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07.05.2009
Preisverfall bei Kultweinen?
Hype der Weinpreise ist vorbei!
Von Werner Feldner
Leserkommentare (bisher 4)

Die Zeiten der Rekordpreise für Kultweine sind vorerst vorbei. Egal ob bei den altehrwürdigen Top-Jahrgängen aus Bordeaux oder dem gehypten Jahrgang 2005 in Bordeaux und Burgund, die betuchten Käufer sparen derzeit ebenso wie die meisten "Normalbürger".

Wurden vor einem halben Jahr noch unglaubliche Preise für Weine bezahlt, gibt es die besten der Besten derzeit fast zum Ausgabepreis (siehe Tabelle). Großes Aufsehen erregte damals Chateau Cheval Blanc 2005, das teurer startete als Petrus. Als die Weine dann am Markt waren, gab es Petrus zum 10-fachen En Primeur Preis im Handel. Aber seit dem großen Finanzcrash ist auch bei Kultweinen ein mehrprozentiger Preisrückgang weltweit zu beobachten. Dies spüren auch Private und Händler, die in den letzten Jahren mit teuren Weinen recht gutes Geld machten.

Umso schwieriger ist die Situation derzeit bei Weinauktionen. Berichte von namhaften Auktionshäusern zufolge bleiben viele Lots (Bei einer Auktion ein Gegenstand oder eine Gruppe von Gegenständen, die gemeinsam versteigert werden sollen. Ein Lot kann z.B. aus 1 Flasche, 1 Kiste oder mehrere Flaschen Wein bestehen.) ohne Gebot oder erhalten zum Mindestpreis den Zuschlag. Auch bei eBay kann man jetzt echte Schnäppchen mit den besten Weinen der Welt machen. Doch Vorsicht: bei privaten Anbietern haben Sie keine Garantie und kein Umtauschrecht. Deshalb kann sich ein Schnäppchen oft als teure Investition herausstellen.

WeinJahr-
gang
Subskriptions-
preis (ex
negociant)*
eBay
Höchstpreis

letzter
eBay-Preis

%

Cheval Blanc

2005

€ 480,00

€ 925,00

€ 462,11

-50,04

Cristal Roederer

2000

nv

€ 232,50

€ 125,00

-46,23

Gruaud Larose

2005

€ 34,00

€ 125,00

€ 50,01

-60,00

Haut Brion

2005

€ 240,00

€ 722,00

€ 452,00

-37,39

La Tache - DRC

2005

nv

€ 3.400,00

€ 2.510,00

-26,17

Lafite Rothschild

2005

€ 360,00

€ 910,00

€ 555,00

-39,01

Lafleur

2005

nv

€ 1.250,00

€ 956,00

-23,52

Latour

2005

€ 410,00

€ 1.011,00

€ 660,00

-34,72

Leoville Barton

2005

€ 49,50

€ 123,03

€ 78,65

-36,07

Leoville Las Cases

2005

€ 180,00

€ 263,35

€ 199,00

-24,43

Margaux

2005

€ 410,00

€ 936,00

€ 599,00

-36,00

Mouton Rothschild

2005

€ 360,00

€ 649,00

€ 423,00

-34,82

Petrus

2005

€ 450,00

€ 4.005,00

€ 2.222,00

-44,51

Pichon Baron

2005

€ 78,00

€ 140,00

€ 81,00

-42,14

       *Quelle: Liv-ex.com, London

Besonders auffällig sind Tiefstpreise der Nobelchampagner Roederer Cristal oder Dom Perignon. Roederer Cristal sollte eigentlich überhaupt nicht über eBay verkauft werden. Aber das ist ein frommer Wunsch der Produzenten und Händler und gilt ebenso für andere Markenprodukte. Aber wenn diese Topprodukte zu einem Preis, der manchmal unter dem Großhandelspreis liegt, verkauft werden, ist das klar ein Zeichen von Krise.

Trotzdem kann man dies auch als eine Art Preiskorrektur sehen, denn auch die Negociants in Frankreich waren nicht gerade glücklich mit der Preistreiberei. Die starken Kursschwankungen des Britischen Pfunds und des Dollars hielten viele Händler davon ab, in schwächere Jahrgänge zu investieren und damit ihre Lager zu belasten. In Top-Restaurants gibt es seit einigen Monaten ebenfalls Probleme. Die Gäste werden weniger und das "Angeben" mit Lafite & Co. hat stark nachgelassen. Gäste, die diese Weine wirklich schätzen und sich auch leisten können, hat es allerdings immer gegeben und wird es auch immer geben.

Bordeaux 2005 trotz fallender Preise für viele Weinfreunde noch immer unerschwinglich

Die Prognosen für den Kultweinhandel sind allerdings nicht ganz so schlecht. Die Nachfrage der neuen Interessenten aus Asien ist nach wie vor sehr groß, und die Preise werden sicher schneller wieder ganz oben sein als die vieler Aktienpapiere. Die Preissituation erinnert an die Asienkrise 1997-1998, als beispielsweise 1 Kiste Mouton Rothschild 1982 von € 5700,- binnen ein paar Monaten auf ca. € 3000,- fiel. Eine Kiste dieses Weins ging erst kürzlich -trotz Krise- für € 8640,- bei einer Auktion an den neuen Besitzer. Deshalb gilt auch bei der Wertanlage Wein - langfristig denken! Die Renditen der Blue-Chips unter den Weinen übertreffen die meisten Aktien bei Weitem. Auch wenn die Preise derzeit "im Keller" sind.

Tägliche, wirtschaftsbezogene Horrormeldungen verunsichern die Konsumenten und Anleger zusätzlich. Viele Weinfreunde trennen sich von Ihren Schätzen, um weitere Verluste zu vermeiden. Ich kann diesen Sammlern nur raten, die derzeitige Krise eher als Chance zu sehen, um günstig an anlagefähige Kultweine zu gelangen und daher jetzt einzukaufen.

Es bringt aber auch nichts, Trinkweine im Keller zu horten und auf ein Wunder zu hoffen. Wie ich bei Wein-Plus schon ausführlich erwähnt habe, lohnt sich Wein als Wertanlage nur, wenn man die richtigen Weine im Keller hat. Alle anderen sollten den Gaumen erfreuen. Das war und ist eigentlich der ursprüngliche Gedanke aller Weinproduzenten. Und der Augenblick um Kultweine zu kaufen, war schon lange nicht mehr so günstig.


Werner Feldner

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