Schneller Zugriff auf alle Seiten durch SeitenübersichtÜbersicht |  Mobil |  RSS |  Suche |  Hilfe |  Newsletter |  Impressum | Wine Magazine Englisch
Werbung:
Weinmarketing-Blog
Utz Graafmann bloggt
für Ihren Erfolg im Netz

Benutzer:   Kennwort:   Dauerhaft anmelden 
Kostenlos registrieren |  Kennwort vergessen? |  Hilfe
Mit der kostenlosen Registrierung nutzen Sie Wein-Plus effektiver, ohne Verpflichtungen und ohne versteckte Kosten! Der Inhalt wird nicht von Werbung verdeckt und es öffnen sich keine Werbefenster. Außerdem haben Sie viele zusätzliche Möglichkeiten, die sie als unangemeldeter Nutzer nicht sehen. Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben! Sie erhalten durch die Registrierung keine unverlangten E-Mails. Jetzt kostenlos bei Wein-Plus registrieren
04.04.2008
Gavi
Ein anderes Piemont
Von Maurizio Gily
Leserkommentare (bisher 0)

Wenn man im Land des Gavi ankommt - oder besser noch: wenn man zurückkehrt - nimmt man einen „Geist des Ortes” war, der aus diesem Territorium etwas Einzigartiges macht und ihn von anderen bekannten Weingegenden im südlichen Piemont wie den Langhe und dem Monferrato (an das es angrenzt) unterscheidet.

Die Kleinstadt Gavi mit der imposanten Festung Forte di Gavi im Hintergund, Foto: Consorzio di Tutela del Gavi


Die Ästhetik der Natur im Land hinter den Bergen

Es ist schwierig, diesen Geist zu definieren. Es handelt sich um ein besonderes Licht, eine Helligkeit, die mit den Brisen aus den Bergen im Süden weht und den Nebeldunst nach Norden in Richtung Poebene schiebt. Das Meer sieht man hier nicht, doch kann man es fast fühlen, denn es befindet sich nur etwas mehr als dreißig Kilometer Luftlinie entfernt. Dazwischen liegt das Apenningebirge, und der kleine Wildbach Lemme gleitet hellblau zwischen den Klippen aus weißem Mergel dahin. Es gibt ausgedehnte Wälder mit einheimischen Pflanzen wie der Eiche und der Hainbuche (Carpinus betulus), die hier sogar der amerikanischen Robinie Paroli bieten, die anderswo unaufhaltsam vorgerückt ist und das Territorium besetzt. Die Gegend ist dank der reichen Fauna und Flora besonders bei Naturfreunden beliebt. In den Wäldern kann man im Sommer ein herrlich frisches Klima genießen und im Winter verhüllt der Schnee das Land oft mit einem weißen Kleid, was in den meisten anderen Teilen des Piemonts zu einem raren Ereignis geworden ist.

Die Temperaturausschläge im Sommer zwischen Tag und Nacht sind enorm. Der Weinberge sind meistens jung und gut gepflegt, auch unter ästhetischem Anspruch, weil die Betriebe des Gavi - mehr als andere - um die Integrität der Landschaft bemüht sind und dies auch demonstrieren.
Werbung:
Zwischen den Weinbergen und Wäldern ragen antike Häuser und herrliche Landsitze hervor. Nicht zu prunkvoll und in gediegenen Ausmaßen, elegant und perfekt in die Landschaft eingefügt. Man scheint in ein Reich einer erleuchteten Aristokratie einzutreten, die im Boden nicht nur eine Resource zum Ausbeuten sieht, sondern auch ein Erbe, dass es zu schützen und in der Zeit zu bewahren gilt, und die dieses Erbe sogar als Quelle für den Zeitvertreib beleben mit Jagden, Spaziergängen, Reiten… Verstehen wir uns richtig, Gavi ist nicht nur das und vielleicht ist es auch nicht mehr als das, aber dies ist der Eindruck, den es zuweilen vermittelt und es ist kein unangenehmer. Man kann dem auch historisch auf die Spur kommen. In Gavi und in den angrenzenden Gebieten errichteten die Genueser Kaufmannsleute seit den Zeiten der Republik von Genua mit ihren Einkünften aus dem Handel in der Gießereihauptstadt hier ihre noblen Landsitze. Gavi wurde also für Genua, das ein bergiges Hinterland hat, so etwas wie die Riviera von Brenta mit ihren berühmten Palladium-Villen für Venedig. Und unter dem Schutz einer der Zugangsstraßen, die von der Poebene ans Meer führt, errichteten die Genueser in Gavi eine beeindruckende Festung, die heute noch immer gut erhalten ist. Und der typisch ligurische Tonfall überlappt sich hier mit dem der Einwohner von Gavi zu einem „Grenzdialekt”, der aber etwas mehr vom Piemontesischen hat.


