| Datum: 2012-01-11 11:49:12 |
| Absender: Peter Züllig |
Betreff: Getrunken - Iris Rutz-Rudel: Clos du Cure 2001 |
Iris Rutz-Rudel: Clos du Curé 2001, Lisson, Olargues, Languedoc Endlich wieder am Meer! Nach dem Weihnachtsrummel rund um die Santons-Krippe, dem Aufbau der Krippen-Landschaft (vier Wochen), den vielen Gästen und Besuchern (vier Wochen), den Tagen der Erfüllung (Festtagswoche) und dem Warten auf den nächsten Stress, jenen des Krippenabbaus und dem Verpacken in fünfzig Bordeaux-Kisten (drei Wochen) jetzt ein paar Ruhetage im Süden. Der beste meiner Languedoc-Weine muss auf den Tisch. Mein Entscheid ist eindeutig: ein "Clos du Curé" von Iris, immerhin gut zehn Jahre alt und jetzt wunderbar "reif". Das Weingut der ausgewanderten Düsseldorferin habe ich im vergangenen Mai besucht und dazu eine Kolumne verfasst. Was ich damals geschrieben habe, finde ich es jetzt wieder im Wein? Ich schrieb zum Beispiel: "Spezielle Weine entstehen nicht im geschützten Raum, so quasi in der Quarantäne. Sie entstehen vor allem in der Natur mit Geburtshelferinnen wie Iris Rutz-Rudel, die etwas Unverwechselbares, nämlich "vins sauvages" zu keltern weiss." Ein Aspekt des Weingenusses tritt meist in den Hintergrund, geht vergessen: die Erinnerung. Das, was dem Wein auch innewohnt: der Rebberg, die Lage, die Menschen, die ihn pflegen, das Wetter, die Natur, ja sogar die Aussicht, die Erde, die Gerüche. Nicht zu vergessen: der Gestaltungswille der WinzerInnen. Weine, die in der Natur eingebettet sind - und nicht den Hauch des HighTech-Kellers tragen - erringen vielleicht weniger Weinkritiker-Punkte - sind aber oft viel höher einzuschätzen, als so manche Palmarès. Dieser Wein, den ich jetzt im Glas habe, stammt aus dem Rebberg "des Pfarrers" (Clos du Curé), dem einstigen Abbé von Olargues. Ein Weinberg, der längst verlassen wurde und dann verwilderte. Wenn dort jetzt wieder Reben wachsen und zu einen ausgezeichneten, sehr persönlichen - ja einmaligen - Wein verarbeitet werden, dann steckt dahinter nicht in erster Linier Wissen und Technik (beide sind vorhanden, aber auf das Nötigste reduziert), sondern Liebe. Liebe zum Wein, zur Natur, zur Landschaft, zu den Menschen in dieser Landschaft. Weil ich all dies bei jedem Schluck spüre und die Erinnerung sich immer lebendiger, schmuckvoller gestaltet, bin ich in den Blog von Iris eingestiegen (Tagebuch einer Winzerin) und habe da - welch herrliche Ergänzung - ein wunderschönes Essay über Weihnachten in Frankreich gefunden, in welchem selbst die Santons (siehe Beginn meiner kurzen Weinbetrachtung) zu Tisch gebeten werden. Hier der Link: weingut-lisson.over-blog.com/article-das-zweite-adzventz-turchen-fur -hundertachtziggrad-90954795.html All das, was in Worten beschrieben wird, finde ich wieder, im Wein aus dem abgelegenen Weingut von Lisson: noch weit ausgeprägter, noch pointierter, mit viel Satz (beim Wein Depot genannt), der letztlich ein Teil der Aromen aufgenommen und über zehn Jahre erhalten hat. Und in meiner Phantasie steht eine reichhaltige südfranzösische Weihnachts- oder Neujahrstafel vor mir. Da verwandelt sich mein Baguette mit dem Roquefort Sociéte auf einem Schlag zum Festmenue. So sehr kann guter, individueller Wein auch die Phantasie beflügeln, so dass ich jetzt ganz, ganz satt bin. Meine Visitenkarte Online: www.wein-plus.de/karte/zuelligpe Dieser Beitrag wurde mit dem webbasierten Zugang zum Forum erstellt: www.wein-plus.de/forum/ -- |
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