barrique, präsentiert sich mit extrem dichten, dunklem Purpur mit violettem Schimmer, fruchtiger Nase (Kirsche, dunkle Beeren), gepaart mit Röstaromen/Vanille, gehaltvoll ist er am Gaumen bei guter Extraktsüße, Tannine und Säure sind noch etwas vordergründig, aber der Wein beeindruckt, sehr gutes P./L.-Verhältnis, ein schöner Sonntagswein (86 - 88) Cuvée "Haideboden" 2001, A. + H. Nittnaus, Gols, Neusiedlersee, 12,5%, 11,90 Euro In der Cuvée wurden die Sorten Zweigelt, Blaufränkisch, St. Laurent, Cabernet Sauvignon, Merlot und ein wenig Syrah vereint. Sattes Purpur mit violetten Rändern, Holz und Pfeffer in der Nase, auch Magginuancen, Erdbeeren, schön saftig und extraktsüß am Gaumen, rund, relativ weich, angenehme Tannine, etwas säurebetont, gute Länge (84 - 86) Blaufränkisch Reserve 2001, Stefan Lang, Neckenmarkt, Mittelburgenland, 14,0%, 15,50 Euro intensives, dunkles Purpur mit schwarzem Kern, undurchdringlich, dezente Nase von Kirschen und Würze, voller Körper, konzentriert, mit schöner Extraktsüße, füllig und intensiv am Gaumen, verführerische Zartbitterschokoladennoten im Ausklang, bleibt lange, äußerst gelungen, ein perfekter Blaufränkisch! (90 - 92) Cuvée Beerenauslese 2001, Alois Kracher, Illmitz, 12,0%, 12,50 Euro intensives Goldgelb, Ananas/Maracuja nuanciert im Auftakt, fruchtig frisch, gar nicht so süß, schöne Säure, harmonisch, allerdings etwas alkoholbetont, gute Länge, sehr gutes P./L.-Verhältnis (85 - 88) Zum Abendessen sind wir zurück im Hotel "Zur Traube" und trinken einen eleganten Weißwein,
Rotgipfler "Sail's White" 2001, Bayer + Krug, Baden, Thermenregion, 13,5%. Ein Spitzen-Rotgipfler, wie wir finden, blass strohgelb, ganz leicht rauchige Nase, Marzipan, exotische Früchte, auch Bananen, fett und mächtig am Gaumen, Säure gut eingebunden, langer Nachhall (86 - 88) Zum Lammbraten bzw. Lammrückensteak passt hervorragend die 1999er Cuvée "Quattro" von Josef Gager, Deutschkreutz, 13,0% dunkles Rubinrot mit schwarzem Kern, etwas Paprikachipsnase, Röstaromen, etwas Kaffee, viel Körper und ordentlich Tannin, rassige Säure, braucht viel Zeit, jedoch zum Essen eine gute Ergänzung (88 - 90) Die Weinkarte des Hauses ist recht umfangreich, bietet sehr viele Positionen aus der heimischen Gegend und das noch zu äußerst fairen Preisen. TAG 2: Mittelburgenland - Die Tour beginntGrenzland mit roter VorliebeBlauer Himmel, Sonnenschein satt, angenehm warm, „passt scho!” Erste Station für den Montag: Grenzlandhof Reumann, Deutschkreutz, nahe der ungarischen Grenze. Der bewirtschaftet 20 ha Rebfläche, wobei 16 ha im Ertrag stehen und vier ha Junganlagen sind. Laubarbeit und Ausdünnung werden ebenso praktiziert wie strenge Traubenselektion. Erst in den 90er Jahren wurde mit der Flaschenfüllung begonnen, die Jahresproduktion liegt bei ca. 100.000 Flaschen. Zu 80 % wird Rotwein hergestellt, über die Weißweine sagt Christian Reumann selbst, dass sie nicht besonders sind und eher irgendwann noch weiter in den Hintergrund rücken werden. Aber die Kundschaft wünscht eben auch Weißweine, wobei man sich besser auf die Rotweine versteht.
Dass die Weißweine wenig Freude bereiten, merken wir rasch. Umso gelungener dagegen sind die Rotweine.
Welschriesling 2001, 11,5 % vol., Säure: 6,4 Rz: 0,6 g/l, 3 Euro (letzter Jahrgang) zartes Strohgelb, Blütenduft, etwas Honig, leicht, wenig Säure am Gaumen, kommt erst später beim Abgang zur Geltung, dann aber ordentlich (72 - 74)
Sauvignon blanc 2002, 12 % vol., Säure: 7,2 Rz: 0,5 g/l, 4 Euro eher untypische Nase, Blüten, leer am Gaumen, Säure kommt auch wieder am Schluss, unharmonische Gesamterscheinung (72 - 74)
Zweigelt 2002, 13 %, vol., Säure: 4,8 Rz: 1,6 g/l, 4,70 Euro (1 Monat auf der Flasche; lag im Stahl- bzw. Plastiktank) rubinrot, fruchtige Kirschnase, leichter Körper, ausgewogen, weich, präsente Säure, aber gut eingebunden, am Gaumen etwas eindimensional, sehr gutes P./L-Verhältnis (76 - 77)
Fassprobe Blaufränkisch 2002, 6 Euro (Plastiktank) rubinrot mit violetten Reflexen, kaum Nase (etwas kalt), dann mineralisch, Cassis, etwas Pflaume, am Gaumen kräftig, schöne Struktur, präsente Tannine und Säure, „jung und ungestüm” (78 - 80)
Blaufränkisch 2001, 13 % vol., Säure 4,3 Rz: 1,6 g/l, 6 Euro (ausverkauft) rubinrot mit violetten Rändern, Würze, mineralisch, etwas Brombeere, harmonisch am Gaumen, ausgewogen und relativ weich bei guter Länge, (81)
Blaufränkisch Riede Hochbaum 2001, 13,5 % vol., Säure 5,4 Rz: 0,6 g/l, 15 Mon. Barrique, 10 Euro Purpur mit violetten Rändern, dezent Vanille und Röstaromen, fruchtig, ausgewogen und relativ weich am Gaumen, aber auch filigran, Potential 4 - 5 Jahre, recht schön (83 - 84)
Cuvée „Mariela” 2001 (BF 55/CS 25/M und ZW Rest), 13,5 % vol., 12 Euro Erstmalig mit in der Cuvée ist Merlot verwendet worden. Intensives Purpur mit schwarzem Kern, dunkle Beeren wie Brombeere, Heidelbeere, dezente Röstaromen, viel Säure, intensive Tannine, unausgewogen, lang, Potential, in einem Jahr antrinken (85 - 87)
Cabernet Sauvignon Riede Steinriegel 2001, 13,5 % vol., 14 Euro intensives Rubinrot, schöne Beerennase und Vanille, Extraktsüße am Gaumen, viel Säure und sehr kantig, stramme, trocknende Tannine, im Nachhall recht unrund (83 - 84)
Im Mittelburgenland wurde im Jahre 2000 das Projekt „Juwel” in Angriff genommen, an dem 10 bis 15 Winzer beteiligt sind. Auch der Grenzlandhof hat sich bei diesem Wettbewerb, bei dem ein reinsortig ausgebauter Blaufränkisch mindestens 30 Monate im Barrique liegen muss, beteiligt. Das Ergebnis kann sich bereits jetzt schon sehen lassen.