Cortese - Weiß schlägt Rot

Die Rebsorte des Gavi: Cortese, Foto: Consorzio di Tutela del Gavi
Den Gavi-Wein erhält man ausschließlich aus nur einer autochthonen Rebsorte, dem Cortese. Dem Wort „Cortese” begegnet man zum ersten Mal in einem Brief des Verwalters der Burg Montaldeo an den Markgrafen Doria im Jahre 1659. Bis dahin und für lange Zeit danach bestanden die Rebflächen noch eher aus roten Sorten, wie Nibiö (lokaler Name für Dolcetto) oder Barbera. Cortese war, zusammen mit anderen weißen Trauben, nur in geringem Umfang präsent. Die ersten auf Cortese spezialisierten Anlagen großen Ausmaßes gingen ab 1856 auf den Landsitzen im Eigentum des Markgrafen Cambiaso, La Centuriona und La Toledana von Gavi in Produktion.

Im Jahre 1869 definieren Demaria und Leardi, zwei Gelehrte der ampelografischen Kommission, die von der Provinz Alessandria ins Leben gerufen wurde, den Cortese als „einheimische, robuste und fruchtbare Rebsorte, die im Gebiet seit langer Zeit bekannt und kultiviert wird”.

Im 19. Jahrhundert entstanden wichtige Weinbaubetriebe im Familienbesitz der Raggio, Serra, Sartorio und Spinola. Sie begleiteten den Aufstieg des Cortese als Wein von internationalem Format und gleichzeitig das Ende eines Großteils der alten Rebflächen mit roten Sorten. Der Cortese-Anbau weitet sich noch weiter am Ende des Jahrhunderts aus, nachdem er die Bedrohung durch die Reblaus überstanden hatte. Man pflanzt die Reben neu und dehnt gleichzeitig die Anbauflächen aus, um der steigenden Nachfrage nach Weißwein in der nahen Region Ligurien zu entsprechen. Im 20. Jahrhundert war der Erfolg des „Cortese di Gavi” wechselhaft. Er wurde in der Hochzeit der typisch aromatisierten Weine aus dem Piemont - von den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts bis nach dem zweiten Weltkrieg - vor allem als Basiswein für Wermut nachgefragt. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts verdankt man vor allem der Familie Soldati und dem Betrieb „La Scolca” die Aufwertung des Gavi. Die heutige Produktionsrealität ist sehr unterschiedlich, es gibt große Weinkeller, mittlere und kleine, und in allen Kategorien ist es möglich, exzellente Produkte zu finden.

Weingarten mit Cortese, Foto: La Scolca

Die Geschütze Ursprungsbezeichnung (Denominazione di Origine Controllata - DOC) stammt aus dem Jahre 1974, mit den Namen „Gavi” oder „Cortese di Gavi”. Mit der Zeit ist der Name der Rebsorte verschwunden. Seit 1993 operiert das Consorzio di Tutela del Gavi (www-consorziogavi.com) und im Jahre 1998 kamen die Weihen der DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita).


Von einem frischen, leichten Wein zum „Vin de garde”

Die letzten zwei Jahrzehnte haben das Image dieses Weins teilweise verändert oder wenigstens haben sie es auf unterschiedliche Weine aufgespalten. Heute ist der Gavi nicht mehr nur als leichter, frischer Weißwein angesehen, der jung getrunken werden muss. Obwohl der Cortese kein großer Zuckerproduzent ist und demzufolge die Weine selten einen hohen Alkoholgehalt besitzen, haben sich durch moderne Weinbau- und Kellertechniken (inklusive einer tendenziell späteren Ernte) die Lager- und Reifekapazitäten dieses Weins enorm verbessert. Wenn der Jungwein duftig ist, mit Noten von weißen Blumen und Zitrusfrüchten, gewinnt er mit der Zeit an Komplexität und bekommt mineralische Anklänge, die gut von einer besonders ausgeprägten Säure gestützt werden. Auch aus diesem Grund eignet er sich gut für die Versektung. Das Spektrum an Düften kann weit sein, aber immer delikat und niemals übertrieben, denn der Gavi ist kein aromatischer Wein, keine „Alkoholbombe”, er ist vielmehr der perfekte „Food Wine” unter den Weißen, hervorragend zu Fisch aber ausgezeichnet auch zu einer Focaccia (Pizzabrot mit Käse), Ravioli mit Käsefüllung, nur leicht gereiftem Käse und vielen anderen Gerichten, zum Beispiel auch einem einfachen Salamibrötchen und der berühmten „Testa in cassetta” aus Gavi, einer Wurst, die aus Teilen des Kalbskopfes hergestellt wird.


