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27.02.2008
Quergelesen
„50 Weißweine, die Sie kennen sollten” (Wolfgang Staudt)
Von Manfred Wirbals
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Der Weinautor und Weindozent Wolfgang Staudt hat bereits mit seinen Weinbüchern „Fünfzig einfache Dinge, die Sie über Wein wissen sollten” (2005) und „Fünfzig Rotweine, die Sie kennen sollten” (2006) gezeigt, wie umfassende Weinkenntnis sprachlich elegant verpackt und ebenso unterhaltsam wie lehrreich vermittelt werden kann. Dies ist ihm auch mit seinem aktuellen Buch „Fünfzig Weißweine, die Sie kennen sollten” gelungen; allerdings verfehlt der Titel etwas den anspruchsvollen Inhalt: Tatsächlich porträtiert Staudt mit „Meursault” und „Sancerre”, mit „Sémillon” und „Gewürztraminer” weniger bestimmte „Weißweine” bestimmter Erzeuger, sondern eher die weltweit interessantesten weißen Rebsorten und typischen Weißweinstile. Dies gelingt dem durch keinerlei Illustrationen, Karten oder Rebsortendarstellungen aufgelockerten Text vortrefflich: Wolfgang Staudt, der sich als Dozent in die „Qual der Wahl” auch „fortgeschrittener” Konsumenten vor den vollen Regalen der Fachgeschäfte und Discounter bestens hineinversetzen kann, hat seine Porträts der Weißweinstile didaktisch klug als vinophile „Unterrichtseinheiten” aufgebaut. Er beschreibt das jeweilige Profil in Sensorik und Aromatik, den Gaumeneindruck und das Geschmacksbild - und erläutert die weltweite Präsenz der Reben mit ihren lokalen aromatischen Ausprägungen.

Staudt belässt es jedoch nicht bei der Beschreibung dessen, wie es schmeckt, er nennt auch die Gründe dafür, weshalb ein Wein jeweils so und nicht anders schmeckt: „Die Ursachen der großen stilistischen und qualitativen Vielfalt” werden durch die Einflüsse des Klimas, des Terroirs mit Boden-, Licht- und Wasserverhältnissen, der spezifischen Arbeitsmethoden im Weinberg (z.B. Rebschnitt und Bestockungsdichte) und der Möglichkeiten der Kellertechnik (z.B. Kühlung und Holzkontakt) in verständlicher Weise erläutert. Die Porträts werden durch praktische Hinweise auf passende Speisen, empfehlenswerte Produzenten, Tipps zur Verkostung ähnlich schmeckender Weine ( „Zum Weiterprobieren”) und die ungefähre Preislage abgerundet. Die unkonventionelle Einteilung der 50 Weißweine in die Kategorien der „Klassiker” (z.B. Riesling), der „Vornehmen” (z.B. Chablis), der „Vergnügten” (z.B. Soave), der „Extrovertierten” (z.B. Elsässer Gewürztraminer), der „Rassigen” (z.B. Vinho Verde), der Schaumweine, Süßweine und der mit Alkohol angereicherten Weine ermöglicht den Konsumenten, sich für den eigenen Einkauf - je nach Stimmung und Anlass - an „Charakter und Temperament” der Weine zu orientieren.

Leider weist auch diese Publikation, die sich so engagiert und sprachlich virtuos dem „Wein als Juwel menschlicher Kulturleistung” widmet, eine bei Weinbüchern häufig auftretende Mangelerscheinung auf: Auch bei diesem Buch würde sich sein Nutzen für den Leser noch deutlich erhöhen, wenn es über Register für das schnelle Nachschlagen von Ortsnamen, Personennamen und Fachbegriffen verfügte. Dies ließe sich bei späteren Auflagen sicherlich nachholen. Bedauerlich ist auch die Streichung des informativen Kapitels „Umstrittene Techniken und Präparate der modernen Önologie”, das in der Einleitung des zuvor erschienenen Titels „Fünfzig Rotweine, die Sie kennen sollten” noch enthalten war. Die dortigen komprimierten Informationen über Enzyme und Kulturhefen, über Mostkonzentration und die zur Weinfraktionierung und -synthetisierung eingesetzte „Schleuderkegelkolonne” belehren doch nachdrücklich über gewisse Realitäten der schönen neuen Weinwelt. Gleichwohl sei Wolfgang Staudts jüngster Titel „Fünfzig Weißweine, die Sie kennen sollten” den an Weinliteratur Interessierten unbedingt empfohlen: Den Einsteigern als Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit der Welt der Weißweine, den Fortgeschritten zur Pflege ihrer Leidenschaft und Vertiefung ihrer Kenntnisse - und den Literaturfreunden unter den Weinliebhabern als Beleg dafür, wie leichtfüßig-beschwingt die Sprache eines Weinbuches sein kann. 

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Wolfgang Staudt: „Fünfzig Weißweine, die Sie kennen sollten.” Frankfurt/Main: Westend Verlag, 2007. Umfang: 239 Seiten. Ausstattung: Hardcover. Format: 13,5 x 21 cm. ISBN: 978-3-938060-16-2. EUR 19,90 (D), EUR 20,50 (A), SFR 36,00 (CH).

Manfred Wirbals

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