Schneller Zugriff auf alle Seiten durch SeitenübersichtÜbersicht |  Mobil |  RSS |  Suche |  Hilfe |  Newsletter |  Impressum | Wine Magazine Englisch
Werbung:
Weinmarketing-Blog
Utz Graafmann bloggt
für Ihren Erfolg im Netz

Benutzer:   Kennwort:   Dauerhaft anmelden 
Kostenlos registrieren |  Kennwort vergessen? |  Hilfe
Mit der kostenlosen Registrierung nutzen Sie Wein-Plus effektiver, ohne Verpflichtungen und ohne versteckte Kosten! Der Inhalt wird nicht von Werbung verdeckt und es öffnen sich keine Werbefenster. Außerdem haben Sie viele zusätzliche Möglichkeiten, die sie als unangemeldeter Nutzer nicht sehen. Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben! Sie erhalten durch die Registrierung keine unverlangten E-Mails. Jetzt kostenlos bei Wein-Plus registrieren
27.08.2010
'Nahe' und doch so fern
Landschaftsdramaturgie
Von Peter Züllig
Leserkommentare (bisher 5)

Wer Wein trinkt, taucht nicht nur ein in die Welt des Weins, er bewegt sich immer auch in den Landschaften, wo die Trauben wachsen, aus denen der Wein gekeltert wird. Es sind Landschaften, die den Wein letztlich prägen und sich darin spiegeln. „Weinland“ nennen wir Regionen, die bezüglich des Klimas, des Bodens und der Kultur eine Einheit bilden, meist ohne wirklich einheitlich zu sein.Die Nahe zum Beispiel, ein deutsches „Weinland“, das gegenüber Mosel, Pfalz, Rheingau, Baden, Franken und so fort, fast immer den kürzern zieht. Also nahe und doch so fern ist.

Rotenfels zwischen Bad Münster am Stein-Ebernburg und Norheim

Der Rotenfels, die größte Steilwand zwischen den Alpen und Skandinavien, überragt Bad Münster am Stein. Ich bin an der Nahe angekommen. Vier Tage, um einem Weinland zu begegnen, das ich wohl noch nie betreten habe. Oder doch? Tatsächlich bin ich vor zwei Jahren auf einer Draisinentour von Staudernheim nach Lauterecken „geradelt“, also doch schon einmal im Gebiet der Nahe gewesen. Doch wer auf einer Draisine schwitzt, findet kaum noch Zeit, auf Reben zu achten, den Weinen nachzusinnen und die Dramaturgie eines Weinlandes zu erfassen. Diesmal ist alles anders. Schon beim ersten Augenschein im Weingebiet, am Zusammenfluss von Glan und Nahe, fasziniert mich die Landschaft und – die Kultur, die sich darin in Jahrhunderten entwickeln konnte. Das Weingut von Racknitz auf dem Disibodenberg und natürlich seine ausgezeichneten trockenen Rieslinge sind eigentlich unser Reiseziel. Doch da muss ich mich das erste Mal entscheiden: Landschaft, Kultur oder Weinprobe? Ich habe mich für die Kultur entschieden, bin hinaufgestiegen zu den Ruinen des Zisterzienserklosters, wo in der Frauenklause einst Hildegard von Bingen lebte und wirkte. Wieder einmal begegne ich den Zisterziensern, deren Spuren ich schon so oft mitten in Weingebieten angetroffen habe.

Ruine des Zisterzienserklosters aus dem 12.Jahrhundert

Tatsächlich hat der Reformorden der Benediktiner bereits im 12 Jahrhundert viel zur Entwicklung des Weinbaus beigetragen, sowohl in Frankreich als auch in Deutschland. Die Zisterzienser gingen zum Beispiel der Frage nach, welche Reben mit welchen Böden am besten harmonieren, und welches die besten klimatischen Bedingungen für einzelne Rebsorten sind. Irgendwie stimmt mich traurig, was da noch übrig geblieben ist, von einer einst großen und stolzen Kultur. So habe ich die erste Rieslingprobe auf dem Weingut wegen der Landschaft und dem kulturellem Erbe verpasst. Schmerzhaft für einen Weinfreund, verkraftbar aber für einen fast ausschließlichen Rotweinkonsumenten. Ich habe das Verpasste später im kleinen Rahmen nachgeholt. Dabei fasziniert mich vor allem der deutliche Unterschied bei den sogenannten Gesteinweinen: Schieferboden oder Vulkangestein. Im „Traiser Rotenfels“ glaubte ich den dominierenden Felsen vor meinem Hotelfenster wieder zu erkennen, zumindest zu spüren, denn die bis zu 70 Jahre alten Reben gedeihen am Fuße dieses Berges, auf vulkanischem Boden.