Fassprobe Blaufränkisch „Juwel” 2000, 30 Mon. Barrique (2 mal neu), wird ca. 35 Euro kosten Purpur mit violetten Rändern, Vanille und Röstaromen im Auftakt, Kirsche, recht schöne Extraktsüße am Gaumen, druckvoll, sehr lang, gut eingebundene Säure, schon recht beeindruckend (90)
Fassprobe Pinot Noir 2002 (wird im Herbst gefüllt), gebrauchte Barriques, 7 Euro kräftiges Rubinrot, viel Kirsche in der Nase, auch Marzipananklänge, Walnuss, gewisse Eleganz, rund und sehr harmonisch am Gaumen, sehr schön!!, super P./L-Verhältnis (90 - 92). Richard fand ihn bei mittleren Körper etwas säurebetont, v.a. im Nachhall (87)
Erst das Picknick - dann das Vergnügen
Zur Mittagszeit zieht es uns hinaus in den Weinberg. Ein schneller Einkauf im Spar Markt und schon haben wir unsere Schleckereien für ein Picknick im Grünen beisammen. Vorbei am Pandurenkeller der Monika Strehn (stets bewacht vom Bundesheer) geht es hinauf in die Deutschkreutzer Rieden. Der Wind weht kräftig, doch das hält uns nicht davon ab, die Wolldecken auszupacken (Norbert und Inge sind bestens organisiert mit solchen Utensilien), Wurst, Käse, Radieschen und Paprika aufzuschneiden und zu einem Glas Zweigelt von Reumann im Weinberg sitzend den Tag zu genießen. Von hier oben aus lässt sich sogar der entfernte Neusiedler See schon recht gut erkennen mit seinen weißen Segelbooten.
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Deutschkreutz - Rieden
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Das Weingut Johann Heinrich in Deutschkreutz ist unsere nächste Adresse. Wir sind mit Michael Prünner aus Mattersburg, ebenfalls Weinforum, verabredet. Er wird uns bei einigen Winzern begleiten. Zu 99,9 % baut man bei Heinrich Rotwein an, Weißwein spielt keine große Rolle.
Und doch verkosten wir zunächst einen 2002er Sauvignon blanc, 12,5%, 8,60 Euro. Der Wein präsentiert sich in blassem Strohgelb, Blütenduft, wirkt mineralisch, Marillen, leicht, viel Säure zum Schluss, unharmonisch, zu teuer, nicht mein Fall (74) (polarisiert in der Gruppe, Richard gibt 81 )
Blaufränkisch 2002, 13.5%, 5,95 Euro (junge Reben, 7 - 10 Jahre) helles Rubinrot, Kirsche und sortentypische Kräuternoten in der Nase, dezent, mittlerer Körper, präsente Säure, einfach gestrickt (74 - 76), Richard meint: auch etwas Cassis und Brombeeren, gute Länge (79)
Zweigelt „Siglos” 2002, 13,5%, 7,95 Euro (lag im gebrauchten Barrique), 40 Jahre alte Reben rubinrot mit violetten Reflexen, würzige Nase, dezent Vanille, Hauch Marzipan, rund am Gaumen und sehr elegant, weich und gute Länge, insgesamt sehr zurückhaltend (84 - 86)
Blaufränkisch „Goldberg” Alte Reben 2002, 13,5%, 10,95 Euro (vor 4 Wochen auf Fl. gefüllt) rubinrot bis purpur, Kräuterwürze, schöne Fruchtfülle, elegante Stilistik, relativ weich, sanfter Nachhall von Kirsche bei guter Länge (87)
Blaufränkisch „Goldberg” Reserve 2001, 13,5%, 17 Euro purpur mit violetten Rändern, tief und dicht mit Heidelbeer-Brombeer-Frucht und etwas Würzanklängen, auch Vanille, füllig und druckvoll am Gaumen, schön harmonisch, sehr lang, recht beeindruckend (89 - 91)
Pinot Noir „Weißes Kreuz” Reserve 2001, 13,5%, 17 Euro helles Rubinrot, Kirsche und leicht rauchig, etwas Himbeere, weich am Gaumen, elegant, extraktsüß, etwas spitz zum Schluss durch stramme Tannine (87 - 89)
Cuvée „TERRA O.” 2001 (BF/CS/M/Syrah/PinotN/ZW), 13,5%, 19 Euro dunkles Rubinrot bis Purpur, schöne Fruchtnase von Beeren, sehr komplex, füllig und mächtig am Gaumen, extraktsüß, präsente Tannine und enorme Länge, äußerst gelungene Cuvée (92 - 94)
Cuvée ELEGY 1999 (CS/M), 13,5%, 47 Euro tiefdunkel bis opak, kaum Nase, komplex, schöne Kirchenfenster beim Schwenken des Glases, braucht viel Luft, jetzt kommt Pflaume durch, präsente Holznoten, sehr geschmeidig, tief, druckvoll und intensiv am Gaumen, enorme Tiefe, sehr langer Nachhall, toll, eine Offenbarung, der Preis ist allerdings sehr hoch gegriffen (93 - 95)
Cabernet Sauvignon 2000 (ausverkauft; Falstaff-Sortensieger), 13,5%, 27 Euro dunkles Rubinrot, schöne Beerenfrucht in der Nase, üppig am Gaumen, gute Länge, schöner Cabernet-Sauvignon mit viel Eleganz (90 - 91)
Ein tolles Sortiment insgesamt, kein Wunder, dass da schon viel ausreserviert bzw. nicht mehr erhältlich ist. Der „Cupido” 2000 für 55 Euro wurde streng limitiert und so einen hochpreisigen Wein gibt es natürlich nicht bei der Verkostung.
Österreichs größte WG
Wir fahren von Deutschkreutz nach Horitschon, was sich an diesem Montag nicht gerade problemlos bewältigen lässt, zumal die Landstraße neu geteert wird und wir mit Wartezeiten durch Ampelschaltung zu rechnen haben. Doch einigermaßen termingerecht erscheinen wir bei den Vereinten Winzern in der Günser Straße.
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Harte Arbeit
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Die sind Österreichs größte Winzergenossenschaft, sie wurde 1962 gegründet. Zu den Vereinten Winzern gehören 450 Mitglieder (oder waren es 450 ha?), außerdem sind 25 Vertragswinzer beteiligt, die ihre besten Trauben liefern. Hier werden ca. 5 Millionen Liter verarbeitet und gefüllt. Wir werden durch eine ungeheuer große Anlage mit riesigen Behältnissen aus Stahl sowie im tiefen Keller mit Zisternen geführt. Auch der Barriquekeller ist gewaltig.
Chardonnay Premium 2000, 13,0%, halbtrocken, 6,18 Euro (Barriqueausbau) sattes Strohgelb, dez. Holz und Vanilleanklänge, sanfte Buttrigkeit, etwas Pfirsich, rund und voll am Gaumen, gutes Verhältnis Süße/Säure (79 - 80)
Zweigelt Classic 2002, 4,50 Euro rubinviolett, klassische Zweigeltnase, Würze, am Gaumen etwas eindimensional, viel Säure, gute Länge, guter Alltagswein (76)
Blaufränkisch Classic 2001, 5 Euro rubinrot mit violetten Rändern, Kirschnase, mittlerer Körper, wieder etwas langweilig am Gaumen, relativ weich, schön rund trotz spürbaren Tanninen (76 - 77)
Blaufränkisch Hochäcker 2001, 8,50 Euro violettrot bis purpur, würzige Aromen, dezente Holzanklänge, druckvoll am Gaumen, noch recht unausgewogen, rassige Tannine, gute Länge, Potential (80 - 82)
Cuvée „Royal” 2001 (BF/ZW/CS/M), 13,50 Euro tintig-violett, undurchdringlich, Schwefel?, etwas Veilchen, mittlerer Körper, unausgewogen, präsente, trocknende Tannine, Potential (78 - 80)
Cuvée ARACHON evolution 2000, 21,50 Euro dunkles Rubingranat, fast schwarz, komplex, etwas Waldfrüchte, dezente Holzanklänge und Vanille, braucht viel Luft, wenig Extraktsüße am Gaumen, voller Körper, jung und ungestüm, trocknende Tannine, gute Länge (86 - 88)
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Barriquekeller ARACHON
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Sicherlich ist der 2000er insgesamt besser als der 1998er oder 1999er, aber ob 21,50 Euro unbedingt sein müssen
Aha - Die Familie
Den nächsten Termin haben wir beim Familienweingut Donatus Wellanschitz, Neckenmarkt. Der Sohn Georg führt uns durch den 25-ha-Betrieb, ebenfalls eine sehr moderne Anlage mit einem tollen Barriquekeller mit indirektem Licht und einer Rutsche (wohl zum Abkürzen anstatt Treppe). Der Ertrag pro ha pendelt sich bei ca. 4.000 bis 6.000 Litern ein, es werden 120.000 Flaschen abgefüllt. Und diese ausschließlich mit Rotwein.
