Schneller Zugriff auf alle Seiten durch SeitenübersichtÜbersicht |  Mobil |  RSS |  Suche |  Hilfe |  Newsletter |  Impressum | Wine Magazine Englisch
Werbung:
Weinmarketing-Blog
Utz Graafmann bloggt
für Ihren Erfolg im Netz

Benutzer:   Kennwort:   Dauerhaft anmelden 
Kostenlos registrieren |  Kennwort vergessen? |  Hilfe
Mit der kostenlosen Registrierung nutzen Sie Wein-Plus effektiver, ohne Verpflichtungen und ohne versteckte Kosten! Der Inhalt wird nicht von Werbung verdeckt und es öffnen sich keine Werbefenster. Außerdem haben Sie viele zusätzliche Möglichkeiten, die sie als unangemeldeter Nutzer nicht sehen. Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben! Sie erhalten durch die Registrierung keine unverlangten E-Mails. Jetzt kostenlos bei Wein-Plus registrieren
28.12.2008
Cannaiola di Marta
Vom Wein der Göttlichen Komödie zur Weihnachtstradition
Von Katrin Walter
Leserkommentare (bisher 1)

„... sieh dort den Erblaßten ... deß Arme die heil’ge Kirch’ umfaßten ... er war von Tours und büßt hier manchen Schmaus von im Vernacciawein ersäuftem Aal mit schwerem Fasten“, so schrieb Dante Alighieri in seiner Göttlichen Komödie über den verblichenen Papst Martin IV., ehemals Simon de Brion aus Tours. Der Heißhunger des letzten in Viterbo gewählten Pontifex auf die fetten Aale aus dem Bolsena-See in Vernaccia ließ die Amtszeit, die erst 1281 begann, im Jahre 1285 jäh enden.
In dieser Gegend Italiens lebten Päpste und Bischöfe offenbar gefährlich, denn auch vom Bischof Fugger ist die Hingabe zum Est!Est!!Est!!! und ihre Folgen gut bekannt. So wie der Wein aus Montefiascone einst wohl eher ein Muskat war und darum auch ungeübten Gaumen sofort schmeichelte, so weiß man nur, dass der Wein, in dem die Aale für Martin IV. kochten, Vernaccia genannt wurde. Vernaccia ist uns heute vor allem aus San Giminigano als weißer und Serrapetrona als roter Wein bekannt. Es ist durchaus möglich, dass einmal auch der Cannaiolo oder Cannaiola in der Tuscia (Gebiet nördlich von Rom) mit diesem Namen bedacht wurde, so wie man einst auch den Vermentino in Ligurien Vernaccia nannte, was einfach soviel hieß wie der Wein, der hier wächst".
Der Weinberg von San Savino, wie „aus dem Ei gepellt“: Cannaiola Nera in niedriger Produktion im Reifestadium Ende August 2008; reif sind die Beeren fast schwarz.
Legenden – Herren – Roter Wein
Der kleine Ort Marta in der Provinz Viterbo mit seinen 3.500 Einwohnern, liegt am südlichen Ufer des Bolsena-Sees. Und hier hat man sich die Geschichte von Papst Martin IV. zu eigen gemacht. Acht Jahrhunderte nach den Erzählungen Dantes sind zwei Martani, die Cousins Antonio und Silvano Castelli das Abenteuer angegangen, den echten Cannaiola zu produzieren. Zwar fand sich kein Zeuge mehr aus dem Jahr 1285, als Martin IV. sich zu Tode fraß und trank, doch aus der Lage am See und der Tradition von Marta, die Aale zu fischen und den Cannaiola herzustellen, entstand die Legende der Aale in und mit Cannaiola.
Roter Wein soll damals dem gemeinen Volk verboten worden sein, er war nur den „Signori“ vorbehalten und so machte man ihn heimlich. Diese unwiderstehliche Anziehungskraft, jede Grenze zu überschreiten, hat sich bis heute in Italien hartnäckig gehalten und wird sogar an höchster Stelle vorgelebt. Wieso sollten es da die Untertanen anders halten? Und Irgendwie fügt es sich dann in ein für alle vermeintlich zum Vorteil gereichendes System ein: Damals ergab der heimlich angebaute Rote, der nach der Ernte schnell in Schuppen und Kellern zum Trocknen verschwand, dann gepresst und bis Weihnachten in einem Fass lagerte, ein Geschenk zum Fest für den Priester, den Doktor und alle, die man gnädig stimmen musste und wollte.
Bis noch vor ein paar Jahrzehnten konnte man dem Wein komplett der Natur überlassen. Die kalten Wintermonate hielten die Gärung an und der Wein blieb leicht lieblich, als Kontrast zum Tannin und dem herben Abgang. Heute braucht es dazu Kältetechnik, denn die Winter sind mild geworden. Antonio Castelli lässt seinen Canniola, der zu 85 % aus der Rebsorte Cannaiola Nera besteht und zu 15% aus Vino Nobile di Montepulciano, von Oktober bis in den Juli des Folgejahres langsam im Tank ohne Zusatz von Hefen bei 5 bis 8 Grad Celsius gären. Kein Vergleich mit dem, was sonst als Cannaiola in Marta angeboten wird, von jedem, der vom Geschäft mit dem „Weihnachtswein“ profitieren will, bisweilen aus Bauernrezepten, die sich jeglicher Kontrolle durch die DOC Colli Etruschi Viterbesi entziehen und sich theoretisch gar nicht so nennen dürften. Doch auf den großen Korbflaschen gibt es kein Etikett.
Antonio Castelli (Tonino) zeigt stolz seinen ersten Gärtank im „Bonsai“-Weinkeller, wie er ihn selbst nennt.

