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Dirk van der Niepoort
Port-Tradition
Von Klaus Ackermann
Leserkommentare (bisher 1)
Blick auf die Quinta do Passadouro im Pinho-o-Tal, im Herzen des Douro gelegen

Wenn man früher über Niepoort sprach, dachte man zuallererst an Portwein, der hier seit fünf Generationen erzeugt wird. 1842 von Eduard Kebe gegründet, ist man zwar ,,nur" das zweitkleinste Portweinhaus, dafür aber eines der Feinsten. Kaum ein anderer Erzeuger bietet eine solch umfassende Produktpalette an unterschiedlichen Qualitäten. Der Wine Spectator verglich die Rolle von Niepoort einmal mit der von Krug in der Champagne: klein, aber fein, von einer Qualität, wie sie nur wenige Produzenten erzeugen.

Mit dem 1987 erfolgten Eintritt von Dirk van der Niepoort in das heute 160 Jahre alte Traditionshaus entwickelten sich neue Ideen, startete Niepoort fortan auch mit der Produktion von Tischweinen. Seitdem der dynamische Mittdreißiger die Verantwortung trägt, tritt das Familienunternehmen auch vermehrt in der Öffentlichkeit auf.
Nach Lehr- und Studienjahren, die ihn u. a. nach Kalifornien an die Davis-Universität und zur von Manfred Esser geleiteten Kellerei Cuvaison im Napa Valley führte, kehrte Dirk van der Niepoort mit vielen Eindrücken zurück, die seitdem in seine Arbeit einfließen. Heute spielt er erfolgreich die Rolle des Visionärs. Zusammen mit seinem Mitstreiter und Önologen Jorge Serôdio Borges (verantwortlich für den hochgelobten Fojo!) geht das Duo nun seine eigenen Wege, ohne aber mit alten Traditionen und dessen Erfahrungen zu brechen. Mit dem 1991er Redoma Tinto gelang Niepoort ein erster Achtungserfolg, der sowohl in Fachkreisen wie auch beim Endverbraucher auf großes Interesse stieß. Die Nachfolgejahrgänge zeigen, dass Niepoort das Potenzial des Redoma Tinto längst noch nicht ausgeschöpft hat - die derzeit auf dem Markt erhältlichen Jahrgänge 1997 und 1999 sind ohne jeden Zweifel ein weiterer Schritt in die Zukunft. Mehr dazu im nachfolgenden Interview.

Wann begannen Sie, sich für Wein zu interessieren?
Mein eigentliches Interesse für Wein entdeckte ich erst in der Schweiz, wo ich studierte und für Moevenpick arbeitete, nachdem ich ein firmeneigenes Buch über Wein gelesen hatte.

Welches war Ihr erster Wein, den Sie tranken?
Das weiß ich nicht mehr. Aber die erste Verkostung, bei der ich aushalf, war eine Vertikale von Pétrus und Magdelaine. In Zürich.

Gab es jemanden, der Sie beeinflusste?
Nicht wirklich, aber es gibt einige Leute, vor denen ich enormen Respekt habe. Einer davon ist Angelo Gaja. Ich kenne ihn schon viele Jahre, und es lohnt sich immer wieder, sich mit ihm zu unterhalten.

Hat derzeit allen Grund, positiv in die Zukunft zu schauen: Dirk van der Niepoort


Nach welchen Kriterien wählen Sie die Weine aus, die in der Flasche bzw. im Fass reifen sollen? Wovon hängt es ab, ob Weine (Portweine) gleich in die Flasche oder erst ins Fass kommen?
Das ist ganz einfach: je besser ein Wein ist, desto besser kann er reifen (in der Flasche oder im Fass), doch eines ist sehr wichtig beim Vintage zum Unterschied vom Tawny. Beim Vintage muss alles stimmen. Beim Tawny dagegen sind gewisse Dinge wie unter anderem Farbe oder Fruchtausprägung von sekundärer Bedeutung (die Farbe spielt beim Tawny eigentlich keine so große Rolle, und auch die Frucht ist nicht so wichtig, dafür aber sehr wohl die Frische .).

Niepoort war immer schon für seine Tawnies berühmt und ist es natürlich immer noch. Was ist ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür?
Es gibt verschiedene Gründe. Die Tawnies von Niepoort reiften fast alle in Gaia. Der Ausbau der Tawnies wurde immer mit größter Sorgfalt gehandhabt. Es reicht nicht, Portweine bloß ins Holz zu geben und dann irgendwann auf die Flasche zu füllen. Man muss sich ständig um die Weine kümmern und zum Beispiel die Fässer immer wieder auffüllen...

