Steffen Christmann vom Weingut Christmann in Neustadt-Gimmeldingen ist ab diesem Jahr Präsident des Verbandes der Prädikatsweingüter (VDP). Wolfgang Faßbender fragte nach den Plänen des Pfälzer Winzers, die er in seiner Amtszeit umsetzen möchte.
Wolfgang Faßbender: Herr Christmann, sind eigentlich die richtigen Weingüter im VDP Mitglied?
Steffen Christmann: „Ja. Wenn man sich die Bewertungen in den Weinführern anschaut, dann sind vielfach auch die besten 20 einer Region komplett oder zum Großteil Mitglieder im VDP. Und von den weiteren 20 Betrieben ist nochmals mindestens die Hälfte im VDP. In den 17 Jahren, seit Michael Prinz zu Salm-Salm das Amt des VDP-Präsidenten übernommen hat, sind außerdem etwa 70 Betriebe ausgeschieden und etwa 100 dazugekommen. Das zeigt, dass der Verband sich entwickelt.”
Wollen Sie die Arbeit von Prinz zu Salm fortführen oder eigene Akzente setzen?
„In der Amtszeit meines Vorgängers wurden viele wegweisende Entscheidungen getroffen, nicht nur von ihm allein, sondern von allen Mitgliedern. Eine der wichtigsten haben wir im letzten Jahr beschlossen: Unter dem Dach der Ersten Lage wird das Große Gewächs als trockener Spitzenwein etabliert. Bereits beim Jahrgang 2006 zeigt sich dies deutlich, die Grenze von 9 Gramm Restzucker pro Liter wird ernst genommen. Für die Weine Erster Lage, die mehr Süße haben, muss noch eine Bezeichnung gefunden werden.”
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Der neue VDP-Präsident: Steffen Christmann
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Bei Präsentationen werden immer wieder auch schwächere Weine vorgestellt. Wäre es nicht sinnvoller, eine unabhängige Jury mit der Vorauswahl zu beauftragen? „Die Weine werden von den Winzern selbst kritisch beurteilt, nicht alle Weine werden als Großes Gewächs zugelassen. Dennoch wissen wir, dass wir hieran auch noch vom VDP aus arbeiten müssen. Experten von außen wären auch keine Garantie, dass es gar keine qualitativen Unterschiede zwischen den Weinen mehr gäbe. Bei uns sind viele der besten Weingüter Deutschlands versammelt, aber unter diesen gibt es natürlich nochmals Abstufungen. In der 1. Bundesliga spielen auch nicht alle Vereine auf Champions-League-Niveau. In anderen Ländern der Welt ist es doch nicht anders, auch im Burgund gibt es bessere und schlechtere Grands und Premiers Crus.”
Genügen die Kontrollen?
„Die Großen Gewächse der VDP-Mitglieder werden jedes Jahr neu beurteilt. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass ein Weingut Gewächse der letzten zehn Jahre bringen und nachweisen muss, dass es über einen langen Zeitraum gut gearbeitet hat, denn häufig ist es gar nicht leicht, die langfristige Entwicklung bei den Jungweinen abzuschätzen.”
Ist also alles in bester Ordnung?
„Wir wissen, dass wir gute Arbeit leisten, aber noch weit von der Perfektion entfernt sind. Die Arbeit bei der Klassifikation ist weitgehend abgeschlossen. Das bisher Erreichte muss nun konsolidiert werden.”
Der Verband der Prädikatsweingüter feiert 2010 sein hundertjähriges Jubiläum. Was haben Sie sich bis dahin vorgenommen?
„Wichtiges Ziel ist das, was ich ein Eliteversprechen nennen möchte. Mein Ziel ist es, dass jedes VDP-Mitglied seine Bereiche nennt, in denen es sich nachvollziehbar verbessern will.
„Herzlichen Dank für das Gespräch.”