Zahlen und Fakten zur Gavi DOCG

DOCG-AnerkennungDurch ein Ministerialdekret vom 9. Juli 1998. Die Region war schon seit dem 26. Juni 1974 als DOC-Region klassifiziert.
Produktionsgebiet

Insgesamt elf Gemeinden: Das gesamte Gebiet der Orte Bosio, Carrosio, Gavi, Parodi Ligure und San Christoforo. Teil von Novi Lingure, Serravalle Scvrivia, Francavilla Bisio, Caprita d´Orba, Pasturana und Tassarolo in der Provinz Alessandria.

zugelassene RebsorteCortese
Weinarten

Es werden drei Varianten hergestellt: Stillwein, Frizzante (Perlwein) und Spumante (Schaumwein)

Maxiamalertrag9,5 t Trauben pro Hektar
Mostausbeutemaximal 70 %
Mindestalkoholgehalt

10,5 % Alc. by Vol.

Ertragsfläche (Stand Nov. 2007)1.224 ha
Flaschenproduktion im Jahr 20069.400.000 Flaschen

Übersetzung von Katrin Walter

Maurizio Gily

Leserkommentare (bisher 0)

 

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Schulnote :
BEST OF
Rioja - Erfolgreich gegen den Strom Weiter
Brunello di Montalcino - Die Stunde des Aristokraten Weiter
Rote Südtiroler - Tiroler Sorten schärfen Profil Weiter
Große und Erste Gewächse - die Roten aus 2009 - Triumph der Finesse Weiter
Große und Erste Gewächse - die Weißen aus 2010 - Herausforderung angenommen! Weiter
Franciacorta - Champagner-Konkurrenz aus Norditalien Weiter
Sauvignon Blanc in Deutschland - Der verlorene Sohn kehrt zurück Weiter
Alle Beiträge

Aktuelle Wein-News
09.02.2012: Winzer schlägt zu Weiter
08.02.2012: EU-Kommission verabschiedet Biowein-Richtlinien Weiter
04.02.2012: Rutemöller ist neuer Trainer Weiter
03.02.2012: Eiswein bei fast minus 15 Grad Weiter
03.02.2012: Ökoweine von 200 Winzern auf der BioFach Weiter
02.02.2012: Eisweinkontrollen werden verschärft Weiter
02.02.2012: Cyriacus W. Schultze neuer Vertriebs- und Marketingleiter bei Wein-Plus Weiter
Alle Beiträge

Pressemitteilungen
10.02.2012: Endrizzi einfach schön smart Weiter
09.02.2012: Südtirol auf der ProWein 2012 Weiter
02.02.2012: Südtiroler Wein beim Rheingau Gourmet & Wein Festival Weiter
04.01.2012: Präsente mit Hotline-Beratung am Telefon Weiter
04.01.2012: mehr als 10.000 Weine im Angebot Weiter
20.12.2011: Stuart Pigott: Wein des Monats Dezember 2011 Weiter
16.12.2011: Gute spanische Weine wollen gefunden werden Weiter
Alle Beiträge

Neu auf Wein-Plus
Weinversand - Weiter Premium-Paketservice von UPS für Wein-Plus Mitglieder Weiter
Verpackungsentsorgung - Wein-Plus verlängert Partnerschaft mit Interseroh Weiter
Neue Veranstaltungen - Qualitäts- und Genussinitiative für die nordgriechischen Weine Weiter
Neues Stammtischpaket - Frühsommerpaket 2011 Weiter
WEIN-PLUS-KLIMASCHUTZ - Wer Wein kauft, kann dem Klima helfen Weiter
Weinmesse München - Griechischer Wein offenbart unbekannte Spezialitäten Weiter
Neues Stammtischpaket - Frühjahr 2011 - Griechenland Weiter
Alle Beiträge