Die Caderno Diario: das Kellerbuch, in dem über Generationen hinweg alle Details der einzelnen Jahrgänge festgehalten werden
Ist das Reifen der Ports so wichtig?
Es ist wesentlich.

Was macht Niepoort anders als andere Erzeuger?
Das Auffüllen der Fässer - die Colheita-Weine (Jahrgangs-Tawnies) kommen bei uns schon sehr früh ins Fass; vor allem aber auch bei der Auswahl der Weine gibt es Unterschiede zu anderen Produzenten.

Ist es so wichtig, dass die Reifung bzw. der Ausbau in Gaia (und nicht im Douro) stattfindet?
Das ist sogar ziemlich wichtig. Es gibt weniger Temperaturschwankungen, und vor allem durch die viel niedrigeren Temperaturen im Sommer werden die Weine frischer und lebendiger; sie reifen langsamer und werden dadurch ausgewogener.

Es ist bekannt, dass die Familie Nogueira seit vielen Generationen mit Niepoort zusammenarbeitet. Haben sie einen besonderen Einfluss auf die Qualität und Beständigkeit der Niepoort-Tawnies?
Zweifelsohne. Sie (die Nogueiras) sind für Niepoort sehr wichtig, und in vielerlei Hinsicht sind sie es, die den Stil der Niepoort-Weine prägen. Vier Generationen gemeinsame Arbeit ist außerdem eine lange und schöne Zeit.

Inwiefern sind sie so wertvoll für Sie?
Ihr Know-how, ihre Interesse und Wissen sowie ihre Erfahrung.

Traditionell hatten alle Porthäuser ihren "Probierer" ("Provador"), jemanden, der sich diese Kunst durch die tägliche Praxis aneignete. In den meisten Häusern wurden diese Probierer durch junge Önologen ersetzt, die ihr Handwerk auf Universitäten studiert haben. Ist ein Probierer noch wichtig?
Das macht den Unterschied zwischen gut, groß und Kunst aus.

Welche Rolle kommt dem Probierer beim Verschneiden zu?
Er ist extrem wichtig. Es ist ein Kunstwerk, und der "Provador" ist der Künstler (natürlich gibt es gute Kunst und weniger gute Kunst). Portwein ohne "Provador" ist eine rein technische Angelegenheit (er kann technisch hervorragend sein, genauso kann der Techniker mit der Zeit zum "Provador" werden).

Wie werden die Cuvées bei Niepoort zusammengestellt?
Da gibt es keine Regel. Sie kommen durch Absprache zwischen dem "Provador" und der Familie Niepoort zustande.

Werden die Tawnies vor der Flaschenfüllung irgendeiner speziellen Behandlung unterzogen?
Manchmal werden die Weine geschönt, filtriert werden sie jedenfalls nicht.
Ist das der Grund dafür, dass Sie für Ihre Tawnies zylindrische Korken verwenden, die sich von denen anderer Häuser unterscheiden?
Der Hauptgrund, warum wir zylindrische Korken verwenden, ist der, dass wir glauben, dass unsere Tawnies mit zunehmender Flaschenreife besser werden. Daher müssen wir sichergehen, dass die Weine unter entsprechenden Bedingungen heranreifen können, und dabei spielt der Kork eine bedeutende Rolle.

Heißt das, dass Flaschenreife gut für Colheitas ist?
Das ist eine interessante Frage: es heißt, dass Tawnies und Colheitas in den ersten beiden Jahren nach der Flaschenfüllung am besten sind. Ich persönlich glaube, dass sie am besten sind, wenn sie einige Zeit in der Flasche zugebracht haben. Je länger, desto besser. Natürlich ist ein längerer Zeitraum im Fass immer vorzuziehen (wenn wir von einem großen Wein sprechen). Ich liebe Port mit den typischen Aromen vom Ausbau in der Flasche. Einer meiner Favoriten ist zum Beispiel unser Colheita 1935, der 1972 abgefüllt wurde. Perfekt.

Was ist der Unterschied zwischen einem Tawny und einem Colheita?
Der Unterschied besteht darin, dass im Tawny eher die individuelle Linie des Hauses zum Ausdruck kommt, während der Colheita auch, und vielleicht in erster Linie, die Charakteristik des Jahrganges widerspiegelt.

