Wein-Infothek
Wie werden Weine am besten gelagert?
Die Lagerung zum Zwecke der Reifung ist für jeden Weinfreund ein wichtiges Thema.
Es ist notwendig, sich darüber Gedanken zu machen, weil es in der Regel unmöglich oder zumindest sehr teuer ist, Weine trinkfertig zu kaufen. Daher wird man Weine in der Regel relativ bald
nach ihrer Abfüllung kaufen und selbst einlagern, bis die optimale Trinkreife erreicht ist. Ich rede hier also nicht von einer Lagerung über mehrere Wochen,
sondern über Jahre oder Jahrzehnte.
Temperatur
Immer wieder wird in der Literatur und unter Weinfreunden über die optimale Lagertemperatur gesprochen. Diese ist jedoch meiner Überzeugung nach relativ unwichtig, solange ein Bereich von
8 Grad bis ca. 18 oder sogar 20 Grad eingehalten wird.
Temperaturschwankungen
Viel problematischer, als die absolute Temperatur, sind die Temperaturschwankungen. Die Temperatur des Lagerraumes sollte eine möglichst konstante Temperatur aufweisen.
Dabei ist zwischen Tag-/Nachtschwankungen und jahreszeitlichen Schwankungen zu unterscheiden. Erstere sollten nicht vorkommen oder sind zumindest sehr weitgehend zu minimieren.
Jahreszeitliche Schwankungen sind in vernünftigem Maß (5 Grad oder auch mehr) durchaus akzeptabel.
Luftfeuchtigkeit
Mindestens genau so wichtig ist die Luftfeuchtigkeit. Eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit ist notwenig, damit die Korken
elastisch bleiben und die Flasche langfristig zuverlässig verschließen. Die Luftfeuchtigkeit in normalen Neubaukellern oder Wohnungen reicht dazu nicht aus.
Erschütterungen
Die Weine sollten frei von Erschütterungen gelagert werden. Das ist ein Grund, warum z.B. ein konventioneller Kühlschrank nicht der optimale Lagerplatz ist.
Licht
Die Flaschen müssen dunkel gelagert werden. Notfalls abdecken!
Was kann man machen, um diese Lagerbedingungen zu erreichen?
Wer das Glück hat, über einen alten Keller zu verfügen, der thermisch soweit von der Außenwelt abgeschirmt ist, dass zumindest die Tag-/Nachtschwankungen weitgehend abgehalten werden,
hat Glück. Alte Keller sind in der Regel feucht und das ist gut für unseren Wein.
Wer dieses Glück nicht hat, kann sich mit elektrischen Weinklimaschränken behelfen. Folgende Hersteller sind mir bekannt:
Diese Schränke sorgen für eine erschütterungsfreie Lagerung, ausreichende Luftfeuchte und eine stabile Temperatur. Wer sich allerdings mit dem Gedanken trägt, sich zur Lagerung seiner
Weine einen Weinklimaschrank zuzulegen, sollte mal überlegen, wie viele Schränke man für 500 bis 1.500 Flaschen (das ist eine normale Größenordnung für einen Weinfreund) benötigt und
mit welchen Investitionskosten und laufenden (Strom-)Kosten das verbunden ist. Eine bauliche Veränderung oder die Anmietung eines externen Kellers, ist da oft die bessere Lösung.
Eine weitere Alternative ist die Klimatisierung eines kompletten Kellerraumes mit Kühlraumtüren oder auch Kühlzellen. Weitere Infos dazu gibt es z.B. von der Firma
Günther.
Bereits das Verschließen des Kellerfensters mit Isoliermaterial oder notfalls Dämmung von "warmen" Wänden können Temperaturschwankungen bedeutend vermindern. Die
Luftfeuchtigkeit lässt sich z. B. durch feuchte Tücher oder einen Bottich mit nassen Hydrokultursteinen erhöhen.
Ein konventioneller Kühlschrank ist übrigens ungeeignet, weil dieser technisch bedingt zu viel Erschütterungen und regelmäßige Temperaturschwankungen hat. Beides ist auf Dauer
schädlich für den Wein.
Zusätzliche Maßnahmen
Wem das nicht zu viel Aufwand ist, der kann eine zusätzliche Versiegelung der Flasche vornehmen, indem er den Kopf der Flasche mit Dokumenten-Siegellack überzieht. Damit ist dann der
Verschluss gasdicht und selbst bei alternden Korken etc. kann kein Luftaustausch stattfinden. Weiterer Vorteil: Diese Behandlung schützt auch vor der gefürchteten Korkmotte.
Siehe dazu auch einen Artikel von Peter Jordan
Stehend oder liegend?
Weinflaschen sollten liegend gelagert werden. Damit ist sichergestellt, dass der Korken von innen nass bleibt. Ich möchte allerdings auch nicht verschweigen, dass es mittlerweile
Untersuchungen gibt die bei ausreichender Luftfeuchtigkeit eine stehende Lagerung nahelegen. Ich selbst vertraue da aber eher auf die konservative Meinung.
Auch bei Champagner gehen die Meinungen auseinander. Häufig wird Champagner auch stehend gelagert, ebenso wie Sherry, Port und Madeira. Dies beruht darauf, dass Kohlensäure (bei
Schaumweinen) bzw. hohe Alkoholgehalte den Korken schädigen könnten.
Utz Graafmann
|