Das Weingut liegt in der Gemeinde Dernau im deutschen Anbaugebiet Ahr. Angeschlossen ist die seit 200 Jahren in Familienbesitz befindliche Gutsschenke „Hofgarten“. Der heutige Besitzer Werner Näkel studierte Sport- und Mathematik. Im Jahre 1982 übernahm er den elterlichen Betrieb und betrieb Weinbau vorerst nur als Nebenerwerb. Dieser wurde von damals zwei Hektar auf den heutigen Umfang ausgebaut. Er begann mit langen Maischestandzeiten und Barrique-Ausbau zu experimentieren. Ab Ende der 1980-Jahre war der als „Rotwein-Zauberer“ bezeichnete Werner Näkel als innovativer Weinmacher maßgeblich am heutigen hohen Qualitätsniveau an der Ahr beteiligt. Im Jahre 1989 wurde der erste von nun bereits vielen Rotweinpreisen gewonnen. Seine umfassenden Kenntnisse stellte er als Flying Winemaker in Portugal, Südafrika und Gran Canaria und zur Verfügung.
Gemeinsam mit Neil Ellis wurde im Jahre 1996 im südafrikanischen Weinbaugebiet Stellenbosch in der Nähe von Kapstadt das Weingut „Zwalu“ (dt. „Neubeginn“) gegründet. Gemeinsam mit Bernd Philippi (Besitzer des Weingutes Koehler-Ruprecht in der Pfalz) und Bernhard Breuer (Besitzer des Weingutes im Rheingau), mit denen er vorher schon in einigen Projekten zusammengearbeitet hatte, gründete Werner Näkel im Jahre 2000 im portugiesischen Douro-Tal das Weingut „Quinta da Carvalhosa“.
2008 steht nicht gerade in dem Ruf, ein großer Rotweinjahrgang zu sein. Um so erstaunlicher sind die Leistungen von Werner Näkel in diesem Jahr. Die 4 Großen Gewächse aus Spät- und Frühburgunder gehören allesamt zu den besten Rotweinen, die in Deutschland in den letzten Jahrzehnten produziert wurden. Sie verfügen nicht nur über eine erstaunliche Konzentration, sondern auch über Finesse und Komplexität, wie man sie in Deutschland nach wie vor selten findet. So macht nicht zuletzt Werner Näkel ausgerechnet den Jahrgang 2008 zu einem weiteren Meilenstein, was die Entwicklung deutscher roter Burgunder angeht. Unsere Kollektion des Jahres an der Ahr!
Auch in diesem sicherlich nicht leichten Jahrgang ist es Werner Näkel gelungen, wieder eine ganze Reihe sehr guter und ausgezeichneter Weine zu erzeugen. Allein an der Spitze steht in diesem Jahr das große Gewächs vom Pfarrwingert mit seiner ausgesprochen mineralischen Art.
Leider fehlen auch dieses Jahr die Basisqualitäten. Das, was uns Werner Näkel in diesem Jahr an Rotweinen vorstellte, ist allerdings von außergewöhnlicher Güte. Konzentriert, tief und komplex wie die Weine sind, präsentierten sie sich zum Zeitpunkt der Verkostung häufig noch relativ verschlossen. Die Meisten dürften erst mit einiger Reife zeigen, was sie wirklich können. Der gewaltige Kräuterberg gehört allerdings jetzt schon zum Besten, was an Rotwein bislang in Deutschland produziert wurde. Großes Kompliment.
Das vorgestellte Sortiment ist dieses Jahr sehr übersichtlich, bei gewohnt guten Qualitäten. An der Spitze steht für mich der sehr fest strukturierte "S". Auch der Versteigerungswein aus dem Pfarrwingert ist ausgezeichnet, doch wie schon im Vorjahr erschließt sich mir der Qualitätssprung, den der Preis suggeriert, eher nicht. Erfahrungsgemäß benötigen diese Weine jedoch stets einiges an Reifezeit, weshalb hier das letzte Wort womöglich noch nicht gesprochen ist.
Die Palette reicht von klaren, feinsaftigen bis hin zu tiefgründigen, stoffigen und ausgesprochen komplexen Weinen. Gerade in der Spitze sind die Früh- und Spätburgunder zweifellos beeindruckend: es sind die Ausdrucksstärksten des ganzen Gebietes. Dennoch bin ich überzeugt, dass die meisten von ihnen mit etwas weniger Alkohol noch besser ausgefallen wären. Eine Kollektion des Jahres für hartgesottene und Wirkungstrinker.
Leider wurden nur zwei Weine angestellt. Der Frühburgunder gefällt mir sogar besser als die 99er Exemplare und ist dabei mit rund 16 Euro alles andere als teuer. Der Spätburgunder Versteigerungswein brach dagegen alle deutschen Preisrekorde. Dieses Meisterwerk dürfte jedoch mit seiner überragenden Kraft, Komplexität und Struktur in diesem schwierigen Jahrgang nur sehr schwer zu übertreffen sein.
An der Spitze von Werner Näkels 99er Sortiment steht ein Quintett überragender Burgunder, das seinen Status als führender Erzeuger an der Ahr eindrucksvoll bestätigt. So gut die Konkurrenz auch ist, niemand produziert komplexere, tiefgründigere und betörendere Rotweine von den steilen Schieferhängen dieses Gebietes. Einziger Wermutstropfen ist für mich das auch hier sehr großzügig eingesetzte frische Eichenholz. Was gäbe ich dafür, diese betörende Pinot-Noir-Frucht einmal pur kosten zu können!
Wein-Plus ist ein unabhängiges Medium.
Wir legen großen Wert auf die Trennung von Redaktion und Werbung.
Natürlich betreiben wir keinen Handel mit Wein und sind weder direkt noch
indirekt finanziell mit Weinhändlern oder Erzeugern verbunden.
Bitte beachten Sie auch die weiteren rechtlichen Hinweise im Impressum.
Wir respektieren Ihre Privatsphäre. Zu unserer Datenschutzerklärung.