Für unsere Gruppe stellt dieses Weingut das erste „Aha”-Erlebnis dar. War es doch mein Geheimtipp
Vor allem die Preise sind absolut den Weinen entsprechend, da hat man viel Wein für das Geld. Einkaufen, was man kriegen kann!
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Barriquekeller Wellanschitz
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Wir dürfen nahezu das gesamte Sortiment verkosten und Georg Wellanschitz wird zunehmend fröhlicher und trinkt mit uns mit. Uns freut’s!
Blaufränkisch 2002 Classic, 5,50 Euro, im Edelstahl ausgebaut rubinrot, Würze, etwas Kirsche, samtig elegant, vollmundig, ausgewogene Säure, etwas Kakao im Abgang, sehr gelungen (84) Richard meint: etwas muffig, ansonsten dunkle Beeren, eher atypischer Blaufränkisch, mittlerer Körper und Abgang, (74)
Zweigelt 2002, 5,50 Euro tiefdunkles Rubinviolett, pflaumenfruchtiger Auftakt, etwas Kirsch, am Gaumen recht druckvoll, weich, jedoch etwas trocknende Tannine im Nachhall, braucht Zeit, schon mehr als ein einfacher Einstiegszweigelt in dieser Preisklasse (80 - 82)
Blaufränkisch 2001 „Hochberg” (vormals Bodigraben), 13,0%, 6,60 Euro, in gebr. Barriques ausgebaut intensives Rubinrot, Waldfrüchte, Heidelbeere, gute Struktur, voll am Gaumen mit schöner Extraktsüße, ausgewogen, ganz dezentes Holz, relativ weiche Tannine, ein guter Sonntagswein (84 - 85)
Syrah 2001 „Ried Bodigraben”, 13,0%, 11 Euro (Südhang, 2. Jahrgang, 6 - 8 Mon. 50 % neue Barrique) dunkles Rubingranat, verhaltene Nase, ein Touch Schinken, Holz nicht so präsent, elegant, sanft und nicht so wuchtig, sehr gute Länge, ein schöner Kontrast zu den Übersee-Marmeladen-Syrah! (87 - 90)
Blaufränkisch Barrique „Altes Weingebirge” 2001, 13,5%, 12 Euro (2. Barriquebefüllung) sattes Dunkelrubin bis Purpur, tiefe, reife Kirschfrucht, wieder ein Hauch dunkle Schokolade, sanfter Vanillehauch, mächtig dicht bei schöner Süße am Gaumen, Paprikachips, lang, gutes P./L.-Verhältnis, toller Wein! (85 - 87)
Cuvée FRATERNITAS 2001 (BF 50%/CS 40%/Syrah 10%), 13,5%, 14 Euro tiefdunkel, undurchdringlich, Beeren und Cassis-betonte Nase, Karamell, wuchtig und druckvoll am Gaumen, ausgewogen, recht stramme Tannine im Abgang, gute Länge, hat bestimmt große Zukunft vor sich (90 - 92)
Zweigelt 1999 „Hochberg Reserve”, 9 Euro Georg W. erzählt, dass hier sehr reifes Traubengut verwendet werden konnte. Tiefdunkles Rubinviolett, dezente Holztöne, Pfefferwürze, etwas Pflaume, mehr Zartbitterschokolade, harmonisch und rund, druckvoll am Gaumen, tolle Länge mit Schokonachhall, sehr beeindruckender Zweigelt (86 - 90)
Cabernet Sauvignon „Ried Rüsselsgrund” 2001, 13,5%, 14 Euro (14 Mon. Barrique, 80 % neu) dunkles Rubinrot mit schwarzem Kern, Cassis, etwas Minze, wirkt frisch, kraftvoll und mächtig am Gaumen, gute Struktur, ordentliches Tanningerüst, Potential (90)
Blaufränkisch 2000 „WELL”, 21 Euro (Salonwein 2002, 18 Mon. Barrique) Bei diesem Wein handelt es sich um ein sehr hochwertiges Produkt: Auslese aus drei Lagen bei kleinem Ertrag, lange Maischestandzeit, wird nur in besonders guten Jahren produziert. Tiefdunkles Rubingranat, dunkle Beerenfrucht, sehr dichter Körper, am Gaumen schöne Extraktsüße, opulent, stramme, etwas trocknende Tannine, sehr schöne Länge, ein wirklich beeindruckender Blaufränkisch, WELL DONE! (92 - 95)
Richard hatte noch: RAGA 2001, Cuvée aus Blauburger und Rotburger, 7 Euro Rubinrot, Karamell, fruchtig, schöne Süße, weich, hat einen leichten Holzton, obwohl er Holzfässer nie gesehen hat, mittlerer Abgang (78)
Georg Wellanschitz sagt uns, dass er auch ein Blaufränkisch „Juwel” im Keller hat, wobei sich der Preis bei ca. 30 Euro einpendeln wird. Schade nur, dass wir davon, genauso wie bei Heinrich, keine Kostprobe bekamen...
Insgesamt ein wirklich tolles Portfolio bei absolut passenden Preisen, um es nochmals auf den Punkt zu bringen.
Schnitzel mit Schwierigkeiten
Abends zieht es uns zum „Schnitzelwirt” Posch, Buschenschänke in Deutschkreutz (verwandt mit der Winzerin Monika Strehn, klar, dass das gesamte Weinangebot von ihr stammt). Es ist ein milder lauer Abend, jedoch der Wind weht böig. Gemütlich unter Lauben sitzen wir bei Wein, Budweiser und Wasser. Riesenschnitzel, Tafelspitz, Grillteller und Käsespätzle werden verdrückt, mit dem Wein jedoch haben wir leichte Schwierigkeiten:
St. Laurent 2001, Monika Strehn, Deutschkreutz Er präsentiert sich leicht prickelnd am Gaumen, was wir etwas merkwürdig finden und den Wirt kommen lassen. Er nimmt einen Schluck mit zum Testen und kommt mit der Nachricht zurück: „Der Wein ist in Ordnung, hat wohl etwas Stress beim Korkenziehen entwickelt, das Prickeln wird sich beruhigen und verschwinden. Eine Nachgärung kann ausgeschlossen werden.” Tatsächlich, das unruhige Spiel beruhigt sich und trotzdem kommt der Wein nicht mehr richtig in Fahrt, schade.
TAG 3: Vom Mittelburgenland zum Neusiedler See Burgenländische Salzstangerln mit zufälliger Verwandschaft
Nach einem guten und reichlichen Frühstück verlassen wir das in Neckenmarkt samt Gepäck und Weineinkäufen, denn wir wollen am Mittag weiter zum Neusiedler See. Doch zunächst haben wir einen Termin beim Rotweinhof Amminger in Horitschon. Der Familienbetrieb wird von Gerhard und Gertrude Amminger geführt. Die beiden Söhne Marco und Gerhard unterstützen ihre Eltern und bringen auch neue Ideen in den 8-ha-Betrieb ein.
Zu 75 % wird Blaufränkisch angebaut, den Rest teilen sich Cabernet Sauvignon und Merlot. Auch wird minimal Weißwein angebaut und gar kein schlechter!
