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06.04.2009
Der Ball des Weines 2009
Ein Glück ist die Zeit nicht mehr lang
Von Moritz Nikolaus Lüke
Leserkommentare (bisher 2)

Der Ball des Weines 2009 steht vor der Tür; ein guter Grund, zurück zu sehen auf das Fest 2008, das eigentlich nur gute Gründe lieferte, auch heuer mit dabei zu sein.

Schon früher, als Student in Geisenheim, war es begehrt, beim Ball des Weines dabei sein zu können. Allerdings um zu arbeiten. Zum Glück gab es die Möglichkeit, nur eine halbe Schicht zu machen, um danach mitzufeieren. Die Atmospähre war fazinierend. Doch auch Heute, ein paar Jahre später, hat der Ball nichts von seiner Strahlkraft eingebüßt.

Das Wiesbadener Kurhaus, eine eindrucksvolle Lokalität in Kaiser Wilhelms Lieblingsstadt, bildet die Kulisse, sicher eine der schönsten Bauten Deutschlands. Hier findet der Ball seit 2001 im jährlichen Rhythmus statt. Im Jahre 2008 stand er unter dem Motto „Freundschaft hat Tradition“ - 60 Jahre deutsch-amerikanische Freundschaft. Um dieses Thema herum wurde ein Abend zelebriert, mit nachdenklichen Momenten, geprägt auch von Dankbarkeit und vor allem Lebensfreude pur.

Alte Straßenkreuzer brachten die Gäste zum Kurhaus


Die große Gala

Ab 18:00 Uhr trudelten die ersten Gäste ein, teilweise chauffiert in liebevoll restaurierten amerikanische Autos, zeitlose Straßenkreuzer, die man heute vielleicht nur noch in Kuba in nennenswerter Zahl antrifft. Angekommen im Foyer war die beste Wahl der 2004 Riesling brut vom Weingut Ratzenberger, ein Sekt, der schon seit Anbeginn beim Ball des Weines ausgeschenkt wird. Eines ist dabei besonders bemerkenswert, die Atmosphäre ist – anders als bei anderen Bällen – ungezwungen und kommunikativ, man ist ja auch da, um den Wein zu feiern.

Nach dem kurzweiligen Empfang öffneten sich dann die Türen zum festlich dekorierten, heuer leider etwas zu eng bestuhlten Friedrich-von Thiersch-Saal, in dem die Galaveranstaltung stattfand. Das vielseitige und launige Programm wurde moderiert von Alfred Biolek, der mit seiner souveränen, herzlichen und kenntnisreichen Art dem Abend den richten Schliff verpasste. Emotional wurde es beim Bericht zweier Zeitzeugen über die Erlebnisse während des zweiten Weltkrieges, vor allem aber über die  Erfahrungen der Berliner Luftbrücke. Zudem wandte sich der bekannteste Pilot dieser beispiellosen Hilfsaktion, Gail Hailvordsen, in einer Videobotschaft an die Gäste des Balls.

Zahlreiche Showacts, u.a. von der Gospelsänderin Felicia Taylor, und die Eröffnung der Tanzfläche durch die Debütantinnen und Debütanten der Tanzschule Weber, heuer unterstützt und aufgepeppt von Tänzerinnen der „Galactic Dancers“, rundeten den Galaabend ab.

Immer in der ersten Reihe beim Ball des Weines: Die Weine des VDP


Die Flaniermeile – Ein Rundgang.

Während die Galagäste im Thierschsaal noch das Menü genießen können, geht im Foyer die zweite Gruppe von Gästen an den Start, die Flaniergäste, die nun beginnen die Flaniermeile, die sich um den Thierschsaal herumzieht, zu bevölkern. Ab 20:30 ist Einlass, eigentlich der schönere Part des Abends. Geboten wird eigentlich alles, was das Herz begehrt.

Vom Foyer nach rechts geht der Schwenk ins kleine Kasino, das zum Zocken einlud. Gleich daneben die Kaffeebar, die mit einer riesigen Torte und zahlreichen feinen Pralininen und Schokoladensorten aufwartete. Die dazu gebotene Auswahl an Süßweinen war ein kleiner Schwachpunkt, die wirklichen Kracher, die es bei trockenen Weißen und Roten gab, blieben hier leider aus.

Im nächsten Raum erwartete die Wiesbandener Juristen-Jazzband, oder zumindest Teile davon, die Gäste mit leichtem Swing und anderen Spielarten des Jazz. Geboten wurden dazu unter anderem Cheeseburger und Brownies der gehobenen Art.

Gestärkt durch diese eher defgtigen amerikanischen Spezialitäten waren die paar Meter zur Lufthansalounge dann kein Problem. Das Team vom First-Class-Terminal des Frankfurter-Airports zeigte auf eindrucksvolle Weise, was Kunden der ersten Klasse heutzutage kulinarisch geboten bekommen, wenn sie sich von der Kranich-Airline durch die Welt fliegen lassen. Rinderfilet mit Flusskrebsteilchen, dazu ein erstes Gewächs vom Weingut Robert Weil oder eine Spätbrugunder Reserve von Bernhard Huber, nur fliegen ist schöner...

Immer an der Arbeit: Die Köche in der Lufthansalounge

In der Galerie erwartete einen dann Kunst: Michael Apitz stelle seine Werke vor, die grafische Darstellungen berühmter Weinberge als Motiv haben. Dazu gereicht wurden große Weine dieser Lagen, z.B. ein 2006er Kirchenstück vom Weingut Bürklin-Wolf oder ein Walporzheimer Kräuterberg vom Weingut Meyer-Näkel. Solo genossen waren diese Weine sehr beeindruckend, gegen die in diesem Raum gereichte Speise, eine Variation von Gänseleber mit Whiskeyreduktion, hatten sie es etwas schwer.

Initiator des Balles Michel Prinz zu Salm-Salm (links) und der rheingauer Künstler Michael Apitz

Was nun, die Runde war zu Ende? Im Foyer jedoch gab es noch so manche Attraktion. Die Schuhputzer, das Schürfen nach echten Diamanten oder die reichhaltige Auswahl an erstklassigen Zigarren, eigentlich war für jeden Bonvivant genug dabei, um diesen Abend in vollen Zügen zu genießen. Dabei muss nochmal extra erwähnt werden, dass all die Häppchen und all der Wein im Kartenpreis enthalten sind und nicht zu sündteueren Preisen dazubestellt werden müssen. Wer also einmal einen Ball der besonderen Art erleben möchte, dem sei das Flanieren beim Ball des Weines besonders empfohlen!

Der Ball des Weines findet am 25. April 2009 im Wiesbandener Kurhaus statt. Flanierkarten kosten 148 €.

Zu bestellen unter: www.balldesweines.de 


Moritz Nikolaus Lüke

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