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29.04.2004
Hermitage-Vertikale
Die Unverwüstlichen
Von Marcus Hofschuster
Leserkommentare (bisher 0)Hermitage wurde lange Zeit als der "männlichste Wein Frankreichs" bezeichnet und wer einmal den beeindruckenden, extrem steilen Südhang gesehen hat, der sich direkt hinter dem Ort Tain l'Hermitage erhebt, bekommt einen unvergesslichen Eindruck davon, warum hier derart majestätische und einzigartige Weine erzeugt werden.
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Steile Weinbergsterrassen hinter Tain l'Hermitage (Quelle: SOPEXA Deutschland)
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Seit je her wurde der Hermitage wegen seiner enormen Kraft, seiner ehernen Struktur und seines außerordentlichen Tanninreichtums bewundert. Sowohl die roten als auch die weißen Hermitage erzielten vor 200 Jahren höhere Preise als die besten Bordeaux und nicht selten wurde Wein von hier zur Aufbesserung der zumeist erheblich leichteren Bordeaux gen Westen verschickt, wo sie nicht nur der Qualität, sondern - mit dem Zusatz "hermitagé" - oft auch den Preisen auf die Sprünge halfen. Wie in nur wenigen Anbaugebieten der Welt hat sich in Hermitage weitgehend eine sehr traditionelle Weinbereitung erhalten, die Spontangärung, den Ausbau in alten Holzfässern und möglichst wenige Eingriffe im Keller beinhaltet. Zwar gibt es auch hier inzwischen prestigeträchtige Einzellagenfüllungen, doch kaum jemand käme auf die Idee, die Weine durch den großzügigen Einsatz von neuem Eichenholz gleich wieder eines Teils ihres Lagencharakters zu berauben. Auch das Entrappen der Trauben findet heute in einem erheblich größeren Ausmaß statt, als dies noch vor 20 Jahren der Fall war, aber lange Maischestandzeiten sorgen dennoch für eine Dichte und Tanninstruktur, wie sie für Hermitage immer sprichwörtlich war.
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Typische Hermitage Steillage (Quelle: SOPEXA Deutschland)
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Im Gegensatz zu vielen anderen Weinbauzonen wurde Hermitage seit Erlangen seines Status als AOC 1937, trotz des enormen Erfolges dessen sich die Weine inzwischen rühmen können, nie vergrößert. Die Rebfläche beträgt gerade einmal 126 Hektar und verteilt sich auf mehrere Einzellagen, von denen nur wenige je auf den Etiketten erscheinen. Ausnahmen sind vor allem "Le Méal" von Bernard Faurie und Marc Sorrel sowie "Les Bessards", der von Delas getrennt abgefüllt wird. Auch der Ermitage "Le Pavillon" von Chapoutier - nach alter Schreibweise ohne das Anfangs-H - stammt rein von uralten Rebstöcken in "Les Bessards".
Die großen Klassiker der Apellation sind jedoch Cuvées aus mehreren Lagen für die vor allem zwei Weine exemplarisch stehen: der Hermitage von Jean-Louis Chave und der Hermitage "La Chapelle" von Jaboulet. Beide verkörpern den klassischen Hermitage-Stil in Bestform und mit ihnen sollte sich im Wesentlichen auch diese Verkostung beschäftigen. Sie fand im Restaurant "Im Fünften" in Graz statt und wurde von dem Grazer Komponisten und Dirigenten Gerhard Präsent, einem der größten Kenner der nördlichen Rhône in Österreich, vorbildlich organisiert. Alle Weine wurden dekantiert und blind verkostet.