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Ammingers Flaschenlager
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Wir werden sehr herzlich von Herrn und Frau Amminger begrüßt und sogleich erhalten wir einen kurzen Einblick in den Barriquekeller sowie in das sehr schön hergerichtete, indirekt beleuchtete Flaschenlager. In der sehr gemütlichen Verkostungsstube dürfen wir Platz nehmen und nach kurzer Zeit erscheint Frau Amminger mit einem Riesenkorb frisch gebackener burgenländischer Salzstangerl und einer üppig belegten Platte mit Pannonius-Butterkäse aus der ortsansässigen Käserei. Was für ein Auftakt, wir finden das äußerst großzügig und aufmerksam!!
Wir erwähnen, dass wir zuletzt mit solchen Salzstangerln von Paula Gager in Deutschkreutz verwöhnt wurden und sofort erfahren wir, dass Frau Amminger die Schwester von eben dieser ist! Was für ein lustiger Zufall
Kommen wir zu den Weinen:
Chardonnay 2002, 12,0%, 6 Euro, 21,5 KMW, 5 bis 6 Tage im neuen Barrique vergoren, dann Stahltank helles Strohgelb, dezente Nase (Apfel und Pfirsich), minimal buttrig, rund am Gaumen, voll, ganz sanfter Holzanklang, gut eingebundene Säure, mittlerer Nachhall, sehr eleganter Chardonnay (82-84 Punkte)
Welschriesling 2002, 4 Euro grasiggrün, unruhig, leichter Dropsgeschmack, leicht, präsente Säure, zum Schluss etwas leer, nicht der rassige Welschriesling-Typ (76)
Zweigelt 2002, 5,50 Euro rubinviolett, kleine Nase, leichtfüßig, ohne dünn zu sein, weich, einfach, aber gelungen, guter Alltagswein (75 Punkte), Richard findet ihn eindimensional, leicht mostig bei sehr prägnanter Säure und gibt daher nur 72 Punkte
Blaufränkisch Classique 2001, 5 Euro rubinviolett, Veilchenduft, leichter Körper, seidenweich am Gaumen, dann Tannine spürbar, ebenfalls guter Alltags-Blaufränkisch (77-78)
Blaufränkisch „Hochäcker” 2001, 8 Euro (6 Mon. großes Fass) dunkles Rubinviolett bis Purpur, Kirschfrucht und leichte Röstaromen, eher leichter Körper, eher kurz mit etwas zuviel Säure im Nachhall (76)
Blaufränkisch „Pannonia” 2001, 9 Euro, (15 Mon. Barrique) rubingranat, Kirsche und Veilchen in der Nase, mittlerer Körper, stramm und unausgewogen, braucht Zeit, Potential (83)
Cuvée „Creatio” 1999, 13 Euro (14 Mon. Barrique) Diese Cuvée besteht zu je einem Drittel aus Blaufränkisch, St. Laurent und Cabernet Sauvignon. Sie präsentiert sich rubinviolett mit schwarzem Kern, Karamell und Röstaromen in der Nase, fett und mächtig am Gaumen, raue, trocknende Tannine, noch etwas unausgewogen, es fehlt ein bisschen die Extraktsüße am Gaumen, CS-dominant, Potential (84)
Cabernet Sauvignon 1999, 17,50 Euro (14 Mon. Barrique) rubinrot, große Cassisnase, etwas grüne Paprika, setzt sich am Gaumen fort, mächtig, voller Körper, etwas kantig und ungestüm, präsente Tannine, langer Abgang (83)
Cabernet Sauvignon 2000, 17,50 Euro rubinrot, Cassisnase, füllig am Gaumen, reifer als der 99er, trocknende Tannine, eine Menge Potential (84-86)
Cuvée „PATRON” 2000 (CS zweidrittel/M), 28 Euro, (18 Mon. Barrique) dunkles Rubinviolett mit schwarzem Kern, viel Beerenfrucht in der Nase, sanfte Röstaromen, viel Stoff am Gaumen, mächtig und fett, deutliche Tannine, schöner Heidelbeerenausklang bei guter Länge (86-88)
Auch das Rotweingut Amminger kann man insgesamt als Geheimtipp handeln. Wir sind von dem Sortiment recht positiv überrascht. Natürlich lassen auch hier die Einkäufe nicht auf sich warten
Die Verwandschaft bleibt gelassen
Im Anschluss fahren wir mal eben „zur Verwandtschaft”, zu Gager nach Deutschkreutz. Beeindruckt von den Weinen, die wir im September 2002 dort kennen lernen durften, war es klar, dass diesmal Gager wieder im Programm ist.
Josef Gager erzählt uns, dass für ihn 2002 ein gutes Jahr war. Beim Thema Mostkonzentration bleibt er gelassen, als wir es ansprechen. Er wendet sie nur an, wenn es nötig ist. Seine Weine sind meist mächtig und fett, bei schöner Extraktsüße, irgendwo muss es ja herkommen! Im 20-ha-Betrieb kann man den Fortschritt sehen, auch künstlerische Highlights wurden eingearbeitet, so u. a. ein schönes Bild aus kleinsten Mosaikkacheln, die die Etiketten der letzten Jahre darstellen.
Ganz nebenbei übrigens: die bekannt-geliebten Salzstangerl lassen nicht lange auf sich warten ;-))
Zweigelt 2002, 13,5%, 6,50 Euro (kurz gefüllt) rubinrot, Kirsche und Kräuterwürze, mittlerer Körper, mollig am Gaumen, relativ weich und guter Nachhall von Schokolade, schon trinkreif (82-85 Punkte)
Blaufränkisch „Ried Fabian” 2001, 8,50 Euro (3 Mon. Barrique, 20% neue) dunkles Rubinviolett, etwas verhalten, Kirschduft, fett und satt am Gaumen, viel Körper, extraktsüß, leichte Röstaromen, lang (84-85)
Blaufränkisch Reserve 2001, 13 Euro dunkles Rubinviolett mit schwarzem Kern, sanfte Röstaromen, Würze, fett und extraktsüß am Gaumen, opulent, Säure gut eingebunden, relativ trinkreif bereits, langer und schöner Nachhall von Kirsche und dunkler Schokolade (86-88)
Cuvée „QUATTRO” 2001, 15 Euro dunkles Rubinviolett, undurchdringlich, Veilchen und Vanille in der Nase, sanft und weich am Gaumen, füllig, viel Extrakt, recht balanciert, gute Säure, rassiges Tannin, tolle Länge mit dezentem Kakaonachhall, beeindruckend, allerdings nicht ganz so voll und intensiv wie 2000 (89-91)
Syrah 2001, 14,4%, 26 Euro tiefdunkel, fast schwarz, tiefe Frucht, Gewürzstrauch, dezenter Schinkenhauch, sehr konzentriert, viel Körper, im Nachhall Röstaromen und Kakao, gute Länge, schöner Syrah (90-92)
Fassprobe Blaufränkisch „Juwel” 2000, 14,0% tiefdunkles Rubinviolett mit schwarzem Kern, Karamell, Holz/Vanille in der Nase, beerig, hochkonzentriert, komplex, intensiv am Gaumen, rassige Tannine, wunderbarer Nachhall von Bitterschokolade bei irrer Länge, ein großer Wein! (93-95)
Auf dem Weg durch das unter dem Dach befindliche Barriquelager ergattern wir noch die eine oder andere Fassprobe, unter anderem einen wunderbaren Cabernet Franc 02 (fast schwarz, grüner Kaffee, auch Tabak, dicht, voll, sehr langer Nachhall (90-93+) oder auch einen Blaufränkisch 02 (tiefes Rubin, fruchtig, Espresso, dicht, tolle Fruchtsüße, ebenfalls sehr langer Nachhall (92-95). Auch wenn der zeitliche Schuh etwas drückt, viele seiner Weine lösen bei uns sofortigen Besitzerreflex aus!
