Das Weingut „Peter Jakob Kühn“ liegt in der Gemeinde Oestrich im deutschen Anbaugebiet Rheingau. Es wurde im Jahre 1786 von Jacobus Kühn gegründet. Heute wird das Gut in bereits 11. Familien-Generation von Peter Jakob und Angela Kühn geführt. Die Weinberge umfassen 20 Hektar Rebfläche in den Einzellagen Doosberg und Lenchen (Oestrich), St. Nikolaus (Mittelheim), sowie Hendelberg und Jungfer (Hallgarten). Sie sind zu knapp 90% mit Riesling, der Rest hauptsächlich mit Spätburgunder bestockt. Das Weingut ist seit dem Jahre 2009 ein zertifizierter DEMETER-Biobetrieb, was bedeutet, dass in den Weinbergen biodynamische Methoden angewendet werden. Dazu zählt unter anderem, dass im Frühjahr die Weinberge mit organischen Substanzen (Kompost) versorgt und im Spätsommer verschiedene Blumen-, Gräser- und Kräutersamen eingesät werden.
Durch eine selektive Lese, Spontangärung und natürlichen Ausbau werden kraftvolle, mineralische Weine vinifiziert. Die Weißweine werden überwiegend trocken ausgebaut, eine Spezialität des Hauses sind aber auch edelsüße Prädikatsweine. Auf dem Flaschen-Etikett wird bei den trockenen Rieslingen die aufsteigende Linie der Qualitätsstufen mit Trauben gekennzeichnet (0 = Qualitätswein, 1 = Kabinett, 2 = Spätlese, 3 = Spitzenwein). Bei den frucht- und edelsüßen Weinen werden Prädikatsbezeichnungen angeführt. Der Spätburgunder wird seit 1993 in den zwei Versionen klassisch und im Barrique ausgebaut. Es werden auch flaschenvergorene Sekte erzeugt. Seit dem Jahrgang 2005 werden alle Weine mit STELVIN (Drehverschluss) verschlossen. Das Weingut ist Mitglied beim VDP.
Der Jahrgang 2010
Rheingau
Riesling, Weißwein, QbA, Trocken, Eine Traube, Jacobus, 9.20 €
Dass der Jahrgang nicht in jedem Punkt ideale Voraussetzungen bot, merkt man den einfacheren Weinen bei Kühn ebenso an, wie den edelsüßen Spitzen, die nicht ganz so brillant ausgefallen sind, wie in den besten Jahren. Dennoch kann sich das Gebotene absolut sehen lassen, zumal die Dessertweine heute noch vollkommen unentwickelt daherkommen und allesamt noch eine Reifezeit vor sich haben, die in die Jahrzehnte gehen kann. Bei den trockenen Rieslingen ist Peter Kühn auch heuer wieder eine Reihe beeindruckender Weine gelungen, allen voran der "Schlehdorn", der preislich wie qualitativ für den Jahrgang Maßstäbe setzt. Den Wettbewerb der 3-Trauben-Rieslinge gewinnt diesmal wieder der St.-Nikolaus - mit deutlichem Abstand.
Ein hervorragendes Jahr für die Familie Kühn. Neben erstklassigen edelsüßen Rieslingen fallen heuer vor allem die trockenen Exemplare auf, deren Stil Peter Kühn offenbar weiter perfektionierte. Das fällt vor allem beim überragenden Doosberg auf, der frappierend an manche Weine der friulischen Extremwinzer Gravner und Radikon erinnert. Das gilt aber kaum weniger für den St. Nikolaus und den "Landgeflecht". Allesamt beeindrucken sie mit einer komplexen, bisweilen noch etwas wilden Aromatik, großer Feinheit trotz aller Substanz und enormer Mineralität. Ist etwas Restsüße im Spiel, wirkt uns die Aromatik manchmal ein wenig zu unruhig und die Weine wirken nicht immer ideal balanciert. So wird bei Spät- und Auslese, aber auch beim Graziosa erst die Zukunft weisen, ob die Weine in der Lage sind, sich gut zu entwickeln. Der Kabinett allerdings ist schon heute exzellent. Insgesamt ist dies sicher die beste Kollektion seit 2003. Da Peter Kühn nach seinem radikalen Stilwandel Jahr für Jahr sicherer zu werden scheint, haben wir hier wohl auch noch einiges zu erwarten. Großes Kompliment!
