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Weinfehler

Man kann davon ausgehen, dass jede 10. bis 20. Flasche Wein fehlerhaft ist. Daher ist dieses Thema wirklich wichtig. Zugleich ist es aber auch ein sehr schwieriges Thema, weil man Weinfehler eigentlich erleben muss, um diese irgendwann halbwegs zuverlässig selbst erkennen zu können. Ich beschränke mich daher auf die einfach erkennbaren und häufigen Fehler und das, was oft für einen Fehler gehalten wird.

Das, was man sieht

Oft erlebt man es, dass in der Flasche oder im Glas kleine, durchsichtige Kristalle zu Boden fallen. Hier handelt es sich um Weinstein. Weinstein ist kein Fehler und beeinträchtigt den Wein geschmacklich in keiner Weise.

Schon vor dem Öffnen der Flasche sollte man sich den Korken ansehen. Schimmel am Korken ist normal und kein Grund zur Sorge. Erkennt man aber, dass der Korken schon ein wenig aus der Flasche herausgetrieben wurde, dann wurde der Wein wahrscheinlich zu hohen Temperaturen ausgesetzt. Ein Korken darf den Flaschenhals nicht überragen!

Bei älteren Weinen sollte man auf den Füllstand der Flasche achten. Manchmal sind die Flaschen nicht mehr ganz voll. Der Füllstand ist bei sehr alten Weinen ein wichtiges Kriterium, das auch den Preis bestimmt und den man oft in Kauf nehmen muss. Bei Weinen, die jünger sind als 15 Jahre, dürfte das allerdings nicht vorkommen und ist dann ein deutliches Warnsignal, das der Wein wohl nur noch mit Einschränkung genießbar ist.

Manchmal ist Wein deutlich getrübt (unklar) oder hat flockige oder wolkige Ausfällungen. Das ist oft schon in der Flasche, spätestens aber im Glas sofort zu erkennen. Bei jungen Weinen ist eine Trübung immer ein Fehler. Bei älteren Weinen, insbesondere bei Rotweinen, kann es sich auch um aufgewirbeltes Depot handeln. Lassen Sie die Flasche eine Zeit lang ruhig stehen und warten, ob sich das Depot absetzt. Wenn nicht, ist der Wein kaum noch genießbar, wahrscheinlich überaltert.

Eines noch: Wenn im Glas Brösel vom Korken schwimmen, dann versuchen Sie diese herauszufischen. Jedenfalls handelt es sich nicht um "Kork", also den berühmten Korkfehler.

Das, was man riecht


"Und er hat doch Kork" © Dirk Becker 
Hier ist als wichtigster und häufigster Fehler der Korkschmecker zu nennen. Der Wein hat einen unnatürlich muffigen, moderigen Geruch. Typisch für den Korkfehler ist, dass der Geruch im Glas immer unangenehmer und deutlicher wird. Im Zweifel also einfach Glas stehen lassen und nach 15 Minuten noch einmal riechen. Ist der Ton dann verflogen, handelt es sich nicht um einen Korkfehler. Wurde der unangenehme Ton dann stärker, dann ist es ziemlich sicher, dass Sie einen korkigen Wein erwischt haben. 

Peinlich ist es übrigens, wenn Sie im Restaurant einen Korkfehler bemängeln und Ihnen der Kellner dann aus der Flasche mit Drehverschluss ein neues Glas einschenkt. Ich bin mir sicher, viele Kellner können solche Geschichten erzählen. Allerdings: Es soll auch Fälle geben, in denen die Pappe die bei Drehverschlüssen als Abdichtung dient, mit TCA (die Substanz die den Korkschmecker verursacht) verunreinigt ist und dann zu einem mit dem echten Korkschmecker identischen Fehler führt. 

Relativ selten ist es übrigens so, dass sich Korkschmecker ziemlich gut tarnen. Manchmal ist die Nase OK, im Geschmack merkt man keine Auffälligkeiten,  aber im Nachhall (der Geruch der nach Herunterschlucken direkt vom Rachen zur Nase kommt) kommt dann ein Korkgeruch hoch. Manchmal nimmt man den Korkfehler auch gar nicht als solchen wahr, sondern der Wein ist einfach nur "anders" oder "schlechter" als eine Vergleichsflasche. Das nennt man dann üblicherweise einen "versteckten Korkfehler".

Ein anderer Fehler, der sich in der Nase bemerkbar macht, ist der Schwefel-Böckser. Der Wein riecht dann unangenehm schwefelig. Hier gibt es übrigens einen bewährten Trick, wie man Schwefelböckser identifizieren kann: Pfennigstück (Kupfer!) in das Glas legen und etwas schwenken. Wenn der Schwefelgeruch verschwindet, dann handelt es sich um einen Böckser.

Auch ein zunehmend wichtiger Weinfehler ist UTA (Untypische Altersnote). UTA tritt nach bisherigem Erkenntnisstand durch Stress der Reben (z.B. Trockenstress), zu hohe Erträge und einem zu frühen Lesetermin auf. Es äußert sich in Nase und Geschmack durch Aromen von Mottenkugel und nassem Pappkarton.

Es gibt viele weitere Weinfehler. Wer mehr wissen möchte, findet im Glossar noch mehr als 20 weitere Fehler. Ich denke aber, 99% aller vorkommenden Fehler sind mit den hier beschriebenen Fehlern abgedeckt.

Utz Graafmann