Santo Wines.
Seit die deutschen Weinfreunde den Riesling neu entdeckt haben, neigt so mancher von ihnen dazu, andere weiße Sorten nur mehr milde zu belächeln. Dabei gibt es mehr als genug zu entdecken in der Weinwelt. Wo die meisten Weinliebhaber weiße Spitzengewächse wohl kaum vermuten würden, is...t Griechenland. Dabei hat diese uralte Weinheimat mehrere höchst interessante weiße Sorten zu bieten, allen voran die Assyrtiko, die allein oder mit anderen autochtonen Sorten wie Aidani oder Athiri verschnitten hochinteressante, feine und komplexe Weine ergeben kann. Einige der besten Weißweine Griechenlands kommen von der Genossenschaft Santo Wines aus Santorin. Die Genossen beherrschen den lebhaften, frischen Stil ebenso, wie den Holzausbau oder den großen Dessertwein. Sowohl der süße "Vinsanto", als auch die trockene Assyrtiko Reserve sind absolut erstklassig - und der geschliffene, knochentrockene "Nykteri" ist als Begleiter zur mediterranen Küche erheblich vielseitiger einsetzbar als jeder Riesling.
Weingut R & A Pfaffl. Schon seit Jahren zählt Roman Pfaffl zu den Spitzenwinzern Österreichs. Die ebenfalls schon über Jahre kontinuierliche, bedeutende Vergrößerung
des Weingutes ist hier nicht Hemmung, sondern scheint im Gegenteil zu beflügeln. Der Generationenwechsel stellt a...nscheinend auch kein Problem
dar, ebenso so nicht die engagierte Arbeit von Roman Pfaffl für die gesamte Region Weinviertel. Anders kann das nicht sein, wenn man die praktisch perfekte Serie des eher schwierigen Jahrgangs 2008 als Maßstab nimmt. Schon die sogenannten einfacheren Weine sind sehr gut, die Lagen bilden ohnehin eine Klasse für sich, unverwechselbar in Terroir und Handschrift. Auch heuer wieder ist das Weingut Pfaffl ein großes, unverwechselbares und authentisches Aushängeschild des Weinviertels - und ganz Österreichs.
Weingut Robert Weil.
2008 ist bei Weil eine überragende Serie süßer und edelsüßer Rieslinge
entstanden, die dem legendären Ruf dieses Weinguts mehr als gerecht wird. Doch nicht nur die süßen Weine sind erstklassig, auch die trockenen Lagenweine überzeugen. Das Erste Gewächs könnte sich als bester trockener Riesling erweisen, der in diesem Gut bislang entstanden ist. Schon heute gehört er zu den großen Weinen des Jahrgangs in ganz Deutschland. Seine Entwicklung allein in den zwei Monaten zwischen der ersten und der zweiten Verkostung könnte allerdings darauf hindeuten, dass hier das letzte Wort noch gar nicht gesprochen ist. Eine Weltklasse-Kollektion!
Weingut Kühling-Gillot.
In nur wenigen Jahren wandelte sich das Weingut Kühling-Gillot unter der Regie von Carolin Spanier-Gillot und Oliver Spanier von einem guten Betrieb, der vor allem für seine charaktervollen Rotweine bekannt war, zu einem der absoluten Spitzenerzeuger der Region. Die Basisweine der Quinterra-Linie sind heute von höchst zuverlässiger Güte und die Spätburgunder gehören nach wie vor zu den Vorzeigeweinen Rheinhessens. In einer ganz anderen Liga sind allerdings die Rieslinge aus den großen Lagen des Roten Hangs zu Hause. Lange Zeit gab es vor allem auf der Niersteiner Seite keinen Betrieb mehr, der das Potenzial der Weinberge wirklich ausschöpfte. Dank Kühling-Gillot entstehen an der Rheinfront wieder regelmäßig einige der größten und dazu eigenständigsten trockenen Rieslinge in Deutschland.
Eines der wenigen unverrückbaren Monumente in dieser Kategorie ist Philipp Wittmanns Morstein. Kaum ein anderer Riesling verbindet Kraft und fast überbordende Saftigkeit mit solchem Ernst und Tiefgang. Man kann ihn auch blind kaum verwechseln; er bleibt Jahr für Jahr nicht nur seinem Charakter treu, er gehört auch immer zu den größten trockenen Rieslingen überhaupt. So steht er auch heuer an der Spitze der Großen Gewächse in Deutschland. Wer wissen will, was Riesling kann, kommt an diesem Wein nicht vorbei.
Im direkten Vergleich mit den besten Weinen aus Burgund hatten die meisten deutschen Spätburgunder die längste Zeit ein wesentliches Defizit: Finesse. Ausnahmen gab es schon immer, aber eine solche Verbindung aus Kraft, Tiefe und Feinheit, wie sie der 2007er Hecklinger Schlossberg von Bernhard Huber nun demonstriert, hat man in Deutschland seit der Rotwein-Renaissance ab Mitte der 80er Jahre noch sehr selten erlebt.
