Der ehemalige UdSSR-Staat (georg. Sakartwelo) in Transkaukasien zählt zu den ältesten Weinbauländern der Erde und ist eines der Ursprungs-Gebiete der kultivierten Weinrebe. Es wurden zum Beispiel fünftausend Jahre alte Tonkrüge mit Traubenkernen der weißen Sorte
Rkatsiteli gefunden. Noch ältere und bereits 7.000 Jahre alte Traubenkerne von kultivierten Reben beweisen, dass zu dieser Zeit bereits eine Selektion für die
Züchtung besserer Rebsorten stattgefunden hat. Die Archäologie hat weitere zahlreiche Beweise zutage gefördert, dass der Weinbau schon in frühester Zeit eine große Bedeutung genoss und fester Bestandteil der georgischen Kultur war. Im Museum der Hauptstadt Tiflis (Tbilissi) befindet sich ein mit Silber überzogenes, kurzes Stück Rebenholz, das in Trialeti im Süden gefunden und dessen Alter mit 3.000 v. Chr. bestimmt wurde. Zahlreiche
Rebmesser, Steinkeltern, Mühlen, Ton- und Metallgefäße für Wein sowie Schmuck in der Form von Trauben und Weinlaub aus der Zeit zwischen 3000 und 2000 v. Chr. wurden in Mukheta, Trialeti und Pitsunda sowie im Alazan-Tal ausgegraben. Reiche Ornamente mit fruchtbehangenen Reben finden sich auf den Wänden von Tempeln in den Städten von Samtavisi, Ikalto, Gelati, Nikortsminda, Vardzia und Zarmza. In einem Gedicht des griechischen Gelehrten und Epikers Apollonius von Rhodos (3. Jh. V. Chr.) - dem Bibliothekar der berühmten Bibliothek in Alexandria - heißt es in seinem Werk „Argonautica“, dass die Argonauten (Helden der griechischen Mythologie unter Führung von Jason, der das Goldene Vlies eroberte) bei Ihrer Ankunft in der Hauptstadt Kolchis rankende Reben am Eingang des Königspalasts und einen Brunnen mit Wein im Schatten der Bäume gesehen hätten. Georgische Sagen bezeugen die Liebe zur Weinrebe.
Georgien übernahm im vierten Jahrhundert das Christentum. Das erste Kreuz wurde von Rebstöcken gemacht, um zu demonstrieren, dass der christliche Glaube und die Rebe die heiligsten Güter des Landes seien. Viele Jahrhunderte hindurch hatte der Wein in der gesamten Wirtschaft Georgiens größte Bedeutung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Rebfläche über 70.000 Hektar ein, doch durch Pilzkrankheiten und die
Reblaus wurde sie bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts halbiert. Zur Wiederherstellung der vernichteten Weinberge wurden reblausfeste Unterlagen importiert. Im Jahre 2005 betrug die Rebfläche wieder 65.000 Hektar, von der 950.000 Hektoliter Wein produziert wurden.
Wildreben sind in Georgien noch stark verbreitet; hier ist die
Vitis vinifera sylvestris noch heute vertreten. Durch natürliche und künstliche Selektion sind aus ihnen über 500 autochthone Rebsorten entstanden. Es sind 38 Rebsorten für den Weinbau zugelassen. Dazu zählen die einheimischen
Aladasturi,
Aleksandrouli,
Kachichi,
Kharistvala Kolkhuri,
Kharistvala Meskhuri,
Krakhuna,
Mujuretuli,
Mtsvane,
Odzaleshi,
Orbeluri,
Rkatsiteli,
Saperavi,
Tsitska,
Tsolikouri und
Usakhelouri. Weit verbreitet ist auch die Hybride
Isabella. Internationale Sorten sind Aligoté, Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Feteasca Alba, Feteasca Regala, Malbec, Merlot und Pinot Noir. Eine bekannte
Rebschule gibt es in Sakar.