| Degustationsnotizen |
| Domaine Chaputier Ermitage Le Pavillon 2001 |
| Sehr tiefe, feste und ausgesprochen jugendliche Nase nach roten und schwarzen Beeren. Auch im Mund jung und dicht, saftige Frucht mit schokoladigen Noten, leichtes Veilchenaroma, reifes, feines Tannin, tief und kraftvoll am Gaumen, große Rasse, nachhaltig, lang. Wird erst in einigen Jahren zeigen, was alles in ihm steckt. 2008-2030. | 92+ |
Infos zum Erzeuger (Domaine Chaputier) |
| Domaine Chaputier Hermitage La Sizeranne 1990 |
| Reifer Duft nach roten Beeren und Zwetschgen mit feiner Würze. Sehr saftig im Mund, reife, runde Frucht, sehr feines Tannin, nicht übermäßig Komplex, aber präsent und nachhaltig am Gaumen, recht gute Struktur, jetzt wunderbar zu trinken, Frucht und Würze im Abgang. Bis 2008. | 89 |
Infos zum Erzeuger (Domaine Chaputier) |
| Domaine Chaputier Ermitage Le Pavillon 1992 |
| Fester, vielschichtiger Duft nach schwarzen und roten Beeren, Mineralien und Zedernholz mit zarten Reifenoten. Sehr dicht und ziemlich konzentriert im Mund, reife, saftige Frucht, ausgezeichnet strukturiert, etwas Zedernholz und Bitterschokolade, beste Balance, kräftig, tief und lang. Bis 2015. | 93 |
Infos zum Erzeuger (Domaine Chaputier) |
| Chave Hermitage 1982 |
| Große Tiefe und Präsenz in der Nase, entwickelter Duft nach teils getrockneten roten Früchten und Kaffee mit komplexer Würze. Reife, saftige Frucht im Mund, schöne Würze, rotbeerig am Gaumen, hat Kraft, sehr feines, reifes Tannin, ausgezeichnete Balance, immer noch fest strukturiert, lang. Bis 2010. | 92 |
| Chave Hermitage 1983 |
| Tiefgründiger, reifer Duft nach getrockneten Blüten, roten Beeren, etwas Zwetschgen und Mineralien mit balsamischen Aromen. Tief, reif und saftig im Mund, sehr schöne, fest strukturierte Frucht, viel Schmelz und erhebliche Mengen harmonisch integriertes Tannin, große Mineralität am Gaumen, komplex und extrem nachhaltig, ganz zart oxydative Noten, großartige Länge. Herrlich! Bis 2020. | 95 |
| Chave Hermitage 1985 |
| Kandierte und getrocknete Früchte in der Nase, sehr würzig, mit Aromen von Leder und Rauch. Sehr fest strukturiert, dicht gewirkte Frucht mit reifen, straffen Tanninen, feine Säure, zart oxydativer Touch, beeindruckt eher durch Finesse denn durch Kraft und Schmelz, perfekt gereift, lang. Bis 2010. | 92 |
| Chave Hermitage 1988 |
| Klarer Duft nach roten Beeren mit harmonischer Würze und zart mineralischen Anklängen. Recht saftig im Mund, mit sehr präsenten, noch etwas staubigen Tanninen, sehr fest gewirkt und fast streng, dabei jedoch auch mit eleganter Frucht, zart röstig am Gaumen, kräftig, ganz leicht oxydativ, kühler, röstiger Abgang. 2005-2015. | 91 |
| Chave Hermitage 1989 |
| Sehr schöner, gereifter Duft nach roten und schwarzen Beeren, Zwetschgen und Mineralien. Dicht und saftig im Mund, sehr klare Frucht mit festem, überaus noblem Tannin, im Hintergrund etwas Orangenschale, große Feinheit am Gaumen, tiefe und komplexe Aromatik, packend, großartige Balance und Länge. In einer Traumverfassung. Bis 2020+. | 97 |
| Chave Hermitage 1990 |
| Sehr tiefer, straffer, kühler und ausgesprochen mineralischer Duft nach schwarzen Beeren, etwas Pfeffer und Tabak. Enorme Kraft, Dichte und Präsenz im Mund, mit hochfeinem, reifem Tannin und messerscharf geschnittenen Kontouren, an denen der Wein blind zu erkennen ist, packend, vielschichtig am Gaumen, große Tiefe, noch ganz jung, sehr, sehr lang. Muss reifen. 2010-2030. | 97+ |
| Chave Hermitage 1991 |
| Reifer, straff gewirkter Duft nach roten Johannisbeeren, Preisselbeeren und Cocktailkirschen mit mineralischem Biss. Klar und ziemlich rassig im Mund, mit schöner Säure und präsentem, leicht sandigem Tannin, oxydative Note, im Hintergrund dunkle Röstnoten, guter Abgang. | 87 |
| Chave Hermitage 1994 |
| Reifer, leicht laktischer Duft nach Zwetschgen und Beeren, vielleicht etwas vordergründig, mit zart oxydativen Noten. Auch im Mund schon gereift und leicht oxydativ, präsentes Tannin und gute Säure, nicht allzu tief, aber mit Biss, dunkle Würze am Gaumen, mittellang. Bis 2008. | 86 |
| Delas Hermitage Les Bessards 1991 |
| Zart floraler Duft nach sehr reifen roten und etwas schwarzen Beeren mit Teearomen. Kräftig und sehr saftig im Mund, viel straffes Tannin, zartherbe Röstnoten und Rauch am Gaumen, ganz leicht trocknend, sehr gute Struktur, recht lang. Bis 2010. | 90 |
