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Der Koal und sein Martinigansl
Von Karl Bajano
Leserkommentare (bisher 3)
Servus Freunde, hat auch jeder sein Gänschen gehabt?
Ausser den Vegetariern natürlich, pardon. Ich schon, und wie das kam, das werde ich euch halt ausnahmsweise erzählen. Denen, die Spaß daran haben:

11. 11. 2000 Ein gemütlicher Samstag beginnt, den Karneval überlasse ich den Profis, mein Sinn steht nach Ihrer Heiligkeit, der Martinigans. Die will ich mir dort holen, wo man mich am Samstag Vormittag, so im Lande, meist trifft. In der nahegelegenen Markthalle, gottlob zur Institution geworden, somit nicht vom Zusperren bedroht, im Gegenteil, der Supermarkt daneben fristet eher ein Dasein als Dosenbier- und Mineralwasserlieferant für jene, die ohne den minütlichen Schluck aus der Pulle nicht mehr sein können. Für den Genießer, der voll Vorfreude das Gebäude betritt, kein Thema.

Kaum durch den Eingang das phäakische Himmelreich erreicht, sind schon fast alle Sinne angesprochen. Lustvoll erspäht das Auge die Fülle der angebotenen Waren, es biegen sich die Tableaus unter der Last der Würste, Terrinen, Schinken, Speckseiten, fertigen Salate und, natürlich, heissen Leberkäse, Kümmelbraten, Hühnerkeulen, Schnitzel, kurz, allem, was das Herz begehrt.

Beim Weiterschlendern passiere ich die Gemüsestände, ein buntes Meer von frischen Produkten, auffallend die leuchtenden Kürbisse und die riesigen Krautköpfe, rot und weiss, alles feilgeboten von drallen, feinherben Damen mit klassischem Mundwerk. Ein paar Meter weiter lockt ein Käsestand mit diversen Bergkäsen aus Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg, von ganz jung bis 2-jährig, dazu diverses von Schaf und Ziege, in Öl eingelegte, mit Käse gefüllte Gemüse, das Ganze abgerundet von würzigen Brotsorten. Der Chinese mit seinen orientalischen Gewürzen und Lebensmitteln passt wunderbar hierher, das Ständchen gegenüber mit heissen Wiener Würstchen und Budweiser Bier vom Fass sieht mich für 5 Minuten, schließlich muss man sich auch stärken, oder ?

So gerüstet begutachte ich das Angebot an frischen Gänsen, nicht ohne ein Scheibchen saftigen Beinschinken dabei zu naschen. Das Angebot ist gut, wobei natürlich Hirschrücken, Wildenten, Kalbsbries, Tafelspitz, Schweinsfüssen (o du mein Paris) auch nicht zu verachten wäre. Aber, alles zu seiner Zeit, nein Ahmed, heute kein frisches Faschiertes vom Lamm, nach kurzer Überlegung nehme ich eine solide Hafermastgans (natürlich eine ehemals glückliche mit viel Wiese und Wasser), 4 kg wiegt meine Schönheit, mit Leber, Kragen und Magen.
Jetzt noch einen Sprung zu Odette, der netten Besitzerin des Weinstandes, schließlich muss der Kauf ja würdig begossen werden. Na, nicht zu viel, ist ja noch Vormittag, aber zwei Gläschen dunklen Zweigelt verträgts schon. Leider muss ich mir noch eine von ihren reschen Handsemmerln zu Gemüte führen, zufällig mit heissem Leberkäse belegt (dem besten weit und breit). Schweren Herzens verlasse ich danach diesen himmlischen Ort, marschiere nach Hause, ja, marschiere, schließlich müssen die Kalorien ja abgebaut werden, nicht wahr ? Die Gans gut verwahrt, ein paar Minütchen gerastet, es war ja ein anstrengender Vormittag, aber dann bereit zu neuen Taten.

Es ist ein wunderschöner Tag, blauer Himmel, Sonnenschein, ein wenig kühl, aber umgekehrt gesehen, fast warm für die Jahreszeit. So schlendern meine Frau und ich quer durch die Wiener Innenstadt, zur Freyung, einem kleinen, von Barockbauten umgebenen Plätzchen. Abgesehen davon, dass man die prächtigen Fronten zweier schöner Stadtpalais bewundern kann, findet hier alle 14 Tage ein kleiner Biobauernmarkt statt. Wir sind noch nicht ganz da, schon lacht meine Frau schallend: "Hätt´ ich mir denken können, von wegen das feine Gemüse !!" Na ja, ich geb´s ja zu, rein zufällig stellen heute 7 Bioweinbauern ihre neuen 2000er Weine vor, weiss und rot, praktisch alle noch Staubige. Es ist ½ 1, noch ist alles ruhig, genügend Zeit zum Verkosten und Plaudern, schließlich sind die meisten Produzenten da. Die eine oder andere Überraschung ist dabei, 29 Weine stehen zum Probieren an. Ein Grauburgunder zeigt eine formidable Dichte in Nase und Gaumen, verschlossen natürlich, sehr vielversprechend. Siehe da, ein Riesling, ganz trüb noch, zeigt schon deutliche Anklänge an Pfirsich, die Säure passend, ein ordentlicher Bursche, durch die Hefe und die Trübstoffe fast cremig am Gaumen. Ejejej, der ist genau in dem Zustand, wo ich ganz butterweich werde. Nicht das große Weinwunder ist da angesagt, nein, einfach sinnlicher Genuss, noch keine Rede von Nuancen, aber sooo verführerisch. Na, schaun mer mal weiter, ah ja, ein anständiger Zierfandler lässt hoffen, daneben aus dem selben Haus ein Weissburgunder, ein Spätleserl mit so 95 Oechsle, steht im gut, die kräftige Statur (und wieder dieses unbeschreibliche Zusammenspiel von Gärungsestern, beginnender Frucht, etwas jugendlicher Säure und dieser fruchtig - cremige Gaumen).

