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Datum: 2005-10-31 16:51:45
Absender: Werner Elflein

Betreff: Re: Blameful Ornellaia - blameless Riesling


Hallo Knalli,

du verkennst einmal wieder völlig, worum es hier geht.

>Ein wunderbarer Beitrag zum Thema ich liebe Riesling und lasse
>nichts anderes gelten...

Wenn dem so wäre, hätte ich den langen Weg nach Köln nicht auf mich
genommen, um diese Weine zu probieren. Aus unseren Verkostungen in
Düsseldorf bin ich - dank der guten Auswahl der Weine - ein deutlich
höheres Niveau gewohnt. Aber anscheinend muss man Etikettentrinker
sein, um bestimmte Weine zu verstehen.

>Trink halt keine Italiener, wenn du sie eh von vornherein nur
>runtermachst.

"Von Vornherein" stimmt nicht, da ich die Weine offensichtlich
verkostet habe, sonst könnte ich nichts darüber sagen.

>Denn einen 99er Montiano und einen 2001er Primitivo
>als schlecht oder fehlerhaft zu bezeichnen ist für mich völlig
>unverständlich.

Der 1999er Lazio Rosso Montiano von Falesco hat auch meine
Mitverkoster - die sich übrigens in der italienischen Weinszene sehr
gut auskennen - nicht überzeugt. Der 2001er Primitivo "Vigna San
Giovanni" von Vale dell'Asso ist ein Lehrbeispiel für Brettanomyces.
Nenne mir bitte einen guten Grund, warum man dies nicht als
fehlerhaft bezeichnen sollte!

>Noch unverständlicher wirds bei deinem Vergleich von Ornellaia und
>Spätburgunder - was hat das miteinander zu tun?

Müssen zwei Weine etwas miteinander zu tun haben, wenn ich sage, dass
ich den einen grottenschlecht finde und ihm daher den anderen - der
auch noch im besten Wortsinne preiswert ist - vorziehe?

>Auch wenn das Jahr 2002 ein Katastrophenjahr in Italien war und man
da
>vermutlich besser keinen Topwein abgefüllt hätte, das kann man nicht

>vergleichen. Denn diese Preise werden bezahlt, weil die Weine Jahr
für
>Jahr grandios sind.

Dass 2002 ein Katastrophenjahr war, konnte man schmecken. Aber auch
die Ergebnisse aus 2001 - angeblich ein sehr gutes Jahr - waren zum
großen Teil enttäuschend. Wer den 1990er Montesodi von Frescobaldi
kannte - und mit diesem Wein war ich jahrelang fast verheiratet -
dürfte sehr leicht feststellen, dass der überreife und
eindimensionale 2001er bei weitem nicht dessen Klasse hat.
Wenn nun ein Jahr wie 2002 dermaßen schwach ausfällt, wie dies in
Italien offensichtlich der Fall war, hätte - da gebe ich dir Recht -
in der Tat kein 2002er Ornellaia gefüllt werden dürfen, wenn dem
Erzeuger seine Glaubwürdigkeit wichtig ist. Dies ist aber offenbar
nicht der Fall, und daran ändert auch eine Preissenkung nichts. Zudem
wäre es einmal - sozusagen für die B-Note - interessant zu beleuchten,
was dieser Wein überhaupt noch mit dem Thema Toskana zu tun hat.
Wie auch immer: der Begriff "grandios" ist bei mir ein deutlich
höheres Qualitätsniveau besetzt. Und die hohen Preise machen den Wein
keinen Deut besser.

>Über die Südtiroler Stilistik kann man diskutieren. Über Elio auch,
>aber den hast du ja gar nicht erwähnt. Gut sind sie beide, die muss
>man nur verstehen und ihnen die Zeit geben, die sie brauchen.

Aber Knalli, du wirst doch nicht ernsthaft behaupten, dass ein fast
blanker Allerwelt-Chardonnay wie der 2004er von Lageder durch Reife
zulegen kann. Der 2004er Pinot grigio hat starke Gerbstoffe und ist
auf unschöne Weise bitter - das wird auch nicht mehr besser; der
2001er Merlot Alto Adige ist ein marmeladiges Mainstream-Weinchen;
der 2002er Pinot Grigio Benefizium Porer ist völlig überholzt und
alkoholisch; der 1999er Merlot MCMXCIX ähnlich verbarriquadiert und
ohne adäquate Frucht wie der 1998er Cor Römigberg Cabernet Sauvignon.
Internationale Stilistik vom Übelsten. Dem Konsumenten weiß zu machen,
das alles brauche noch Zeit, ist in meinen Augen unverantwortlich.

>In Italien gibt es viel verholzte Weine. Die erwähnten zählen nicht
>wirklich dazu.

Aber auch nicht unwirklich. Wenn ich einen im Barrique ausgebauten
Wein trinke, möchte ich kein Holz schmecken. Röstaromen sind okay -
aber kein Holz. Und davon hatten die o. g. Weine eine ganze Menge.
Erinnerte mich fatal an das groteske Zeug, was einige badische
Winzergenossenschaften in ihrer Barrique-Lernphase Mitte der
Neunzigerjahre produziert haben.

>Aber dazu müsste man sich halt einmal vorurteilslos
>mit der Materie beschäftigen und das geht offenbar nicht mehr.

Keine Sorge, Knalli, für guten Wein habe ich immer eine offene Nase.
Aber ich lasse mir nicht jeden hochgestylten Mist als vermeintliches
Spitzenprodukt unterjubeln.

Du hattest nach Elio Altare gefragt. Den habe ich deswegen
verschwiegen, weil ich mir über die Weine nicht schlüssig sind.
Aufgrund der harten Tannine würde ich sie erst einmal für zehn Jahre
weg legen wollen. Auf der anderen Seite hält sich das Gerücht - das
ich mangelns Verkostungsmöglichkeiten aber leider nicht überprüfen
kann -, dass die Weine von Elio Altare nicht sehr alt werden können.
Wenn das richtig ist, taugen die Weine nichts. Wenn nicht, sind sie
großartig.
Mehr traue ich dagegen den Weinen von Aldo Conterno zu, speziell:
2000er Barolo Bussia Soprana (16/20) und 1997er Barolo Riserva
Granbussia (17/20+). Sehr gut gefallen hat mir übrigens auch der
1999er Brunello di Montalcino von Siro Pacenti.

Viele Grüße
Werner

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