Ist der Stil der gleiche?
Sicherlich wird der Stil auch vom Haus geprägt, aber doch zu einem Großteil vom Jahrgang.

Wie würden Sie einen Colheita definieren?
Ich erwarte von unseren Colheitas Frische, aber keine Fruchtigkeit. Sie sollten ihr Alter zeigen (deswegen lassen wir die Weine auch so lange im Fass heranreifen), müssen dabei aber eine perfekte Harmonie aufweisen. Sie sollten Trinkfreude bereiten und nicht nur interessant zu verkosten sein (auf Grund des Alters). Sie sollten auch Körper, Dichte und Komplexität zeigen, doch alles gepaart mit Harmonie und Eleganz.

Wie und wann kamen die Garrafeiras auf?
Das weiß ich nicht genau, da müßte man in alten Archiven stöbern .

Was ist eigentlich ein Garrafeira?
Das ist eine ganz eigene Portwein-Kategorie, die gibt es nämlich nur bei uns. Ich würde sagen, dass Garrafeiras die elegantesten aller Portweine sind. Diese Weine liegen zwischen drei und sechs Jahre im Holz und werden in Dimijons aus dem 18. Jahrhundert gefüllt. Durch den Ausbau in diesen kleinen Glasballons scheinen die Weine wunderschön elegant zu werden. Wenn ein Garrafeira gut ist, dann ist er fantastisch.

Die Garrafeiras sind mittlerweile schon zu einer Art Mythos geworden. Ist es nicht äußerst schade, dass diese Weine in Hinkunft nicht mehr erlaubt sein sollen?
Es ist jammerschade, und irgendwie muss ich mir selbst große Vorwürfe machen, weil ich beim Instituto do Vinho do Porto nicht stark genug protestiert habe.

Und wie steht's mit dem Niepoort-Vintage?
Bei den Vintages versuche ich, an die Größe unserer Vintages während der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts anzuknüpfen (bzw. diese wieder herzustellen); Jahrgänge wie 1927, 1945, 1955. Das waren Weine von großer Konzentration, sehr reichhaltig und intensiv, dabei aber wunderbar ausgewogen. Sie haben eine solche Harmonie, dass man glauben könnte, sie sind leicht und simpel - sie zu trinken bereitet großes Vergnügen. Ich versuche Weine voller Extreme zu machen, aber gleichzeitig mit Ausgewogenheit und Harmonie.

Warum haben Tawnies in der Vergangenheit nie die Bedeutung eines Vintage-Port erlangt?
Ich glaube nicht, dass Tawnies je die Bedeutung von Vintages erreichen werden. Der Hauptgrund dafür besteht darin, dass man mit Tawnies kaum spekulieren kann, weil die Weine so lange in unseren Kellern liegen, bevor sie herausgebracht werden.

Mit welchem Alter wird ein Vintage am besten getrunken?
Vintages sind interessant zu verkosten, wenn sie sehr jung sind, am besten zu trinkn aber, wenn sie reif sind - nach 20 Jahren.

Eines der Aushängeschilder Niepoorts: Fass-gereifte Colheitas aus älteren Jahrgängen
Wie bedeutend sind LBVs?
Für mich persönlich sehr bedeutend. Ich bin der Meinung, dass wir mit einem großen LBV einen noch besseren Vintage machen können, weil wir selektiver vorgehen. Und wenn wir beim Vintage selektiver vorgehen, dann können wir wiederum bessere LBVs erzeugen. Der Vintage-Port ist ein sehr spezieller Wein für spezielle Anlässe, und so soll es auch sein. Nur das Beste ist gut genug. Der LBV ist ein guter Kompromiss mit Vintage-Qualität (wenn dem so ist), etwas leichter verständlich und weicher, für früheres Trinken. Auch der Preis ist sehr attraktiv.

Warum ist die Qualität von weißen Portweinen im allgemeinen so schwach?
Sie werden nicht ernst genug genommen. Und wenn man diese Weine in der Folge leichter und fruchtiger vinifiziert, so scheint das auch nicht viel zu helfen. Bei uns werden die weissen Ports wie rote vinifiziert: also mit langer Maischegärung und einem längerem Fassausbau. Das Ergebnis ist ein Wein mit dunkelgelber Farbe und mit viel Charakter.