Losreissen, auf zu ein paar Rotweinproben. Gleich die erste ist nicht von Pappe: ein Zweigelt, trotz der Trübung fast schwarz, ein Himbeer - Brombeertön entströmt dem Glas, Donnerkeil. Dabei macht er gerade noch die letzte Phase des biologischen Säureabbaues durch, kaum zu glauben, da stinkt nichts, keine dumpfen Töne, perfekt. Am Gaumen ein kräftiger Fruchtton, gebändigt von nicht zu wenig, natürlich noch jugendlich rauem, aber trotzdem schon harmonisch wirkendem Tannin. Das sanfte, kaum merkliche Prickeln dazu, DAS wäre ein Wein zu meinem Martinigansl. Ein bisschen zu gut, denke ich seufzend, wird schon noch ein anderer kommen. Etwas an den Erklärungen des Weinbauern, der schon einen klitzekleinen "picken" hat, wodurch das Ganze sehr österreichisch - gmiatlich - unwissenschaftlich - amikal abläuft, lässt mich aufhorchen. "Waaaßt Professa, wos i mit den Wei´ mach´n wer ? Des wiad mei ersta ohne Schwefl, dea dapockt des, des g´spia (spüre) i. Aussadem hab´ i eam des gaunze Joah g´streichelt, scho im Gartn, wegga g´numma hab´ i eam, was z´ vü war, das er si ned plag´n muaß. Dreiahoib tausend Kilo am Hektar, zwanz´g Grad (100 Oe), ganz g´sund, ka g´fault´s Kerndl (Beere). Jez´ hamma (= haben wir, die Mehrzahl ist Ausdruck des Stolzes auf sein "Kind") 13 Grad (Prozent), in zwa Wochen gemma in die Barrique, imma sche gaunz voll, und wann er daun gaunz ruig und rund is, vursichtig in´s Flaschl. Wirst segn, Professa, dea wiad gaunz guat, und hoid´n (halten) wiad der a ohne Schwefl. Ich wünsch´ es den beiden, so ganz unwahrscheinlich ist das gar nicht, denn der gute Bertl macht immer gern den Schmäh auf simples Bäuerlein. Sein Labor zur Untersuchung spricht da eine ganz andere Sprache. Dann ist da ja noch ein Blau Burgunder, der mich zum versteckt grinsen bringt. Der Teufel, du Luder du, sowas von eckig und total verschlossen, g´rad wegleeren möcht´ man ihn, so was von unzugänglich. Wunderbar typisch für einen guten Burgunder, der macht mit dir, was er will, nicht, was du dir vorstellst.

Derweil hat meine bessere Hälfte ein paar geröstete Scheiben frischer Blutwurst verdrückt, nebst einem Tellerchen Kürbissuppe, mir schmeckte ein Schälchen Fischbeuschlsuppe. Es wird Zeit, auch mal nach dem Gemüse zu sehen. Alles da, passend für die Jahreszeit, in bester Qualität. Nebst dem unvermeidlichen Suppengemüse wird es dann schließlich Eichelkürbis und blau - violette Erdäpfel, die sind ein wenig süßer als die sonst üblichen. Außerdem: braun - knusprige Gans, leuchtend oranges Kürbisgemüse mit Kardamom, Muskat und Balsamico, nebst einem Haucherl karamelisiertem Zucker, gefährlich violette Knollen, das bringt´s.

Vor dem nach Hause gehen noch schnell ein kleines Stamperl "Zwetschkernen", es ist doch etwas kühl geworden, nicht wahr, und dann ab zum heimischen Herd. Schließlich braucht die Gans so ihre 3 Stunden gut, und man hat ja schließlich den ganzen Tag nichts gegessen, na sowas.

Zu guter Letzt - was haben wir denn zur Gans getrunken ? Na klar, er war ja doch nicht zu gut dafür. Der danach wohlig gesättigte und müde Koal

Karl Bajano

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