Auch 2006 weicht Peter Kühn nicht vom eingeschlagenen Kurs ab und präsentiert eine Serie völlig kompromisslos bereiteter trockener Rieslinge. Die Weine sind fast ausnahmslos dicht, tief und sehr gut strukturiert. Die Mineralität ist überall präsent und die Säure in den meisten Weinen so gut integriert, wie selten in diesem Jahr. Probleme bereiten könnte manchen Weinliebhabern die gewöhnungsbedürftige Aromatik, die neben deutlich pflanzlichen, heuartigen Aromen auch Getreidenoten und manchmal animalische Töne beinhaltet. Wir sind gespannt, wie sich die Weine entwickeln werden. Schon heute großartig ist wieder einmal der St. Nikolaus, der dank seiner Kraft, seiner Tiefe und seiner Komplexität eine ganze Stufe über den anderen trockenen Weinen steht. Wirklich prachtvoll ist auch die gleichzeitig hochkonzentrierte und rassige Trockenbeerenauslese.
Peter Kühns Weine entfernen sich immer weiter vom gebietsüblichen Standard. Das macht es sicher manchen Weinliebhabern nicht leicht, sich mit ihnen anzufreunden. Zu eigenwillig und bisweilen wild sind die Aromen. Dafür glänzen die Rieslinge mit Kompexität, Substanz und großer Tiefe. Sie wirken trotz der ungewohnten Aromatik in Bestform komplett und perfekt balanciert. Die meisten von ihnen dürften sich hervorragend entwickeln und sowohl für sich alleine getrunken als auch als Essensbegleiter über viele Jahre äußerst spannendem Genuss bieten. Der beginnt erfreulicherweise bereits beim "Classic", der außergewöhnlich viel Wein fürs Geld bietet, und damit zu den sehr wenigen erstklassigen Vertretern der Classic-Linie gehört. An der Spitze stehen wieder Doosberg und Nikolaus, wobei wir letzteren nicht zum ersten Mal aufgrund seiner Komplexität und zupackenden Art vorziehen. Nachdem Peter Kühn nun schon das dritte Jahr auf Vier-Sterne-Niveau arbeitet, wird es Zeit, dass wir ihn auch endlich in dieser Klasse einordnen. Glückwunsch!
Peter Kühn geht den 2003 eingeschlagenen Weg konsequent weiter und präsentiert auch in diesem Jahr eine Serie erstklassiger, höchst individueller und spannender Weine, von denen so mancher mit etwas Flaschenreife noch zulegen könnte. Wenn die Noten bisweilen hinter jenen für die Vorjahresweine zurückbleiben, liegt das im wesentlichen an den für das Jahr so typischen Gerbstoffen, die die Rieslinge in ihrer Lebhaftigkeit leicht einschränken. Das letzte Wort scheint uns aber hier noch nicht gesprochen. Wir sehen uns in jedem Fall dazu genötigt, bei gleichbleibendem Qualitätsniveau für 2006 einen Aufstieg anzukündigen. Kompliment.
2003 ist mit Sicherheit der großartigste Jahrgang seit bestehen des Weinguts. Schon die einfachsten Weine sind hochklassig und beeindrucken mit Reintönigkeit und Mineralität. Die Rieslinge der Trauben-Klasse sind durch die Bank absolut erstklassig und werden in ihrer jeweiligen Kategorie deutschlandweit nicht übertroffen. Das Erste Gewächs - der beste unter dieser Bezeichnung bislang entstandene Riesling - hätte gute Chancen auf den trockenen Riesling des Jahres im Rheingau, wäre da nicht das unglaubliche Meisterwerk aus dem Mittelheimer St. Nikolaus. Völlig unverständlicher Weise wurde diesem überragenden trockenen Wein die Zulassung zum Ersten Gewächs einstimmig verweigert, während gleichzeitig einfachste Tropfen, die man besser in der Literflasche vermarktet hätte, anstandslos akzeptiert wurden. Die rest- und edelsüßen Weine sind ebenfalls exzellent. Großes Kompliment.
Die 99er Rieslinge von Peter Kühn sind wieder sehr klar und manchmal sogar rassig ausgefallen. Dabei vermisse ich diesmal etwas die betörende Frucht der vergangenen Jahre. Mag sein, dass sich die Weine im nächsten Jahr deutlich saftiger präsentieren, doch im Moment wirken sie eher schlank und bei aller Reintönigkeit und geradlinigen Struktur weniger beeindruckend, als ich es erwartet hätte. Nichtsdestotrotz sind alle Prädikatsweine mindestens sehr gut und durchweg zu empfehlen und gerade der Spätlese aus dem Lenchen traue ich eine deutlich höhere Wertung in naher Zukunft durchaus zu. Vielleicht werden sich meine Noten allgemein als zu streng erweisen, aber sicher bin ich mir nicht.
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