Eben, der "Very Dry Old" ist doch ein sensationeller weißer Portwein .
Er ist sicherlich sehr gut, doch wir erzeugen nur geringe Mengen davon, und er ist nicht sehr bekannt.

Und wie steht's mit demMoscatel?
Das ist ein Wein, den ich wirklich gerne mag. Wir erzeugen ihn nun schon seit Jahrzehnten, und mit einigem Erfolg. Da er aber nicht mehr unter Portwein firmiert, ist es sehr schwierig für uns, gute Trauben dafür zu finden, und dazu noch diese ganze Bürokratie, die so kompliziert und frustrierend ist, dass man alle ernsthaften Bemühungen am liebsten bleiben lässt .

Besitzt Ihrer Meinung nach das Douro-Tal genügend Potenzial, um Weltklasse-Weine hervorzubringen?
Ich bin davon überzeugt, dass das Douro-Tal ein enormes Potenzial für Weltklasse-Weine besitzt. Und ich meine, wir sind auf dem richtigen Weg, dieses Potenzial umzusetzen .

Ist es möglich, Portweine und Tischweine, wie die "normalen" Weine in Portugal zur Unterscheidung genannt werden, nebeneinander zu haben?
Zweifelsohne. Einige Interessenskonflikte wird es schon geben, im Großen und Ganzen ist es aber für das Douro-Tal von Vorteil.

Sind die großen Lagen für Ports auch die besten für Tischweine?
Ich glaube, es gibt Gebiete, die sich perfekt für Tischweine eignen und nicht so gut für Port sind, und einige andere, die klassische Portwein-Gebiete sind und sich nicht unbedingt für Tischweine eignen.

Bevorzugen Sie irgendeine Subregion des Douro?
Von den drei Subregionen des Douro habe ich eine ganz starke Präferenz für das Cima Corgo, das an seinen Extremhängen - vor allem rund um Pinhao - die kräftigsten, konzentriertesten und dabei gleichzeitig die elegantesten Port- und Tischweine hervorbringt.

Sind die Rebsorten für Port- und Tischweine grundsätzlich identisch?
Nicht unbedingt. Es gibt Unterschiede. Der wichtigste Aspekt ist der, alles so zu planen, dass es entweder für Portweine oder für Tischweine zweckmäßig ist. Es sollten keine Konzessionen zugunsten des einen oder des anderen gemacht werden müssen. Beide müssen zum richtigen Zeitpunkt und unter den richtigen Bedingungen produziert werden und nicht nacheinander, weil das bequemer ist. Das halte ich für den größten Fehler, der im Douro gemacht wird/wurde.

Was interessiert Sie persönlich in Bezug auf die Tischweine besonders: die Gebiete, die Weinstöcke, die Rebsorten?
Mein Hauptanliegen ist es, die richtigen Böden in Verbindung mit sehr alten Weinstöcken zu finden. Diese beiden Aspekte erscheinen mir wichtiger als die Rebsorten. Ich glaube, dass sich in großen Lagen alte, gemischte Sorten wie beispielsweise Mourisco usw. üblicherweise besser tun als eine junge Rebanlage mit Touriga Nacional.
Warum haben Sie sich für Cuvées entschieden und nicht für reinsortige Weine?
Ich habe nun einmal Cuvées lieber als reinsortige Weine. Außerdem ist es so Tradition im Douro. Cuvées bringen schönere und elegantere Weine hervor. Mit einem Wort: interessantere Weine.

Lagares oder Vergärung in Edelstahl. Was ist besser?
Zur Erzeugung von Portweinen eignen sich Lagares am besten. Für Tischweine bin ich mir da nicht so sicher, und es hängt letztlich von der Art des Weines ab, den man herstellen will. Auf jeden Fall ist es schwieriger, Weine in Lagares zu machen, und die Unterschiede von einem Jahrgang zum anderen sind auch diffiziler. Ich mag beides. Die Nápoles-Weine werden allesamt in Lagares vinifiziert, die Redoma-Weine und der Batuta dagegen in Edelstahl, die Weine der Quinta do Passadouro wiederum in Lagares.

Wenn man Ihre Weine verkostet, so spürt man, dass Sie sehr großen Wert auf den Stil der Weine legen.
Nicht wirklich. Ich habe zwar gewisse Vorstellungen, was die Stilistik anlangt, doch richten sich meine Ziele und Vorstellungen eher nach dem, was ich im Weingarten sehe und wie ich ein bestimmtes Gebiet am besten zum Ausdruck bringen kann.

