Auf der griechischen Kykladeninsel
Santorin exklusiv verwendete Bezeichnung für einen als Santorini
OPAP klassifizierten
Süßwein aus in der Sonne getrockneten Trauben. Der Name ist unter der venezianischen Herrschaft entstanden und bedeutet „Wein aus Santorin“. Ein Vinsanto hat zwar eine gewisse Ähnlichkeit mit einem
Vin Santo aus der italienischen Toskana, ist aber speziell durch die Säure ein eigenständiges, unverwechselbares Produkt. Wahrscheinlich war der Vinsanto Vorbild für den Vin Santo (die Italiener beanspruchen das umgekehrt). Früher war er der
Messwein der russisch-orthodoxen Kirche und ein bedeutender Exportartikel. Zugelassen sind die drei Weißweinsorten Assyrtiko (zumindest 75%) sowie Aidani Aspro und Athiri (zusammen maximal 25%), wobei dies auch für die trockene OPAP-Version gilt. In der Regel verwenden die meisten Winzer für den Vinsanto nur Assyrtiko und Aidani. Der Süßwein wird in den drei Varianten Vin doux,
Vin doux naturel und als
Vin naturellement doux hergestellt. Die Erträge liegen nach Trocknung der Trauben in der Sonne bei 7 bis 8 hl/ha; der Alkoholgehalt liegt zwischen 8 bis 15% vol. Der
Restzucker beträgt zumeist zwischen 200 und 300, bei manchen sogar über 400 g/l.
Die überreifen und zum Teil schon eingetrockneten Trauben werden gelesen und dann bis zu zwei Wochen in der Sonne getrocknet. Die häufigste Version ist Vin doux, bei der nach bereits kurzer Gärung mit
Tsipouro (Tresterbrand) auf etwa 13% vol Alkoholgehalt gespritet wird. Anschließend reift der Wein zumindest zwei Jahre in Eichenfässern. Beim Vin doux naturel erfolgt das
Spriten wesentlich später, sodass der gewünschte Alkoholgehalt zwischen 13 und 15% vol und ein
Restzucker von über 250 Gramm/Liter erreicht wird. Die höchste Qualitätsstufe Vin naturellement doux wird von extrem spät gelesenen Trauben bester Lagen gewonnen. Bei diesem erfolgt kein Spriten. Die langsame Gärung endet etwa schon bei 8% vol und wird gegebenenfalls durch Zugabe von Hefen weiter forciert. Diese Weine reifen im Extremfall bis zehn Jahre und mehr. Dieser Wein darf auch als
Liastos (Strohwein) bezeichnet werden, was aber keine exklusive Bezeichnung für Santorin darstellt. Die intensiv orangeroten Vinsantoweine weisen eine deutliche Süße, aber auch eine erfrischende Säure mit Aromen von Honig, Rosinen, Gewürzen und Limetten auf.
Die früher für eine etwas weniger süße Version benutzte Bezeichnung „Vinsanto Mezzo“ darf nun nach Übereinkunft der Winzer von Santorin nicht mehr verwendet werden. Das gleiche gilt auch für den roten Süßwein „Mezzo“, der aus Mandilaria-Trauben nach dem gleichen Verfahren wie beim Vinsanto vinifiziert und als Tafelwein vermarktet wurde.