Bis in die 90er Jahre verschenkten auch die Castellis den Cannaiola ganz traditionell zum Heiligen Fest und machten dabei eine schlechte Figur, denn was sie zu kaufen fanden, hielt oft nicht einmal bis zum 25. Dezember durch und taugte auch nicht mehr als Salatdressing. Doch es gab diesen Mythos von einem Wein, der anfangs eine süße Fruchtigkeit vermittelte und dann mit Tannin und Struktur die Zunge bedachte, um in einem trockenen Finale den Gaumen frei für den nächsten Schluck zu spülen und der wunderbar zu gegrilltem Fisch aus dem Bolsena-See passte und eben auch zu Aal.


Die Suche nach dem wahren Cannaiola aus Marta
Antonio Castelli arbeitete sein Leben lang als Nachtportier im Hotel Therme Salus in Viterbo. 1996 kündigte er und beschloss mit seinen damals 53 Jahren, sich auf die Suche nach dem wahren Cannaiola zu machen. Es hatte ihn gepackt und sein Cousin Silvano, der die Arbeit auf dem Feld und im Rebberg kannte, war dabei. Sie sprachen mit den Alten, ließen sich Eindrücke und Eigenschaften des Weins erklären, der einst in Marta ein Mythos war. Studierten den Boden, suchten die Reben und dann ging es los. Erste Vinifizierungsversuche gingen schief, aber das gehörte zum Projekt. Sie brauchten einen Önologen, doch niemand der jungen Weinmacher kannte sich mit Cannaiola aus und einer kelterte ihnen fast einen „Maraschino“ (Kirschschnaps) zusammen. Die Suche ging weiter und man fand noch einen Alten mit 92 Jahren, der sich an den echten Geschmack erinnern konnte. Mit seiner Hilfe schufen sie den „Weihnachtswein“ aus Marta neu.
Auf dem Werbeplakat verheißt Cousin Silvano Castelli all jenen Glück und Freundschaft, die mit dem Cannaiola anstoßen.
Belächelt vom halben Städtchen und den Cannaiola-Händlern, ohne Unterstützung der eigenen Familie, die nicht verstand, wie man in „seinem Alter“ noch einmal von Null beginnen kann, ging "Tonino" unbeirrt seinen Weg. Wenn er „Cannaiola“ sagt, dann kling das wie eine Liebeserklärung. Und hört man dem heute 65jährigen zu, bekommt man unweigerlich selbst eine Portion Mut mit auf den Weg.


