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05.05.2006
Aktuelle Verkostungen
Chateauneuf-du-Pape und Cotes-du-Rhone
Von Marcus Hofschuster
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Chateauneuf-du-Pape

Chateauneuf-du-Pape ist zweifellos der König unter den Weinen der südlichen Rhone. Auch die anderen Weine, die Cotes-du-Rhone Villages, die Rasteau, die Vacqueyras, oder die Gigondas verfügen über Kraft, mitunter Opulenz, aber in keiner der anderen Appellationen findet man Weine mit einer ähnlichen Komplexität, mit einer vergleichbaren Mischung aus Kraft und Feinheit, aus Feuer und Zurückhaltung, aus Hedonismus und Intellektualität. Kein anderer Wein eignet sich zum Téte á Téte am Kaminfeuer ebenso perfekt wie - ganz leicht gekühlt - zur sommerlichen Grillparty, auch wenn er zu Letzterer durchaus gefährlich werden kann. Denn bei aller Macht und Vielschichtigkeit können gute Chateauneuf-du-Pape einen überaus unkomplizierten Trinkgenuss bereiten, der sich schnell rächen kann, wenn man sich ihm zu leichtfertig hingibt.

Chateauneuf-du-Pape, Quelle: Inter Rhone, Foto: Alain Gas

Es gibt eine ganze Reihe berühmter Produzenten deren Prestige-Weine zu exorbitanten Preisen gehandelt werden. Darüber vergisst man oft und gerne, dass das Gebiet, neben den zu Recht begehrten Weinen der Spitzenerzeuger, eine Vielzahl exzellenter, oft charaktervoller Tropfen aus weniger bekannten Häusern zu bieten hat, die in aller Regel erschwinglich sind und schon in ihrer Jugend verführerisch sein können.

Apropos Jugend: Roter Chateauneuf-du-Pape gilt als ausgesprochen lagerfähig und einige der besten Weine benötigen nach einer ersten, überwältigenden Fruchtphase mehrere Jahre, um sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Einige von ihnen sind in der Lage, sich über Jahrzehnte weiterzuentwickeln. Doch diese Spätentwickler sind in Wahrheit eher in der Minderzahl. Die meisten Chateauneuf-du-Pape schmecken in ihrer Jugend am besten, wenn sie fast platzen vor unwiderstehlicher, zumeist roter Frucht, wenn sie vor Kraft strotzen und dennoch, aufgrund ihrer komplexe Würze und oft auch Mineralität, nie plump wirken. Die meisten Weine halten zwar recht gut, können die Faszination ihrer Jugend aber nicht ewig beibehalten. Häufig werden sie ab dem fünften bis achten Lebensjahr rustikaler, verlieren spürbar an Charme und Feinheit.

So waren es abseits der großen Namen oft die jüngeren Weine, die uns besonders gefielen. Je älter die Proben wurden, um so mehr traten die Unterschiede zwischen den Prestige-Weinen der jeweiligen Produzenten und deren Basisweinen zutage, die manchmal schon nach wenigen Jahren begannen eine gewisse Altersmüdigkeit an den Tag zu legen. Das Hauptaugenmerk der Probe lag auf den Jahren 2000, 2001, 2003 und 2004. Aus dem Katastrophenjahr 2002, mit seinen gewaltigen Überschwemmungen im Gebiet, wurden kaum Weine eingereicht.

Wo der Wein wächst, Quelle: Inter Rhône, Foto: Isabelle Desarzens
Die Jahrgänge 2000 und 2001 erschienen uns nahezu gleichwertig, vielleicht mit einem kleinen Vorteil bei den oft überraschend kühlen und kompakten 2000ern. Sie besitzen in vielen Fällen noch reichlich Potenzial, während uns die 2001 häufiger schon heute viel Freude machen. Der Jahrgang 2003 war offensichtlich schwieriger zu meistern. Nicht immer haben die Weine ihre Balance gefunden. Die Tannine sind oft etwas grober als sonst und vereinzelt kommen, trotz sehr hoher Alkoholgrade, auch grüne Noten zum Vorschein. Satt und saftig präsentieren sich die meisten Weine aus 2004. Dabei verfügen die meisten über Mengen an betörender Frucht und eine ausgezeichnete Struktur, die auch bei den Basisweinen für ein Alterungspotenzial von vielen Jahren sorgen dürfte.

