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Die Berge sind nie weit
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Das Roussillon ist vor allem berühmt für seine Vins Doux Naturels, kraftvollen, süßen, mit Branntwein aufgespriteten Weiß- und Rotweinen. Weniger bekannt sind die trockenen Rotweine, wohl auch, weil die meisten Weingenießer sie mit den Weinen aus dem benachbarten Languedoc gerne in einen Topf werfen. Dabei bringt das von drei Gebirgen und dem Mittelmeer umschlossene Gebiet mit seinen bisweilen spektakulären Reblandschaften höchst eigenständige und charaktervolle Gewächse hervor.
Vier AOCs gibt es für trockenen Rotwein im Roussillon: Côtes du Roussillon, Côtes du Roussillon Les Aspres sowie Côtes du Roussillon Villages im Norden - wobei es vier privilegierten Gemeinden gestattet ist, ihren Namen an die AOC anzuhängen: Tautavel, Latour-de-France, Lesquerde und Caramany - sowie Collioure, das sich, ganz im Süden der Appellation gelegen, mit der Anbauzone des VDN Banyuls deckt.
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Collioure
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Im Vergleich zu unserer letzten großen Roussillon-Verkostung vor knapp fünf Jahren fällt auf, dass vor allem die Côtes du Roussillon und Côtes du Roussillon Villages im Durchschnitt eher kräftiger, schwerer und alkoholreicher geworden sind. Besonders den einfacheren Weinen, die zumeist weich, schmelzig und nicht selten ein wenig schokoladig-laktisch ausfallen, steht der hohe Alkohol manchmal etwas im Weg. In den besten Lagen, vor allem in den Villages und bei guten Produzenten, entstehen jedoch zwar ebenfalls alkoholstarke, manchmal wuchtige, gleichwohl aber konzentrierte, vielschichtige und charaktervolle Rotweine, die bei aller Kraft einige Finesse aufweisen können. Die Domaine Clot de l'Oum produziert mit die beeindruckendsten Weine in dieser Kategorie, aber auch von Mas Amiel, der Domaine Gardies, Château Saint-Roch oder der Domaine Boucabeille kommen erstklassige Gewächse.
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Weinbergsterrassen
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Doch wirklich schwache oder gar fehlerhafte Weine findet man zum Glück ohnehin nur mehr sehr wenige. Moderne Kellertechnik gewährleistet inzwischen in den meisten Weingütern einen weitgehend störungsfreien Gärverlauf und das heiße und gleichzeitig windreiche Klima macht es Rebkrankheiten schwer. Neben den bereits angesprochenen laktischen Tönen stellten wir bei einigen Weinen lediglich leicht oxidative Noten fest, die bei bestimmten Vins Doux Naturels durchaus erwünscht, den trockenen Roten allerdings zumeist eher abträglich sind. In den meisten Fällen sind heute aber selbst die einfacheren Weine sehr sorgfältig und sauber gemacht - und der Anteil der rundum gelungenen Weine scheint stetig zu wachsen.
Die Collioure erschienen uns im Vergleich zu den Côtes du Roussillon fast durchweg ein wenig schlanker und oft auch feiner. Vor allem die
Domaine du Mas Blanc begeistert mit ihren ungemein charaktervollen und oft sehr eleganten Weinen. Es ist frappierend, wie es der Domaine gelingt, ihre Herkunft in den Weinen auszudrücken: neben fruchtigen und würzigen Noten fanden wir immer wieder Aromen, die an Muscheln, Muschelschalen, Meersalz und Algen erinnerten. Nicht viele Weine sind in der Lage, den Genießer derart in ihre Welt zu entführen - mehr
Terroir geht wohl nicht. Die Spitzencuvée "Junquets" enthält neben roten Sorten auch etwas weißen Marsanne und Rousanne, was ihr zusätzlich zu allen anderen Qualitäten einen unwiderstehlichen Charme verleiht. Die Weine der
Domaine de la Casa Blanca, der
Domaine de la Rectorie oder der
Domaine Madeloc wirken vielleicht etwas konventioneller und fordern dem Weintrinker nicht ganz so viel Aufmerksamkeit ab, besitzen aber ebenfalls Klasse und Charakter.
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Weinberge von Collioure mit Blick aufs Meer
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Insgesamt ist die Liste der erfreulichen bis hervorragenden Weine ziemlich lang. Besonders die Liebhaber kraftvoller, tendenziell schwerer und gleichzeitig eigenständiger Rotweine kommen im Roussillon auf ihre Kosten - und die sind im Vergleich zu vielen anderen Regionen oft erstaunlich niedrig.
Zu den trockenen Rotweinen des Roussillon
Zum alten Roussillon-Artikel von Marcus Hofschuster im Magazin
Côtes du Roussillon im Weinfahnder
Collioure im Weinfahnder