Der Weinbau in diesem
südamerikanischen Land wurde vermutlich durch die spanischen Conquistadores über
Peru oder
Mexiko eingeführt. Die ersten Rebstöcke pflanzte im Jahre 1551 Don Francisco de Aguirre in La Serena. Wenige Jahre später führte sein Schwiegersohn Juan Jufré Reben bei Santiago im Valle Central ein. Die ersten Rebsorten waren die aus Spanien stammenden Albilho, Moscatel,
País (Spielart der historischen
Mission) und
Torrontél. Es wurde billiger Massenwein erzeugt und nach Peru und Mexiko verschifft. Der englische Freibeuter Francis Drake (1540-1596) kaperte im Jahre 1578 ein Schiff, das 1.770 Weinschläuche von Chile nach Peru bringen sollte. Chile wurde zunehmend Konkurrent für europäische Weine. Deshalb verbot im Jahre 1620 das spanische Königshaus die Anpflanzung weiterer Reben, um den Weinhandel Spaniens mit Amerika zu schützen. Im Jahre 1830 errichtete die chilenische Regierung die landwirtschaftliche Versuchs-Station Quinta Normal. Der französische Naturforscher Claudio Gay (1800-1873) führte erstmals europäische Sorten ein, mit denen dort experimentiert wurde. 1850 gab es bereits 40.000 Rebstöcke 70 verschiedener Rebsorten.
Bertrand Silvestre Ochagavia Echazareta brachte 1851 erstmals edle Rebsorten aus dem Bordeaux mit, darunter waren Cabernet Sauvignon, Chardonnay und Merlot. Chile begann wieder, Wein zu exportieren und bei der Weltausstellung in Paris 1889 gab es sogar einen Grand Prix für einen chilenischen Wein. 1938 wurden von der Regierung
prohibitive Maßnahmen beschlossen. Das Anlegen neuer Weinberge wurde verboten, die Weinproduktion auf maximal 60 Liter pro Bürger beschränkt und die Steuern auf Wein zwecks Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs drastisch erhöht. Dies führte zu einer Stagnation des Weinbaus. Das Anpflanzungs-Verbot wurde erst 1974 wieder aufgehoben. Dadurch kam es zu einem großen Aufschwung im Weinbau, woran der berühmte spanische Weinmacher
Miguel Torres, der 1978 bei Curicó ein Weingut gründete, größten Anteil hatte. Dieser führte als erster in Chile Edelstahltanks und kleine Barrique-Fässer ein.
Ab dem Jahre 1985 wurden in großem Umfang neue Weinberge angelegt und europäische Sorten importiert. Zahlreiche Joint Ventures mit kalifornischen, französischen und deutschen Partnern erbrachten entscheidende Qualitäts-Verbesserungen. Die Rebflächen umfassten im Jahre 2007 insgesamt 196.400 Hektar. Die Keltertrauben machen aber nur rund 112.000 Hektar aus, von denen 8,227 Millionen Liter Wein gekeltert wurden. Der Rest dient für die Produktion von
Tafeltrauben und als Grundwein für den Branntwein
Pisco. Durch die besondere geographische Lage (westlich der Pazifik, östlich die schützenden Anden) konnte die
Reblaus dort nie Fuß fassen. Es wird vermutet, dass durch die traditionelle künstliche
Bewässerung (besonders im Norden, wo kaum Regen fällt) in Form einer Überflutung der Weingärten die wenigen Exemplare dieses Schädlings immer wieder vernichtet werden. Schon die Inkas hatten ein umfangreiches Netz von Kanälen angelegt, mit dem 1,2 Millionen Hektar Land bewässert wurden. Deshalb gibt es in Chile große Rebflächen mit unveredelten Rebstöcken. Die als Sauvignon Blanc oder Sauvigonasse bezeichnete Rebe ist
Sauvignon Vert oder Sauvignon Gris. Merlot und Carmenère werden häufig gemeinsam angebaut und deshalb früher oft verwechselt. Der Sortenspiegel (2007):
| Rebsorte (Synonyme) - Bemerkung |
Farbe |
Hektar |
%-Ant |
| Cabernet Sauvignon |
rot |
41.000 |
