| Datum: 2006-02-23 21:03:36 |
| Absender: Olivier Schnurr |
Betreff: Re: Riesling aus Uebersee |
Hallo Werner. >seit einigen Tagen geistert das Thema "Riesling aus Übersee" durch >meine Gehirnwindungen. Na, *welch* ein Zufall aber auch. >Frage: Welche Rieslinge aus Neuseeland, den U.S.A. etc. würdet Ihr >in eine einigermaßen repräsentative Verkostung stellen? Das haengt davon ab, was der Probe Ziel sein soll. Da du kaum die jeweiligen Regionen gut genug kennst, um Terroirweine zu identifizieren, lohnt sich allzu scharfes Nachdenken nicht. Nimm einfach, was es gibt. Meine Unterlagen sind bereits eingepackt, aber aus dem Kopf: Australien: Die Standards kommen aus Suedaustralien: Clare Valley, Eden Valley, Barossa Valley (*nicht* Barossa ganz kurz), Adelaide Hills, ganz wenig Coonawarra: Brian Croser (Petaluma) und Jeffrey Grosset (Grosset) sind ohne Zweifel die Ikonen australischer Rieslingkultur (die dort seit 1820 gepflegt wird). Allerdings brauchen deren Weine allesamt einige Jahre auf Flasche, um richtig aufzudrehen, 5 bis 7, manchmal 10 bis 15 Jahre. In der Jugend sind sie unglaublich scheu und sehr enttaeuschend, wenn man sie nicht einordnen kann, denn die kosten richtig Asche. So ging es mir jedenfalls. Weine anderer Erzeuger rangieren, je nach Jahrgang und Wein, zwar hinter den beiden, aber immer noch sehr, sehr gut - und zwar bereits jung, auch wenn sie ebenfalls von einigen Jahren auf der Flasche profitieren. 89 bis 93 Punkte sind locker drin, auch fuer "kleine" Weine. Als Kaliber: Grant Burge Eden Valley, Penfolds Barossa Riesling usw. sind ganz OK (88/89P, diese Ecke). Weiterhin gelegentlich (gute Jahrgaenge) interessant: Margaret River (Leeuwin, Howard Park; uebrigens in *West*australien, ganz OK), Canberra (Brindabella Hills; teils extrem gut), uvwm. Dumm nur, dass in Oz Rieslinge unter 12 AUD kaum zu haben sind, weil die (ehemals meistangebaute, weisse) Rebsorte sehr stark von Chardonnay verdraengt wurde. Das bringt ihnen einen nicht unerheblichen Kostennachteil in der - wenn auch sehr, sehr starken - Mittelklasse. Achso: nur trockene Rieslinge. Die Rest- oder Edelsuessen sind bestenfalls OK, aber immer zu teuer. Und: Trockene Aussies sind *wirklich* trocken. Wachauer sind suesse Ploerre dagegen. ;-) USA: Five Finger Lakes (NY), dort gibt es eine halbe Handvoll sauteurer Erzeuger mit angeblich ganz brauchbaren Weinen. Der lokale Absatz treibt den Preis. Ich werde das Gefuehl nicht los, dass mit aller Gewalt halbtrockene Moselweine imitiert werden sollen... warum nur, warum... Kanada: Vom weltgroessten Eisweinerzeuger natuerlich Eisweine aus Ontario (Niagara Penn.): Konzelmann (sic), Iniskillin, Pillitteri. Sehr teuer, aber nur selten wirklich ueberragend (Pillitteri hat letztens gut abgeraeumt). Die trockenen, oft jedoch (aaargh, schon wieder) halbtrockenen Rieslinge rangieren von furcht- bis trinkbar; ich hatte noch nie etwas Preiswertes im Glas, habe dann aber auch abreissen lassen, weil's zu sehr ins Geld geht (importierte Aussies sind um Laengen besser und billiger). Neuseeland: Es scheint, Riesling kommt nicht so richtig in die Poette dort. Zu Recht, denn die Konkurrenz aus Australien ist riesig und extrem stark, und Pinot Gris und Gewuerztraminer binden die Faszination der Kiwis. Es gibt einige brauchbare (teilweise halbtrockene) Versionen grosser Erzeuger wie Montana usw., aber nichts, das man kennen muesste. Chile: nothing to write home about. Viel besser: Sauvignons Blancs als Torpedo gegen teure Neuseelaender. Ui! Suedafrika: Mir nichts Dramatisches bekannt. > Wo kann man diese Weine evtl. bekommen? In jedem gut sortierten Weinladen, der in Deutschland keine Umsaetze erzielen muss - es ist so gut wie aussichtslos. :-( Versuch fuer die Aussies einmal mailorder bei einschlaegigen britischen Internethaendlern. Und sag bescheid, ob's geklappt hat. Kanadier kann ich vielleicht organisieren. Cheers, Ollie Dieser Beitrag wurde mit dem webbasierten Zugang zum Forum erstellt: www.wein-plus.de/forum/ -- |
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