| Datum: 2005-10-31 11:57:14 |
| Absender: Werner Elflein |
Betreff: Blameful Ornellaia - blameless Riesling |
Einen beautiful Brücken- bzw. Feiertag wünsche ich euch! Do you know, dass - psychologisch betrachtet - die häufige Verwendung von Anglizismen auf eine histrionisch-/narzisstische Persönlichkeitsstörung hinweisen kann? However, kommen wir zum vergangenen Weinweekend. Samstag, Cologne, 11 Uhr. Großes Italy-Tasting bei FUB am Heumarkt. Unter den presented wineries Lageder, Ornellaia, Elio Altare. Am Ende Ernüchterung. Ornellaia ein big desaster, der 2002er "La Serre Nuove" ein schlecht gemachter Bordeaux-Nachäffer. Very blameful. Wird in puncto Animationsfaktor von jedem halbwegs cleanen 6-Euro-50-Spätburgunder von der Ahr kalt gestellt. Auch das Flaggschiff, der 2002er Ornellaia, kaum remarkable. Kostet 87,50 Euro. What a sh...ame! Aber ein Weltklasse-Spätburgunder aus einer der steilsten Lagen der Ahr für 69,- Euro ist den Herrschaften natürlich too expensive. Klar, wer aus Prestigegründen kistenweise Ornellaia bunkern muss (6 Flaschen in der repräsentativen Holzkiste zum Sonderpreis von 500,- Euro), hat hinterher nichts mehr übrig für einen richtigen Wein. Als "wirklich exzellent" werden die Weine von Falesco, bekannt geworden durch seinen "Vitiano", angepriesen. Ich notiere drei Mal 10/20 points für den 2003er Vitiano, den 2001er Merlot dell'Umbria und den grotesken 1999er Lazio Rosso Montiano (26,90 Euro!). Total spicy die Weine von "Vale dell'Asso"; alle drei vorgestellten Exemplare (2000 Galatina Rosso, 2001 Primitivo "Vigna San Giovanni" und 2000 Nagramaro di Galatino) mit deutlich Brettanomyces. I wrote down: No points, goodbye! Ansonsten sind die Italiener wahre Künstler, wenn es um flüchtige Säure und extrem sperrige Tannine gibt. Und Kunst muss halt extra bezahlt werden. Dachte sich wohl auch Alois Lageder und will etwa für einen gnadenlos zugeholzten 1998er Cor Römigberg Cabernet Sauvignon, den in Rheinhessen wahrscheinlich sogar unser Freund der amtlichen Qualitätsweinprüfung so hinbekommen hätte, etwa 50% von dem sehen, was Deutschlands bester Spätburgunder aller Zeiten kostet. Qualitativ scheitert er jedoch kläglich an der Fünf-Prozent-Hürde. Samstag, 19 Uhr. Abendessen im Restaurant Benoa in Düsseldorf. Kleines 7-Gänge-Menü mit Weinen aus dem Sortiment von Hartwig Frickes "LaVinesse", Wasser und Espresso all inclusive für 65,- Euro. Herausragend unter den Weinen (nicht ganz unerwartet) die 2001er Graacher Himmelreich Riesling Auslese halbtrocken ** von Markus Molitor. Sonntag, Aachen gegen 18 Uhr. Ich erreiche Kornelimünster. Just with a little delay. Eine gutgelaunte Runde. Bernd freut sich auf ein Wiedersehen mit zwei alten Bekannten, die vier Jahre verschollen waren; ich muss mal wieder über Köln ablästern (fragt uns doch dort so eine Radiotante, ob der FC Köln noch zu retten ist - was ich als Fan von Fortuna Düsseldorf jetzt eigentlich weder glaube, noch mir wünsche); mein Nebenmann lässt einen saukomischen Spruch ab ("Das Wasser von Kölle is JOD"); Reinhard Löwensteins 2000er Uhlen macht Spaß; beim nachfolgenden 2001er rate ich richtig: es ist wieder ein Uhlen von Heymann-Löwenstein, und zwar Rothlay. Ich verzichte an dem Abend auf Punkte und merke mir: Blameless++. Nach einigen trockenen Weinen, unter denen sich auch eine ordentliche 2002er Hochheimer Hölle Riesling Auslese Goldkapsel von Künstler befand (blameless, but not more), gingen wir zu den Erfrischungsgetränken, also den restsüße n Rieslingen über. Klassisch und mit Potenzial für ein langes Leben - obwohl eher schlank und leicht angelegt; aber das ist eben die Stärke der Mosel - die 2004er Trarbacher Hühnerberg Riesling Spätlese von Martin Müllen. More than blameless. Für meine Begriffe nicht einen Touch blameful, sondern einfach nur genial, die 2001er Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese * von Markus Molitor; da habe ich beim Griff ins Weinregal den falschen Wein erwischt; sowas sollte man nicht vor 2010 trinken, wenn man wirklich großen Spaß haben möchte. Letzteren hatten wir auf jeden Fall beim "Erraten" einer 1992er Bopparder Hamm Feuerlay Grauer Burgunder Beerenauslese trocken (eigentlich naheliegend, wieso kam niemand drauf? *g*) von Weingart aus Spay am Mittelrhein. Ein absolutes Highlight - und endlich mal ein großer Wein des Erzeugers - die 1993er Oberhäuser Brücke Riesling Auslese von Dönnhoff. Schön auch die "kleinen Süßigkeiten" am Ende des Abends: 1998er Hochheimer Domdechaney Riesling Auslese Goldkapsel (die eine sehr schöne Entwicklung nimmt!) und 2002er Muskat-Ottonel Trockenbeerenauslese "Zwischen den Seen No. weißichnicht" von Alois Kracher (mit schöner Säure gegen die enorme Süße). Weniger schön eine 1999er Josephshöfer Versteigerungs-Auslese vom neuen VDP-Mitglied Reichsgraf von Kesselstatt: deutlicher Muffton (Schimmel). Welcome to VDP! Viele Grüße Werner P.S. Ollie, don't read a book! Don't talk! Drink sweet Riesling! Be happy! Meine Visitenkarte Online: www.wein-plus.de/karte/elflein Dieser Beitrag wurde mit dem webbasierten Zugang zum Forum erstellt: www.wein-plus.de/forum/ -- |
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