Die Kraft der Leidenschaft
Ohne Unterlass erzählt Antonio von seinen Projekten und ist dabei immer gut gelaunt. Trotz der vielen Arbeit findet er immer auch Zeit für Freunde und zum Feiern. Auch seine kleine Stadt liegt ihm am Herzen. Immer mehr junge Leute verlassen diesen Ort, aus dem historischen Zentrum sind fast alle Einwohner verschwunden und die Häuser sind an Sommerfrischler aus Rom verkauft. Um die Kultur der geliebten Heimat den Zugereisten und Gebliebenen zu vermitteln, stellte er sogar eine Theatergruppe auf die Beine, die auf einem Plateau, im Freien, mit Blick auf den herrlichen Bolsena-See, ihre Stücke gaben. Tonino war für 5 Jahre der Präsident und Regisseur, aber nicht wegen der Würde des Amtes, sondern damit es voran ging - dann gaben seine „Schauspieler“ leider auf. Sie hatten nicht die gleiche Leidenschaft und das Theater ruht zur Zeit. 2009 soll es mit neuen Stücken und Mitstreitern weiter gehen.
Schauspiel in natürlicher Kulisse, der Blick vom Plateau, das zur Theaterbühne wurde.

Dieser Mann scheint eine unerschöpfliche Kraft zu haben. Mit seiner Leidenschaft und seinem Cannaiola findet er auch allein immer neue Freunde und Bewunderer, auf Verkostungen, Messen und Veranstaltungen: Sein Wein wurde in Rom sogar von Jean-Claude Berrouet, dem Macher von Petrus, probiert und für gut befunden. Und mit den 3.000 produzierten Flaschen der Castellis hat Marta endlich wieder einen Wein, den man getrost zu Weihnachten verschenken kann.

Buon Natale!

Katrin Walter

Leserkommentare (bisher 1)

 

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Schulnote :
BEST OF
Rioja - Erfolgreich gegen den Strom Weiter
Brunello di Montalcino - Die Stunde des Aristokraten Weiter
Rote Südtiroler - Tiroler Sorten schärfen Profil Weiter
Große und Erste Gewächse - die Roten aus 2009 - Triumph der Finesse Weiter
Große und Erste Gewächse - die Weißen aus 2010 - Herausforderung angenommen! Weiter
Franciacorta - Champagner-Konkurrenz aus Norditalien Weiter
Sauvignon Blanc in Deutschland - Der verlorene Sohn kehrt zurück Weiter
Alle Beiträge

Aktuelle Wein-News
09.02.2012: Winzer schlägt zu Weiter
08.02.2012: EU-Kommission verabschiedet Biowein-Richtlinien Weiter
04.02.2012: Rutemöller ist neuer Trainer Weiter
03.02.2012: Eiswein bei fast minus 15 Grad Weiter
03.02.2012: Ökoweine von 200 Winzern auf der BioFach Weiter
02.02.2012: Eisweinkontrollen werden verschärft Weiter
02.02.2012: Cyriacus W. Schultze neuer Vertriebs- und Marketingleiter bei Wein-Plus Weiter
Alle Beiträge

Pressemitteilungen
10.02.2012: Endrizzi einfach schön smart Weiter
09.02.2012: Südtirol auf der ProWein 2012 Weiter
02.02.2012: Südtiroler Wein beim Rheingau Gourmet & Wein Festival Weiter
04.01.2012: Präsente mit Hotline-Beratung am Telefon Weiter
04.01.2012: mehr als 10.000 Weine im Angebot Weiter
20.12.2011: Stuart Pigott: Wein des Monats Dezember 2011 Weiter
16.12.2011: Gute spanische Weine wollen gefunden werden Weiter
Alle Beiträge

Neu auf Wein-Plus
Weinversand - Weiter Premium-Paketservice von UPS für Wein-Plus Mitglieder Weiter
Verpackungsentsorgung - Wein-Plus verlängert Partnerschaft mit Interseroh Weiter
Neue Veranstaltungen - Qualitäts- und Genussinitiative für die nordgriechischen Weine Weiter
Neues Stammtischpaket - Frühsommerpaket 2011 Weiter
WEIN-PLUS-KLIMASCHUTZ - Wer Wein kauft, kann dem Klima helfen Weiter
Weinmesse München - Griechischer Wein offenbart unbekannte Spezialitäten Weiter
Neues Stammtischpaket - Frühjahr 2011 - Griechenland Weiter
Alle Beiträge

