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Datum: 2005-10-31 17:44:50
Absender: Dieter Weitz

Betreff: Re: Blameful Ornellaia - blameless

Hallo Werner,


zunächst mal: hab schon lange nicht mehr so schön lachen können. Leider habe
ich nicht Deinen Humor ;-))
Nur schade, dass ich so weit vom Schuss wohne, sonst hätte ich gerne bei dem
so lustvoll beschriebenen Wochenend-Ereignis mitgemacht.
Was die Italiener angeht, so verstehe ich die Welt nicht mehr. Ich habe seit
Jahren einen sehr freundschaftlichen Kontakt mit der familie Bologna im
Piemont, dort grämt man sich schon lange mit der geizigen Zurückhaltung der
Deutschen. Nur von den überhöhten Preisen möchte niemand herunter. Und in
der Toskana ist das Preis- Leistungsverhältnis schon viel länger aus dem
Ruder gelaufen. Allerdings ist wohl noch nicht die ganze Welt erobert und so
organisiert man inzwischen Promotion-Verkostungen auf dem K2 und am Südpo l
mit grossem Aufwand, um die älteren Jahrgänge, die vor wenigen Jahren noch
ruckzuck ausverkauft waren, unter die Menschen zu bringen, anstatt die Weine
zu reellen Preisen zu verkaufen.
Und wenn ich dann lese, dass ein guter Moselriesling 40 Euro kosten
soll.....wer soll das dann noch trinken? So viele Schönheitschirurgen gibt
es nun auch wieder nicht.
Wish a nice Bridge-Tag-Ende und weiter viel Freude, habe inzwischen auch die
echt feinen Weine von Müllen im Keller, very delicious.


Viele Grüsse
Dieter Weitz

Meine Visitenkarte: www.wein-plus.de/karte/Franz-Dieter
----- Original Message -----
From: "Werner Elflein" <werner.elflein@weinfreaks.de>
To: <weinforum@wein-plus.de>
Sent: Monday, October 31, 2005 4:51 PM
Subject: [weinforum] Re: Blameful Ornellaia - blameless Riesling