Rebberg Traiser Rotenfels hinter den Gleisen am Fuß des Berges

Allmählich entwickelt sich in mir eine Art Landschaftsdramaturgie. Denn bald einmal haben wir eine ganze Reihe großartiger Weingüter aufgesucht und immer wieder – so empfinde ich es jedenfalls – ein gutes Stück des Weinlandes Nahe kennen gelernt. Dazu haben oft auch die Namen der Weine beigetragen. Nicht immer, aber häufig, tragen sie den Namen von Reblagen oder einer Bodenbeschaffenheit, von Hügeln und Felsformationen, von Landschaft und Weilern. Jeden Abend bin ich über der Landkarte gesessen: aus der Kartographie entwickelt sich langsam eine Landschaft, aus der Naheweinstraße werden Erinnerungen an Weine. So verwandeln sich in mir zum Beispiel bei Kruger-Rumpf die Rieslinge „Quarzit“, „Münsterer Dautenpflänzler“ und „Pittersberg“ in Phantasielandschaften, die sich immer stärker mit dem Eindruck der durchfahrenen Gegend vermischen.

Landschaft an der Nahe. Im Vordergrund Waldböckelheim.

Je länger wir an der Nahe sind – nur vier Tage –, um so mehr Weine wir verkosten oder am Abend trinken, desto prächtiger wird in mir das Weinland. Es entwickelt sich eine Dramaturgie aus Schönheit, Genuss, Interesse, Kultur und Phantasie. Die Namen von Orten, Hügeln, Bergen, Wassern, Burgen, Straßen bleiben im Gedächtnis kaum haften. Dafür aber das Erlebnis einer Landschaft, die sich zu recht „Weinland“ nennt. Die Nahe als Fluss ist nichts anderes als ein gemeinsamer Merkpunkt, Orientierungshilfe für ein Gebiet, wo Reben wachsen und wo Weingüter liegen, die auch gute Weine machen. Es ist eine abwechslungsreiche Landschaft, kein nur von Reben und nochmals Reben dominiertes Gebiet. Da gibt es auch viel Wald, Getreide, Gemüse, Wiesen, Früchte, Hügel, ja Berge oder Fastberge, da gibt es Steillagen, aber auch Ebenen und Felder.

Glossar zum Thema
Ich weiß, dies alles lässt sich von vielen ähnlichen deutsche Weingebieten sagen. Die Einmaligkeit liegt nicht einfach in der Landschaft, im Wein, bei den Winzern, in den Rebsorten, in der Kultur. Einmalig ist vielmehr das, was ich erlebe, wenn es mir gelingt, all diese Elemente miteinander zu verbinden. So entsteht eine Dramaturgie, ein Kompositionsprinzip, das Dinge in jene Ordnung bringen kann, aus der eine neue Welt entsteht, eben eine eigene Weinwelt. Diese sollten wir Weinliebhaber öfters und immer wieder versuchen zu schaffen. Nicht nur Weine bewundern, kritisieren, benoten und natürlich auch genießen. Ab und zu auch eindringen in ein Weinland, das uns so im Augenblick durch den Wein nah(e) scheint und eigentlich doch so fern ist.

Herzlich

Ihr/Euer


Peter Züllig

Leserkommentare (bisher 5)

 

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Schulnote :
BEST OF
Rioja - Erfolgreich gegen den Strom Weiter
Brunello di Montalcino - Die Stunde des Aristokraten Weiter
Rote Südtiroler - Tiroler Sorten schärfen Profil Weiter
Große und Erste Gewächse - die Roten aus 2009 - Triumph der Finesse Weiter
Große und Erste Gewächse - die Weißen aus 2010 - Herausforderung angenommen! Weiter
Franciacorta - Champagner-Konkurrenz aus Norditalien Weiter
Sauvignon Blanc in Deutschland - Der verlorene Sohn kehrt zurück Weiter
Alle Beiträge

Aktuelle Wein-News
09.02.2012: Winzer schlägt zu Weiter
08.02.2012: EU-Kommission verabschiedet Biowein-Richtlinien Weiter
04.02.2012: Rutemöller ist neuer Trainer Weiter
03.02.2012: Eiswein bei fast minus 15 Grad Weiter
03.02.2012: Ökoweine von 200 Winzern auf der BioFach Weiter
02.02.2012: Eisweinkontrollen werden verschärft Weiter
02.02.2012: Cyriacus W. Schultze neuer Vertriebs- und Marketingleiter bei Wein-Plus Weiter
Alle Beiträge

Pressemitteilungen
10.02.2012: Endrizzi einfach schön smart Weiter
09.02.2012: Südtirol auf der ProWein 2012 Weiter
02.02.2012: Südtiroler Wein beim Rheingau Gourmet & Wein Festival Weiter
04.01.2012: Präsente mit Hotline-Beratung am Telefon Weiter
04.01.2012: mehr als 10.000 Weine im Angebot Weiter
20.12.2011: Stuart Pigott: Wein des Monats Dezember 2011 Weiter
16.12.2011: Gute spanische Weine wollen gefunden werden Weiter
Alle Beiträge