Editorial
Zum Tod eines schweizerischen Spitzenwinzers - Thomas Mattmann Weiter
Alle Beiträge

Reportagen
EU-Weinmarktreform - Teil 4 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Frankreich Weiter
Südfrankreich - Roussillon - das katalanische Erbe Weiter
EU-Weinmarktordnung - Teil 3 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Italien Weiter
Italien - Die Naturweinmacher von Gambellara Weiter
EU-Weinmarktordnung - Teil 2 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Deutschland und Österreich Weiter
Themenschwerpunkt Spanien - Navarra Weiter
Timorasso - Piemonts weißes Wunder Weiter
Alle Beiträge

Verkostung
Großes Gewächs - Pfalz Weiter
Großes Gewächs - Württemberg Weiter
Südtirols rote Sorten - 25 Jahre Qualitätsrevolution Weiter
Großes Gewächs - Mosel Weiter
Erstes Gewächs - Rheingau Weiter
Großes Gewächs - Rheinhessen Weiter
Großes Gewächs - Nahe Weiter
Alle Beiträge

Interview
Im Gespräch: Mireia Torres Maczassek, Bodegas Torres - Spanischer Wein, französische Reben und Glamour aus Hollywood Weiter
Im Gespräch: Luciano Racca, Weingut Domenico Clerico - Modernisten, Puristen und die Phänomen-Generation Weiter
Alle Beiträge

Rezensionen
Wein-Reisen - Genießen in Venedig und ganz Italien Weiter
Eine Reise ins Land des Goldrieslings - Rudolf Knoll, Britta Binzer: Winzer & Weine im sächsischen Elbland Weiter
Logik, Erkenntnis und Genuss - Bernd Müller-Kaller: Wein-Philosophie Weiter
Sehnsucht Italien - Steffen Maus: Italiens Weinwelten Weiter
Zu Gast bei 100 Bio-Produzenten - Bioparadies Toskana Weiter
Slow wine - Führer 2011 - Wertewandel im Zeichen der Schnecke Weiter
Alle Beiträge

Essen und Trinken
Rezept des Monats - Scherben und Striebele Weiter
Restaurant "Falco" in Leipzig - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter
Rezept des Monats - Wildschweinsauerbraten Weiter
Rezept des Monats: - Rosa gebratenes Lendchen auf Apfelvariationen und Bratkartoffeln Weiter
Restaurant Obauer in Werfen - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter
Gourmetrestaurant Lerbach in Bergisch-Gladbach - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter
Rezept des Monats - Pochiertes Hirschfilet im Bergheu-Sud Weiter
Alle Beiträge

Kolumne
Zwei Deutsche in der Schweiz - Riesling, Pinot Noir & Co. Weiter
Was man oft und gerne trinkt - Weinheimat Weiter
Bilanz ziehen - Erinnerungen Weiter
Der perfekte Weihnachtswein - Sprachbarrieren Weiter
Wein als Handelsware - Auktion Weiter
Spätlese - Die dritte Generation Weiter
Wein-Chemie - Der Weinberg lügt nicht Weiter
Alle Beiträge

TV-Tipps
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Februar 2012 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Januar 2012 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Dezember 2011 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für November 2011 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Oktober 2011 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für September 2011 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für August 2011 Weiter
Alle Beiträge

Stammtisch
Verkostungspaket - Weihnachten 2011 Weiter
Verkostungspaket - Herbst 2011 Weiter
Verkostungspaket - Sommer 2011 Weiter
Alle Beiträge

Promotion
Interview mit Angelos Iatridis, Alpha Estate - "Griechische Weine sind besser als die griechische Gastronomie in Deutschland" Weiter
Bordeaux 2010 - „Jahrgang der Sensationen“ (Falstaff) Weiter
Atlas der Weinkulturen - Nicht nur Médoc, Barolo und Sonoma, sondern auch Åsgårdstrand, Sabile und Dodoma! Weiter
Verdejo - der Shooting Star aus Rueda Weiter
Bozner Weinkost & Internationales Gewürztraminer Symposium - im Rahmen des Genussfestival Südtirol Weiter
Alle Beiträge