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13.06.2008
Österreichische DAC
Ein Gespräch über Herkunft, Typizität und Kommunikation
Von Elisabeth Rathbauer & Karl Bajano
Leserkommentare (bisher 2)

Interessant und aufschlussreich gestaltete sich unser Gespräch mit Willi Klinger, dem Geschäftsführer der Österreichischen Weinmarketing, sowie Rudolf Hofmann (i.V. von Markus Huber) vom DAC Traisental, Anton Iby des Mittelburgenland DAC, Sepp Mantler des Kremstal DAC und Roman Pfaffl vom Weinviertel DAC (in alphabetischer Reihenfolge). Dieser Artikel bringt auszugsweise die Kernaussagen der Teilnehmer, das gesamte Interview kann bald auf Wein Plus nachgelesen werden.

"Austragungsort" war der Verkostungskeller von Wein & Co am Luegerring in Wien


Terroir und Herkunft

Umstritten wie selten ein Begriff in der Weinwelt ist, zumindest im deutschen Sprachraum, ist die Bedeutung des Wortes Terroir. Handelt es sich um eine Beschreibung der Eigenschaften eines Weines aus einer größeren Region, oder aus einem möglicherweise auch sehr kleinen Bereich. Uns interessierte, was die wichtigsten Vertreter des DAC dazu meinen.

Rudolf Hofmann: Also wenn Terroir die Besonderheit des Filetstückes sein soll, dann kann das nicht gleichbedeutend mit Herkunftstypizität eines ganzen Gebietes sein. Zweitens gehört für mich zum Begriff des Terroir auch immer die Hand, die des Produzenten nämlich, der den Wein formt oder begleitet. Das ist etwas, was dem Konsumenten vielleicht gar nicht so bewusst ist, wieviel das letztendlich ausmacht.

Roman Pfaffl: Für mich ist Terroir in erster Linie der Brauch des Arbeitens in einem bestimmten Gebiet, aber natürlich die Eigenarten einer speziellen Lage. Für mich stellt das Weinviertel eindeutig eine Herkunft dar, auf Grund recht ähnlicher Verhältnisse trotz der Größe. Innerhalb derer gibt es spezielle Punkte, deren Eigenheiten man besonders herausarbeiten kann, das ist für mich dann Terroir.

Willi Klinger: Die Herkunft hat verschiedene Bezugsebenen, auch Österreich im gesamten kann eine Herkunft darstellen, dann die großen Landweinregionen, die Weinbaugebiete, innerhalb derer einzelne Gemeinden und dort wieder diverse Lagen. Herkunft ist sehr vieldeutig, wichtig ist der Blickwinkel, die Ebene der Betrachtung. Terroir und Typizität haben sehr viel miteinander zu tun. Terroirweine sind Typen, die für diese Herkunft sprechen. Es geht bei Terroir um einen Philosophie der Kommunikation von Wein. Die einen setzen voll auf eine fiktive Marke, die anderen sagen, wir kommunizieren Wein mit seiner Adresse.

Sepp Mantler: Für mich ist Terroir die Summe aller natürlichen Einflussfaktoren, das heißt, es ist ein Standortmerkmal, das man daher sehr scharf eingrenzen kann. Es ist aber auch ein kommunikatives Konstrukt, weil man damit sehr viel Wertigkeit, Ehrlichkeit, Verwurzelung transportieren kann.

Anton Iby: Die Herkunft ist das größere Element, eine Herkunft wird mehrere Terroirs beinhalten können. Sieht man ein DAC Gebiet als Ganzes, also aus einem größeren Blickwinkel, verschmelzen diese einzelnen Terroirs zu einem homogenen Ganzen.

Anton Iby, Sepp Mantler und Willi Klinger (v.l.n.r.)

Karl Bajano: Das heißt also zusammenfassend, dass Sie im Großen und Ganzen darüber einig sind, dass die Herkunft die größere Einheit ist, innerhalb derer es diverse Terroirs geben kann, bis hin zu kleinen Einzellagen.


Klone und Ausbau

Für die Eigenschaften der Weine einer Herkunft sind die dort wachsenden Klone der jeweiligen Sorte und der Ausbau entscheidend. Es gibt in Europa in den Gebieten mit kontrollierter Herkunft (AOC, DOC, OPAP etc.) verschiedene Vorschriften diesbezüglich. Wie das beim DAC gesehen wird, lesen Sie im Folgenden:

Willi Klinger:  Wir müssen, wenn wir von Herkunftstypizität reden, auch sehr stark in die Vinifikationsmethoden hineingehen, und sagen, was zu keinem Resultat führt, was wir wollen und was wir nicht zulassen können. Es kann ein DAC Kremstal, Weinviertel oder Traisental keine Barriquebombe sein - da ist es uns ja klar - aber bei Kaltvergärungsmethoden, die dann zu den Sämlingstönen führen, wär´s dann erlaubt ? Wir werden jedenfalls für den Salon österreichischer Wein den Sauvignon-Ton, den man durch besondere Kaltvergärung erzeugen kann, ausscheiden. Das Zweite ist ein ganz wichtiger Ansatz, nämlich die Klonengeschichte, die die französische AOC seit Generationen einbezieht in das Gesamtbild. Daher haben wir Professor Helmut Redl gebeten, unter anderen Wissenschaftern einen Vortrag darüber zu halten.