Editorial
Zum Tod eines schweizerischen Spitzenwinzers - Thomas Mattmann Weiter
Alle Beiträge

Reportagen
EU-Weinmarktreform - Teil 4 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Frankreich Weiter
Südfrankreich - Roussillon - das katalanische Erbe Weiter
EU-Weinmarktordnung - Teil 3 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Italien Weiter
Italien - Die Naturweinmacher von Gambellara Weiter
EU-Weinmarktordnung - Teil 2 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Deutschland und Österreich Weiter
Themenschwerpunkt Spanien - Navarra Weiter
Timorasso - Piemonts weißes Wunder Weiter
Alle Beiträge

Verkostung
Großes Gewächs - Pfalz Weiter
Großes Gewächs - Württemberg Weiter
Südtirols rote Sorten - 25 Jahre Qualitätsrevolution Weiter
Großes Gewächs - Mosel Weiter
Erstes Gewächs - Rheingau Weiter
Großes Gewächs - Rheinhessen Weiter
Großes Gewächs - Nahe Weiter
Alle Beiträge

Interview
Im Gespräch: Mireia Torres Maczassek, Bodegas Torres - Spanischer Wein, französische Reben und Glamour aus Hollywood Weiter
Im Gespräch: Luciano Racca, Weingut Domenico Clerico - Modernisten, Puristen und die Phänomen-Generation Weiter
Alle Beiträge

Rezensionen
Wein-Reisen - Genießen in Venedig und ganz Italien Weiter
Eine Reise ins Land des Goldrieslings - Rudolf Knoll, Britta Binzer: Winzer & Weine im sächsischen Elbland Weiter
Logik, Erkenntnis und Genuss - Bernd Müller-Kaller: Wein-Philosophie Weiter
Sehnsucht Italien - Steffen Maus: Italiens Weinwelten Weiter
Zu Gast bei 100 Bio-Produzenten - Bioparadies Toskana Weiter
Slow wine - Führer 2011 - Wertewandel im Zeichen der Schnecke Weiter
Alle Beiträge

Essen und Trinken
Rezept des Monats - Scherben und Striebele Weiter
Restaurant "Falco" in Leipzig - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter
Rezept des Monats - Wildschweinsauerbraten Weiter
Rezept des Monats: - Rosa gebratenes Lendchen auf Apfelvariationen und Bratkartoffeln Weiter
Restaurant Obauer in Werfen - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter
Gourmetrestaurant Lerbach in Bergisch-Gladbach - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter
Rezept des Monats - Pochiertes Hirschfilet im Bergheu-Sud Weiter
Alle Beiträge

Kolumne
Zwei Deutsche in der Schweiz - Riesling, Pinot Noir & Co. Weiter
Was man oft und gerne trinkt - Weinheimat Weiter
Bilanz ziehen - Erinnerungen Weiter
Der perfekte Weihnachtswein - Sprachbarrieren Weiter
Wein als Handelsware - Auktion Weiter
Spätlese - Die dritte Generation Weiter
Wein-Chemie - Der Weinberg lügt nicht Weiter
Alle Beiträge

TV-Tipps
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Februar 2012 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Januar 2012 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Dezember 2011 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für November 2011 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Oktober 2011 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für September 2011 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für August 2011 Weiter
Alle Beiträge

Stammtisch
Verkostungspaket - Weihnachten 2011 Weiter
Verkostungspaket - Herbst 2011 Weiter
Verkostungspaket - Sommer 2011 Weiter
Alle Beiträge

Promotion
Interview mit Angelos Iatridis, Alpha Estate - "Griechische Weine sind besser als die griechische Gastronomie in Deutschland" Weiter
Bordeaux 2010 - „Jahrgang der Sensationen“ (Falstaff) Weiter
Atlas der Weinkulturen - Nicht nur Médoc, Barolo und Sonoma, sondern auch Åsgårdstrand, Sabile und Dodoma! Weiter
Verdejo - der Shooting Star aus Rueda Weiter
Bozner Weinkost & Internationales Gewürztraminer Symposium - im Rahmen des Genussfestival Südtirol Weiter
Alle Beiträge