Man sagt dem Weißburgunder nach, dass er die Komplexität der besten Chardonnays nicht erreichen kann - und das stimmt wohl weitgehend auch. Dennoch entstehen in Deutschland, aber auch in Südtirol und Österreich viele anspruchsvolle, bisweilen begeisternde Weine aus dieser Sorte. Dabei reüssiert der Weißburgunder sowohl in der leichten, trinkigen Version (hier tut sich Chardonnay erheblich schwerer), als auch in der kraftvollen, schmelzigen Variante. Wolf und Konrad Salweys 2008er Großes Gewächs vom Oberrotweiler Kirschberg ist in jeder Hinsicht ein Ausnahmewein: mächtig, aber auch straff und ungemein vielschichtig, so herkunftstypisch, wie er nur sein kann, aber doch auch völlig eigenständig. Jung beeindruckend, aber wirklich trinkreif wohl erst in einigen Jahren.
Da hilft alles nichts: wenn es um weiße Burgundersorten geht, ist - zumindest in Deutschland - das südliche Baden nach wie vor weitgehend das Maß der Dinge. Hier wird auf Kindergetränk-Süße ebenso verzichtet, wie auf aufgesetzte Fruchtigkeit. Die Weine sind in Bestform tief, vielschichtig, in ihrer Art ernst und nobel. Im Gegensatz zum Weißburgunder, der auch in schlanken Versionen erstaunlich gut sein kann, spielt der Grauburgunder sein ganzes Können erst bei den kräftigeren Weinen aus. Dabei ist es eine Kunst, ihn bei aller Kraft nicht zu schwer oder gar plump werden zu lassen. Ein Paradewein dieser Sorte - und einer der größten Grauburgunder, die wir überhaupt je probiert haben - ist das Große Gewächs aus dem Achkarrer Schlossberg von Joachim Heger. Fester Bau, große Tiefe sowie ein eindeutiger Herkunfts- und Sortencharakter zeichnen den Wein ebenso aus, wie der sehr behutsame Holzeinsatz und seine ungemein kultiviert wirkende Kraft. Ein Meisterstück, das noch nicht am Ende seiner Möglichkeiten sein dürfte.
Dass Griechenland in Sachen Wein weit mehr zu bieten hat, als das, was man zumeist in hiesigen griechischen Restaurants vorgesetzt bekommt, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Wie groß die Möglichkeiten dieses uralten Weinlandes sind, deutet sich erst seit Kurzem so richtig an. Die trockene Assyrtiko Reserve von Santo Wines ist wohl nur ein Vorbote für das, was wir in nächster Zeit aus Griechenland erwarten dürfen. Doch auch bei den Rotweinen wurden hier in der letzten Zeit gewaltige Fortschritte gemacht. Dabei bleiben selbst die Spitzenweine preislich oft noch recht bescheiden. Ein Weinland für Entdecker! Bleibt zu hoffen, dass sich auch die griechischen Gastronomen der Schätze aus dem eigenen Land bewusst werden.
Es herrscht im Grunde weitgehender Konsens darüber, dass jene klassischen Rotweine aus dem Oltrepo Pavese, die auf Croatina-Basis mit etwas Kohlensäure und oft auch leichter Restsüße ausgebaut werden, eher jung zu trinken seien und relativ schlecht altern. Der Barbacarlo des gleichnamigen Weinguts von Giuseppe Maga straft diese Annahme Lügen. Wir probierten die Weine aus vielen Jahrgängen bis zurück ins Jahr 1983 und waren erstaunt über die Frische und Lebendigkeit, die selbst die ältesten Weine noch vorweisen können. Und das warten lohnt sich: nach 15, 20 oder mehr Jahren Reife besitzt ein Barbacarlo einen Charme, eine Komplexität und eine souveräne innere Ruhe, die man sonst fast nur bei erheblich berühmteren Crus der Weinwelt erwartet.
Interessante autochtone Rebsorten, Weinbergslagen, die zum Teil zu den höchstgelegenen Europas gehören sowie eine engagierte, vorwiegend jüngere Winzerszene, das sind aus Sicht des Weinliebhabers die hervorstechenden Merkmale der geteilten Insel im äußersten Osten des Mittelmeeres. In Westeuropa ist Zypern als bedeutendes Weinbauland eher unbekannt - dabei verfügt es über eine Jahrhunderte alte Weinbautradition und mit dem Commandaria über einen beinahe legendär zu nennenden Dessertwein. Auch heute noch sind die Süßweine oft von beachtlicher Qualität, doch inzwischen haben die trockenen Versionen gleichgezogen. Freilich bleiben auch auf Zypern moderne oenologische Methoden, internationale Rebsorten und ebensolche Geschmacksrichtungen nicht außen vor, doch erfrischend viele Produzenten besinnen sich auf ihre Wurzeln und produzieren völlig eigenständige, charaktervolle Gewächse. Für nicht wenige von ihnen ist auch neues Holz nach wie vor verpönt.
