Bewertungsschema:
75-79: Ordentlich bis gut
80-84: Sehr gut
85-89: Ausgezeichnet
90-94: Hervorragend
95-99: Groß
100: Einzigartig
Dieses Bewertungssystem ist deutlich strenger als andere international verwendete 100-Punkte-Systeme. Weitere Infos
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Weingut des Monats
Drei der fünf besten trockenen Rieslinge des Jahrgangs im Rheingau stammen von Peter Jakob Kühn. Sein Schlehdorn thront über Allem, nicht nur bei Kühn, nicht nur im Rheingau. Er ist ein hochkomplexes, tiefgründiges Riesling-Monument, vollkommen trocken und ohne jegliche Schwere. Doch auch die edelsüßen Rieslinge sind von ausgesuchter Güte und markieren in ihren jeweiligen Prädikaten mit die Spitze des Jahrgangs in Deutschland.
Der Wagram, wo die Reben häufig auf mächtigen Lössterrassen stehen, ist Grüner-Veltliner-Land. Alle anderen Sorten spielen eher unbedeutende Rollen, wenngleich manche Produzenten auch aus Burgundersorten, Riesling oder Sauvignon ausgezeichnete Weine erzeugen. Neben dem Grünen Veltliner findet man hier auch den seltenen roten Veltliner, der zwar mit dem Grünen Namensvetter nicht verwand ist, sich hier aber ebenfalls sehr wohl fühlt. 2010 macht sich auch im Wagram mit einer oft recht knackigen Säure und manchmal auch ein wenig rustikal-vegetabilen Noten bemerkbar, aber fast alle von uns heuer probierten Weine sind gelungen und viele von ihnen angesichts der Qualität außerordentlich preiswert. Aus dem am gegenüberliegenden Ufer der Donau anschließenden Traisental, einer der ältesten Weinregionen Österreichs, erreichten uns heuer leider zu wenige Weine für ein aussagekräftiges Bild.
Nach den klassischen Weißweinen im Frühsommer probierten wir in den letzten Wochen hauptsächlich Lagenweine. Auch hier enttäuschten uns die ersten 2010er nicht. Doch in der Mehrzahl wurden uns bislang Weine der Jahrgänge 2009, 2008 und 2007 vorgestellt, die das Reifepotenzial der steirischen Sauvignons, Burgundersorten und Traminer unterstreichen. Die besten unter ihnen werden noch viele Jahre großes Vergnügen machen.
Das gilt übrigens auch für die Rotweine. Auch wenn die Steiermark eher für ihre Weißen bekannt ist, finden sich hier auch immer wieder ausgezeichnete Rote Tropfen. Besonders das Weingut Winkler-Hermaden leistet auf diesem Gebiet immer wieder Erstaunliches.
Den Weinen des Kremstals merkt man den schwierigen Jahrgang manchmal an einer etwas rustikalen Note an. Dennoch machen im Grunde alle vorgestellten Weine Trinklspaß, nur sollte man die einfacheren Exemplare eher jung trinken. Gleichwohl hat der Jahrgang auch im Kremstal einige erstklassige Tropfen hervorgebracht. Vor allem Martin Nigl und der Mantlerhof stechen wieder heraus, aber auch von Proidl, Sepp und Hermann Moser sowie dem Weingut Eder kommen höchst empfehlenswerte Weine.
Das Kamptal gehört zu den klaren Gewinnern des Jahrgangs in Österreich. Die oft ungeheuer animierenden, saftigen und lebendigen Weine lassen die Zweifel an der Qualität des als schwierig geltenden Jahrgangs schnell vergessen. Schon die Basisweine machen oft viel Freude, in der Spitze entstanden Weine, die bei aller Kraft oft regelrecht spielerisch wirken und schon heute betören, aber wohl auch lange Zeit harmonisch reifen können. Hier die Links zu den bislang verkosteten Weinen:
Mit gut 52000 Hektar Rebfläche gehört Österreich eher zu den kleinen Weinbauländern, was die Güte seiner Weine angeht aber zweifellos zu den Großen. In kaum einem anderen Weinbau treibenden Land der Welt ist die Qualitätsdichte derzeit so hoch wie bei unserem südöstlichen Nachbarn.
