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Anbaugebiete in Türkei

Ägäis

Das Land hat eine uralte Weinbau-Tradition, schon im 4. Jahrtausend v. Chr. gab es kultivierte Rebflächen in Anatolien im Gebiet Transkaukasien (das gemeinsam mit Mesopotamien als Wiege der Weinkultur gilt) und an der Küste des Kaspischen Meeres. Bei Ausgrabungen in der im 7. Jahrtausend v. Chr. erbauten Stadt Catal Hüyük fand man Darstellungen, die eine Weinherstellung schon zu dieser Zeit vermuten lassen. Die noch heute kultivierte Rebsorte Kalecik Karasi kannten schon 2000 v. Chr. die Hethiter. Nahe der Grenze zum Iran und zu Armenien liegt der Berg Ararat, wo nach der Bibel Noah mit seiner Arche landete und „zum Weinbauern wurde“. Durch die Islamisierung des Landes und das damit verbundene Alkoholverbot kam es im 8. Jahrhundert zum ersten Einschnitt im Weinbau. In der osmanischen Periode (1300-1920) wurde es lediglich den christlichen Minderheiten wie Griechen und Armeniern erlaubt, gegen eine höhere Steuerabgabe Wein zu produzieren. In der Tanzimat-Periode (Tanzimat = Reform) wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts der Weinbau wiederbelebt und der Export stieg - bedingt durch die Reblaus-Katastrophe in Europa - bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf 30 Mio Liter jährlich. Nachdem beim Frieden von Lausanne 1923 große Landflächen unter anderem an Griechenland abgetreten werden mussten und der Großteil der für den Weinbau wichtigen griechischen Minderheit das Land verließ, kam es neuerlich zu einem Niedergang.

Ab dem Jahre 1925 versuchte die neue Republik unter Mustafa Kemal Atatürk (1881-1938), den Weinbau neu zu beleben. Der als Weinliebhaber bekannte Staatsmann ebnete den Weg für private Weingüter. Im Jahre 1926 gründete Nihat A. Kutman in Istanbul die Kellerei „Maison Vinicole“ (später Doluca). Der nächste war 1929 Mehmet Cenap And in Ankara, der seinen Betrieb Kavaklidere (Pappeltal) nannte. Die wichtigsten Weinbaugebiete liegen in der Ägäisregion im Westen des Landes, wo feuchteres Klima als im trockenen Landesinneren vorherrscht und knapp zwei Drittel der Weinmenge produziert werden. Das ist der europäische Teil der Türkei mit den Regionen Marmaris und Thrakien (Bilecik, Canakkale, Edirne, Kirklareli, Tekirdag), sowie die Ägäische Küste Anatoliens (Denizli, Izmir, Manisa). Kleinere Gebiete liegen am Schwarzen Meer (Corum, Kastamonu, Samsun, Tokat), in Zentralanatolien (Ankara, Kirikkale, Kirsehir, Nigde), Ostanatolien (Elazig) und Südostanatolien (Diyarbakir, Gaziantep, Mardin, Sanliurfa). Im Jahre 2007 ergab die Rebfläche von 521.000 Hektar zwar den weltweit vierten Rang, von der aber nur 231.000 Hektoliter Wein produziert wurden (siehe dazu auch unter Wein-Produktionsmengen).

Es existieren hunderte autochthone Rebsorten, von denen viele gar nicht amtlich erfasst sind. Die wichtigsten roten sind Ada Karasi, Bogazkere, Calkarasi, Cubuk Karasi, Hasandede Siyahi, Horoz Karasi, Kalecik Karasi, Öküzgözü, Papazkarasi und Sergi Karasi. Die wichtigsten weißen sind Beylerce, Bornova Misketi, Dimrit, Emir, Hasandede Beyazi, Kabarcik Beyaz, Misket Ufak, Narince, Sultaniye (Sultana) und Yapincak. Wichtige europäische Sorten sind Cabernet Sauvignon, Carignan, Chardonnay, Cinsaut, Clairette, Gamay, Grenache Noir, Merlot, Pinot Noir, Riesling und Sémillon. Die Türkei ist mit rund 75% der Traubenernte der weltweit größte Produzent an Tafeltrauben und nach den USA der weltweit zweitgrößte Produzent an Rosinen. Beide werden zum Großteil aus der Sorte Sultaniye (Sultana) produziert. Sehr beliebt ist der honigähnliche Traubensirup Pekmes.

Der große Staatsbetrieb Tekel produziert neben Tabak rund 95% der Spirituosen und 40% der Weine. Gute Qualitäten werden von den privaten Firmen Diren, Doluca, Karmen, Taskobirlik und Kavaklidere produziert. Zu den besten türkischen Markenweinen zählen die Rotweine Buzbag, Villa Neva und Yakut sowie die Weißweine Cankaya, Thrakya (Sémillon) und Villa Doluca (Sultaniye und Sémillon). Das wichtigste alkoholische Getränk aber ist der aus getrockneten Weintrauben (fast ausschließlich von Tekel) hergestellte Raki, dem im zweiten Destillations-Vorgang Anis zugesetzt wird. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Wein liegt unter einem Liter. Man unternimmt auch in Hinblick auf die EU-Verhandlungen sehr große Anstrengungen, an den westlichen Qualitäts-Standard anzuschließen.