Was hat Sie bewogen, nicht nur Ports, sondern auch Tischweine zu erzeugen?
Ich begann, mich mit der Produktion von Weinen zu beschäftigen, weil ich einerseits große Weine liebe und andererseits hier so viele Möglichkeiten vorfinde, die mich reizen, sei es die Rebsorten oder das große Potenzial, das im Douro-Tal steckt.

Wie begann eigentlich alles?
Es begann damit, dass ich einige Trauben aus höher gelegenen Gebieten kaufte (jeder glaubte, dass Rotwein nur mit Trauben aus höher gelegenen Weingärten gemacht werden kann). 1990 erzeugte ich einen Wein aus eigenen Trauben von der Quinta do Carril und bemerkte, dass dieser viel besser war als alles, was ich bisher gemacht habe, seither sehe ich die Möglichkeiten des Douro mit ganz anderen Augen. Derzeit mag ich besonders die nordseitigen Weinberge im Douro, die scheinbar eine perfekte Harmonie in die Rotweine einbringen.

Ist der weiße Redoma ein gutes Beispiel für Portugals Potenzial für große Weißweine oder eher die Ausnahme?
Gute Weißweine in Portugal zu erzeugen, ist nicht ganz einfach, aber möglich. Ich glaube nicht, dass das ein Ausnahmewein ist. Portugal hat ja gute Trauben und gutes Terroir für Weißwein.

Wie würden Sie persönlich den weißen Redoma charakterisieren?
Ein Wein der Gegensätze. Ich möchte, dass er wuchtig ist, dabei aber am Gaumen leicht erscheint. Mit einer sehr hohen Säure, aber im Geschmack fett und vielschichtig. Er soll fett und komplex sein, aber leicht und frisch schmecken. Frisch - aber nicht fruchtig. Vor allem aber soll er ein Wein mit Persönlichkeit sein, der mit dem Alter zulegt und im Lauf der Zeit immer harmonischer und schöner wird.

Was veranlasste Sie, einen Rosé zu machen?
Ich habe noch nie einen guten Rosé-Wein verkostet, liebe aber große Rosé-Champagner. Daher frage ich mich schon lange, warum es keinen oder kaum einen guten Rosé gibt. Die Antwort scheint für mich darin zu liegen, dass Rosé-Weine üblicherweise aus dem erzeugt werden, was übrig bleibt, und dabei auch nicht gerade sorgfältig vorgegangen wird. Ich bin der Meinung, dass ein Rosé, wenn er sorgfältig vinifiziert wird und von einem guten Boden stammt, ein großer Wein sein kann. Mir gefällt die Idee, und so probierte ich es eben.

Erzählen Sie uns doch etwas über den roten Redoma .
Ich würde den Redoma gerne als "Douro" sehen. Ein bisschen wild, ungestüm, intensiv und auch voller Gegensätze. Mächtig und füllig, intensiv und konzentriert, dabei aber mit Eleganz und Harmonie in all seiner Kraft. Ein Wein, der alt werden kann, mit einer großen Zukunft in der Flasche.

Gibt es große Unterschiede zwischen Ihrem neuen Rotwein Batuta und dem roten Redoma?
Batuta ist eine Stufe höher, in jeder Hinsicht. Einige der Batuta-Weine sind im Redoma, die Basis ist aber eigentlich der Batuta. Der Batuta stammt nämlich vom Carril-Weinberg. Es ist eine Selektion der besten Fässer aus dem Carril-Weinberg.

Haben die Änderungen an den Etiketten eine bestimmte Bedeutung?
Für mich/uns ist das sogar sehr wichtig: Ich hatte eine bestimmte Vorstellung davon, wie unsere Weine sein sollen. Erst als Jorge Serôdio Borges 1999 zu uns kam, kamen wir diesem Ziel einen Schritt näher. Das Jahr 1999 bedeutete einen markanten Umschwung in unseren Weinen, und ich möchte, dass sich dieser Umschwung auch in einem neuen Erscheinungsbild äußert. Daher haben alle unsere Weine ab 1999 (mit Ausnahme des weißen Redoma Reserva) ein neues Etikett.