Begonnen hat die Qualitätsrevolution in Österreich Ende der 80er Jahre, als nach Aufdeckung des Glykolskandals der Exportmarkt für österreichischen Wein nahezu völlig zusammenbrach. Die Folgen davon waren eines der strengsten und am besten kontrollierten Weingesetze und nicht selten ein beschleunigter Generationswechsel in den Betrieben. Einer ehrgeizigen und oft gut ausgebildeten neuen Generation von Winzern gelang es ziemlich schnell, das Ruder herumzureißen. Die stark verbesserte Qualität wurde zuerst in Österreich selbst registriert, wo bis heute drei Viertel aller im Land produzierten Weine getrunken wird. Doch auch der Export legte in den Folgejahren wieder erheblich zu - und hat sich seit Ende der 80er Jahre vervielfacht.
International die größte Aufmerksamkeit erfahren bislang zweifellos die trockenen Weißweine aus Grünem Veltliner und Riesling aus den niederösterreichischen Weinbaugebieten sowie Sauvignon aus der Steiermark, doch auch Burgundersorten oder aromatische Varietäten wie Gewürztraminer und Muskateller verdienen jede Aufmerksamkeit.
Die bemerkenswertesten Fortschritte machten in den letzten Jahren allerdings die Rotweine. Aus den typisch österreichischen Sorten Blaufränkisch und Zweigelt, aber auch aus international verbreiteten Sorten entstehen heute vor allem im Burgenland und im Carnuntum beeindruckende Tropfen, die Spitzenweinen aus erheblich berühmteren Anbaugebieten in nichts nachstehen.
Die wichtigste aktuelle Entwicklung im österreichischen Weinbau ist die Einführung bestimmter Herkunftsbezeichnungen für Weine mit klar definiertem Charakter aus bestimmten Regionen. Den Anfang machte im Jahr 2002 das Weinviertel mit der gleichnamigen DAC ("Districtus Austriae Controllatus") für die Sorte Veltliner. Es folgten die Herkunftsbezeichnungen Mittelburgenland DAC (für Blaufränkisch), Traisental DAC, Kremstal DAC und Kamptal DAC (jeweils für Grünen Veltliner und Riesling). Zuletzt kam die DAC Leithaberg hinzu, die als einzige für rote und weiße Cuvées stehen darf - mit den Sorten Grüner Veltliner, Weißburgunder, Chardonnay, Neuburger und Blaufränkisch, wobei den Rotweinen auch bis zu 15% der Sorten Zweigelt, Blauburgunder und Sankt Laurent beigemischt werden dürfen.
Insgesamt verfügt Österreich über die 4 übergeordneten Weinbaugebiete Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Wien mit zusammen 16 Unterzonen. Wein-Plus wird im Rahmen des Schwerpunktthemas nacheinander sämtliche Regionen gesondert vorstellen.
Auch wenn in den letzten beiden Jahrzehnten an guten und exzellenten Jahrgängen kein Mangel herrschte, erhielt wohl kaum einer dieser Jahrgänge so viele Vorschusslorbeeren wie 2009. Die Gründe dafür waren vor allem ein recht homogener Witterungsverlauf im Sommer und ein geradezu idealer Herbst, der den meisten Produzenten in Deutschland perfekte Lesebedingungen bescherte. Von einer völlig entspannten Lese war die Rede, oft auch von einer für die meisten Winzergenerationen, die in den Betrieben heute die Verantwortung tragen, noch nie gesehenen Traubenqualität. Die Erwartungen an die Spitzenweine der deutschen Winzerelite waren entsprechend hoch. Tatsächlich produzierten einige VDP-Winzer heuer womöglich die besten Weine ihrer Laufbahn. Noch nie war die Spitze der Weine mit Wertungen von deutlich über 90 Punkten zudem so breit und auf die Erzeugnisse so vieler verschiedener Erzeuger verteilt. Doch auch die eine oder andere Enttäuschung blieb nicht aus. Wie schon in der Vergangenheit mussten wir auch dieses Jahr feststellen, dass gerade die nominell besten Jahrgänge manchen Erzeugern offenbar ungewohnte Probleme bereiten.
