Das Weingut in der Gemeinde Bürgstadt liegt im deutschen Anbaugebiet Franken. Weinbau wird von der Familie Fürst bereits seit dem Jahre 1638 betrieben. Im Jahre 1979 wurde von Paul und Monika Fürst ein neues Gutsgebäude inmitten der Weinberge der Bürgstadter Lage Centgrafenberg errichtet. Die Gesamtrebfläche beträgt knapp 17 Hektar, davon 11 Hektar ausschließlich in Südlage am Centgrafenberg. Der hier vorherrschende Buntsandstein-Verwitterungsboden eignet sich besonders gut für die zwei Sorten Spätburgunder und Riesling. Der Rest teilt sich auf die drei Einzellagen Bischofsberg (Großheubach), Karthäuser (Volkach) und Schlossberg (Klingenberg) auf. Es werden die Rotweinsorten Spätburgunder (7 ha), Frühburgunder und Domina, sowie die Weißweinsorten Riesling, Weißburgunder, Silvaner, Rieslaner und Gewürztraminer kultiviert. Besonders Augenmerk gilt der Weingartenpflege, es erfolgt eine rigorose Ausdünnung, eine sorgfältige Laubpflege und eine selektive Weinlese. Zum Teil wird der Most mit Ganztraubenpressung gewonnen. Paul Fürst steht für qualitativ hochstehenden Barriqueausbau. In geeigneten Jahren werden auch Eisweine gekeltert. Es werden auch flaschenvergorene Sekte und Obstbrände produziert. Das Weingut ist Mitglied im VDP (Verband deutscher Prädikatsweingüter) und eines der fünf fränkischen TRIAS-Weingüter.
Der Jahrgang 2010
Franken: Bürgstadt
Centgrafenberg, Riesling, Weißwein, QbA, Trocken, Großes Gewächs, R
Dass Paul Fürst einer der Pioniere unter den modernen Rotweinproduzenten Deutschlands ist, muss wohl kaum mehr extra erwähnt werden. Doch so sehr er in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts auch seiner Zeit voraus war, so wenig ließ er sich in der Folgezeit von Weinmoden beeindrucken. Seine Früh- und Spätburgunder wurden nicht immer dicker, alkoholstärker und holzbetonter wie so viele andere in den letzten 20 Jahren. Freunde auffälliger Blockbuster-Weine kamen hier immer zu kurz. Paul Fürsts rote Burgunder lebten stets von ihren Feinheiten, ihrer Tiefe und nicht zuletzt vom klaren Ausdruck ihrer Herkunft. Die Stilsicherheit, mit der hier seit bald einem viertel Jahrhundert Rotweine von internationalem Format, aber gleichwohl unverwechselbarem Charakter produziert werden, ist ein rares Gut in der vor schnelllebigen Moden nicht eben gefeiten Weinwelt. So ist es auch kein Wunder, dass Paul Fürst die Auszeichnung „Kollektion des Jahres“ nach den Jahren 2003, 2004 und 2005 nun schon zum vierten Mal erhält. Mit ihr sollen aber nicht nur die exzellenten Rotweine des Jahrgangs 2006 honoriert werden. Auch die Weißweine aus 2007 knüpfen nach einer Phase mit schwankenden Ergebnissen wieder an die besten Zeiten dieses Gutes an.
Sicherlich gehört Paul Fürst zu den besten Erzeugern in Deutschland, doch zumindest bei den Weißweinen haben ihm inzwischen eine ganze Reihe Betriebe den Rang abgelaufen. Die heuer verkosteten Weißen sind zwar allesamt wirklich gelungene Weine, aber doch noch ein gutes Stück von seinen besten Ergebnissen aus früheren Tagen und den Bestleistungen anderer Spitzenwinzer entfernt. Eine Einstufung unter den Fünf-Sterne-Betrieben lässt sich daher im Augenblick nicht mehr rechtfertigen, so schwer uns die Entscheidung auch fällt. Wir sind uns allerdings sicher, dass hier alles unternommen wird, um wieder ganz nach oben zu kommen.
Schon 2004 waren wir mit den Weißweinen bei Paul Fürst nicht ganz glücklich. Leider ist in diesem Bereich auch 2005 nur bedingt gelungen. Bei einigen Weinen fehlt es uns an echter Tiefe und Substanz. Der sehr kompromisslos bereitete Silvaner aus dem Karthäuser gefällt und allerdings ebenso gut wie der Weißburgunder "pur mineral". Doch vor allem bei den Rieslingen würden wir uns für das kommende Jahr eine deutliche Steigerung wünschen. Selbst die Rotweine - hier ist Fürst in Deutschland normalerweise kaum zu schlagen, wie auch die Exemplare aus dem schwierigen Jahrgang 2004 belegen - sind zwar durchweg sehr gut bis ausgezeichnet und machen uns viel Freude, dennoch haben sie uns in anderen Jahren schon stärker beeindruckt. Der Fünf-Sterne-Status gerät so empfindlich ins wanken. Vor allem die Weißweine müssen wieder zulegen, um die Klassifikation halten zu können.
