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05.01.2005
Immer wenn es „ploppt”
Von Alexander Kopp
Leserkommentare (bisher 2)


Immer wenn es „ploppt” stellt Aika die schwarzen Schlappohren auf und weiß sofort worum es geht: Für die Menschen gibt es etwas zu Trinken und sie bekommt einen Naturkorken zum spielen. Herrlich! Erst kräftig zerkauen und danach gleichmäßig in der ganzen Wohnung verteilen. Fast schon ein Ritual wenn Aika und ihr Frauchen Verena mich besuchen.

Aika ist eine quirlige dreijährige „Labratiner”-Dame. Vom Labrador-Vater hat sie nicht nur die Gutmütigkeit und Wasserliebe mitbekommen, sondern auch ihre feine (Stöber)Nase. Von der Dalmatiner-Mutter gab es eine kleine Hand voll Tupfen-Fell zwischen den Vorderläufen und großzügig Aufgeschlossenheit gegenüber Kindern und anderen Tieren jeder Art. Von beiden geerbt hat sie offensichtlich eine gehörige Portion Fantasie in Sachen Hundeunfug und unendlich viel Energie und Lebensfreude. So liebt sie es, mit Frauchen und deren Western-Stute „Iowa” stundenlang auszureiten, will danach aber gefälligst noch eine Runde Ball spielen.

Labratiner-Dame Aika
Wenn die zwei zu Besuch kommen, wird immer gemeinsam gekocht. Gemeinsam heißt in diesem Fall: wir alle drei wuseln in der Küche herum. Auf dem Menüplan standen diesmal (XXX). Der restliche Kochwein wanderte verkorkt wieder unten in den Küchenwagen. In der Küche ist Aika dann möglichst mittendrin, so dass man um sie herumlaufen muss und bei 35 Kilo Körpergewicht natürlich auch nicht übersehen kann. Nicht nur weil da ihre Besuchs-Näpfe stehen ist genau dieser Platz von enormer strategischer Bedeutung. Beim Kochen wird jeder Handgriff genau beobachtet, es könnten sich ja, mit etwas Glück, auch die Wirkung der Schwerkraft und ein schusseliger Koch auf das Wohlsein eines stets hungrigen Hundes auswirken.

Das Essen war köstlich und es gab, ausnahmsweise, auch eine extra Scheibe Schinken unter dem Tisch, unerwähnt bleibt die geklaute und mit Hingabe zwischen den Pfoten geraffelte rohe Kartoffel.

Es folgte ein netter langer Abend mit guten tierischen und ernsten Gesprächen, knuddeln, Ohrenkraulen und abendlichem Hundebad im Teich und vielen Stöckchen.

Am nächsten Morgen war es angenehm ruhig, erste Sonnenstrahlen blinzelten wärmend durch das Fenster herein. Etwas länger schlafen zu können, ohne von einer freudigen nassen Hundeschnauze geweckt zu werden, wussten wir zu schätzen. Denn einfach „tot stellen” glaubt einem Aika nämlich nicht (mehr) und schaut dann schon genauer nach.

Irgendwann kam Aika dann natürlich doch. Scheinbar verpennt, aber doch munter schwanzwedelnd. Allerdings mit deutlich niedrigerer Taktfrequenz als sonst. Naja, auch ein Hund kann mal mit dem falschen Bein aufgestanden sein; es war ja auch ein langer Abend und schließlich hat sie vier Beine mit denen man falsch aufstehen kann.

Dann ging es hinunter in den Garten. Normalerweise nimmt Aika immer vier Stufen auf einmal und wartet unten schon ungeduldig. Diesmal trappelte sie rustikal gemütlich stufenweise neben Verena her.

Im Garten angekommen trottelte Aika unsicher und unlustig in Richtung Bauerngarten und Teich, lief sogar grußlos an den beiden Hofhunden Räuber und Eddy vorbei. Irgendwie merkwürdig langsam. Irgendetwas war heute einfach anders. Dort angekommen wurde flugs Pipi gemacht. Dann passierte es: Plötzlich knickte sie ein und fiel im Zeitlupentempo um. Panik! Ratlosigkeit! Etwa ein Anfall?

Verena, erfahrene Krankenschwester und mit Notfällen aller Art bestens vertraut, beugte sich sofort sorgenvoll über ihren Hund und wollte erst einmal die Vitalfunktionen prüfen. Der Grund für Aikas dramatischen Zusammenbruch wurde dann allerdings ziemlich schnell klar und hatte eindeutig ganz andere Gründe: eine unglaublich schwere Alkohol-Fahne schlug Verena kraftvoll entgegen und fast um.

Auch ich hatte mittlerweile in der Küche eine interessante Entdeckung gemacht, als ich derweil das Frühstück vorbereiten wollte: Neben dem Servierwagen lag eine leere Weinflasche deren Korken fehlte... „Madame” hatte sich also in der Nacht ihren Korken einfach selbst geholt, die Flasche mit dem herausstehenden Korken wie ein Sommelier entkorkt und die dabei entstandene Pfütze (hoffentlich mit Genuss - es war ja schließlich ein Spitzenwein!) in Gänze aufgeschlabbert.

Der restliche Tag war für Aika so gut wie gelaufen; sie hatte einen mächtigen Kater, den sie sich wohl lieber freilaufend in anderer Form gewünscht hätte, und fürchterlichen Nachdurst. Diesmal gab es allerdings nur Wasser. Kein Ball, kein Stöckchen - einfach nur Ruhe um den tierischen Kater zu bändigen. Sie brummelte leidend und hätte mühelos jeden Hollywood-Schauspieler an die Wand gespielt. Denn wer überzeugend leidet, bekommt Streicheleinheiten, das hatte sie schnell herausgefunden.

Der nächste Morgen begann dann mit einem feucht-fröhlichen Schlabber quer durchs Gesicht und zurück; auch der Wedeltakt stimmte wieder. Aika war wieder die alte und wollte toben.

Wenn Verena und Aika jetzt kommen, wird natürlich weiterhin gut gekocht und es macht in guter Tradition „plopp”. Die Korken darf Aika auch in Zukunft zerkauen und verteilen; nur der Wein, der steht jetzt absolut hundesicher ganz oben im Regal.


Alexander Kopp

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