Die Angst vor zu hohen Alkoholgraden, wie sie im Vorfeld oft geäußert wurde, scheint dagegen in den meisten Fällen unbegründet. Im Gegenteil: unter den besten Tropfen finden sich viele mit ausgesprochen moderaten Alkoholgraden. Dicke Brummer mit deutlich mehr als 13% sind zumindest unter den Rieslingen selten. Um so mehr wundern wir uns jedoch, warum so viele Produzenten bei den Großen Gewächsen offenbar nicht auf den merklichen Restzucker verzichten wollen, der die Weine oft deutlich banaler wirken lässt, als sie eigentlich sind und ihre Eignung als Speisenbegleiter darüberhinaus erheblich einschränkt.
Wie immer probierten wir sämtliche Weine blind in unserem Verkostungsraum in Erlangen. Jeder Wein wurde von uns mindestens zwei Mal verkostet, nicht wenige standen über viele Tage immer wieder in der Probe. Diese Praxis erwies sich auch heuer wieder als notwendig: so mancher Wein zeigte erst nach einigen Tagen an der Luft, was wirklich in ihm steckt. Die bislang verkosteten Weine sind ab sofort online. Noch fehlen eine ganze Reihe von Weinen aus Ersten Lagen, da viele Produzenten heuer erst ziemlich spät abfüllten und deshalb ihre Proben erst in den nächsten Wochen nachreichen. Die Listen werden daher laufend aktualisiert. Ein ausführlicher Verkostungsbericht erscheint in wenigen Tagen im Magazin.
Interessante autochtone Rebsorten, Weinbergslagen, die zum Teil zu den höchstgelegenen Europas gehören sowie eine engagierte, vorwiegend jüngere Winzerszene, das sind aus Sicht des Weinliebhabers die hervorstechenden Merkmale der geteilten Insel im äußersten Osten des Mittelmeeres. In Westeuropa ist Zypern als bedeutendes Weinbauland eher unbekannt - dabei verfügt es über eine Jahrhunderte alte Weinbautradition und mit dem Commandaria über einen beinahe legendär zu nennenden Dessertwein. Auch heute noch sind die Süßweine oft von beachtlicher Qualität, doch inzwischen haben die trockenen Versionen gleichgezogen. Freilich bleiben auch auf Zypern moderne oenologische Methoden, internationale Rebsorten und ebensolche Geschmacksrichtungen nicht außen vor, doch erfrischend viele Produzenten besinnen sich auf ihre Wurzeln und produzieren völlig eigenständige, charaktervolle Gewächse. Für nicht wenige von ihnen ist auch neues Holz nach wie vor verpönt.
Der Jahrgang 2008 war für das Konzept der Ersten Lage so etwas wie eine Bewährungsprobe. Vor allem bei den trockenen Großen Gewächsen und - im Rheingau - Ersten Gewächsen gab es in den vergangenen Jahren immer erhebliche Qualitätsunterschiede. Noch 2006 verdiente allenfalls ein Drittel aller vorgestellten Weine die Adelung zum klassifizierten Gewächs. Der Jahrgang 2007 kehrte dieses Bild dann allerdings um und bot ein wesentlich homogeneres Bild bei insgesamt deutlich höheren Qualitäten in Spitze und Breite; lediglich das untere Drittel entsprach nicht den Anforderungen, die man an diese Kategorie stellen sollte. Doch 2007 bereitete den Produzenten auch erheblich weniger Schwierigkeiten als das von Fäulnis geprägte Vorjahr. Wie also würden die Weine ausfallen, wenn die Bedingungen wieder komplizierter wären? Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: 2008 war zwar kein Fäulnisjahrgang wie 2006, aber die Reife verzögerte sich vielerorts erheblich, und nur wer die Lese möglichst spät ansetzte und streng vorselektierte, konnte auf überzeugende Resultate hoffen. Im Ergebnis erweist sich 2008 als der Jahrgang der positiven Überraschungen. Zwar ist die absolute Spitze nicht ganz so breit, wie noch 2007, aber dafür ist die Zahl der ungenügenden Weine noch einmal gesunken. Einige Betriebe, die in der Vergangenheit eher unter ihren Möglichkeiten arbeiteten, brachten hervorragende Weine auf die Flasche. Auch stilistisch geht der Jahrgang einen eigenen Weg: die verspätete Reife und die gute Wasserversorgung ergaben ungemein ausdrucksstarke, mineralische und herkunftstypische, gleichzeitig aber für diese Kategorie ungewohnt elegante und animierende Gewächse bei oft erfreulich niedrigen Alkoholgehalten.
