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01.08.2007
Fußball
Elf Weinfreunde sollt ihr sein
Von Wolfgang Faßbender
Leserkommentare (bisher 0)

Ob es am neuen System lag? Die 4-4-2-Spielweise, gerade erst von Trainer Lothar Böhm installiert, schien der Deutschen Weinelf in ihrer Partie gegen das Team der Messe Düsseldorf noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. Vor allem der Sturm tat sich schwer, rannte vergeblich an gegen das Bollwerk der gegnerischen Abwehr. Die wiederum belieferte ihren Sturm effektiv mit Bällen, und noch vor der Pause stand es 1:0. Niedergeschlagen schlichen die Weinelfer in die Halbzeit.



Aus Spaß wird Ernst

„Ursprung der Weinelf war ein Benefizspiel”, erinnert sich Andreas Kaul vom rheinhessischen Weingut Willi und Peter Kaul. Im Mai 2005 traten in München elf Winzer und andere Hobbyspieler aus der Weinszene unter Leitung des Weinbaupräsidenten Norbert Weber gegen elf Spitzenköche an. Man munkelt, dass es die durch Weinbergsarbeit bedingte gute körperliche Konstitution war, welche den Ausschlag gab für einen knappen, aber letztlich ungefährdeten 3:2-Sieg der Weintruppe. Selbst nach dem Abpfiff ließ die Begeisterung nicht nach: Man dachte ernsthaft über eine Neuauflage nach, schließlich wurde der Fußballspaß institutionalisiert. Vor allem Norbert Heine, Geschäftsführer der Agentur projekt büro, und Robert Lönarz vom Bund Deutscher Önologen trieben die Entstehung der Wein-Mannschaft voran. Nach der offiziellen Vereinsgründung der Weinelf Deutschland e.V. - Vereinszweck ist die Förderung der Bekanntheit des deutschen Weins - wurden Spielpläne erstellt und Gegner gesucht. Kein großes Problem: Außer den Köchen wollten bald auch die österreichischen Winzer gegen die deutschen Kollegen antreten, die ZDF-Sportredaktion ließ sich nicht lumpen, 2006 lief sogar die Mannschaft des WM-Organisationskomitees gegen die Weinelf auf.


Wie der Riesling, so das Spiel

Eine etwas andere Regeneration
Heute wimmelt es im Kader der Weinelf nur so vor Spitzenwinzern. Engagement im Keller und ebensolche Leidenschaft auf dem grünen Rasen scheinen eine Menge gemein zu haben. Zum Aufgebot gehören Philipp Wittmann (Rheinhessen), Stefan Knipser (Pfalz) oder Armin Diel (Nahe), aber auch Professoren der Geisenheimer Fachhochschule und Journalisten wie der Italien-Experte Steffen Maus kicken eifrig mit. „Viele kommen sogar zu den Trainingseinheiten in Geisenheim”, lobt Andreas Kaul, der sich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Ob die Vorbereitung allerdings immer ausreichend ist? In der Vergangenheit hagelte es, trotz allen Engagements, schon deftige Niederlagen. Gegen das „Wunder-von-Bern”-Filmteam gab es eine 1:6-Packung, die Traditionsmannschaft des VfB Stuttgart feierte gegen die kickende Weinszene einen 7:2-Kantersieg. Am meisten aber wurmt wohl die Niederlage gegen die Kollegen aus Österreich. Knapp ging die Partie in Rust verloren, und noch heute grübelt man mannschaftsintern über die Ursachen nach. Vielleicht, so die gängigste Theorie, lag es ja wirklich an der Verkostung burgenländischer Süßweine, die von den Österreichern vor dem Anpfiff organisiert wurde. „Ansonsten ist Doping verboten”, sagt Andreas Kaul, „Wein gibt es immer erst nach dem Spiel”.

Die Weinelf mit Weltmeister Horst Eckel


Tore, Tore, Tore

Keine Frage, die Weinelf ist zur Institution geworden. Kritiker finden kaum Ansatzpunkte, denn Fouls sind verpönt, und die Schiedsrichter gelten nicht als „schwarze Sau”, sondern als Weinfreunde im dunklen Outfit. Der Kick dient außerdem stets einem gutem Zweck, die Einnahmen fließen u.a. an Wine saves life e.V. Allenfalls die Statistik ist noch verbesserungswürdig. Selbst hartnäckige Recherchen erbrachten keinen eindeutigen Torschützenkönig. „Michael Gutzler hat mit Abstand die meisten Tore geschossen”, erinnert sich Andreas Kaul, „allerdings sind da Trainingsspiele eingerechnet”. Als sehr treffsicher gelten aber auch Peter Kühn (Oestrich-Winkel) und Stefan Winter (Weingut Winter).

Im Spiel gegen die Mannschaft der Messe Düsseldorf übrigens mussten auch die geübtesten Winzer passen. Die zweite Halbzeit blieb torlos, am Schluss siegten die Düsseldorfer knapp, aber verdient. Inzwischen, so war aus Weinelf-Kreisen zu erfahren, beherrsche man aber das 4-4-2-System perfekt. Lothar Böhm, im Hauptberuf DFB-Stützpunkttrainer, hat ganze Arbeit geleistet.

PS: Über die Zulassung von kickenden Winzerinnen scheint man sich bei der Weinelf noch keine ernsthaften Gedanken gemacht zu haben. Und auch die von den Medien immer wieder hoch gelobten deutschen Weinfrauen zeigen bislang offenbar kein Interesse, sich für Positionen in Sturm, Mittelfeld oder Abwehr zu bewerben. Bislang nicht terminiert wurde auch das Match der Weinelf gegen die offizielle deutsche Nationalmannschaft der Frauen…


Die nächsten Spieltermine

*11. August, Gießen: Turnier Ärztenationalmannschaft und Fußballköche
*27. August, Ort steht noch nicht fest, Gegner ist die LRP-Landesbank Rheinland-Pfalz
*1. Oktober, München, Olympiastadion: Die Weinelf gegen die schweizerischen Spitzenköche (Termin noch nicht sicher)
*23. Oktober, Berlin: Deutscher Bundestag
*19. November, Crailsheim: 3. Internationales Hallenmasters der
Spitzengastronomie

Autor Wolfgang Faßbender ist gelernter Fußball-Schiedsrichter des Fußballverbands Niederrhein.

Wolfgang Faßbender

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