Glossar zum Thema
Eine bei uns weitgehend unbekannte Spezialität ist der weiße Chateauneuf-du-Pape, für die im Wesentlichen die Sorten Grenache Blanc, Clairette und Bourboulenc, aber immer öfter auch Roussanne verwendet werden, während Picpoul und Picardin eine untergeordnete Rolle spielen. Auch der Weißwein ist zumeist sehr kräftig, wirkt jung aber manchmal etwas einseitig, besonders, wenn sich die erste Fruchtphase dem Ende zuneigt. Die besseren Exemplare allerdings reifen bedeutend länger, als man es sich bei einer Jungweinprobe vorstellen kann. Sie entwickeln nach einigen Jahren Flaschenreife, in denen sie so karg, abweisend und oxydiert erscheinen können, dass man geneigt ist sie abzuschreiben und im Ausguss zu entsorgen, ein betörendes Aroma von angetrockneten gelben Früchten, Karamell, Honig und Gewürzen, ohne dabei ihren knochentrockenen Charakter zu verlieren. Zumindest den besten der von uns probierten weißen Chateauneuf-du-Pape, jenen von Beaucastel, Domaine de la Solitude, Grand Tinel, La Gardine und Chante-Perdrix trauen wir eine ähnliche Entwicklung durchaus zu. 


Cotes-du-Rhone und Cotes-du-Rhone-Villages

Der Cotes-du-Rhone, zu dessen Produktion ganze 22 verschiedene traubensorten verwendet werden dürfen, ist ein Prototyp des unkomplizieren Rotweins für jede Gelegenheit. Als einfacher Essensbegleiter, zur Brotzeit, zum Grillfest oder für einen geselligen Abend: die Wahl eines Cotes-du-Rhone ist, aufgrund seiner zumeist unkomplizierten und offenherzigen Art, fast immer richtig. Obwohl es in dem riesigen Gebiet, das sich über weite Bereiche der Südlichen Rhone erstreckt, zu dem aber auch Weinbergsflächen im Anbaugebiet der nördlichen Rhone gehören, rund 10.000 Erzeuger und eine unüberschaubare Anzahl verschiedener Abfüllungen gibt, sind grobe Enttäuschungen überraschend selten. Zwar gibt es auch kaum Spitzenweine, aber das Niveau ist zumeist ordentlich bis gut, oft sehr gut und die Preise überaus attraktiv. So ist es kaum ein Problem, einen wirklich guten Cotes-du-Rhone für weniger als 7 Euro zu erstehen. Die Weißweine stehen auch hier im Schatten der Roten, aber es lohnt sich, nach den besten Ausschau zu halten. Sie entwickeln sich mit der Reife zuweilen besser als ihre roten Pendants.

Château Grillet, Quelle: Inter Rhône, Foto: Isabelle Desarzens

An den Cotes-du-Rhone Villages, den es nur an der südlichen Rhone gibt, werden erheblich strengere Maßstäbe angelegt, sowohl was die Herkunft, als auch die Erntemenge und die verwendeten Rebsorten angeht. Das macht ihn nicht nur in Qualität und Charakter noch verlässlicher, auch wenn die Weine selbstverständlich nicht immer zwangsläufig besser sind als einfache Cotes-du-Rhone. Die Eingrenzung der Anbaufläche auf bessere Lagen erlaubt aber auch die Produktion von Spitzenweinen, die man in der einfachen Appellation kaum findet. Eine ganze Reihe von Dörfern hat sich durch die Produktion zuverlässig guter Qualitäten das Recht erworben, zusätlich zum Namen der Appellation auch den des Ortes auf dem Etikett zu führen. Wirklich gute Vertreter des Cotes-du-Rhone Villages können einem Vacqueyras oder auch Gigondas durchaus Konkurrenz machen, liegen aber auch im Preis nicht unbedingt darunter.


Unsere Favoriten:

Chateauneuf-du-Pape 2004

Chateauneuf-du-Pape 2003

Chateauneuf-du-Pape 2001

Chateauneuf-du-Pape 2000

Chateauneuf-du-Pape blanc

Cotes du Rhone 2004

Cotes du Rhone 2003

Cotes du Rhone 2001

Cotes du Rhone 2000

Cotes du Rhone blanc

 


Marcus Hofschuster

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