Wir haben alle angestellten Ersten Lagen mindestens zwei Mal in unserem Verkostungsraum in Erlangen probiert und bewertet. Einen ausführlichen Kommentar von Marcus Hofschuster und die Links zu allen verkosteten Weinen finden sie im Magazin.
Noch viel zu oft hat der Weinfreund lediglich Retsina im Kopf, wenn es um griechischen Weißwein geht. Dabei hat das Land viel mehr zu bieten. Santorin ist ein Aushängeschild für die Qualitätsrevolution der letzten Jahre in Griechenland. Vor allem aus Assyrtiko entstehen hier einerseits knochentrockene, dabei ausdrucksstarke und oft überraschend entwicklungsfähige Weißweine, die sich perfekt mit vielen Gerichten der mediterranen Küche verbinden lassen. Andererseits kommt von hier aber mit dem Vinsanto auch einer der besten Dessertweine des ganzen Mittelmeerraums. Manfred Wirbals war für Wein-Plus vor Ort.
Auch wenn sich der Name dieser geschichtsträchtigen Region von "extremos del Duero" (jenseits des Duero) ableitet, sind die Assoziationen, die man automatisch mit dem Namen Extremadura verbindet, keineswegs falsch: es ist ein Land der Extreme. Vor allem das heiße und trockene Klima macht es den Winzern schwer - und es lässt den Weinfreund vor dem ersten Kontakt mit den Weinen wohl überwiegend schwere, überreife, entweder spröde oder plumpe Tropfen erwarten. Um so überraschter waren wir, als wir die Weine der gerade einmal zehn Jahre alten DO Ribera del Guadiana probierten: die Weißen waren in der Regel frisch und süffig; unter den Roten fanden sich überraschend viele elegante Exemplare mit bisweilen eher moderatem Alkohol. Neumodisch-schokoladige, eichenholzbetonte oder schwere Rote waren deutlich in der Minderheit. Mancher Wein erinnerte uns an im positiven Sinne altmodischen Rioja, andere verfügten über eine völlig eigenständige Persönlichkeit. Sicherlich ist die positive Entwicklung hier noch lange nicht zu Ende, doch schon heute lohnt es, sich näher mit dieser bei uns fast vergessenen Weinregion näher zu beschäftigen. Wein-Plus-Autor Manfred Wirbals war vor Ort und kam mit tiefen Einblicken in eine faszinierende Landschaft, seine Geschichte und seine Weine wieder.
Südwestfrankreich als zusammenhängendes Weinbaugebiet zu betrachten ist schwierig. Zu vielfältig sind die einzelnen Regionen, die Böden, die Traditionen, Weinstile und Rebsorten, von denen viele außerhalb des Gebietes kaum bekannt sind. Um so spannender und abwechslungsreicher ist jedoch die Beschäftigung mit Frankreichs Südwesten. Die Geschichte des Weinbaus zwischen Bordelais und Pyrenäen ist lang und ruhmreich, auch wenn der einst legendäre Ruf vieler Weine heute verblasst ist. Dabei hat sich viel getan in den letzten 20 Jahren und so mancher Wein lässt heute wieder erkennen, warum man seinen Namen vor dem Bordeaux-Boom mit Hochachtung im Mund führte. Höchste Zeit also, sich mit dieser fast vergessenen Region wieder intensiver zu beschäftigen. Zum ausführlichen Magazinartikel.
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