Das Handelsabkommen zwischen den USA und Europa ist ratifiziert und damit endgültig beschlossen. Damit ist der Weg frei für Weine aus den USA, die mit Methoden produziert werden, vor denen es vielen Weinliebhabern in Europa graust. Verdünnung mit Wasser, Auftrennung des Weins in seine Bestandteile um ihn später nach Belieben und Verbrauchergeschmack wieder zusammensetzen zu können sind nur einige davon. Das Ergebnis sind „Designerweine”. Eine Kennzeichnung dieser Methoden auf Etiketten ist dabei nicht notwendig. Es besteht keine Chance für den Verbraucher zu erkennen, was er da als „Wein” trinkt.
Nun ist es eine Frage der Zeit, wann sich Australien, Südafrika und andere Länder ungerechtfertigt behandelt fühlen und sich ebenfalls entsprechende Freiheiten am Verhandlungstisch erkämpfen. Und warum sollten industriell arbeitende Erzeuger in Europa dann nicht auch nachziehen dürfen? Der erste Dominostein ist gefallen. Die anderen werden folgen.
Die medienwirksame Gegenwehr durch unsere Politiker kam spät. Sprichwörtlich in letzter Minute, als keine realistische Chance mehr bestand das längst ausgehandelte Abkommen zu verhindern. Der Eindruck, als wenn hier eine drohende Entwicklung verschlafen wurde, lässt sich nicht vermeiden. Nun fordern sie medienwirksam ein „Reinheitsgebot für Wein”. Spätestens wenn das Thema Handelsabkommen aus den Medien verschwindet, wird auch diese Idee sang- und klanglos mit untergehen. Realistisch ist es nicht, dass die Lobby der Massenweinerzeuger in Deutschland das zulassen würde.
Die Schere zwischen industriell, nach dem Verbraucher-Geschmack erzeugten Massenweinen einerseits und handwerklich erzeugten Weinen von einigen wenigen Erzeugern andererseits wird weiter aufgehen. Entsprechendes gilt für die Verbraucher. Die einen werden ihren „Wein” klaglos für einen Euro im Supermarkt kaufen. Die anderen für ein Vielfaches davon im engagierten Handel oder direkt beim Erzeuger. Marktbedeutung hat nur die erstgenannte Gruppe! Dort findet man die Marktmacht und den politischen Einfluss. Wer etwas anderes glaubt oder hofft, macht sich etwas vor!
Wein-Plus sieht sich durch den EU-Beschluss in seinem Bemühen bestärkt, den Verbraucher für die Weine zu interessieren, die den Namen „Wein” auch verdient haben. Durch kritische Informationen und die Weinführer werden wir weiterhin eine Orientierungshilfe bieten. Das Internet ist als allgemein zugängliches Medium dafür ideal. Die hohe Zahl an Zugriffen zeigt, dass das Interesse dafür vorhanden ist.
Wein-Plus ist und bleibt unabhängig von der Marktmacht der Massenerzeuger und wird sich auch zukünftig nicht korrumpieren lassen. Wir bleiben kritisch und verzichten gerne auf die Werbemillionen der industriellen Weinerzeuger.