Neu auf Wein-Plus
Weinversand - Weiter Premium-Paketservice von UPS für Wein-Plus Mitglieder Weiter
Verpackungsentsorgung - Wein-Plus verlängert Partnerschaft mit Interseroh Weiter
Neue Veranstaltungen - Qualitäts- und Genussinitiative für die nordgriechischen Weine Weiter
Neues Stammtischpaket - Frühsommerpaket 2011 Weiter
WEIN-PLUS-KLIMASCHUTZ - Wer Wein kauft, kann dem Klima helfen Weiter
Weinmesse München - Griechischer Wein offenbart unbekannte Spezialitäten Weiter
Neues Stammtischpaket - Frühjahr 2011 - Griechenland Weiter
Alle Beiträge

Editorial
Zum Tod eines schweizerischen Spitzenwinzers - Thomas Mattmann Weiter
Alle Beiträge

Reportagen
EU-Weinmarktreform - Teil 4 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Frankreich Weiter
Südfrankreich - Roussillon - das katalanische Erbe Weiter
EU-Weinmarktordnung - Teil 3 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Italien Weiter
Italien - Die Naturweinmacher von Gambellara Weiter
EU-Weinmarktordnung - Teil 2 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Deutschland und Österreich Weiter
Themenschwerpunkt Spanien - Navarra Weiter
Timorasso - Piemonts weißes Wunder Weiter
Alle Beiträge

Verkostung
Großes Gewächs - Pfalz Weiter
Großes Gewächs - Württemberg Weiter
Südtirols rote Sorten - 25 Jahre Qualitätsrevolution Weiter
Großes Gewächs - Mosel Weiter
Erstes Gewächs - Rheingau Weiter
Großes Gewächs - Rheinhessen Weiter
Großes Gewächs - Nahe Weiter
Alle Beiträge

Interview
Im Gespräch: Mireia Torres Maczassek, Bodegas Torres - Spanischer Wein, französische Reben und Glamour aus Hollywood Weiter
Im Gespräch: Luciano Racca, Weingut Domenico Clerico - Modernisten, Puristen und die Phänomen-Generation Weiter
Alle Beiträge

Rezensionen
Wein-Reisen - Genießen in Venedig und ganz Italien Weiter
Eine Reise ins Land des Goldrieslings - Rudolf Knoll, Britta Binzer: Winzer & Weine im sächsischen Elbland Weiter
Logik, Erkenntnis und Genuss - Bernd Müller-Kaller: Wein-Philosophie Weiter
Sehnsucht Italien - Steffen Maus: Italiens Weinwelten Weiter
Zu Gast bei 100 Bio-Produzenten - Bioparadies Toskana Weiter
Slow wine - Führer 2011 - Wertewandel im Zeichen der Schnecke Weiter
Alle Beiträge

Essen und Trinken
Rezept des Monats - Scherben und Striebele Weiter
Restaurant "Falco" in Leipzig - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter
Rezept des Monats - Wildschweinsauerbraten Weiter
Rezept des Monats: - Rosa gebratenes Lendchen auf Apfelvariationen und Bratkartoffeln Weiter
Restaurant Obauer in Werfen - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter
Gourmetrestaurant Lerbach in Bergisch-Gladbach - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter
Rezept des Monats - Pochiertes Hirschfilet im Bergheu-Sud Weiter
Alle Beiträge

Kolumne
Zwei Deutsche in der Schweiz - Riesling, Pinot Noir & Co. Weiter
Was man oft und gerne trinkt - Weinheimat Weiter
Bilanz ziehen - Erinnerungen Weiter
Der perfekte Weihnachtswein - Sprachbarrieren Weiter
Wein als Handelsware - Auktion Weiter
Spätlese - Die dritte Generation Weiter
Wein-Chemie - Der Weinberg lügt nicht Weiter
Alle Beiträge

TV-Tipps
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Februar 2012 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Januar 2012 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Dezember 2011 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für November 2011 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Oktober 2011 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für September 2011 Weiter
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für August 2011 Weiter
Alle Beiträge

Stammtisch
Verkostungspaket - Weihnachten 2011 Weiter
Verkostungspaket - Herbst 2011 Weiter
Verkostungspaket - Sommer 2011 Weiter
Alle Beiträge

Promotion
Interview mit Angelos Iatridis, Alpha Estate - "Griechische Weine sind besser als die griechische Gastronomie in Deutschland" Weiter
Bordeaux 2010 - „Jahrgang der Sensationen“ (Falstaff) Weiter
Atlas der Weinkulturen - Nicht nur Médoc, Barolo und Sonoma, sondern auch Åsgårdstrand, Sabile und Dodoma! Weiter
Verdejo - der Shooting Star aus Rueda Weiter
Bozner Weinkost & Internationales Gewürztraminer Symposium - im Rahmen des Genussfestival Südtirol Weiter
Alle Beiträge