In Verona traf Katrin Walter (KW) auf Sante Bonomo (SB), den aktuellen Präsidenten des Konsortiums Garda Classico. Auf der eher unbekannten Seite des Gardasees, am Westufer, zwischen Limone und Desenzano forscht man ganz im Stillen an der autochthonen Rebsorte Groppello, schafft viel Substanz und redet eher wenig drüber.
KW: Sie sind vor zirka einem halben Jahr zum Präsidenten des Consorzio di Tutela del Garda Classico gewählt worden. Welches sind die Projekte, die Sie in Ihrer dreijährigen Amtszeit vorantreiben wollen?
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Sante Bomono, Präsident des Konsortiums Garda Classico, Foto: Katrin Walter
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SB: Vor allem möchten wir die Wahrnehmung des Territoriums, auf dem unsere Weine produziert werden, das Valtènesi, durch Kommunikationsmaßnahmen nach außen steigern. Das Terroir des Valtènesi scheint speziell für rote Qualitätsweine geeignet zu sein. Die Moränenhügel, das günstige Klima durch den nahen See, die Biovielfalt und die natürliche biologische und biodynamische Landwirtschaft, die heute schon ein Viertel der gesamten Rebflächen ausmacht, bilden das Fundament, auf dem ein weiteres qualitatives Wachstum stattfinden kann.
Unsere wichtigste Aufgabe ist es, unser Territorium über den Wein in unseren Flaschen zu vermitteln. Wer einen Wein aus dem Valtènesi trinkt, sollte die Schönheit unserer Heimat wiedererkennen. Das ist unser Ziel. Es ist evident, dass diese Symbiose von Wein und Terroir kommuniziert werden muss, beginnend genau beim Originalgebiet. Darauf wollen wir uns wieder zurückbesinnen, um Propheten in der Heimat zu sein.
Mit unserem Chiaretto (Roséwein), der aus den gleichen Traubensorten wie der Rote entsteht (Groppello, Marzemino, Sangiovese und Barbera) haben wir es im Panorama der italienischen Rosés bereits qualitativ an die Spitze geschafft. Er ist kein Modewein, weil Rosé Trinken gerade in ist, sondern ein Wein in der Tradition des Valtènesi.
KW: Wie definiert sich das ”Valtènesi”?SB: Historisch und geografisch ist das Valtènesi durch sieben Gemeinden der moränischen Hügel auf der Westseite des Gardasees und seinem Hinterland repräsentiert: Manerba, Moniga, Padenghe, Polpenazze, Puegnago, San Felice und Soiano. Unter weinbaulichen Gesichtspunkten ist das Konzept der Valtènesi etwas weiter gefasst, und schließt einen Teil der Moränenhügel außerhalb der sieben originalen Gemeinden mit ein. Auf diesem Territorium hat der Groppello, unsere autochthone Rebsorte, seinen idealen Standort gefunden und es existiert in weinkultureller Hinsicht eine Identität.
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Produktionsgebiet des Garda Classico, Abb.: Consorzio Garda Classico
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KW: Überschneidet sich das Valtènesi zu 100 Prozent mit dem Produktionsgebiet des Garda Classico und welchen Unterschied gibt es zwischen der DOC Garda Classico und der DOC Garda?SB: Die DOC Garda ist ein weiter gefasstes Gebiet, weit ausgedehnt über die Provinz Brescia und Verona hinaus bis zu den Hügeln der Provinz Mantua in der Nähe des Garda-Sees, dessen Produktionsrichtlinien eine Reihe von reinsortigen Weinen vorsehen, großteils von internationalen Rebsorten. Die DOC Garda Classico hingegen, die nur dem westlichen Ufer des Garda-Sees vorbehalten ist, in dessem Herzen das Valtènesi liegt, hat sich auf die Produktion von Rotweinen und Chiaretto spezialisiert. Und all diese Weine haben als verbindenden Faktor den Einsatz der Groppello-Traube in der Cuvée. Wir haben ein Projekt angestrengt, dessen Ziel es ist, die Abgrenzung des Produktionsgebietes auf Basis der Analysen des Bodens neu zu definieren.
KW: Womit genau befassen Sie sich bei diesem Projekt?
SB: Es geht vor allem um die Rebsorte Groppello. Wir studieren den Groppello, seine Entwicklung bei verschiedenen Erziehungsmethoden und bei der Vinifikation allein und mit den anderen Rebsorten, sein Verhalten bei unterschiedlichen Gärtemperaturen und Maischezeiten, die beste Cuvée sowie neue und alte Kellertechniken. Zum Beispiel die Technik des kurzen Antrocknens des Groppello auf Strohmatten und einer Nachgärung, der so genannten ”Sgranà”, durch Zugabe von angetrockneten Trauben zum Most. Das ähnelt sehr dem toskanischen Governo-Verfahren. Man nutzte das schon immer auch im Valtènesi.
Seit dem Start vor zirka anderthalb Jahren ist das Niveau dessen, was Sie heute in den Flaschen aus unserem Gebiet finden, kontinuierlich gestiegen. Die erste Phase wird in 2009 abgeschlossen sein mit den Vergleichsergebnissen aus der Ernte 2008. Das Projekt wird auch zukünftig fortgeführt unter Einbeziehung der erreichten Ergebnisse.