>
> Hallo Knalli,
>
> du verkennst einmal wieder völlig, worum es hier geht.
>
>>Ein wunderbarer Beitrag zum Thema ich liebe Riesling und lasse
>>nichts anderes gelten...
>
> Wenn dem so wäre, hätte ich den langen Weg nach Köln nicht auf mich
> genommen, um diese Weine zu probieren. Aus unseren Verkostungen in
> Düsseldorf bin ich - dank der guten Auswahl der Weine - ein deutlich
> höheres Niveau gewohnt. Aber anscheinend muss man Etikettentrinker
> sein, um bestimmte Weine zu verstehen.
>
>>Trink halt keine Italiener, wenn du sie eh von vornherein nur
>>runtermachst.
>
> "Von Vornherein" stimmt nicht, da ich die Weine offensichtlich
> verkostet habe, sonst könnte ich nichts darüber sagen.
>
>>Denn einen 99er Montiano und einen 2001er Primitivo
>>als schlecht oder fehlerhaft zu bezeichnen ist für mich völlig
>>unverständlich.
>
> Der 1999er Lazio Rosso Montiano von Falesco hat auch meine
> Mitverkoster - die sich übrigens in der italienischen Weinszene sehr
> gut auskennen - nicht überzeugt. Der 2001er Primitivo "Vigna San
> Giovanni" von Vale dell'Asso ist ein Lehrbeispiel für Brettanomyces.
> Nenne mir bitte einen guten Grund, warum man dies nicht als
> fehlerhaft bezeichnen sollte!
>
>>Noch unverständlicher wirds bei deinem Vergleich von Ornellaia und
>>Spätburgunder - was hat das miteinander zu tun?
>
> Müssen zwei Weine etwas miteinander zu tun haben, wenn ich sage, dass
> ich den einen grottenschlecht finde und ihm daher den anderen - der
> auch noch im besten Wortsinne preiswert ist - vorziehe?
>
>>Auch wenn das Jahr 2002 ein Katastrophenjahr in Italien war und man
> da
>>vermutlich besser keinen Topwein abgefüllt hätte, das kann man nicht
>
>>vergleichen. Denn diese Preise werden bezahlt, weil die Weine Jahr
> für
>>Jahr grandios sind.
>
> Dass 2002 ein Katastrophenjahr war, konnte man schmecken. Aber auch
> die Ergebnisse aus 2001 - angeblich ein sehr gutes Jahr - waren zum
> großen Teil enttäuschend. Wer den 1990er Montesodi von Frescobaldi
> kannte - und mit diesem Wein war ich jahrelang fast verheiratet -
> dürfte sehr leicht feststellen, dass der überreife und
> eindimensionale 2001er bei weitem nicht dessen Klasse hat.
> Wenn nun ein Jahr wie 2002 dermaßen schwach ausfällt, wie dies in
> Italien offensichtlich der Fall war, hätte - da gebe ich dir Recht -
> in der Tat kein 2002er Ornellaia gefüllt werden dürfen, wenn dem
> Erzeuger seine Glaubwürdigkeit wichtig ist. Dies ist aber offenbar
> nicht der Fall, und daran ändert auch eine Preissenkung nichts. Zudem
> wäre es einmal - sozusagen für die B-Note - interessant zu beleuchten,
> was dieser Wein überhaupt noch mit dem Thema Toskana zu tun hat.
> Wie auch immer: der Begriff "grandios" ist bei mir ein deutlich
> höheres Qualitätsniveau besetzt. Und die hohen Preise machen den Wein
> keinen Deut besser.
>
>>Über die Südtiroler Stilistik kann man diskutieren. Über Elio auch,
>>aber den hast du ja gar nicht erwähnt. Gut sind sie beide, die muss
>>man nur verstehen und ihnen die Zeit geben, die sie brauchen.
>
> Aber Knalli, du wirst doch nicht ernsthaft behaupten, dass ein fast
> blanker Allerwelt-Chardonnay wie der 2004er von Lageder durch Reife
> zulegen kann. Der 2004er Pinot grigio hat starke Gerbstoffe und ist
> auf unschöne Weise bitter - das wird auch nicht mehr besser; der
> 2001er Merlot Alto Adige ist ein marmeladiges Mainstream-Weinchen;
> der 2002er Pinot Grigio Benefizium Porer ist völlig überholzt und
> alkoholisch; der 1999er Merlot MCMXCIX ähnlich verbarriquadiert und
> ohne adäquate Frucht wie der 1998er Cor Römigberg Cabernet Sauvignon.
> Internationale Stilistik vom Übelsten. Dem Konsumenten weiß zu machen,
> das alles brauche noch Zeit, ist in meinen Augen unverantwortlich.
>
>>In Italien gibt es viel verholzte Weine. Die erwähnten zählen nicht
>>wirklich dazu.
>
> Aber auch nicht unwirklich. Wenn ich einen im Barrique ausgebauten
> Wein trinke, möchte ich kein Holz schmecken. Röstaromen sind okay -
> aber kein Holz. Und davon hatten die o. g. Weine eine ganze Menge.
> Erinnerte mich fatal an das groteske Zeug, was einige badische
> Winzergenossenschaften in ihrer Barrique-Lernphase Mitte der
> Neunzigerjahre produziert haben.
>
>>Aber dazu müsste man sich halt einmal vorurteilslos
>>mit der Materie beschäftigen und das geht offenbar nicht mehr.
>
> Keine Sorge, Knalli, für guten Wein habe ich immer eine offene Nase.
> Aber ich lasse mir nicht jeden hochgestylten Mist als vermeintliches
> Spitzenprodukt unterjubeln.
>
> Du hattest nach Elio Altare gefragt. Den habe ich deswegen
> verschwiegen, weil ich mir über die Weine nicht schlüssig sind.
> Aufgrund der harten Tannine würde ich sie erst einmal für zehn Jahre
> weg legen wollen. Auf der anderen Seite hält sich das Gerücht - das
> ich mangelns Verkostungsmöglichkeiten aber leider nicht überprüfen
> kann -, dass die Weine von Elio Altare nicht sehr alt werden können.
> Wenn das richtig ist, taugen die Weine nichts. Wenn nicht, sind sie
> großartig.
> Mehr traue ich dagegen den Weinen von Aldo Conterno zu, speziell:
> 2000er Barolo Bussia Soprana (16/20) und 1997er Barolo Riserva
> Granbussia (17/20+). Sehr gut gefallen hat mir übrigens auch der
> 1999er Brunello di Montalcino von Siro Pacenti.
>
> Viele Grüße
> Werner


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