Wie groß ist die Bedeutung der neuen Kellerei für Niepoort?
Ursprünglich betrachtete ich das Projekt eher als Spielzeug. Heute ist es nicht mehr wegzudenken, und zwar aus allen möglichen Gründen. Ursprünglich musste man zu unseren Tischweinen sagen, dass sie gerade so gut waren wie Weine, wie eben Weine sein können, die unter schwierigen Bedingungen erzeugt werden, und das war für mich letztlich inakzeptabel. Es war ein sehr wichtiger Lernprozess (auch unter den schwierigen Bedingungen) bis ich darauf kam, wie man in dieser Gegend wirklich große Weine macht. Jetzt sind wir Knowhow-mässig gerüstet für den Bau der neuen Kellerei. Und freuen uns schon auf das, was wir hier zustande bringen werden können.

Könnte man sagen, dass die neue Kellerei für Niepoort genauso wichtig sein wird wie der Erwerb der Quintas von Nápoles und Carril war?
Ja, ich glaube, dass der Kauf der Quintas für unsere Entwicklung ebenso wichtig war wie die Errichtung dieser Kellerei.

Was veranlasste Niepoort eigentlich zum Kauf der Quintas von Nápoles und Carril?
. mein Vater sagte, dass er diese Quintas nur gekauft hat, weil ich sie kaufen wollte. Ich wollte sie nämlich um alles in der Welt haben.

Sie haben auf Napoles noch einige wurzelechte Rebstöcke. Warum? Ist das nicht sehr gefährlich?
Es ist ein kleines und faszinierendes Experiment mit Rebstöcken ohne amerikanische Unterlagsreben, das wir da machen. Es hat aber keine Bedeutung für die Produktion.

Haben Sie aus diesen Trauben schon Weine erzeugt?
Ja, sehr geringe Mengen - und das mit sehr gutem Erfolg.

Die Quinta do Passadouro ist ein weiteres Projekt, an dem Sie beteiligt sind. Wie kam es dazu?
Wir kauften die Quinta 1991. Zu dieser Zeit liess mir mein Vater kaum Freiheiten und mit Dieter Bohrmann, einem Investor aus Belgien, ergab sich die Gelegenheit, eine Reihe von Experimenten zu starten und somit einige der besten Portweine zu produzieren.

Was ist so besonders an Passadouro?
Passadouro ist ein wunderschöner Weinberg im Herzen des Douro, im Pinh­o-Tal. Es ist ein Gebiet, das wir durch Traubenlieferanten gut kennen, mit denen wir schon mehrere Jahrzehnte zusammenarbeiten. Es gibt dort einige großartige Lagares und einen tollen Weinberg.

Sie erzeugen Portwein, Weiß-, Rosé- und Rotwein. Gibt es etwas, das noch fehlt?
Es gibt noch viele Dinge, mit denen wir "liebäugeln" .

Warum profitieren Ihre Tischweine so stark vom Dekantieren?
Möglicherweise aufgrund der großen Komplexität, die sie aufweisen. Weil sie normalerweise nicht sofort das ganze Potenzial zeigen, das in ihnen steckt.

Dirk van der Niepoort: unkonventioneller Weinmacher mit ebenso unkonventionellen Ideen


Wenn Sie heute Ihren ersten Tischwein, den Robustos, trinken - was empfinden Sie dabei?
Mir schmeckt der Wein sehr gut. Ich freue mich schon darauf, wieder so etwas zu machen, aber besser.

Welche Speisen passen nach Ihrer Meinung ideal zu Vintage-Port?
Die beste Kombination ist Käse, er passt aber auch gut zu Schokolade, wenn er noch jung ist. Junger Vintage-Port geht auch sehr gut zu einem Pfeffersteak, diese Kombination hat etwas Reizvolles an sich.

Was essen Sie persönlich gerne zu Tawny?
Apfelkuchen. Kekse. Nüsse und Mandeln, Obsttorte .

Welche drei Weine würden Sie auf die berühmte einsame Insel mitnehmen?
Eine große Auslese/Beerenauslese (wenn möglich, mit sehr wenig Botrytis und viel Säure) von einem der großen Weingüter an der Mosel (Fritz Haag, Dr. Loosen, Willy Schaefer, JJ Pruem). Einen Vintage-Port wie Taylors 1948. Einen weißen Burgunder von Romanée Conti oder Sauzet oder von der Domaine Leflaive; wenn es ein jüngerer Jahrgang wäre, dann 1993, oder von den älteren zum Beispiel 1969.

Fotos: Manfred Klimek (Feature), Dieter Stork (Flaschen)

Klaus Ackermann

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