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Groppello - die Rebsorte, die den Charakter der Weine der Valtènesi bestimmt. (Foto Consorzio Garda Classico)
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KW: Demnach unterstützen die Erzeuger das Projekt und ziehen mit?SB: Ja, die Säle bei den Meetings sind immer voll. Das ist schön zu sehen und eine große Befriedigung. Wir stecken zwar noch in einer embryonalen, experimentellen Phase aber die Resonanz lässt uns zuversichtlich in die Zukunft blicken und wir sind Stolz auf die große interpretative und organisatorische Flexibilität unserer Erzeuger. Ihre tiefe Verbundenheit und Liebe zu ihrem Territorium scheint die Kraft hervorzubringen für immer bemerkenswertere Ergebnisse. Wir haben noch sehr viel zu tun, jedoch sind die Ergebnisse bereits heute vollkommen zufrieden stellend und es macht Mut zu sehen, dass die Erzeuger in den Groppello investieren und die Anbauflächen ausweiten.
KW: Diese Einigkeit gibt es nicht oft...
SB: Unser Ansatz ist ”von unten”, wir beginnen bei unseren Winzern, bei unserem Territorium, bei den Menschen. Wir sind ein kleines Gebiet und kleine Betriebe, die sehr mit ihrer Heimat verbunden sind und ihre Identität nicht verlieren dürfen.
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Ein Weingarten im Valtènesi (Foto Consorzio Garda Classico).
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KW: Wie drückt sich das in konkreten Ergebnissen aus? Ist es besser, Groppello als sortenreinen Wein zu keltern, oder in einer Cuvée? Kann man ihn mit anderen Rebsorten vergleichen?
SB: Eines der Elemente der großen Faszination Italiens ist die Biovielfalt, die sich im Laufe der Jahrtausende natürlich ergeben hat. Der Groppello repräsentiert das Valtènesi. Es ist schwierig, ihn mit andern Rebsorten zu vergleichen, auch wenn es Stimmen gibt, die eine Variante des Pinot Nero des Valtènesi heranziehen. Nicht wegen einer genetischen Ähnlichkeit als vielmehr wegen seiner Eigenschaften als Wein: intensive Noten nach kleinen Früchten (Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen) und die Noblesse einer natürlichen Würze. Wir sind bestrebt, noch mehr Feinheit, Eleganz und den idealen fruchtigen und würzigen Mix herauszuarbeiten, der den Groppello charakterisiert, um die Weine noch harmonischer zu machen.
Historisch und in den meisten Fällen wird der Groppello nicht sortenrein verarbeitet, sondern im Verbund mit anderen Trauben, wie Marzemino, Barbera und Sangiovese, auch wenn es vor allem der Groppello ist, der dem Wein den Stempel aufdrückt. Zu sagen, was besser wäre, die Traubenmischung oder der reinsortige Wein, ist eines der Ziele des ”Groppello-Projektes”, an dem wir als Schutzkonsortium arbeiten. Das gleiche Projekt betrachtet auch die besten Klonenselektionen und überprüft die am besten geeignete Rebunterlage.
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Junge Goppello-Reben auf dem kiesigen Grund der Moränenablagerungen (Foto: Conosrzio Garda Classico)
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KW: Wie viel Produzenten gibt es auf dem Territorium des Valtènesi im Garda Classico? Sind alle Mitglied des Konsortiums?
SB: Zuerst noch einmal etwas Klarheit zum Territorium. Das Gebiet des Garda Classico ist ziemlich klein: in allem sind die Rebflächen in Produktion etwas weniger als 800 Hektar, genau 766 Hektar (Stand Ernte 2007), davon 700 Hektar mit roten Rebsorten. 570 Hektar sind für Garda Classico Rosso und Rosso Superiore eingeschrieben, dort findet man freilich auch auch Groppello, aber nur 170 Hektar gehören zur Garda Classico DOC Groppello und sind demzufolge ausschließlich mit dieser Sorte bestockt.
Erzeuger gibt es rund sechzig und fast alle sind Mitglieder des Konsortiums. Sie produzieren zusammen zirka 2,5 Millionen Flaschen in den verschiedenen Typologien Garda Classico DOC Groppello, Garda Classico DOC Rosso und Rosso Superiore sowie Garda Classico DOC Chiaretto sowie ein wenig Bianco (Riesling).
KW: Wie sehen die historischen Wurzeln des Groppellos aus? Woher kommt diese Rebsorte?
SB: Im Mittelalter war der Groppello wahrscheinlich eine Bezeichnung für Trauben mit Beeren, die stark zusammengepresst waren, fast ”verknotet” (engropà) untereinander erschienen, daher der Name. Ursprünglich kultivierte man den Groppello von Südtirol bis zur Toskana, aber mit der Zeit hat sich das Anbaugebiet immer mehr verkleinert und sich vor allem am linken Ufer des Gardasees konzentriert. Im Valtènesi hat der Groppello seine Wahlheimat gefunden. Im Trentino gibt es auch noch eine sehr kleine Produktion. Die Gründe mögen verschieden sein, vor allem ist es das besondere Mikroklima des Sees und die hervorragende Kombination mit unseren Fischgerichten. Die Weinbauern waren damals allesamt auch Fischer und nichts passt besser zum Fisch aus dem See als ein Chiaretto aus Groppello, den es in drei Varianten gibt: Groppello Gentile, Groppello di Mocasina und Groppello di Santo Stefano. Unsere Studie wird sich auch mit der Klonforschung beschäftigen.
KW: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Ihre Vorhaben.
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