
Steenberg ist die älteste Farm in Constantia, die bereits 1682 gegründet wurde, noch bevor Simon van der Stel das erste Herrenhaus in Constantia baute. Damals hieß die Farm "Swaaneweide". Die Farm ist 203ha groß, davon stehen 70ha unter Reben auf 60m bis 160m üNN.
Angebaut werden 60% weiße Reben - hauptsächlich Sauvignon Blanc, gefolgt von Chardonnay, Semillon und Muscat de Frontignan. Die 40% roten Reben verteilen sich auf Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Pinot Noir und Shiraz.
Helge Hagener führte das folgende Interview mit dem Winzer John Loubser:
Helge Hagener Herr Loubser, Sie haben vor kurzem vom Anbaugebiet Robertson ins kühlere Constantia gewechselt. Welches sind die signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gebieten?
John Loubser: In der Region Robertson (280mm Niederschlag pro Jahr) muß im Gegensatz zu Constantia (850mm Niederschlag pro Jahr) bewässert werden. Die Sommer in Robertson sind wärmer und die Winter kühler als in Constantia. In Robertson haben wir Schwemmlandböden, rote Karoo-Erde und Schiefer, wobei wir auf Steenberg hauptsächlich verwitterten Granitboden vorfinden. Auch die Geschichte der beiden Regionen unterscheidet sich voneinander. In Constantia reicht der Weinbau bis ins 16. Jahrhundert. Die Geschichte des Weinbaus in Robertson begann erst um 1900. Außerdem wird Robertson wird von wenigen großen Kooperativen dominiert, während es in Constantia nur private Erzeuger gibt.
Helge Hagener In welcher südafrikanischen Region sehen Sie größeres Potential, Robertson oder Constantia, und warum?
John Loubser: Jede Region hat sicher ihre Vor- und Nachteile. Einige Rebsorten gedeihen in Robertson besser, wie etwa der Chardonnay, während andere Sorten bessere Ergebnisse in Constantia erbringen, z.B. der Sauvignon Blanc. Ich glaube, dass Constantia einen großen Vorteil in der Nähe zu Kapstadt und damit zum Markt hat und es hat einen etablierten Namen. Man muß den Leuten nicht erklären, wo Constantia liegt.
Helge Hagener Wird es Veränderungen geben, nachdem Ihr Vorgänger Nicky Versveld fünf Jahre auf Steenberg erfolgreich gearbeitet hat?
John Loubser: Als Winzer respektiere ich das Terroir und ich denke, dass die Weine von Steenberg bereits vor meiner Zeit vom Terroir bestimmt waren. Es wird aus diesem Grund keine große Veränderungen im Weinbau geben. Einen Wein zu machen ist nur die Begleitung der Frucht vom Weinberg in die Flasche. Ich würde mich gerne mehr auf die Produktion von Cap Classique konzentrieren, da ich hier viel Potential sehe. Auch würde ich gerne das Portfolio an Weinen etwas verkleinern, um Weine mit unterschiedlichen Stilen zu keltern. Ferner würde ich gerne einen etwas volleren Rotwein kreieren, was aber natürlich davon abhängt, was der Weinberg mir zur Verfügung stellt.
Helge Hagener Steenberg ist eines der wenigen Weingüter in Südafrika, wo auch Nebbiolo angepflanzt wird. Was denken Sie über die eher etwas unbekannteren Rebsorten in Südafrika und welche Chancen in der Zukunft räumen Sie ihnen ein?
John Loubser: Es ist wundervoll eine einzigartige Rebsorte zu haben. Erstens ist es eine Herausforderung, da man für die Behandlung im Keller einen neuen Ansatz lernen muß und zweitens muß der Wein in einem getrennten Weg vermarktet werden. Wir werden als Weinbauland niemals dynamisch sein oder neue Trends setzen, wenn wir nicht experimentieren. Südafrika macht für mich zu viel nach (im Gegensatz zu Australien) und wir müssen aus dieser Form ausbrechen und neue Rebsorten und Stile schaffen. Wer wagt, gewinnt. Ungewöhnliche und unbekannte Rebsorten sollten als ein Nischenprodukt beginnen und zuerst den experimentierfreudigen Gaumen zusagen, um dann mit Glück, Zeit und der nötigen Qualität in etwas Kommerzielles hineinwachsen.
Helge Hagener Auf Steenberg gilt der Sauvignon Blanc als das Flaggschiff, der bereits zahlreiche Awards im In- und Ausland gewonnen hat. Wie wichtig sind Ihnen nationale und internationale Auszeichnungen?
John Loubser: In unserem Geschäft geht es um den Aufbau von Marken und den Verkauf von Wein, weshalb das Interesse der Öffentlichkeit sehr wichtig ist. Trotzdem muß man genau auswählen, zu welchen Wettbewerben man seine Weine anstellt und welche Weine man anstellt. Manchmal kann es eine bessere Aussage sein, wenn man einen Wein nicht anstellt. Als Winzer konzentriere ich mich darauf, den bestmöglichen Wein zu machen und wenn dieser dann einen Preis gewinnt, ist es ein Bonus. Mein Ziel sind gute Weine, Medaillen sind sekundär.
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