Sepp Mantler: Ich für mein Gebiet sehe es jetzt nicht für so sinnvoll, so wie in manchen anderen Appellationen üblich, sehr stark den Bereich der Vorschriften in den Vordergrund zu stellen, die soweit gehen, Stockanzahl, Verwendung der Klone, bestimmte Technologien vorzuschreiben etc... Ich denke, bei uns sollte es in die Richtung gehen, dass die Gebietsstilistik, die gewünscht ist, soviel Zugkraft hat, jetzt nicht nur beim Konsumenten, sondern vor allem beim Produzenten, so dass der freiwillig sagt: „Ok, diese Stilistik ist erfolgreich und ist richtig, ich produziere freiwillig darauf hin.”.... Dass man sich auf das Kernsortiment beschränkt, das ist für mich das Essenzielle, dass man aus Überzeugung die Stilistik macht, die typisch für das Gebiet ist.

Anton Iby: Ich wollte eigentlich nur berichten, wie wir uns damals wegen der Sorten entschieden haben. Wir hätten alles gehabt: BF, Zweigelt und Cuvées mit einem Teil BF. Noch dazu war damals der Cabernet Sauvignon höchst modern - heute wird er ausgeschieden. Es hat sich also schon Dramatisches geändert. Ich habe mich gefragt: welche Weine sind am Markt am stärksten? Es hat sich dann herausgestellt, dass das der klassische Blaufränkisch ist....Mittelburgenland DAC in Form von Klassik  - mit zusätzlicher Lagenbezeichnung heißt, dass es der bessere sein muss und bei der Reserve dasselbe.


Das System des DAC

Der DAC fügt sich mit seinem Konzept der 2 Stufen von Klassik (leichtere, gut zu trinkende Weine) und Reserve (kräftige Weine) in die bestehende, gesetzliche Weinlandschaft und die Tradition in Österreich gut ein. Aber er soll auch mehr sein, als nur ein Teil davon. Zusätzliche Konstrukte und ausufernde Auslegungen von Herkunftsregulierungen können aber auch zu Irritationen führen, wie das z.B. die Unzahl der italienischen DOC zum Leidwesen der Konsumenten zeigt.

Roman Pfaffl
Roman Pfaffl
: Das allerwichtigste ist eine ganz klare Botschaft und nur ja nicht - wie es (in unserem Gebiet) vorher diskutiert wurde - „wir müssen ja auch einen Zweigelt verkaufen und einen Portugieser”.... Wenn Leute kommen und fragen: „was ist denn typisch?” ist es das allereinfachste zu sagen: „das ist es!” Dass es da noch andere Sorten gibt oder einen kräftigen Veltliner, beim zweiten Satz weiß es ohnehin jeder, aber das Typische, mit dem wollen wir bekannt werden... Mein Gedanke war ganz einfach der, dass (ein DAC) als Basis aller Betriebe gemacht werden muss, mein Ausdruck dafür ist „Absprungbasis”. Ob ich jetzt von ebenerdig wegspringe, oder vom 5m-Brett, oder vom 10m-Brett, ist egal. Die Basis ist für den besten Betrieb genauso wichtig wie für den schwächeren.

Willi Klinger: Erstmals wird mit der DAC die Herkunft zu einer Marke, in einem Land, wo es 6000 Flaschenabfüller auf 50 000 ha gibt. So haben wir jetzt die Möglichkeit, einen Typus in den Vordergrund zustellen... Dann habe ich Weisswein Klassik und Reserve, ebenso Rotwein Klassik und Reserve, damit bringe ich jetzt alles unter, was an DAC-Weinen da ist, weil ich in die Lagendiskussion nicht eingreife... Wir können dem Konsumenten eine Weinklasse auf Basis der Sorte, die das Gebiet repräsentiert, anbieten, mit der er etwas anfangen kann... Es gibt auch Kritiker des Systems, die gerne sagen: ihr verkompliziert alles usw.  Im GEGENTEIL: wir arbeiten mit den 16 Begriffen der Weinbaugebiete... jetzt habe ich dann nur mehr ganz wenige Weintypen - also ein oder zwei in 2 Stufen, aber nicht mehr. Heute stehen aber zum Beispiel unter dem Begriff Kamptal immer noch 35 Sorten, 9 Möglichkeiten, die auszubauen, dazu diverse Weinstile usw. Das kann man eben entrümpeln und sagen: wenn jetzt z.B. der Begriff Kremstal transportiert wird, dann ist das klar, das ist ein frischer klassischer, oder als Reserve ein kräftiger Grüner Veltliner beziehungsweise Riesling... Und insoferne haben wir die Sache vereinfacht, ausgeräumt, entrümpelt und nicht komplizierter gemacht... Im ersten Herangehen an den Konsumenten gilt es wenige Aussagen, klar strukturiert, zu verwenden... Wir haben ein modernes Weingesetz, das klar kommuniziert, aber auch dem Winzer auf der größeren Bezeichnungsebene des Bundeslandes die Freiheit lässt, zu experimentieren, mit gewisser Flexibilität, das wollen wir.

Wir danken für das aufschlussreiche Gespräch.


Elisabeth Rathbauer & Karl Bajano

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