Vor bald vier Jahren – am 6. Dezember 2005 – habe ich angefangen, hier im Magazin „Geschichten aus dem Alltag eines Weinsammlers, Weintrinkers, Weinstatistikers, Weinliebhabers“ zu erzählen. Vorausgegangen sind Hunderte von Wortmeldungen, Beschreibungen, Diskussionen, Informationen im Forum von „Wein-Plus“, mit vielen Themen, die sich über Jahre in das damals sehr rege Forum „ergossen“. Diese wollte ich fortan etwas präziser – sozusagen gebündelt – den vielen Weinfreunden vermitteln. Was kann sich dazu besser eignen, als eine Kolumne mit „Anekdoten, Neuigkeiten, Erfahrungen“? Utz Graafmann – immer wieder für Neues zu begeistern – fand dies eine gute Idee. So begann das, was ich in der ersten Ausgabe umschrieb: „Mit dem Wein leben und darüber nachdenken oder einfach erzählen, Geschichten erzählen, dies werde ich fortan hier in einer Kolumne regelmäßig tun … was ich schreibe, habe ich immer selber erfahren. Erfahrungen sind subjektiv, deshalb aber nicht weniger wahr!“
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Der Autor, vor sich ein Wald von (noch) leeren Gläsern
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Als Medienschaffender und ehemaliger Dozent für Medien an der Universität glaubte ich zu wissen, was eine Kolumne ist, nämlich „eine kurze, pointierte, journalistische Ausdrucksform, welche Meinungen, Sichtweisen und Erlebnisse eines Autors wiedergibt.“ Etwa so oder ähnlich lässt sich eine Kolumne definieren. Wichtig sind dabei die Kürze, der persönliche Stil, die Regelmäßigkeit und die erklärte Subjektivität. An all dies habe ich mich in all den Jahren gehalten. Nur mit der Länge habe ich oft meine liebe Not. Gottseidank drückt der Magazin-Redakteur immer wieder ein Auge zu! Und so sitze ich jetzt zum hundertsten Mal am Computer, um über „ein weites Feld“ (Zitat „Effi Briest“!) nachzudenken; das sich in meinem Fall auf die Welt des Weins beschränkt und ein Stück Alltag widerspiegelt. Tatsächlich habe ich – um die Statistik zu bemühen – weitaus am häufigsten aus dem Alltag erzählt, nämlich 29 Mal mit ganz unterschiedlichen Themen, wie „Abschied von der Dorfkultur“, „Sommerabend“ „Trüber Herbsttag“, „Vier Wochen ohne Wein“, „MagicMoments“, und, und, und….
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Wein im Alltag - stimmungsvoller Abend zu Hause. Ein gewöhnlicher Sommerabend.
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Zu diesen Alltagsgedanken – zum Unspektakulären im Umgang mit Wein – habe ich am meisten Leserzuschriften und Benotungen erhalten. 180mal wurden die 29 Kolumnen mit einer Note bedacht, Durchschnittswert 1,47 (Notenskala von 1-6). Dazu wurden auch 38 Leserbriefe geschrieben (für alle 99 Kolumnen zusammen waren es 136 Zuschriften). Die allergrösste Aufmerksamkeit haben aber die 10 Kolumnen zum Thema Bordeaux erzielt. Sie wurden insgesamt fast vier Millionen mal angeklickt, erzielten eine Durchschnittnote von 1,52 und lösten 17 Leserzuschriften aus. Dabei steht die „legendäre“ und immer wieder zitierte Kolumne „Abschied von Bordeaux“ (vom 11. August 2006) weit an der Spitze, mit 1,8 Millionen Zugriffen. Eine Million oder annähernd eine Million weisen auch drei weitere Kolumnen auf, nämlich „Bilder, die man nie vergisst!“ (Languedoc), „Abschied von der Dorfkultur“ (Alltag) und „Liebeserklärung an den Rosé“ (Alltag).
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Strandidylle! Im Sommer darf es auch Rosé sein.