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Appetit?
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Zum späten Mittagessen finden wir uns im Haubenlokal „Horvath” im nahegelegenen Ort Ritzing ein. Ein verschlafenes Nest ist dieser Ort schon, still, ruhig, keine Durchgangsstraße, aber dafür ist die feine Küche dieses Hauses weithin bekannt und auch wir haben schon unsere positiven Erfahrungen machen können. Ich schwärme immer noch von den hausgemachten Cremeschnitten. Ferner werden Kartoffelsüppchen mit Lachseinlage, Mais-Hähnchenfilet mit Sahnenudeln sowie eben die Cremeschnitten bzw. Schokoladenmousse-Türmchen probiert und für ausgezeichnet befunden.
Schade, dass wir nur „auf der Durchreise” sind und für dieses feine Restaurant nicht mehr Zeit haben für ein 3-Gang-Menü. Aber immerhin bleibt uns Zeit genug, dem Patron des Hauses in seinen Keller zu folgen: wir sind begeistert von seinem steingemauerten Flaschenlager mit dezenter Beleuchtung: da ruht einfach alles, was Rang und Namen hat, ferner etliche Magnum und Doppelmagnum. Wirklich ein sehenswerter Keller, man könnte direkt neidisch werden!
Neusiedler See Eine Freundschaft als Ausgangspunkt
Bei herrlichem Sonnenschein kommen wir am Nachmittag des 29. April 2003 in Purbach am Neusiedler See an. Der Schilfgürtel des Sees präsentiert sich noch in winterlichem Braun, aber die neuen Triebe werden sehr bald diesen Gürtel mit einem frischen Grün überziehen. Wir haben unser Quartier im „Haus Elisabeth” in der Schulgasse 3. Mit der Winzerin Elisabeth Haselbauer bin ich schon seit einigen Jahren befreundet und so bietet sich dieses Haus als guter Ausgangspunkt für unsere Termine rund um den Neusiedler See an.
Nach einer guten Erfrischung mit „G'spritztem” (Grüner Veltliner mit Mineralwasser) unter der Gartenlaube fahren wir hinaus in die Weinrieden der Familie Haselbauer (3 ha, sehr verstreut rund um Purbach) und gehen ein paar Schritte. Elisabeth erklärt uns einiges zu den jungen bzw. älteren Rebstöcken, die Austriebe beginnen gerade, ihr Grün zu entfalten. Wir genießen einen wunderbaren Ausblick auf den Neusiedler See und die Ortschaft Purbach von oben und hören von fern einige Male den Schrei eines Fasans, während wir uns wieder mit „G'spritztem” erfrischen.
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Prubach am Neusiedler See
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Im späteren Verlauf haben wir einen sehr netten Kellerabend mit der Winzerin und ihrem Mann Franz. Er hat sich auf das Schnapsbrennen spezialisiert und macht dies nur nebenbei. Hauptberuflich hat er nichts mit Wein zu tun, das überlässt er ausschließlich Elisabeth, die diese Zunft von ihren Eltern übernommen hat.
Im Laufe des Kellerabends können wir das gesamte Sortiment verkosten (die Notizen hierzu stammen ausschließlich von Richard):
Welschriesling 2002, 12,5%, 3 Euro blasses Strohgelb, kaum Bukett, leicht grüne Äpfel, etwas wenig Säure für einen Welschriesling (71 Punkte)
Grüner Veltliner 2002, 13,0%, 3 Euro helles Strohgelb, ebenfalls kaum Bukett, am Gaumen leichter Pfeffer, leichter Körper, kurzer Abgang, unausgewogen (70)
Bouvier 2002, 13,0%, 3 Euro blassgelb, würzig, Muskatnoten, Rosenblüten, schöne, passende Säure, mittlerer bis langer Nachhall, guter Trinkwein (79)
Blaufränkisch Rosé 2002, 13,0% 3 Euro sehr leichtes Rosa, zurückhaltende Frucht, leichtes Erdbeeraroma, mittlerer Abgang, passabler Sommerwein (76)
Blaufränkisch 2002, 13,0%, 3 Euro rubinrot, wenig Frucht, etwas Cassis, am Gaumen doch Fruchsüße, leichter Körper, weich, mittlerer Abgang (74)
Zweigelt 2002, 13,0%, 3,40 Euro schönes Rubinrot, fruchtig, vor allem Kirsche, weich, etwas eindimensional, mittlerer Körper, ebensolcher Nachhall (77)
Als besondere Einlage schenkt uns Norbert nun als Blindprobe einen Wein ein, von dem wir als einzig sichere Tatsache sagen können, dass es ein Rotwein ist ;-) Nach der Lüftung des Geheimnisses ist die Überraschung groß. Es handelt sich um einen „Blauen Zweigelt 2000, im Barrique gereift” vom Winzerhof Gussek, Naumburg, Saale-Unstrut (!!), AP Nr. 010 017 01: rubinrot, süße, marmeladige Frucht, etwas Kaffee und Paprika, langer Nachhall (83); hat wohl etwas unter der Autofahrt gelitten.
Nach diesem Abstecher geht es nun aber mit den Haselbauer-Weinen weiter:
Pinot Noir 2002, 13,0%, 3 Euro kirschrot, Brombeeren und dunkle Waldfrüchte, unharmonisch, ebenfalls mittlerer Körper und Abgang (76)
Müller-Thurgau Spätlese 2002, 9,5%, 3 Euro blasses Strohgelb, würzige Nase, Muskatnote, schöne Süße, kaum Säure, wirkt harmonisch, gute Länge (79)
Der 2002er Jahrgang ist insgesamt nicht so gut ausgefallen wie seinerzeit der 2000er. Da war vor allem der Blaufränkisch sehr gelungen und wirkte nicht so leer wie der 2002er. Im Ganzen gesehen machen die Haselbauers keine Spitzenweine, aber sehr taugliche fruchtige Alltagsweine zu kleinen Preisen. Ein Projekt mit einer Cuvée aus den drei Rotweinsorten ist geplant.
Die Jaus’n ist äußerst üppig und wir haben eine Menge Spaß im Keller. Kein Wunder also, dass es auch mal spät wird und einige von uns im Keller „versacken”.
TAG 4: Am Neusiedler See Eine ordentliche Portion Sebstbewusstsein
Frisch und munter starten wir am nächsten Morgen zum ersten Termin im Weingut JURIS Stiegelmar in Gols (25 ha). Wir werden mit sehr viel Elan von Axel Stiegelmar durch den modernen Neubau von 2002 geführt, zu 80 % werden Rotweine gekeltert und diese werden u.a. exportiert in diverse Länder Europas. Das Weingut hat sich auch dem Verband „RWB - Renommierte Weingüter Burgenland” angeschlossen. Axel Stiegelmar war schon einmal Falstaff-Sieger und lernte viel in Kalifornien und Deutschland, in Rheinhessen.
Dementsprechend neugierig sind wir nun auf seine Weine, die er uns alsbald vorstellt.
Muskat-Ottonel 2002, 12,5%, 8,50 Euro sehr blass, leichter Muskatton, Rosenblüten, unruhig, sehr trocken, prickelnde Säure, unharmonisch (74-75)
Sauvignon blanc 2001, 12,5%, 10,50 Euro blasses Strohgelb, Melone, untypisch, säurebetont am Gaumen, spitz, dem Wein fehlt was (72), Richard notiert: reife Stachelbeere und Holunder, leichte Röstaromen, säurebetont, mittlerer Abgang (76)
Chardonnay Barrique Reserve 2001, 13,0%, 18,50 Euro (12 Mon. Barrique) strohgelb, holzwuchtig in der Nase, viel Säure am Gaumen, fehlende Balance, im Abgang etwas gebrannte Mandeln, der Preis eine Unverschämtheit (73), Richard meint dazu: buttrig, Honigmelone und Pfirsich, sehr dominantes Holz, voller Körper, etwas unharmonisch, langer Nachhall (82)
Dieser Wein polarisiert die Gruppe ordentlich und regt uns zur Diskussion mit dem Winzer an. Ich habe ein „deja vu”-Gefühl (ähnlich Fetzer Vineyards, Kalifornien) und kann mir nicht helfen, ich finde den Wein völlig überholzt und im Stil ganz amerikanisch. Axel Stiegelmar sagt uns, dass dieser Chardonnay ein Weltklassewein ist und in 5 Jahren erst zeigt, was in ihm steckt, auch wird bis dahin der Holzton gut eingebunden sein. Der junge Mann verfügt über eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein.
