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Michael Prinz zu Salm, Präsident der VDP- Prädikatsweingüter
Sind Grosse Gewächse immer trocken?
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Leserkommentare (bisher 0)Kürzlich hat der VDP eine eigene Klassifikation verabschiedet. Diese wirft einige Fragen auf. Nachfolgend ein Interview mit Michael Prinz zu Salm, dem Präsident des VDP zu diesem Thema.
Frage: Am 19. Juni fand die Mitgliederversammlung der Prädikatsweingüter in Östringen statt. Sind sie erleichtert nach der Beschlussfassung anlässlich Ihrer Mitgliederversammlung und was bedeutet der Beschlusse für den Konsumenten?
Antwort: Mit der Verabschiedung unseres Statutes haben wir der VDP-Klassifikation die Krone aufgesetzt. Wir sind der Überzeugung, dass dieser Beschluss große weinbaupolitische Bedeutung hat, der historisch wohl gleichzusetzen ist mit der Initiierung der Klassifikation in Bordeaux im Jahr 1855, weil er endlich ermöglicht, dass besonders erzeugte Spitzengewächse auch für den Konsumenten als solche erkennbar sein werden.
Frage: Versuchen Sie doch mal einfach verständlich das System der VDP-Klassifikation zu skizzieren.
Antwort: Nun wir haben für unsere 200 Mitgliedsgüter verbindlich ein drei-stufiges Modell festgelegt.
- Die Basis bilden die Gutsweine, bei denen der Name des Weingutes und natürlich der VDP-Adler für die Qualität des Weines bürgt. Sie tragen als engste geografische Bezeichnung den Namen der Region bzw. des Ortes.
- Darüber stehen die Klassifizierten Lagenweine, für die jede Region geprüft hat, welche Lagen wirklich "in der Lage" sind, terroir-geprägte Weine hervorzubringen. Alle übrigen Lagen erscheinen nicht mehr auf dem Etikett und minimieren dadurch die Bezeichnungswirrwarr deutscher Weine. Teilweise verzichten Regionen auf zwei Drittel ihrer Lagenbezeichnungen! Und wenn Sie dann eine Flasche VDP-Weines in der Hand halten, die eine Lage auf dem Etikett trägt, wissen Sie, dass es sich um einen Wein besonderer Güte handelt. Die Weine werden bezüglich der Qualitätsbezeichnungen des deutschen Weingesetzes mit Qualitätswein, Kabinett, Spätlese bezeichnet, wobei hinsichtlich der Erzeugung die strengen VDP-Richtlinien gelten.
- Und die Spitzenkategorie in der VDP-Klassifikation steht auf zwei Beinen: Hier haben wir einerseits die Grossen Gewächse aus klassifizierten Lagen, die immer trocken ausgebaut sind und andererseits die großen edelsüßen Gewächse, selbstverständlich auch aus klassifizierten Lagen, also Weine ab Auslese aufwärts.
Frage: Was wird denn das besondere an den Grossen trockenen Gewächsen sein und wie werden sie gekennzeichnet?
Antwort: Bislang gab es doch trockenen Weine in großer Vielfalt und da konnte man manchmal auch enttäuscht werden oder aber auf Spitzenweine treffen, aber es war ein Vabanque-Spiel. Wer fortan Grosse Gewächse genießt, darf immer erwarten, dass er einen charaktervollen, harmonisch trockenen Wein im Glas hat, der das Beste der Region verkörpert: in Spitzenlagen aus den Leitsorten der Region gewachsen, unter strengen, limitierenden Anforderungen erzeugt, von einem Topwinzer veredelt, und in einer anspruchsvollen Ausstattung auf den Markt gebracht. Anspruchsvolle Ausstattung heißt: Grosse Gewächs-Flasche mit eingeprägtem Grosses Gewächs-Bildzeichen sowie Schmucketikett mit der Beschränkung auf die Angabe von Lage, Weingut, Jahrgang und ggf. Rebsorte, Ort und Gebiet. Die große Fülle der gesetzlich vorgeschriebenen Angaben werden auf einem separaten Etikett aufgeführt.
Frage: Sagen Sie, was ist mit "Auslese trocken"?
Antwort: Die Winzer, die solche Grossen Gewächse auf den Markt bringen, verzichten konsequent auf die Bezeichnung "Auslese trocken" aus gleicher Lage, die ja in sich ein Widerspruch war. Wir wollen einen Stein ins rollen bringen, der das bestehende Qualitätssystem wieder aussagekräftig macht und wünschen uns, dass sich klare Geschmacksprofile für jede Qualitätsbezeichnung etablieren lassen. Langfristig könnte man sich vorstellen, dass eine Spätlese immer restsüß und eine Auslese entsprechend edelsüß wäre..
Frage: Sie reden immer nur vom Grossen Gewächs, obwohl im letzen Jahr vornehmlich vom Ersten Gewächs die Rede war?
Antwort: Wir sind im VDP einen großen Schritt weiter gekommen, indem wir uns darauf geeinigt haben, in allen Regionen nur noch den Begriff Grosses Gewächs zu verwenden. Einzige Ausnahme ist der Rheingau, wo Erstes Gewächs gesetzlich vorgeschrieben ist und aus diesem Grund dieser Begriff auch von keiner anderen Region verwandt werden kann.
Frage: Und was ist nun mit den edelsüßen Gewächsen ab Auslese aufwärts, die ja schon von jeher das Rückgrat und das Image deutscher Weine geprägt haben.
Antwort Sie sagen es selbst, diese Weine hatten schon immer traditionell eine besondere Stellung und benötigen daher keine Zusatzbezeichnung noch Ausstattung. In VDP-Weingütern stellen wir diese Weine, die das Statut in der obersten Kategorie bezüglich aller Erzeugungsrichtlinien erfüllen, mit den Grossen Gewächsen auf eine Stufe. Diese werden wahrscheinlich das Grosse Gewächs - Bildzeichen hinter der Lage tragen, aber diesbezüglich besteht noch Abstimmungsbedarf.
Frage: Was ist ihr Ziel?
Antwort: Wir Prädikatsweingüter wollen einen Qualitätswettbewerb in Deutschland entfachen. Die Anfänge davon sind überall zu spüren, wo Winzer die Weinerzeugung als ein Kunsthandwerk betreiben und Verzicht zugunsten der Qualität ihr Schaffen bestimmt.
Frage: Letzte Frage: Wo werden die Grossen Gewächse zu verkosten sein
Antwort: Wir werden erstmals in Berlin anlässlich unseres Weinwochenendes am 7. und 8. September die Grossen Gewächse einem ausgewählten Kreis von Fachleuten und Kennern vorstellen. Und von da aus, bin ich mir sicher, werden diese die "Charts" der deutschen Weinlisten erobern.
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