Rieslinge und Silvaner leiden deutlich unter den Jahrgangsbedingungen und wirken eckig und oft auch etwas bitter. Spätburgunder Weißherbst und Weißburgunder haben jedoch auch dieses Jahr Klasse und die Rotweine sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Schon der "Tradition" ist wieder rundum gelungen und die Spitzenburgunder haben in diesem auch für Rotweine schwierigen Jahr im Land nur wenig Konkurrenz.
Zum dritten Mal in Folge bekommt Paul Fürst die Auszeichnung "Kollektion des Jahres". Das liegt nicht etwa daran, dass Franken in qualitativer Hinsicht keine Alternativen böte, sondern schlicht an der überragenden Klasse dieses Weinmachers. Kaum jemand in Deutschland versteht es so gut, mit dem kleinen Holzfass umzugehen. Egal ob es sich um Weiss- oder Rotwein handelt: In beiden Bereichen produziert Paul Fürst stets Erstklassiges. Gleiches gilt für seine im Stahltank ausgebauten Rieslinge und Traminer, die in dieser Eleganz und Rasse in Franken nur wenig Konkurrenz haben. Auch Experimente wie ein weiß gekelteter Spätburgunder aus dem Barrique gelingen ihm großartig. Seine Rotweine sind bereits seit 15 Jahren in Deutschland mustergültig.
2002 ist ein weiterer Meilenstein für Paul Fürst, der ihm endgültig den fünften Stern beschert. Nur wenige Produzenten schaffen es wie er, Jahr für Jahr in den verschiedensten Disziplinen Weine von Weltklasse zu erzeugen. In diesem Jahr begeistert er unter anderem mit einigen neuen Weinen: einem weiß gekelterten Spätburgunder, wie ich ihn noch nie probiert habe und einem ganz großen Gewürztraminer. Beide unterstreichen wieder einmal, in welcher Perfektion Paul Fürst mit dem neuen Holzfass umgeht. Die später eingereichten Roten lassen den für Rotweine eher schwierigen Jahrgang völlig vergessen und dürften in Deutschland wohl kaum übertroffen werden. Neben gewohnt großartigen Burgundern zeigt diesmal auch der Parival "R" echte Klasse. Ganz großes Kompliment!
Der Meister des Barriqueausbaus begeistert sowohl mit erstklassigen 2001er Weißburgundern aus dem neuen Holz als auch mit Spätburgundern, die im Land ihresgleichen suchen. Niemandem sonst in Deutschland gelingt es regelmäßig so perfekt, eine glasklare Burgunderfrucht herauszuarbeiten, der sich das Holz vollkommen unterordnet. Doch auch beim Riesling hat sich Fürst spätestens mit dem Jahrgang 2001 in die Runde der Toperzeuger eingereiht.
Die 2000er Weine sind hier durch die Bank sehr sorgfältig bereitet und schön zu trinken, kommen aber selten an ihre Pendants von 1999 heran. Dabei fallen die Weine aus dem Volkacher Karthäuser jahrgangsbedingt etwas noch besser aus als jene aus Bürgstadt. Deutlich schöner als im Vorjahr präsentiert sich der fest strukturierte "Alte Satz", der mit etwas Flaschenreife sogar noch zulegen kann. Die Spätburgunder des Jahrgangs stehen ziemlich einsam an der Spitze der deutschen Rotweine.
Es würde mich nicht wundern, wenn sich meine Bewertungen in zwei Jahren als zu vorsichtig herausstellen sollten. Alle Weine beeindrucken durch ihre vollkommene Reintönigkeit und ihr feingliedriges Spiel. Während sich bei den trockenen Gewächsen bereits eine feste mineralische Struktur bemerkbar macht, ist diese von der jugendlichen Fruchtigkeit der süßen Weine noch sehr in den Hintergrund gedrängt. Darunter leidet vor allem die Rieslaner Auslese, die zur Zeit noch etwas limonadig daherkommt. Während der trockene Riesling Kabinett im Moment etwas leicht erscheint, habe ich den Eindruck, als besäße die Spätlese noch mehr Dichte und Struktur, als die umwerfende 97er, die gerade beginnt, ihre ganze Klasse zu offenbaren (90 Punkte). Wie bereits nach den ersten Fassproben angekündigt, präsentieren sich die 99er Rotweine auf überragenden Niveau. Noch nie waren die Burgunder hier so gut, wie in diesem Jahr. Paul Fürst erweist sich dabei wieder einmal als ein Meister im Umgang mit dem kleinen Eichenholzfass. Kaum jemand in Deutschland kann ihm hier das Wasser reichen.
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