
Mit der neuen Auflage 2008 von Pigotts Weinführer liegt nun wieder ein ebenso praktischer wie konzentrierter Führer im Brieftaschenformat durch die Tiefen und Untiefen der modernen, immer unübersichtlicher werdenden Weinwelt vor. „Stuart Pigotts kleiner genialer Weinführer” - „genial” nach Pigotts Einschätzung wegen seines publizistischen Grundprinzips „Radikale Basisdemokratie des Geschmacks und die Ablehnung jedweden Anspruchs auf Vollständigkeit zugunsten der Übersichtlichkeit” - überzeugt mit pointierten Weinbeschreibungen, Rebsorten-ABC, Bezugsquellen, Orts- und Produzentenregister sowie Weinhändlerhitliste als ein ebenso unterhaltsames wie anregendes Vademecum für die kurzweilige Lektüre wie für das schnelle Nachschlagen vor dem Besuch von Weinhändlern und Winzern (am Ort der Verkostung und des Einkaufs kann es bei Bedarf bequem in der Jacken-Innentasche verstaut werden).
Stuart Pigott versteht sich und seine Weinkritik geradezu als ein lernendes System, das sich schlechthin keinen Neuerungen verschließen möchte; diese Offenheit hat Pigott zuletzt in „Wilder Wein - Reise in die Zukunft des Weines” etwa bei der Beschreibung von Weinen aus Kräutern und Beeren von Bäumen eindrucksvoll demonstriert - ob das die Weinwelt wirklich braucht und die Weintrinker wirklich darauf gewartet haben, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Wirklich brauchbar aber sind die Neuerungen, die der stets veränderungsbereite Pigott der neuen Auflage angedeihen ließ: Neu sind nun zu Beginn die „stärksten Empfehlungen und die besten Wein-Neuigkeiten”: „Party-Rotwein des Jahres, Party-Weißwein des Jahres, Rosé-Sieger des Jahres, Überraschung des Jahres, Edelsaufwein des Jahres, Rotwein-Innovation des Jahres, Weißwein-Innovation des Jahres”. Mit den dort aufgerufenen Flaschenpreisen zwischen 3,95 Euro und 26 Euro sucht Pigott zugleich auch sein Weingesetz Nr. 2 zu belegen, wonach es beim Wein „keine Relation zwischen Preis und Qualität” gebe - wenn bei ihm auch der große Anteil von Weinen von 15 - 50 Euro sowie der „Wein-Weltspitzen” über 50 Euro - unübersehbar ist. Das bisherige Kapitel „Die Genialität des Weingenusses” wurde neu formuliert, gekürzt und heißt nun: „Stuart Pigotts fünf Gesetze des Weins”. Erweitert wurde der Führer auch um „Die zehn größten, dümmsten und schlimmsten Wein-Irrtümer”. Mit Verve werden hier beliebte Gemeinplätze der Lächerlichkeit preisgegeben: Weder sind - beispielsweise - „französische oder italienische Weine
grundsätzlich die besten” ( „solche Vorurteile blenden die Wahrheit aus”), noch kommt es „unbedingt” immer „auf den richtigen Jahrgang” an ( „ein tüchtiger Winzer ist wesentlich wichtiger für die Weinqualität”). Wer es informativ, aber dennoch kurz und bündig, poetisch-bilderreich, provokativ und praktisch mag, ist mit Pigotts „kleinem genialen Weinführer” zweifellos gut bedient.
Dieses Buch bei AmazonStuart Pigotts kleiner genialer Weinführer 2008. Scherz: 2007, Frankfurt am Main. 196 Seiten, Broschur. ISBN 978-3-502-15904-7. 9,90 Euro.