Wein-Infothek
Wein & Speisen
von Ulrike Banse
Wenn ein Wein mit einem Gericht harmoniert, dann ist dies ein richtiger
Glücksmoment, ein kulinarischer Hochgenuss.
Essen und Wein gewinnen durch ihre gelungene Partnerschaft, wobei beide
Partner jeweils neue und zuweilen auch unerwartete Geschmacksnuancen
offenbaren können.
So ist die Kombination von Speisen und Wein immer dann ideal, wenn
beide Elemente ihren Beitrag zur kulinarischen Verbindung leisten, ohne
dass einer den anderen überdeckt.
Geschmack & Geruch
Geschmack und Geruch sind chemische Sinne. Mit dem Geschmack lassen
sich nur 4 Grundqualitäten unterscheiden. Dazu ggf. alkalisch und
metallisch. Alle weitergehenden Differenzierungen sind geruchsbedingt.
Die Empfindlichkeit des Geschmackssinnes ist individuell sehr
verschieden und nimmt mit zunehmendem Alter durch die Rückbildung der
Geschmacksknospen ab.
In der Riechzone befinden sich etwa 50 Mill. Sinneszellen, die von
einer dünnen Schleimschicht überzogen sind. Zur Auslösung einer
Riechempfindung muss der Reizstoff nicht nur flüchtig (also gasförmig)
sein, sondern auch löslich, damit er die Schleimschicht durchdringen
kann.
Die meisten Gerichte sind entweder vorwiegend salzig, oder kräftig,
süß oder sauer, sie sind kalt oder warm, fett oder mager, fest, sämig
oder flüssig mit den entsprechenden Zwischenstufen und Nuancen.
Das Problem ist nun, den passenden Wein zu finden. Einen Wein, der das
jeweilige Gericht nicht dominiert und auch nicht selbst übertönt wird.
Geschmacklich sollen die beiden Partner sich entweder aneinander anpassen
oder in einem spannungsreichen Kontrast zueinander stehen, sich also noch
verstärken.
Der Wein muss die Speise und diese den Wein im besten Licht darstellen.
Grundsätzlich ist man bei der Weinauswahl auf sein Gedächtnis
angewiesen.
Stellen Sie sich vor, wie das entsprechende Gericht schmecken wird
(kräftig, leicht, Gewürze, Zubereitungsart....) und kombinieren dann
einen Weinstil ( fruchtig, körperreich, trocken, lieblich, jung,
gereift......) dazu. Wagen Sie auch ungewöhnliche Kombinationen. Es lohnt
sich! Denn letztendlich zählt nur, dass was Ihnen persönlich schmeckt.
Der äußere Rahmen bzw. Anlass
„Candlelightdiner“: Recht einfach, wenn man den Geschmack
seines Partners kennt. Wird der Wein ohne Essen genossen, sollte er
geschmacklich intensiv und vielschichtig sein, damit nicht schon das 2.
Glas langweilig wird (Geschmacksfülle + Finessenreichtum).
Party: Hier kommen eher einfachere Weine zum Einsatz, allerdings
von guter Qualität. Um den Geschmack möglichst vieler Gäste zu treffen,
empfiehlt sich ein „stromlinienförmiger“ Wein (also die gängigen
leichten "Mode“-Weine ).
Auf einer Party will man nicht andächtig genießen, sondern einen Wein
ohne Ecken und Kanten zum Erfrischen und als Essensbegleiter.
Gesellige Runde: Steht in dieser Runde der Wein im Mittelpunkt,
sollte man bei der Auswahl die gängigen Regeln (Weinabfolge, etc.)
beachten. Wenn dann noch zu den einzelnen Weinen Informationen,
Geschichten, etc. von den
verschiedenen Teilnehmern geboten werden können, ist das Gelingen
gesichert.
Picknick: Zu einem Picknick passt am besten ein süffiger gut
gekühlter Rosé. Die verschiedenen, ehe leichten Sommergerichte vertragen
sich meist mit einem Rosé.
Festmahl: Die Weinauswahl zu einem Festmahl ist eine richtige
Herausforderung. Es müssen sowohl die Speisenfolge als auch die
verschiedenen Geschmäcker der Gäste berücksichtigt werden.
Die logische „Geschmacksfolge" von Wein und Speisen muss geplant
werden. Das heißt, sowohl die Weine als auch das Menü
steigern sich von leichteren über delikateren bis zum kräftigen
Geschmack.
Einige Grundregeln
- Wein soll den Geschmack einer Speise unterstreichen, nicht
überdecken.
- Wein-/und Speisenfolge soll in Aroma und Gehalt/ Fülle eine
Steigerung erfahren.
- Alkohol erhöht den Eindruck von Süße und verstärkt die Wirkung
von Gewürzen.
- Stark fetthaltige Speisen sind bekömmlicher mit Weinen, die reich
an Säure, Gerbstoff und Alkohol sind.
- Kräftig gewürzte Speisen schmecken in Verbindung mit
alkoholreichen Weinen noch kräftiger.
- Kohlensäure im Wein (Sekt, etc.) verdeckt teilweise die
Süße-Empfindung.
- In Verbindung mit Speisen wirken Schaumweine süßer, als sie
tatsächlich sind.
- Salz steigert die Wahrnehmung von Aroma-/ Bitterstoffen in Wein und
Speisen.
Wein & Käse
- Wein und Käse können harmonische Kombinationen eingehen (z.B.
regionale Weine und Käse-Kombinationen) oder sich auch
ergänzen und verstärken (Sauternes +
Rouquefort, etc.).
- Viel Tannin im Wein und Eiweiß im Käse wirken unangenehm im
Mund.
- Alkoholreiche, fruchtige Weißweine brauchen einen milden Käse.
- Gereifte Burgunder vertragen auch gereifte, kräftige Käse.
- Je süßer/ alkoholreicher der Wein, desto intensiver muss der Käse
sein.
- Wein unter 11 Vol% Alkohol lässt Säuren auf beiden Seiten zu stark
wirken.
Schwierige Partner des Weins
Vinaigrette/ Zitrone/ Tomaten: Die Säure des Essigs/ Zitrone/
Tomaten überdeckt die fein ausgewogene Säure in den meisten Weinen.
Ausnahme, Weine mit hohem Säuregehalt, z.B. Chenin blanc, Loire.
Eier: Bestandteile des Dotters versiegeln die Geschmacks-Knospen
der Zunge und lassen Weine manchmal metallisch schmecken.
Artischocken: Sie enthalten Cynarin, das Wein viel süßer, oder
metallisch schmecken lässt.
Ulrike Banse
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