Der Jahrgang 2008 war für das Konzept der Ersten Lage so etwas wie eine Bewährungsprobe. Vor allem bei den trockenen Großen Gewächsen und - im Rheingau - Ersten Gewächsen gab es in den vergangenen Jahren immer erhebliche Qualitätsunterschiede. Noch 2006 verdiente allenfalls ein Drittel aller vorgestellten Weine die Adelung zum klassifizierten Gewächs. Der Jahrgang 2007 kehrte dieses Bild dann allerdings um und bot ein wesentlich homogeneres Bild bei insgesamt deutlich höheren Qualitäten in Spitze und Breite; lediglich das untere Drittel entsprach nicht den Anforderungen, die man an diese Kategorie stellen sollte. Doch 2007 bereitete den Produzenten auch erheblich weniger Schwierigkeiten als das von Fäulnis geprägte Vorjahr. Wie also würden die Weine ausfallen, wenn die Bedingungen wieder komplizierter wären? Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: 2008 war zwar kein Fäulnisjahrgang wie 2006, aber die Reife verzögerte sich vielerorts erheblich, und nur wer die Lese möglichst spät ansetzte und streng vorselektierte, konnte auf überzeugende Resultate hoffen. Im Ergebnis erweist sich 2008 als der Jahrgang der positiven Überraschungen. Zwar ist die absolute Spitze nicht ganz so breit, wie noch 2007, aber dafür ist die Zahl der ungenügenden Weine noch einmal gesunken. Einige Betriebe, die in der Vergangenheit eher unter ihren Möglichkeiten arbeiteten, brachten hervorragende Weine auf die Flasche. Auch stilistisch geht der Jahrgang einen eigenen Weg: die verspätete Reife und die gute Wasserversorgung ergaben ungemein ausdrucksstarke, mineralische und herkunftstypische, gleichzeitig aber für diese Kategorie ungewohnt elegante und animierende Gewächse bei oft erfreulich niedrigen Alkoholgehalten.
Wir haben alle angestellten Ersten Lagen mindestens zwei Mal in unserem Verkostungsraum in Erlangen probiert und bewertet. Einen ausführlichen Kommentar von Marcus Hofschuster und die Links zu allen verkosteten Weinen finden sie im Magazin.
Noch viel zu oft hat der Weinfreund lediglich Retsina im Kopf, wenn es um griechischen Weißwein geht. Dabei hat das Land viel mehr zu bieten. Santorin ist ein Aushängeschild für die Qualitätsrevolution der letzten Jahre in Griechenland. Vor allem aus Assyrtiko entstehen hier einerseits knochentrockene, dabei ausdrucksstarke und oft überraschend entwicklungsfähige Weißweine, die sich perfekt mit vielen Gerichten der mediterranen Küche verbinden lassen. Andererseits kommt von hier aber mit dem Vinsanto auch einer der besten Dessertweine des ganzen Mittelmeerraums. Manfred Wirbals war für Wein-Plus vor Ort.
Auch wenn sich der Name dieser geschichtsträchtigen Region von "extremos del Duero" (jenseits des Duero) ableitet, sind die Assoziationen, die man automatisch mit dem Namen Extremadura verbindet, keineswegs falsch: es ist ein Land der Extreme. Vor allem das heiße und trockene Klima macht es den Winzern schwer - und es lässt den Weinfreund vor dem ersten Kontakt mit den Weinen wohl überwiegend schwere, überreife, entweder spröde oder plumpe Tropfen erwarten. Um so überraschter waren wir, als wir die Weine der gerade einmal zehn Jahre alten DO Ribera del Guadiana probierten: die Weißen waren in der Regel frisch und süffig; unter den Roten fanden sich überraschend viele elegante Exemplare mit bisweilen eher moderatem Alkohol. Neumodisch-schokoladige, eichenholzbetonte oder schwere Rote waren deutlich in der Minderheit. Mancher Wein erinnerte uns an im positiven Sinne altmodischen Rioja, andere verfügten über eine völlig eigenständige Persönlichkeit. Sicherlich ist die positive Entwicklung hier noch lange nicht zu Ende, doch schon heute lohnt es, sich näher mit dieser bei uns fast vergessenen Weinregion näher zu beschäftigen. Wein-Plus-Autor Manfred Wirbals war vor Ort und kam mit tiefen Einblicken in eine faszinierende Landschaft, seine Geschichte und seine Weine wieder.
Südwestfrankreich als zusammenhängendes Weinbaugebiet zu betrachten ist schwierig. Zu vielfältig sind die einzelnen Regionen, die Böden, die Traditionen, Weinstile und Rebsorten, von denen viele außerhalb des Gebietes kaum bekannt sind. Um so spannender und abwechslungsreicher ist jedoch die Beschäftigung mit Frankreichs Südwesten. Die Geschichte des Weinbaus zwischen Bordelais und Pyrenäen ist lang und ruhmreich, auch wenn der einst legendäre Ruf vieler Weine heute verblasst ist. Dabei hat sich viel getan in den letzten 20 Jahren und so mancher Wein lässt heute wieder erkennen, warum man seinen Namen vor dem Bordeaux-Boom mit Hochachtung im Mund führte. Höchste Zeit also, sich mit dieser fast vergessenen Region wieder intensiver zu beschäftigen. Zum ausführlichen Magazinartikel.
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