Pinot Noir Selektion 2001, 13,0%, 11,50 Euro helles Rubinrot, Kirsche, Erdbeere, leicht am Gaumen, mineralisch, rassige Säure, die nachklingt (74-75)
Cuvée „Wolfsjäger” 2001 (BF 30%/ZW 70%), 12,5%, 16,50 Euro dunkles Rubinrot, Kirsche und Würze, leichter Holzanklang spürbar, angebranntes Sauerkraut, keine Extraktsüße, Säure zu dominant (73)
St. Laurent Reserve 2001, 13,5%, 23,50 Euro dunkles Rubinrot, Kirsche, etwas Holzspiel, mittlerer Körper, relativ weich bei guter Säure, langer Nachhall (78-80)
Pinot Noir Reserve 2000, 13,5%, 23,50 Euro dunkles Rubinrot, Kirsch, Brombeeren und etwas Holz in der Nase, geschmeidig am Gaumen, Säure gut eingebunden, gute Länge, aber viel zu teuer (83)
„Imperialis” Ausbruch Essenz (Scheurebe/Bouvier), 0,375 l, 10 % vol., 24,50 Euro (fußgetreten) goldgelb bis bernstein, Maracujanase, Honiganklänge, üppig am Gaumen, etwas wenig Säure für die Süße, gute Länge (89)
Ein stark böiger Wind ist aufgezogen und wir fahren weiter Richtung Frauenkirchen, halten Mittagspause im gemütlichen Restaurant „Altes Brauhaus”, sitzen dort im Gastgarten und blicken öfters hinauf aufs Dach, auf dem sich ein Storchennest samt Storch befindet. Doch viel zu oft dreht er uns den Rücken zu und wir sehen ihn quasi nur „von unten”.
Die Speisekarte dieses Hauses bietet viele pannonische bzw. ungarische Gerichte und wir testen einige davon, wie z.B. Szégediner Gulasch, Saftgulasch, Palatschinken mit Fleischfüllung und Paprikasoße.
Ein topmodernes Highlight
Nun liegt ein Highlight in Sachen Wein vor uns: wir stehen vor der topmodernen Anlage mitten im Weingarten der Familie Pöckl, Mönchhof. Herzlich werden wir von Frau Pöckl begrüßt, die etwas klein, aber sehr energisch ist.
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Bei Familie Pöckl
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Das Weingut Pöckl besitzt 26 ha, 17 stehen derzeit im Ertrag. Man strebt nach höchster Qualität durch strenge Traubenselektion. Zusätzlich werden von weiteren 15 - 20 ha (Vertragswinzer) Trauben gekauft, um der stetig steigenden Nachfrage gerecht zu werden. 99 % der eigenen Rebanlagen sind rot, 2.500 Chardonnaystöcke sind gepflanzt. Im Keller stehen 950 Barriquefässer, in die man alle Weine gibt, auch den Basiswein (Zweigelt). Maischestandzeit: 10 - 15 Tage.
Zweigelt 2001, 12,5 % vol., 5,10 Euro rubinviolett, Kirsche, Würze, fruchtig, mittlerer Körper, harmonisches Verhältnis Süße/Säure, weich, schöner Kakaonachhall (81-84)
Zweigelt Classique 2001, 12,5 % vol., 8,40 Euro dunkles Rubinrot mit violetten Reflexen, Kirsche und Vanille, rund am Gaumen, präsente Säure gut eingebunden, gute Länge mit Schokotönen (84-85)
Fassprobe Cuvée „Rosso e Nero” 2002 (ZW/BF/CS/St.L/M/SY), 13,0 % vol. (leider ausgebucht) (2000: war 16 Euro) tiefdunkel mit violetten Rändern, komplex, wuchtig, tief, viel Körper, Zartbitterschokolade, stramme Tannine und Moccanuancen, kantig im Abgang, super Länge, enormes Potential, eine tolle Cuvée (91-93)
Fassprobe Pinot Noir 2002, 13,5 % vol. (leider ausgebucht) (2000: war 25 Euro) intensives dunkles Rubinrot, reife Kirschen, Kaffee, schöne Extraktsüße am Gaumen, noch intensive Tannine, irre Länge, was für ein toller Wein, ein Rohdiamant! (93-94)
Cuvée „ADMIRAL” 2002 (ZW65/BF15/CS15/M5), ca. 20 Mon. Barrique (leider ausgebucht) (2000: war 32 Euro) fast schwarz mit violetten Rändern, äußerst komplex, dann intensiv Beeren, Bitterschokolade, Lakritze, ein wenig Röstaromen, fett, intensiv, ja opulent, stramme Tannine, eine Wahnsinnslänge, Bitterschokoladennachhall, ein weiteres „Aha-Erlebnis” der Extraklasse, verdammt nah an der Perfektion, ein wirklich großer Wein! (95-97)
Beerenauslese 99/00 (Welschr/CH/Sämling88), 13 % vol., 142 g Rz, 15 Euro gold bis bernstein, exotische Früchte wie Maracuja, ölig, mollig am Gaumen, ausgewogenes Säure/Süße-Spiel, bleibt lang mit etwas Zitrusnachhall (93-95)
Pinot Noir Trockenbeerenauslese 1998, 10,5 % vol, 217 g Rz, 25,50 Euro cognacfarben, Nuss, Orangenschalen, opulent, Süße relativ angenehm, genügend Säure im Abgang (94 Punkte)
Das Weingut Pöckl hat die gesamte Gruppe begeistert, kein Wunder. Und es waren die Weine von Josef Pöckl, dem Vater. Was mag der junge René (23) auf die Beine stellen, ist sein Wein „Rêve de Jeunesse” doch auch längst ausverkauft.
Die gekrönte Weinbäuerin
Der nächste Termin schließt sich an in Rust bei Heidi Schröck. Wir haben jedoch noch etwas Zeit, kurz durch Rust zu bummeln, die Störche auf ihren Kamin-Nestern zu bewundern, und einen „Kleinen Braunen” und „Somlauer Nockerln” zu probieren, bevor wir uns wieder dem Thema Wein zuwenden. So eine Pause tut schon mal gut, zumal wir alsbald unseren 100. Wein der Tour vor uns haben. Der Wind jedoch ist fast nicht mehr auszuhalten, er treibt uns Sandkörner in die Augen, und dementsprechend hat es sich abgekühlt. Nichts ist mit den angesagten Tageshöchstwerten von 31 Grad!
Heidi Schröck: ist eine zurückhaltende, elegante Frau, die ein paar Tage zuvor zur „Winzerin des Jahres” gekürt wurde. Wir gratulieren und sie erzählt uns in ihrer freundlich distanzierten, aber nicht unnahbaren Art, dass sie größten Wert darauf legt, dass der Titel „Winzer des Jahres” heißen muss, denn man könnte sonst den Eindruck bekommen, dass es neben der „Winzerin” noch einen „Winzer des Jahres” gibt, und da hat sie recht.