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Es ist immer sehr heikel, mit Statistiken aufzuwarten, vor allem diese zu interpretieren. Ein elektronisch registrierter „Anklick“ bedeutet noch lange nicht, dass die Kolumne auch gelesen wurde, eine Benotung sagt weniger aus über die Qualität als viel mehr, ob eine Kolumne, eine Meinung oder ein Thema gefallen finden, oder eben nicht. Die Leserin, der Leser bleibt auch im Internet für jeden Autor eine große Unbekannte. Und trotzdem: er möchte halt doch ab und zu nur allzu gerne wissen, was die 19 Millionen potentiellen Leserinnen und Leser (so oft wurden die 99 Kolumnen bis jetzt angesteuert) von dem halten, was da in der Rubrik „Kolumne“ alle 14 Tage erdacht und geschrieben wird. Nichts zu machen! Die 136 Leserzuschriften und die rund 500 Benotungen (Durchschnitt 1,48) sind nur ein kleiner Hinweis, was möglicherweise Anklang gefunden hat und was eben nicht. In eine direkte Beziehung zueinander lassen sich die Zahlen kaum stellen, zu unterschiedlich ist zum Beispiel die Zeitspanne, in der die einzelnen Kolumnen abrufbar sind; die älteste während fast vier Jahren, die jüngste nur etwa seit 14 Tagen.
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Kontakt mit dem unbekannten Leser
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Doch drei Dinge sind mir aufgefallen, die wohl kaum Zufall sein können.
- Hohe Einschaltquoten beim Thema Deutscher Wein. Doch ausgesprochen schlechte Noten und kritische Stimmen, sobald es da um Riesling geht. Meine leicht ironische oder satirische Kolumne „Die Bekehrung“ war mit der schlechtesten Durchschnittsnote (annähernd 3) die wohl „ärgerlichste“ Kolumne, die ich in gut drei Jahren geschrieben habe, während der „fröhliche Weinberg“ (Reinhessen) sieben Mal die Höchstnote (eine 1) erzielte.
- Das Thema „Schweizer Wein“ ist ausgesprochen wenig gefragt. Durchschnittliche „Einschaltquote“ pro Kolumne nur 70‘000 (im Vergleich dazu „Bordeaux“ annähernd 400‘000).
- An der „neuen Weinwelt“, sei es Amerika, China oder Australien, bekunden die Leser noch weit weniger Interesse als an der Schweiz. Die neun Kolumnen zu diesen Themen liegen bei den Zugriffen weit abgeschlagen am Schluss der Rangliste (durchschnittlich 12‘000 Aufrufe!)
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In Sachen Wein unterwegs – hier in Deutschland auf dem Rhein
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Und jetzt, nach all den statistischen Daten, die ich ausgewertet habe (es sind viel mehr, als hier erwähnt wurden): Welche Konsequenzen gedenke ich daraus zu ziehen? Ich bin ja nicht nur Schreiber, ich bin auch Leser, auch Kolumnenleser. Wo immer mir eine Kolumne begegnet, da greife ich zu und erlebe fast immer das gleiche: Links oben in der Kolumne lächelt penetrant und unverschämt ein Autor oder eine Autorin mir entgegen. Daneben prangt ein süffiger Titel, zum Beispiel “Treiben unter der Bettdecke“, dann folgt fast immer ein Geständnis, garniert mit einigen guten Ratschlägen, und wenn dies noch nicht genügt, ein paar knallharte Schlussfolgerungen, die meist in einer Anklage enden.
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Penetrant lächelnder Kolumnen-Autor.
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Da habe ich es gut. Ich darf auch weiterhin über Wein schreiben, über den Genuss, die Freuden, das Neue, das für mich Unbekannte. Ich darf schreiben, was ich rund um und mit dem Wein erlebe. Ich darf Menschen beobachten, die Weine machen und die Weine genießen, sei es in der Schweiz, in Deutschland, in Frankreich oder in China, wo ich eben gerade bin. Und ich darf auch „nicht-recht-haben“ (nur die Fakten müssen stimmen). Darum mein Geständnis (siehe oben): „Diese Art von journalistischer Kommunikation gefällt mir“. Dann der süffige Titel: „Wein wird eben getrunken!“. Und nun ein universeller Ratschlag: „Die nächste Kolumne in vierzehn Tagen wieder lesen“. Und noch die knallharte Schlussfolgerung (noch immer: siehe oben): „Zum hundertsten Mal wieder zu lang!“. Die obligate Anklage lass ich deshalb sein, denn ich bin ja selber schuld.
Herzlich
Ihr/Euer