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Neustadt
26.01.2012
VDP verabschiedet Weiterentwicklung der Lagenklassifikation
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Die Mitglieder der VDP Prädikatsweingüter haben sich einstimmig für die Fortentwicklung der verbandsinternen Lagenklassifikation ausgesprochen. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 25. Januar in Neustadt an der Weinstraße wurde nach, wie der Verband mitteilt, „engagierten und fairen Diskussionen“ beschlossen, die Herkunftspyramide neu zu strukturieren.
Im ersten Schritt der VDP-Klassifikation wurde 2002 innerhalb der Herkunftshierarchie die Spitze mit den Ersten Lagen und den Großen Gewächsen etabliert. Die Ausgestaltung der Mittelstufe wurde zunächst zurückgestellt, um weitere Erfahrungen im Austausch mit dem Markt zu sammeln. Hier wurden bis dato alle gesetzlich möglichen sowie eigenbetrieblichen Bezeichnungsvarianten verwendet.
Die nun vorliegenden Beschlüsse zur Weiterentwicklung der VDP-Klassifikation sollen dem Verband zufolge „das Werteversprechen der Klassifikation einlösen, zu mehr Übersichtlichkeit beitragen und dem Konsumenten eine klare Orientierung geben“. Durch die Änderungen werde im Wesentlichen die Nomenklatur der VDP-Klassifikation logischer aufgebaut, die Bedeutung der Lagen als Herkunft der besten Weine gestärkt und das Mittelsegment klarer strukturiert. Die Beschlüsse treten mit dem Jahrgang 2012 in Kraft.
Künftig werden die Herkünfte im VDP in vier Stufen eingeteilt – in qualitativ absteigender Reihenfolge: VDP Grosse Lage, VDP Erste Lage, VDP Ortswein, VDP Gutswein. „Grosse Lage“ wird dabei abweichend von der bundesdeutschen Rechtschreibung mit Doppel-S geschrieben, um die Bezeichnung international leichter verwendbar zu machen, da das scharfe S als Sonderzeichen entfällt.
Die bisherigen VDP Ersten Lagen, die für trockene ebenso wie für restsüße Spitzenweine galten, werden in VDP Grosse Lagen umbenannt. Dadurch werde der Widerspruch von Ersten Lagen und Grossen Gewächsen aufgehoben und auch die Gleichrangigkeit der fruchtsüßen Weine aus den Spitzenlagen unterstrichen, so der Verband. Mit der Umbenennung der Kategorie solle ausdrücklich nur der Widerspruch in der Nomenklatur gelöst und nicht eine neue höherwertige Kategorie geschaffen werden. In Zukunft ist somit eindeutig definiert, dass Grosse Gewächse aus Grossen Lagen stammen, und die VDP-Mitglieder stimmten geschlossen für die Beibehaltung dieses Begriffs, der nach Verbandsangaben mittlerweile international für die besten trockenen Weine aus den besten Lagen Deutschlands steht.
Alle VDP-Regionen und -Weingüter sind angehalten, ihre Einordnung der klassifizierten Lagen kritisch zu überprüfen. Ziel ist es laut Verband, nur sehr gute Lagen weiterhin auf dem Etikett auszuloben. Damit werde künftig eine Lage auf dem Etikett zum eindeutigen Qualitätsmerkmal und alle im Hinblick auf die Herkunft im Sinne des Terroirgedankens nicht aussagekräftigen Lagen fielen weg. So wird die Lagenverwendung im VDP insgesamt stark reduziert und bleibt Weinen mit „echtem“ Lagencharakter vorbehalten.
Die Regionen erhalten die Option, eine Hierarchie in ihrer Lagenverwendung einzuführen. Betriebsübergreifend werden die besten der besten Lagen einer Region in die Kategorie VDP Grosse Lage und die sehr guten Lagen in die – nun inhaltlich modifizierte – Stufe VDP Erste Lage eingefügt. Diese neue Abstufung folgt dem Vorbild des burgundischen Cru-Systems. Die Option können die Regionen zu einem selbst gewählten Zeitpunkt umsetzen und erhalten darüber hinaus weitreichende Ausgestaltungsmöglichkeit, um – unter Einhaltung des bundeseinheitlichen Rahmens – den jeweiligen regionalen Besonderheiten Rechnung zu tragen.
In allen Stufen mit Ausnahme der Kategorie VDP Gutswein ist die Verwendung von Prädikaten nach Festlegung regional fixierter Geschmackskorridore künftig grundsätzlich den restsüßen Weinen vorbehalten. Mit diesem weitgehenden Verzicht auf trockene und halbtrockene Prädikate im Spitzenweinbereich wird den Prädikaten ihre klassische Bedeutung zurückgegeben, so die Pressemitteilung des Verbands.
„Mit diesem Schritt positionieren die Prädikatsweingüter die Lagen endgültig als die absolute Spitze des deutschen Weines. Der leicht verständliche, internationale Grundsatz ‚Je enger die Herkunft, umso höher die Qualität’ wird durchgängig eingeführt, wie es zu den Glanzzeiten deutscher Weine Anfang des 20. Jahrhunderts Usus war“, kommentiert VDP-Präsident Steffen Christmann die Beschlüsse. Gleichzeitig erhielten die Regionen die Möglichkeit, auch den Unterschieden, die etwa zwischen Bodensee und Ahr bestünden, Rechnung zu tragen und sich selbst noch stärker zu beschränken. „Je schärfer eine Region oder ein Weingut sich einschränkt und profiliert, desto erfolgreicher werden sie am Markt sein“, prognostiziert Christmann.
Bis zur Sommer-Mitgliederversammlung 2012 soll der VDP-Bundesvorstand ein „klar strukturiertes, einheitliches und kundenorientiertes“ Kommunikationskonzept zur Darstellung der Beschlussfassung ausarbeiten und vorlegen. (CS/Pressemitteilung)
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