Die Weinbäuerin, wie sie sich selbst nennt, bewirtschaftet 9 ha und es ist eine Gnade für sie, dass es nicht mehr ist, und das will sie auch gar nicht. Stur und beharrlich verfolgt sie ihren Weg, der nicht immer ganz leicht war, niemals musste sie ihre Seele verkaufen und wird es auch weiter nicht tun. Strenges Qualitätsstreben ist ihre Maxime, Handlese in kleinen Bottichen (400 kg) gehört dazu.
Die Winzerin ist ein rundum sympathisches Persönchen und sie überzeugt uns schnell von ihren beeindruckenden „schröcklichen” Weißweinen.
Muskat 2002 (gelber Muskateller 90%/Muskat-Ottonel 10%), 13,0 % vol. (geht komplett nach Amerika) blasses Gelb, feine Muskatnoten, auch Rosenblüten, gut passende, spritzige Säure, schöne Länge (84)
Weißburgunder 2002, 13,5 % vol., 6 Euro (wurde mit 105 Grad Öchsle geerntet) helles Strohgelb, Banane, reife Äpfel, Honigmelonen, mineralisch, rassig, spritzig, hochelegant, gute Säure mit schöner Süße, langer Nachhall (88-90)
Furmint 2002, 13,5%, 9 Euro blasses Strohgelb, kleine Nase, dann Pfirsich, filigran und zurückhaltend, mittelgewichtig, angenehme Säure mit Nachhall, (80), Richard meint: Äpfel, Ananas, auch etwas Banane, tolle Säure mit schöner Fruchtsüße, langer Abgang (83)
Zweigelt „Ried Bandkräftn” 2002, 13,0%, 8 Euro (30 Jahre alte Reben) rubinviolett, Kirsche, etwas Himbeeren, Würze, elegante Tannine, Säure gut eingebunden, gute Länge, Kakao im leeren Glas (78-84)
Zweigelt 2001, 25 Euro „The past is the beginning of the future”: zum 80. Geburtstag ihres Vaters produziert und gefüllt, aus hochreifen Trauben der Riede Ruster (80 Jahre alte Reben), tiefdunkel mit violetten Rändern, etwas Mokka, Röstaromen, enorme Fülle, druckvoll am Gaumen, noch raue Tannine, sehr guter Nachhall (86-88)
Weißburgunder Beerenauslese 2001, 12,5%, 15 Euro goldgelb, leicht Rosinen, exotischer Früchtekorb, mehr Süße als Säure, trotzdem gute Balance, sehr langer Nachhall (88-90)
Ruster Ausbruch (Furmint 50%/Weißburgunder 50%) 2000, 12,5%, 25,50 Euro intensives Goldgelb, Honig, Zitrusanklänge, ausgewogen, sehr schöne Länge (90) Richard notiert: unglaubliche Fruchtfülle, sehr harmonisch, endloser Nachhall (95)
Tolle Weine mit merkwürdigen Gepflogenheiten
Wir wechseln in Rust zu Peter Schandl, unserem letzten Winzer für diesen vollgepackten Tag. Im September 2002 konnten wir uns von seinen ausgezeichneten Süßweinen überzeugen und möchten diese nun auch unserer großen Gruppe zugänglich machen.
Betreut werden wir von dem jungen Paul Schandl und er peitscht uns recht schnell durch die Weinprobe. Die Schandls haben 16 ha im Ertrag und bauen zu 80 % Weißwein an. So ganz nebenbei: Die Schandls sind verwandt mit Heidi Schröck, sie ist die Schwester von Frau Schandl.
Wir treffen hier nochmals Michael Prünner, Weinforum, diesmal in Begleitung seiner Frau (eine ganz liebe, die uns Weinverrückte geduldig gewähren lässt).
Gelber Muskateller 2002, 12,0%, 5,70 Euro blass, etwas Muskat in der Nase, Rosenduft, relativ leicht am Gaumen, elegant, lebendige Säure (74-76 Punkte)
Sauvignon blanc 2001, 11,5%, 5,50 Euro blasses Strohgelb, dezent Stachelbeeren, etwas Nussanklang und Limonen, druckvoll am Gaumen, dominante Säure, gute Länge, (72-79). Und mit diesem Wein haben wir den 100. Wein unserer Tour im Glas! Einen Tusch bitte!!!
Pinot blanc 2001, 13,5%, 6,50 Euro blasses Strohgelb, Blüten, auch Apfel, Würze, voller Körper, am Gaumen auch Banane, rassige Säure, würziger Abgang (78-80)
Pinot cuvée 2001 (Grauburgunder 80%/Weißburgunder 20%) 13,0%, 8,00 Euro strohgelb, dezente Holzanklänge und leicht Honig/Vanille, elegant, mittelgewichtig am Gaumen, kraftvoller Abgang mit gut eingebundener Säure (85-87)
Pinot Noir 2001, 13,5%, 13,50 Euro Dieser Burgunder präsentiert sich in gedecktem Rubinrot, schöne Kirschtöne kommen aus dem Glas, etwas Minze auch, Vanilleanklänge, samtig weich und würzig im Nachhall (82-84)
Cabernet 2000, 13,5%, 14,50 Euro farbtief, Vanille, rote Beeren, rote Paprika, feine Struktur am Gaumen, Säure gut eingebunden, gute Länge (81-83)
„Petit Pinot” 2001, 12,5%, 7,30 Euro Der kleine Bruder des Pinot Noir erscheint in hellem Rubinrot, feine Burgundernase, Früchte (Waldbeeren, Himbeere), leichtfüßig, zarte Holzanklänge, recht schön (80-82)
Beerenauslese Cuvée 2000 (Neuburger/Weißburg./Grauburg.), 11,0%, 0,5 l, 8,00 Euro relativ blass, Blüten, Honig am Gaumen, schöne Süße ohne pappig zu sein, etwas wenig Säure (81-82)
Ruster Ausbruch (Weißburg./Grauburg.) 1999, 10,5%, 0,375 l, 17,50 Euro bernstein, exotische Aromen, etwas Pfirsich, mächtig am Gaumen, schönes Säure-Süße-Spiel, tolle Länge mit Zitrusfrüchten im Ausklang (92-94)
Noch ein paar kleine Einkäufe (Vorsicht, der Kofferraum eines jeden Fahrzeugs ist bereits voll!) und wir wechseln zur Buschenschänke Schandl und lassen den Abend ausklingen. Erfreulicherweise kommt noch Uschi Bammer, Wien, Weinforum, zu unserer Gruppe und erzählt von ihren Erlebnissen der VINOVA, die zeitgleich zu unserer Tour stattgefunden hat (darum konnte sie leider auch nicht bei uns mitwirken).
Als wir schließlich zahlen wollen, lässt uns der Kellner wissen: „Sie haben noch pro Person 10 Euro zu zahlen für die Weinprobe vorhin!”
Baff, der unerwartete Hieb sitzt! Was soll das, das gibt’s doch nicht!!! Sehr bedröppelt sitzen wir da und wundern uns darüber, zumal dieses Verhalten äußerst untypisch ist und so gar nicht ins gewohnte Bild passt. Das kennen wir so nicht vom Hause Schandl. Wir lassen den Chef kommen und Frau Schandl höchstpersönlich erklärt uns, dass „das Konzept des Hauses so ist” und fragt, wie viele Süßweine wir hatten. Auf neuerlichem Protest unsererseits sieht man endlich davon ab, diese unsägliche Forderung zu erneuern! Ein schaler Nachgeschmack bleibt. Hat man das nötig? Unsere Stimmung ist verständlicherweise auf dem Nullpunkt!!!
Wir können das nicht nachvollziehen und werden die Schandls sicherlich nicht noch einmal besuchen. Es gibt eben Winzer, die sich durch dumme Gier treue bzw. neue Kunden vergraulen. Schade, schade, was für eine Schandl! Besonders ärgerlich dabei ist, dass dieses Weingut so tolle Weine macht und dann solche merkwürdige Gepflogenheiten an den Tag legt. Extrem verwunderlich ist auch, dass die Forderung nach Unkostenbeitrag so spät erfolgte, Paul Schandl hat bei unserem Verlassen des Weinkellers nichts gesagt - was wäre gewesen, wenn wir nicht in die Buschenschänke gegangen wären?
