David, seit wann arbeitest für Robert Parker als Weinkritiker und Weinjournalist?
Seit 3 Jahren. Seit Januar 2007 in Vollzeit.
Bist du noch anderweitig aktiv oder beschränkt sich deine Arbeit nur auf Robert Parker?
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Weinkritiker David Schildknecht
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Nein, es gibt noch andere Aktivitäten. Für Jancis Robinson, zum Beispiel, bearbeitete ich den deutschen Teil des Oxford Wine Companion; für Wine & Spirits in USA, Vinaria in Österreich, und The World of Fine Wine aus Großbritannien schreibe ich regelmäßig (mit den zwei letztgenannten als Kolumnist).
Welche Gebiete bzw. Regionen bearbeitest du für Robert Parker?
Frankreich, natürlich mit Ausnahme von Bordeaux und der Rhône. Des weiteren sind da Österreich, Deutschland, kurzum fast das gesamte Mitteleuropa. Außerhalb von Europa sind Neuseeland, Nordamerika östlich den Rocky Mountains - ausgenommen die Westküste - die Länder, welche zu meinen Aufgaben gehören. Südafrika kommt dann auch noch dazu.
Wie gehst du vor - besuchst du die Weingüter oder lässt du dir die Weine zusenden?
Grundprinzip ist, dass ich die Weingüter selbst besuche. Ich will vor Ort sein, um die Gegebenheiten, den Winzer und seine Philosophie kennen zu lernen. Der persönliche Kontakt ist mir wichtig.
Wo hast du deinen Wohnsitz, in den USA oder in Europa?
Ich lebe in den USA, genauer gesagt im Bundesstaat Ohio.
Wie viel Zeit verbringst du durchschnittlich in Europa um Weingüter zu besuchen?
Das sind schon ca. 3 Monate mit einem vollgepackten Terminkalender. Es reiht sich dann Weingut an Weingut, wobei ich mir doch mindestens anderthalb bis zwei Stunden nehme für die einzelnen Betriebe. Man könnte dies alles auch in weniger Zeit bewerkstelligen, aber darunter leidet dann einfach die Qualität und Aussagekraft der Bewertungen.
Bist du komplett frei in der Auswahl der Weingüter?
Ein eindeutiges JA. Ich habe da absolut freie Wahl. Natürlich liegt ein Schwerpunkt auf den Weinen, welche in den USA im Handel sind. Erweitert um Empfehlungen von speziellen Experten der Weinregionen oder durch eigenes strategisches Sammeln von Probeflaschen.
Macht es Sinn, dir Weine zuzusenden?
Leider nein, da ich außerhalb der Reisen wenig Zeit habe. Die Ergebnisse (die ich normalerweise auf Tonband aufnehme, damit meine Reisezeit halbwegs begrenzt werden kann) müssen zu Papier gebracht werden. Dies benötigt doch einige Zeit. So gerne ich das möchte, aber es geht einfach nicht. Ob ich schon alle diejenigen Weine probieren kann, die ich ausdrücklich verlange, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht.
Was sind deine ersten Eindrücke, seit du für Robert Parker als Vollzeitmitarbeiter beschäftigt bist?
Alle wollen sicher den neuen bzw. alten Mitarbeiter Robert Parkers für Europa kennen lernen.
Ein enormer Ansturm, was da auf mich zukam und sicher noch kommen wird. Alle wollen natürlich, dass ich ihre Weine verkoste. Es sind unzählige Anfragen aller Art und ich versuche so gut es geht, allen gerecht zu werden. Bis jetzt hab ich das noch geschafft. Ich vermute aber, es wird noch mehr und es kann schon passieren, dass dann mal die eine oder andere Anfrage nicht beantwortet werden kann.
Wie siehst du es, Weine in Punkten darzustellen?
Punkte geben zwar einen Richtung an, aber die Weinnotiz selber ist das Entscheidende. Das Geschriebene sagt viel mehr über den Wein aus, als die Punkte. Hier wird über das Lagerpotenzial, über den Charakter des Weines und vieles mehr gesprochen. Auch kann man Weine auf dem Papier nur miteinander vergleichen, wenn man die Gesamtnotiz hat und nicht nur die Punkte. Weine nur anhand einer Zahl zu vergleichen, geht schlichtweg nicht.
Wie siehst du generell Weinkritikern von anderen für andere?
Es sollten Leitfäden und Hilfestellungen sein. Der eigene Geschmack lässt sich durch nichts ersetzen und was gibt es Schöneres und Lehrreicheres als Weine selber zu verkosten. Meine Leser haben mich immer, egal wo ich publiziere, nicht nur die Punkte gesehen, sondern auch das geschriebene Wort.
Wie sieht das deine Frau, wenn du sehr selten zuhause bist?
Ich bewundere sie dafür, mit welcher Geduld sie meinen Beruf begleitet. Mit meiner Arbeit hat sie sehr wenig zu tun. Natürlich trinkt sie gerne ein Glas Wein, aber sie arbeitet als Vollzeitlehrerin und hat somit ihr eigenes Berufsleben. Allerdings haben wir vor kurzem das Vergnügen gehabt, unsere erste Woche Urlaub seit weit mehr als einem Jahrzehnt (und zwar in Österreich) zusammen zu verbringen.
Herzlichen Dank David für das Gespräch.