| Jaboulet Hermitage La Chapelle 1978 |
| Fest, herb und tiefgründig in der Nase, sehr komplex, nach Mineralien, Tabak und etwas getrockneten Blüten. Dicht und saftig im Mund, reife Frucht und sehr reifes, feines Tannin, vielschichtig, tief und nachhaltig, sehr präsente Mineralität, in einem beeindruckenden Zustand, betörend, große Länge. Bis 2015. | 97 |
| Jaboulet Hermitage La Chapelle 1982 |
| Sehr süßer Duft, reif und etwas oxydativ, aber ziemlich komplex, florale Aromen, getrocknete Tomaten, Champignons und Orangen. Klar und gereift im Mund, wieder Champignons, leicht adstringierendes Tannin, die Frucht etwas im Hintergrund, sehr trockener Stil, am Gaumen dennoch ziemlich präsent, gute Länge. Bis 2005. | 88 |
| Jaboulet Hermitage La Chapelle 1985 |
| Sehr tief, dicht und außergewöhnlich süß in der Nase, nach hochreifen roten Beeren und Honig, mit ätherischen Noten. Fest und tanninstark im Mund, mit rauchigen Noten und holziger Würze, wirkt erstaunlich unentwickelt, kräftig und mit großem Nachdruck am Gaumen, sehr lang. Eine selten jugendliche Flasche. 2005-2015. | 93 |
| Jaboulet Hermitage La Chapelle 1988 |
| Sehr dicht in der Nase, mit einsetzenden Reifenoten, tief, würzig, nach Zedernholz, roten und schwarzen Beeren und Mineralien. Sehr trockener Stil, mit festen, aber recht feinen Tanninen, am Gaumen nachhaltig, sehr mineralisch, ganz im Stil des Jahrgangs: sehr präsent und gut strukturiert, aber nur mit zurückhaltender, ziemlich trockener Frucht, sehr gute Länge. Auch blind einwandfrei zu erkennen. Bis 2009. | 90 |
| Jaboulet Hermitage La Chapelle 1989 |
| Eine enttäuschende Flasche mit leicht alkoholischer und laktischer Nase nach eingekochten dunklen Beeren sowie schokoladig-röstigen Aromen. Auch im Mund röstig und schokig, mit ungewohnt oberflächlicher Frucht und adstringierendem Tannin, im Abgang glatt, fast einfach. In einem seltsamen Zustand. | 77? |
| Jaboulet Hermitage La Chapelle 1990 |
| Sehr tiefe Nase mit süßer, schokoladig-röstiger Nase und etwas Tabak, die Frucht derzeit etwas hinter der Würze versteckt. Schmelzig, süß und würzig im Mund, viel Kakao, obwohl hier kaum neues Holz zum Einsatz kommt mit deutlichen Holzaromen, die ich so präsent bislang bei diesem Wein noch nicht erlebt habe, sehr feines Tannin, Bitterschokolade am Gaumen, große Tiefe und Länge. Derzeit recht unnahbar. 2008-2025. | 94+ |
| Jaboulet Hermitage La Chapelle 1991 |
| Sehr dichte Nase nach Zwetschgen, wilden Beeren, Tomatenmark sowie gebackenem Obst und Gemüse mit Gewürzaromen sowie einer Spur Malz und Brotrinde. Im Mund dann sehr brotig und malzig, mit viel reifer und überreifer Frucht, feines, aber recht trockenes Tannin, nicht ideal balanciert, vor allem im Abgang ziemlich trocknend. Präsentierte sich Ende der 90er wesentlich harmonischer und sollte nun - wenn diese Flasche repräsentativ war - meiner Befürchtung nach relativ zügig getrunken werden. | 84 |
| Jaboulet Hermitage La Chapelle 1994 |
| Sehr präsente, jugendliche Frucht nach roten und etwas schwarzen Beeren mit süßen, schokoladigen Aromen. Ausgesprochen saftig im Mund, jugendliches, präsentes Tannin, kräftig, mit Schmelz und guter Tiefe, etwas Bitterschokolade, noch wenig entwickelt, gute Länge. 2005-2012. | 89+ |
| Vallouit Hermitage Les Greffiéres 1988 |
| Schon ziemlich reif in der Nase, mit Schoko- und Kaffeenoten, roten Beeren, Mineralien, Zedernholz, etwas getrockneten Blüten und Minze im Hintergrund. Auch im Mund mit gereifter, vielleicht schon ein wenig magerer Frucht, trocken, nach Kaffee und Leder, viel adstringierendes Tannin, trockener, würziger Abgang. Bis 2005. | 83 |
| Vallouit Hermitage Les Greffiéres 1990 |
| Duft nach roten Beeren und Aprikosen, nicht allzu komplex, aber fein, wenn auch mit leicht spürbarem Alkohol. Klar und ordentlich saftig im Mund, etwas nach rohem Fleisch, zart oxydativ, mit feinstaubigem Tannin und einer Spur Holzaroma, recht gute Nachhaltigkeit, im Hintergrund Orangenschalen, auch im Abgang etwas Holz. Gut, aber nicht in der erwarteten Verfassung. | 86 |
Zu dieser Rubrik: Zur Einsendung ihrer Produkte sind alle Händler oder Importeure eingeladen. Die Anstellung ist kostenlos, erst eine Veröffentlichung mit Bezugsquelle wird berechnet. Weitere Infos: Infos zur Einsendung von Weinen
Marcus Hofschuster
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