Angesichts dieses negativen Erlebnisses verziehen wir uns in unseren gemütlichen Keller bei Winzerin Elisabeth in Purbach und „machen noch einen drauf”. Es steht zur Verkostung u. a. die Palette der hauseigenen Brände (Marille, Muskat, Kirsch, Zwetschke, etc.) an.
TAG 5: Der Abschied Stürmisch Heimreise mit Weltmeister
In den frühen Morgenstunden des 1. Mai tobt ein heftiger Sturm übers Land, es hat sich abgekühlt, aber das ist genau richtig für unsere bevorstehende Heimreise (den Weinen wird es gut tun). Wir fahren nochmals in den Seewinkel, nach Illmitz, zu Martin Haider, und sind dort mit der Tochter Silvia verabredet. Die Wände der Verkostungsstube sind mit zahlreichen Auszeichnungen und Medaillen überhäuft, Haider war mehrfach „Weltmeister”, holte sich regelmäßig diese Höchstnote in Ljubljana ab.
Nein, die Haiders sind nicht mit dem Politiker Jörg Haider verwandt, dies gleich vorweg. Man besitzt 13 ha, baut 14 Rebsorten aus, 30 % davon rot (Blaufränkisch, Blauburgunder, Merlot, etwas Cabernet Sauvignon). 40 % der Weine gehen in den Export (u. a. auch Taiwan).
Federwolke 2002 (Riesling/Grüner Veltliner), Leichtwein 9 %, 3,25 Euro helles Strohgelb, grüner Apfel im Auftakt, setzt sich am Gaumen fort, eher belanglos (72-74)
Chardonnay 2002, 12,8%, 5,10 Euro blasses Strohgelb, frische Nase von Blüten, auch Apfel und Mango, schmeichelnd am Gaumen, sanfter Abgang ohne spitze Säure (81-84)
Blaufränkisch 2001, 12,5%, 5,10 Euro rubinrot, sanfte Nase mit dezenter Würze, leichter Körper, weich, ausgewogen, gute Balance (75-78)
Cuvée Sandriegel 2000 (CS/M Barrique), 13,2 % vol., 11,60 Euro intensives dunkles Rubinrot, Vanille und Röstaromen, süßes Paprikapulver, mittlerer Körper, präsente Tannine und nachhaltige Säure (81-82)
Grand Cuvée blanc 2002 (Welschr./Pinot blanc), 13,2%, 3,25 Euro blass, grüne Banane im Duft, etwas Birne, säurebestimmt, eher kurz (74-75)
Sämling 88 Spätlese süß 2002, 11,0%, 4,35 Euro helles Gelb, Pfirsich u. exotische Früchte (Mango, reife Bananen), leicht am Gaumen, leichter Honiganklang und Ananas, gut balanciert (82-84)
Auslese Bouvier/Pinot blanc 2002 (frisch gefüllt), 11,0 % vol., 5,10 Euro helles Goldgelb, kleine Nase, verhalten, etwas Hefe, süß am Gaumen, wenig Säure und eher kurz (72-74)
Cuvée Beerenauslese 1999 (Welschriesling/Sämling 88), 11,0%, 7 Euro goldgelb, wenig Nase erst, dann etwas Honig mit exotischen Früchten wie Maracuja, zu süß bei kleinem Säuregerüst, (75-84)
Welschriesling Eiswein 2001 (geerntet am 21.12.), 10,90 Euro goldgelb, exotische Früchte in der Nase, auch Honig und Akazien, am Gaumen etwas Karamell, harmonisches Verhältnis Süße/Säure, tolle Länge (86-88)
Traminer TBA 1999, 11,5%, 29,80 Euro intensives Goldgelb/Bernstein, Honig, exotische Früchte, auch würzig, üppig am Gaumen, süß, ausreichende Säure, sehr gute Länge, sehr gelungen (89-92)
Muskat-Ottonel TBA 1998, (220 gr RZ), 12,0%, 25,40 Euro bernsteinschimmernd, Nase von Honig und Kümmel, intensiv süß, gute Säure, tolle Länge, ein Feuerwerk von Süßwein! (93- 95)
Nektaressenz Chardonnay 1999 (Trockenbeerenauslese m. über 300 g Restzucker), 8,0%, 29 Euro bernstein, gebrannte Mandeln im Auftakt, dann Karamell, exotische Früchte, Melonen, maulfüllend, schöner Körper, äußerst attraktiver Alkoholgehalt, nämlich schön wenig, viel Süße, dann schöner Säurenachhall, schier endlos! Gekonnt! (97)
Und damit schließt sich der Kreis der besuchten Weingüter und der Bericht nähert sich dem Ende.
Wäre noch unser Besuch im Landgasthof „Muhr” in Gallbrunn bei Wien zu erwähnen. Man ist mit einer sehr guten Weinkarte gerüstet und die Speisekarte lässt auf pfiffige Raffinesse bei kreativer Kochkunst schließen. Mit Kreationen wie „Erbsencappuccino mit Gänseleber”, „Lammrückenfilet mit Bärlauchrisotto”, „Zart rosa gebratenes Schweinefilet mit Kartoffelgratin u. weißem Spargel” oder auch „Kardinalschnitten nach Auffassung des Hauses” wird die Fantasie angeregt. Was sich jedoch hochtrabend anhört, ist in Wirklichkeit ein kleiner Bluff: anhand der übermäßigen Vielfalt an Gerichten mit viel Schnick-Schnack auf der Karte verzettelt man sich leicht und nicht alles kann gehalten werden, was so ausschweifend versprochen wird - leider. Das zartrosa gebratene Schweinefilet erweist sich als durchgebraten, die Stangenspargel sind gar nur zwei an der Zahl und das Hähnchen in Kürbispanade ist recht trocken. Aber in der optischen Darbietung sind die Gerichte allesamt ein „Aha-Erlebnis”, das muss man zugeben.
Die Kellner sind stets höflich, bedanken sich ständig, schenken sehr aufmerksam Wein nach und wir vermuten fast, dass man vor lauter Höflichkeit das Essen erst dann serviert, wenn alle Personen am Tisch sitzen. Da es aber zwischendurch bei uns mehrmals vorkommt, dass jemand fehlt, ist es also schlichtweg nicht möglich, die Filets „auf den Punkt” zu servieren. Aber dies ist unsere ganz eigene Interpretation, genau können wir das nicht bestätigen. Trotzdem ist der Landgasthof Muhr (eine Haube) mit ambitionierter Küche eine Adresse, die man durchaus mal wieder aufsuchen sollte.
So, nun wisst Ihr, was uns alles Gutes widerfahren ist in den fünf Tagen im Burgenland. Nachahmung wärmstens zu empfehlen
Zum Schluss möchte ich nochmals meine Eingangsworte bestätigen: Wir haben auf dieser Tour mächtige, beeindruckende Rotweine und sehr elegante Weißweine kennen gelernt, die sicherlich ihren Platz in unseren Weinkellern zu Recht haben!
Zum guten Schluss wie gewohnt die Links:
http://www.burgenland.at/gasthof-zur-traube http://www.burgenland-vinothek.at http://www.grenzlandhof-reumann.at http://www.weingut-heinrich.at http://www.vereinte-winzer.at http://www.arachon.com http://www.wellanschitz.at http://www.rotweinhof.at http://www.weingut-gager.at http://www.burgenland.at/weinbau-haselbauer http://www.heidi-schroeck.com http://www.schandlwein.com http://www.juris.at http://www.poeckl.com
Ilona Benke
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