Unter dem windschützenden Einfluss des hoch aufragenden Kaukasus gibt es für den Weinbau geradezu ideale klimatische Verhältnisse. Das Land ist aber durch eine große Vielfalt an Böden und Klima-Voraussetzungen geprägt. Das Klima liegt zwischen gemäßigt und subtropisch. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt 300 bis 600 Millimeter im Osten und 1.000 bis 4.000 Millimeter im Westen. Von den fünf Weinbau-Regionen ist Kachetien im Südosten in den Tälern von Alazani und Iori die bedeutendste. Das Klima ist hier gemäßigt, die Temperatur liegt zwischen 38 bis 40 °C, der durchschnittliche Jahresniederschlag bei 400 bis 800 Millimeter. Es kommen Zimtbaumwälder und kalkhaltige Böden vor, teilweise auch Schwemmlandböden. Hier wachsen 70% der Trauben für Wein und Destillate. Kachetien wird in drei Anbaugebiete und über 25 Unterbereiche eingeteilt, das sind zum Beispiel Akhmeta, Kvarelo-Kindzmarauli, Manavi, Napareuli und Zinandali.
Die Region Kartli befindet sich in einem großem Gebiet im Kura-Tal und umschließt die Tiefländer Gori und Mukhran. Hier entstehen Weine europäischen Stils sowie die Grundweine für Schaumwein und Branntwein, die 15% der georgischen Produktion ausmachen. Hier ist es mäßig warm, die Sommer sind heiß und trocken. Auf Grund geringer Niederschläge (350 bis 500 mm im Jahres-Durchschnitt) muss eine künstliche
Bewässerung erfolgen. In dieser Region liegt auch die Hauptstadt Tiflis mit ihren riesigen Schaumwein-Kellereien und Destillerien. Die im Jahre 1897 gegründete älteste Kellerei in Tiflis verfügt über eine einzigartige Weinsammlung mit etwa 1.600 Weinen (rund 150.000 Flaschen), unter denen sich auch sehr alte ausländische Produkte befinden, zum Beispiel
Cognac von 1811,
Madeira und
Marsala von 1822,
Sherry von 1848 sowie
Tokajer von 1846. Die Region Imeretien liegt im östlichen Teil von West-Georgien in den Tälern und Schluchten der Flüsse Rioni, Kvirila und anderer. Die besondere Rebsorte dieser Region ist die weiße Tsitska. Die Region Rach-Lechkhumi, liegt nördlich von Imeretien an den Ufern der Flüsse Rioni und Tskhenistskali. Mäßige Niederschlags-Mengen (1000 bis 1300 mm im Jahr), Südlagen und eine Reihe von autochthonen Rebsorten erbringen Trauben mit einem Zuckergehalt von bis zu 30%. Der fünfte Bereich umfasst Abchasien, Adscharien, Guria und Megrelia, im feuchten subtropischen Klima werden vor allem Süßweine produziert.
Vielfach angewendet wird immer noch die uralte, seit vielen tausenden von Jahren praktizierte traditionelle Form der speziellen georgischen Weinherstellung, das so genannte Imeretische und
Kachetische Verfahren. Diese Weine mundeten dem berühmten Dichter Alexander S. Puschkin (1799-1837) besser als Burgunder. Neben Rot- und Weißweinen aus den einheimischen und europäischen Vinifera-Sorten werden große Mengen gespritete, süße Likörweine und Schaumweine erzeugt. Georgien gilt als bestes Rotweinland der ehemaligen UdSSR (siehe auch unter
Russland). Sehr bekannte Weine sind
Achascheni (rot),
Anaga (weiß),
Chwantschkara (rot),
Kachetinskoje (weiß),
Kardanachi (weiß),
Mukusani (rot),
Napareuli (rot, weiß),
Salchino (rot),
Teliani (rot) und
Tsinandali (weiß).