36,6 |
| País (Misión, Negra Corriente, Negra Peruana) |
rot |
15.000 |
13,4 |
| Merlot |
rot |
13.000 |
11,2 |
| Sauvignon Blanc = Sauvignon Vert oder Sauvignon Gris |
weiß |
7.800 |
7,0 |
| Chardonnay |
weiß |
7.700 |
6,9 |
| Carmenère |
rot |
6.400 |
5,7 |
| Muscat d’Alexandrie (Moscatel of Alexandria) |
weiß |
6.000 |
5,4 |
| Syrah |
rot |
2.750 |
2,5 |
| Moscatel Rosado (Moscatel Rosada) |
rot |
2.700 |
2,4 |
| Sémillon |
weiß |
1.700 |
1,5 |
| Pinot Noir |
rot |
1.400 |
1,3 |
| Cabernet Franc |
rot |
1.100 |
1,0 |
| Malbec (Côt) |
rot |
1.000 |
0,9 |
| Riesling |
weiß |
300 |
0,3 |
| Chenin Blanc |
weiß |
100 |
0,1 |
| GESAMT - ROTE SORTEN |
|
86.000 |
76 |
| GESAMT - WEISSE SORTEN |
|
26.000 |
24 |
Die Weingärten liegen vor allem am westlichen Fuß der Anden in hochgelegenen Flusstälern in 600 bis 1.000 Meter Seehöhe, der überwiegende Teil davon im Valle Central. Sie ziehen sich entlang der Gebirgskette als schmales Band in einer Länge von 1.300 Kilometern. Die
Weinlese beginnt ab Mitte Februar. Die Weinbauregionen sind gegliedert in Atacama und Coquimbo im Norden (wo eine künstliche
Bewässerung unumgänglich ist), dem südlich anschließenden Aconcagua mit Casablanca, dem Valle Central (Zentraltal) mit Curicó, Maipo, Maule und Rapel sowie im regenreichen Süden (chilenisch Sur) mit Bío-Bío und Itata. Im Süden herrscht die Sorte País vor, hier werden vor allem Landweine erzeugt. Als bestes Gebiet gilt Maipo, 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago. Es gibt nur knapp 100 Weingüter, allerdings mit zum Teil riesigen Ausmaßen. Ein Gut mit „nur“ 100 Hektar gilt als klein bzw. als Boutique-Winery. Einige davon haben erst in den 1990er-Jahren in großem Umfang neue Rebflächen angelegt, die noch nicht alle produktiv genutzt werden. Fast alle Weingüter kaufen zusätzlich Trauben zu. Bekannte Produzenten sind
Almaviva,
Canepa,
Carmen,
Carta Vieja,
Casa Lapostolle,
Concha y Toro,
Errázuriz (Caliterra, Arboleda),
Los Vascos,
Miguel Torres,
Montes,
San Pedro,
Santa Ines,
Santa Monica,
Santa Rita,
Tarapaca,
Terranoble,
Undurraga,
Valdivieso,
Veramonte und
Viu Manent.
Im Jahre 1995 ist ein neues (relativ einfaches und freizügiges) Weinrecht mit der Nummer 464 in Kraft getreten, das die Anbaugebiete für Trauben genau definiert. Kommt ein Wein aus einem dieser Gebiete, so kann er auf dem Flaschen-Etikett eine Denominación de Origen erhalten, die aber eher eine Ursprungs-Bezeichnung als ein Qualitäts-Nachweis ist. Die Qualitäts-Weine müssen zumindest 11,5% vol Alkoholgehalt aufweisen (Ausnahme mit erforderlicher Sondergenehmigung ist der Bereich Bío-Bío mit nur 10,5% vol). Ein
Anreichern des Mostes mit Zucker ist verboten, jedoch eine
Säuerung (Azidifikation) erlaubt. Am Etikett dürfen 12 weiße und 13 rote Sorten angeführt werden (nicht zum Beispiel die autochthone Sorte País) wenn der Wein aus zumindest 75% dieser Sorte gekeltert wird, dies muss aber nicht erfolgen. Diese 75% gelten auch für die Angabe eines Jahrganges. Der Rest dürfen auch Trauben außerhalb von Chile sein. Die auf den Etiketten enthaltenen und zahlreich verwendeten Bezeichnungen Reserva, Gran Reserva, Reserva Especial, Reserva Privada, Gran Vino, Selección und Superior können vollkommen beliebig verwendet werden und unterliegen keinerlei Vorschriften. Unter
Pisco (Fliegender Vogel) werden die chilenischen Branntweine aus der gleichnamigen Region aus der Zona Pisquera verstanden, die nach besonderen Bedingungen produziert werden müssen.