| Datum: 2006-02-22 22:42:49 |
| Absender: Olivier Schnurr |
Betreff: Nochmal: Valpolicella/Ripasso |
Mahlzeit zusammen, zwar koinzident, aber voellig unanlaesslich der neulichen Debatte ueber die Brauch- und Trinkbarkeit von Valpolicelli & Co. (und insbesondere der aufgesexten Ripasso-Varianten) habe ich in der letzten Woche dreimal das Vergnuegen gehabt. Ein 2002 Masi Campofiorin machte den angenehmen Anfang. Zwar ein Rosso del Veronese IGT, aber rebsortentechnisch nahe genug am Valpolicella, um den Kopf fuer die Gattung hinhalten zu duerfen. Schoene Rundungen und feiner Schmelz vom Ripasso, jedoch ohne die Schwere eines Amarone(artigen), leicht, fast schon zu leicht, zu knapp, zu kurz. Extrem angenehm zu trinken (zu Schweinekotletts), aber ein Wein ohne Komplexitaet und Anspruch. Vielleicht ein bis zwei Jahre warten, ob er noch etwas aufbaut, aber ich perseonlich glaube es nicht. Na, mal schauen, was 2003 den Norditalienern beschert hat. Tommasi Valpolicella Classico Superiore. Hmm. Hmmm! Der helle Wahnsinn fuer so ein Weinchen! Knackige Frische durch saftige Saeure, sehr schoene Frucht, ueberraschendes Volumen, viel Koerper, sehr schoene Laenge, hintenraus das obligate Mandelbitterle. Vielleicht etwas zu saftig fuer Leute, die eher leichte Rote suchen, aber sei es dem Jahrgang gedankt, dass hier ganz nonchalant ein Monument norditalienischer Corvinakultur in Carreramarmor gemeisselt wurde. Extrem wohlschmeckend, extrem animierend, extrem... na, sag ich's halt: lecker. - Jetzt trinken, um die Frische voll auszuleben. Geht das noch besser? Als Ripasso vielleicht? Nein, leider nein. Was der Wein nicht braucht, ist noch mehr Wucht (die er nicht bekommt), noch mehr Schmelz - denn das kommt um den Preis der fehlenden Frische. Entweder meine Flasche war defekt, oder der (natuerlich *deutlich* teurere) Ripasso war ein zu plumper Schuss in den Ofen. Vielleicht baut der Wein auf der Flasche noch etwas auf, denn zu allem Ueberfluss scheint er auch nocht irre eindimensional. Der 2001er war deutlich besser, wenn auch vom Trinkspass immer noch knapp (oder doch nicht so knapp?) unterhalb des 2003er Cl.Sup. angesiedelt. Die Conclusio, lieber einen sehr guten Valpolicalla als einen guten Ripasso auf dem Tisch stehen zu haben, schenke ich mir hier mal, denn es haengt zu sehr vom Essen ab. Ich persoenlich sehe einen guten Ripasso eher zu schwereren Schmorgerichten (mein Standardwein zu Osso Bucco etc.), der Valpolicella machte eine extrem gute Figur zu leichteren Speisen oder Nudeligem. Fuer jedes Toepfchen also das richtige Glaeschen. Es ist halt nur so schwer, preiswerte Ripassi zu finden. Als naechstes aus der Liste: der 2003er Ripasso von Zenato - kennt den jemand? Vielleicht koennen die Muenchner (MFT?) ihre Italien-Erfahrungen einfliessen lassen? Wie sieht es denn 2003 in Bardolino aus oder auf der Ostseite des Gardasees? Groppello, Marzemino, die ueblichen - und sehr wohlschmeckenden - Verdaechtigen halt? Kennt jemand gute 2003er Amaroni? Cheers, Ollie Dieser Beitrag wurde mit dem webbasierten Zugang zum Forum erstellt: www.wein-plus.de/forum/ -- |

